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Sozialdemokrat

Jentralorgan 6. Deutschen ſozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tſchechoslowakischen Republik

12. Jahrgang.

Die Einheitsfront wanit.

Brür, 11. April. Gestern fand in Brür ein außerordentlicher Kreisparteitag der deutschen Nationalsozialisten statt, auf welchem auch zum Streit Stellung genommen wurde. Der Sekretär des nationalsozialistischen Bergarbeiterverbandes

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.

Redaktion u. Verwaltung: Prag II, Nefázanka 18 Telepb.: 26795, 31469, Racirebatt.( ab 21 Ujr): 33858 Boltichedamt: 57544

Dienstag, 12. April 1932

Der deutsche Fascismus zum zweitenmal geschlagen!

Hindenburg mit absoluter Mehrheit gewählt.

Nr. 87.

Broste erklärte, daß er sich veranlaßt fühle, Stimmenverlust der Harzburger/ Schwere Niederlage der Kommunisten/ Hindenburg

sich von dieser Stelle aus gegen die Vor­würfe und Zersehungsversuche der Kommunisten zu verwahren. Die dicke Freundschaft zwischen Nationalsozialisten, die aus dem gemeinsamen Kampf gegen die koalierten Bergarbeiterverbände entstand, scheint also da­durch, daß die Kommunisten sich Extratouren erlauben, bereits getrübt zu sein.

Der Meißnerschacht bei Brunnersdorf, wo die Kommunisten großen Einfluß haben, hat heute die Fördertätigkeit wieder aufgenommen. Die Belegschaft ist restlos eingefahren.

Die Kommunisten beabsichtigten, and fom menden Donnerstag in den Bezirksstädten große Rundgebungen zu veranstalten. Die Brüger Be­zirksbehörde machte eine Deputation der Zentral­ftreifleitung darauf aufmerksam, daß das Innen­ministerium diese Kundgebung verboten habe. Die Zentralstreifleitung beabsichtigt, eine Abord­nung zum Innenministerium zu entsenden, um die Rücknahme dieses Verbotes zu erwirken.

Revierkonferenzen in Ostrau uneinheitlich.

gewinnt trotz schwächerer Wahlbeteiligung dreiviertel Millionen Stimmen.

Berlin , 11. April. Das vorläufige amtliche. Schlußergebnis des zweiten Wahlganges für die Reichspräsidentenwahl lautet:

4

10. April Stimmen Prozent 36,491,694 19,359.642 13,417.460 3,706.388

53 36.8 10.2

Abgegebene Stimmen Hindenburg Hitler

.

Thälmann

13. März

Stimmen Prozent 37,889.626 18,650.730 49.6 11,339.285 30.1 4,983.197 13.2

Somit wurde Paul von Beneckendorff und von Hindenburg , der am 2. Oktober d. J. 85 Jahre alt wird, für eine weitere siebenjährige periode wiedergewählt.

Der zweite Wahlgang der Reichspräsiden­tenwahl hat keine Ueberraschung ge­bracht. Er bestätigt im großen Ganzen das Ergebnis des ersten Wahlganges vom 13. März. Der im zweiten Gang geeinigten Harz­burger Reaktion ist es nicht gelungen, ihre Stimmenzahl aus dem ersten Wahlgang zu behaupten. Sie hatte am 13. März für ihre beiden Kandidaten rund 14 Millionen Stim men aufgebracht. Nun sind es 13.5 Millionen für den Einheitskandidaten Hitler. Die Nativ­nalsozialisten werden sich zwar damit trösten, daß sie wiederum um zwei Millionen gewach sen seien, aber der ruhige Beurteiler wird sich nicht darüber täuschen lassen, daß die 13.5 Millionen des Herrn Hitler sich auf einige Parteien, zum mindesten auf Nationalsoziali­sten, Deutschnationale und Landvolk, verteilen, so daß der Stimmenzahl Hitlers feineswegs, wie bürgerliche Blätter bereits errechnen wol­len, 230 Reichstagsmandate der NSDAP entsprechen.

Berlin , 10. April. Das Ergebnis der Reichs- besonders heftig war. Dort standen Hitler auch präsidentenwahl lag diesmal verhältnismäßig die meisten Düsterberg- Stimmen zur Verfügung. früh vor. Es entspricht in bezug auf den Aus­gang, namentlich insoweit die Stimmenzahl für Verhältnismäßig ruhiger Verlauf. Hindenburg in Frage kommt, den gehegten er­Der Wahltag hat in Berlin einen verhält wartungen, denn es ist ein Zuwachs der Hinden- nismäßig ruhigen Verlauf genommen; auch burg- Stimmen um über 700.000 eingetreten. int Reich ist er im allgemeinen ohne größere Hindenburg hat im zweiten Wahlgang nicht ernste Zwischenfälle verlaufen. Nur in Sam nur die vorgeschriebene relative, sondern auch die burg fam es am Nachmittag in der Anfelmann absolute Mehrheit erlangt und um mehr als straße zu einer Schießerei zwischen National eine Million Stimmen überschritten. Dieses Erfozialisten und Kommunisten, bei der eine Mähr.- Ostrau, 10. April. Die Bergarbeiter gebnis wäre ohne die Splitterkandidaturen schon Person getötet und mehrere verlegt wur gewerkschaften des Ostran- Karwiner Revieres im ersten Wahlgang erreicht worden. Hitler hat zwischen dem ersten und dem den. Am Vorabend der Wahl fam es mehrfach hielten heute gesondert Revierkonfe= In 31 von den 35 Wahlkreisen ist die Ziffer noch zu schweren Zusammenstößen; so wurden in veiten Wahlgang seine Taktik geändert. Er renzen ab, in denen sie zu den Brager Verfür Hindenburg gewachsen, in vier weiteren Serringen( Westfalen ) ant Sonntag nach verhieß nun nicht mehr wie vor dem 13. März einbarungen über die Lösung des Ostrau- Star- ist sie allerdings nicht mehr als um 1 Prozent, mittags etwa 60 Mitglieder des Reichsbanners, den sicheren Sieg, sondern erklärte sehr vor­winer Konfliktes Stellung nahmen. Der jozial- also weniger als die Differen; der gesamten die Wahlzettel verteilten, von 50 bis 100 omsichtig, er werde ,, mehr Stimmen als im ersten demokratische Svaz horníků" beschloß, daß die Wahlbeteiligung beträgt, zurückgegangen. munisten überfallen, die mit nägelbejezten Wahlgang" erhalten. Das war unschwer zu er­Prager Vereinbarungen in dieser Konferenz Hitler hat in sämtlichen Wahlkreisen Baunlatten auf sie einschlugen und eine Anzahl raten, da die Düsterberg Wähler ihm zum nicht abgelehnt werden, sondern daß darüber in den Mitgliederversammlungen der einzelnen einen Zuwachs zu verzeichnen, mit Ausnahme Schüsse abgaben. Zwei Personen wurden größten Teil sicher waren. Die agitatorischen Gruppen, die diese Woche zusammentreten, abge von Oberbayern - Schwaben , wo ein fleiner. Rüd durch Bauch- und Lungenschüsse lebens größten Teil sicher waren. Die agitatorischen lebens- Anstrengungen stimmt werde. Die Bergarbeiterfektion des fajci gang eingetreten ist. Die Thälmann - Stimmen gefährlich verlebt; außer ihnen mußten Anstrengungen der Nazi aber, die in der Woche stischen Národní sdružení" stimmte einmütig find in allen Wahlkreisen start zurückgegangen, noch drei Schwerverleẞte ins Krankenhaus ge- vor dem zweiten Treffen alles überſtiegen, was bracht werden. Eine Anzahl weiterer Personen Europa oder Amerika auf dem Gebiet politi­den Prager Abmachungen zu. Die Kommunisten zum Teil um mehr als ein Drittel. wurde durch Schläge mit Zaunlatten zum Teil schen Marktschreiertums bisher erlebt hatte, Ichnten sie ab und verlangen den Streit. erheblich verletzt. beginn im Revier. Die nationalsozialistische Jednota" lehnte die Prager Vereinbarungen ab. Der christlichsoziale Svaz"( Richtung Cu­řít) verlangt, daß eine gemeinsame Beratung aller Arbeitergewerkschaften einberufen werde, in der die Angelegenheit beraten würde.

Distontherablegung um ein Prozent.

Ueber den durchschnittlichen Zuwachs hin aus hat Hindenburg Stimmen gewonnen in Ost­ preußen , Potsdam I, Frankfurt a. d. O., Pom­Kabinett Brüning bestätigt. mern, Liegnig, Oppeln , Thüringen , Osthannover, Niederbayern , Chemnitz , Württemberg und Med- Reichstanzler Dr. Brüning bot heute der lenburg. Der Zuwachs Hitlers ist besonders start Gepflogenheit entsprechend, dem Reichspräsiden­in Berlin , Potsdam I und Potsdam II, Pomten die Demission des Kabinetts an. Reichs mern, Thüringen und Dresden , d. h. in großen präsident v. Hindenburg ersuchte den Kanzler, Städten, wo die Agitation in den letzten Wochen von dieser Demission abzusehen.

Weitere Notmaßnahmen in Desterreich.

zielten doch auf einen größeren Erfolg als die bloße Behauptung der Harzburger Stimmen ab. Die Nazi hofften vor allemt, daß die Wäh­ler der republikanischen Front ermüden und der Urne fernbleiben würden, während die Rechte die letzten Kräfte anspannen könnte. So schien es immerhin möglich, daß Hindenburg auf 16 oder 17 Millionen sinken, Hitler auf 14 bis 15 Millionen anwachsen könnte, was einen gewaltigen moralischen Erfolg des Fascismus bedeutet hätte. Diese Erwartung oder Hoffnung der Nationalsozialisten ist nicht wie vor eingetreten. Obwohl Hitler allem die Berliner Wahlkreise zeigen

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Einstellung der Zinszahlungen an das Ausland erwogen. Wien , 11. April. ( AN.) Im Hauptausschuß Ausländische Kontrolle- niemals! ahs von den Kommunisten be­

Prag, 11. April. Die tschechoslowakische Nationalbant hat in ihrer heutigen Sigung mit Gültigkeit ab 12. April d. J. den Eskomptejas um 1 Prozent, d. i. von 6 auf 5 Prozent, den Lombardsaß für Staatspapiere um ein halbes Prozent, d. i. von 7 auf 6%, für die übrigen des Nationalrates erstattete heute Bundeskanzler Papiere gleichfalls um ein halbes Prozent, d. i. Dr. Buresch einen ausführlichen Bericht über die bon 7% auf 7 Prozent, herabgesetzt. auswärtige Lage.

Dienftantritt des neuen Eisenbahn minifters.

Prag , 11. April. Der Präsident der Republik empfing heute in Lana den neuernannten Eisen­bahnminister Ing. Josef Hala, der in die Hand des Präsidenten den von der Verfassung vorge­schriebenen Eid ablegte.

Der zurüdgetretene Eisenbahnminister Nu­dolf MIě och hat sich Samstag von den leiten­den Beamten des Eisenbahnministeriums ver­abschiedet. Der neuernannte Eisenbahnminister Ing. Josef Hula trat Montag, den 11. April, vormittags, jein Amt an, bei welcher Gelegenheit er von den Departementsvorständen seines Ref­forts begrüßt wurde.

Er erklärte weiter, der jamstägige Mini­sterrat, über dessen Verlauf vollkommen falsche und nur zur Beunruhigung der Be­völkerung dienende Mitteilungen in einem Montagsblatt erschienen seien, habe beschlossen, daß das Ministerkomitee für wirtschaftliche Angelegenheiten ungesäumt zusammenzutreten habe, um Anträge bezüglich der Einschrän tung der Einfuhr und weitere Schritte in handelspolitischen Fragen vorzubereiten. Das Kabinett halte dies für notwendig, um auf alle Fälle vorbereitet zu sein.

Ueber die samstägigen Beratungen des Ministerrates hatte der Morgen" berichtet, daß die agrarischen Minister sehr radikale Anträge stellten und verlangten, daß der Bundeskanzler Dr. Buresch sich unverzüglich nach Berlin und Das neue Stadium des Donauproblems Rom begebe, um mit den beiden Ländern ohne Rücksicht auf Frankreich und England so fort von einem Mittagessen Tardieu- Beneš ausgehend? Bräferenzsölle abzuschließen, und daß Genf , 11. April. Der französische Minister- Desterreich bereits am 15. April die Ueberwei­präsident Tardieu hat heute das Mittagessen fung der Zinsen und Annuitäten für die Aus mit Außenminister Dr. Beneš eingenommen. landsanleihen einstellen möge. Nur mit großer Dieses gemeinsame Dejeuner wird von den Gen Mühe sei es dem Bundeskanzler gelungen zu er fer Berichterstattern der Pariser Blätter mit dem reichen, daß die Anträge der Opposition zurüd Umstande in Verbindung gebracht, daß die genommen wurden. Man habe sich schließlich mit Frage der Zusammenarbeit der Donaustaaten in der Ankündigung von Einfuhrverboten und von Präferenzverträgen begnügt.

ein neues Stadium tritt.

Rede Dr. Bauers im Hauptausschuß.

kommen und vier Fünftel der Stimmen Düsterbergs an sich gezogen hat, bleibt seine Wahlzahl vom 10. April um eine halbe Mil­lion hinter der Stimmenzahl der Harzburger vom 13. März zurüd.

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In der Debatte im Hauptausschuß erklärte Dr. Bauer( Sozialdemokrat), die Regierung könne auf die Unterstützung der Mehrheit der Volksvertretung nur dann rechnen, wenn Pläne von Vorzugszöllen von allen außen- und Dagegen konnten die republikani­innenpolitischen Kombinationen völlig freigehalten schen Parteien trotz des Rückganges der werden. Wahlbeteiligung es sind fast eineinhalb Eine ausländische Kontrolle über die Millionen Wähler weniger an der Urne er­- ihrem Kandidaten Länder und Gemeinden und über die soziale schienen als im März Gesetzgebung würden die Sozialdemokraten 700.000 neue Stimmen erobern, so daß niemals zulassen. Wenn sich zeige, daß aus die absolute Mehrheit für Hindenburg , zu der ländische Hilfe nicht oder nur unter entwür im ersten Wahlgang ein halbes Prozent fehlte, digenden Bedingungen zu erreichen sei, müßte nun mit 53 Prozent der Gesamtstimmzahl man den Mut haben, die Frage zu erwägen, erreicht wurde. Diese Ziffer enthält vor allem wieweit man den Zinsendienst an das Ausland die Stimmen der Sozialdemokra­noch aufrechterhalten kann, denn keinem Staat

fönne zugemutet werden, seine Bevölkerung tie und man kann wohl sagen, daß ein be­zugrundegehen zu lassen, nur damit er die trächtlicher Teil des Zuwachses an Hindenburg­Zinsen an das Ausland in ausländischer stimmen der Sozialdemokratie gutzuschreiben Währung bezahle. ist, da ja Hindenburg höchstens 400.000

Bundeskanzler Dr. Buresch erklärte am Düsterberg- Stimmen erhalten hat. Trotzdem Schluß der Debatte, die Regierung stehe auf dem darf man die Hoffnungen für die Landtags­Standpunkte, Vorzugszölle nicht allein von den wahlen in Preußen nicht zu hoch spannen, da Nachbarstaaten, sondern auch von allen gerade die Wahlkreise, die sich mit gewaltiger Staaten, die mit Desterreich im Verkehr stehen, Mehrheit für Hindenburg entschieden haben, zu verlangen. Der Weg für Desterreich könne nur dann frei gemacht werden, wenn man mit zum guten Teil außerhalb Preußens liegen, den westlichen und südlichen Staaten, während die agrarischen Kreise Ostelbiens auch nach denen der Export drängt, Präferenzen diesmal Hitlers beste Burgen waren. Deut­licher noch als im ersten Wahlgang zeigte sich

bereinbaren fann.