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Nr. 261.

Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Preis für Berlin : Vierteljährlich 3,30 Mart, monat lich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit bem ,, Sonntags- Blatt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Unter Kreuzband : Für Deutschland u.Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1891 unter Nr. 6469.

Vorwürts

8. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins: und Versammlungs- Anzeigen 20 ẞfg Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Fernsprech- Anschluß: Amt VI, Nr. 4106.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Hallali!

Sonnabend, den 7. November 1891.

Expedition: Beuth- Straße 3.

verzichten würde, auch auf die Gefahr hin, einmal selbst Als der Generalpostmeister Stephan seinen Geburts­unliebsame Erfahrungen mit ihm zu machen. tag feierte, hat ihm der Kaiser sein Bild mit der viel­Die Byzantiner des Deutschfreisinns haben die Stif- Während die schlecht oder gar nicht befriedigte Schau- besprochenen eigenhändigen Unterschrift geschenkt, daß tung des Begasbrunnens am Schloßplate auf ihrem lust, der ungesſtillte Drang, Hoch zu schreien und über unsere Zeit im Zeichen des Verkehrs stehe. Eine Kerbholz, und sie haben ihren Lohn bereits dahin. Man hösischen Brunt, glänzende Uniformen, prächtige Karossen packende Illustration zu diesem durch und durch modernen ebe nur, wie die liberalen Blätter sich über die Ab- in Verzückung zu gerathen und den geschmeidigen Rücken Wort liefert die feudale Sauhatz im Grunewald am perrungsmaßregeln entrüften, die den Berliner Philister zu beugen, dem Philisterthum und seinen Organen heiße 3. November. Wäre nicht der Dampfwagen, nicht die zehindert haben, seine Neugier am Tage der Denkmals- Thränen entlockt, geht es mit bemerkenswerther Eile, ohne Schienenstraße, man könnte sich in die Zeit vor der enthüllung ausgiebig zu stillen. Die Vossische Zeitung" auch nur eine kritische Randbemerkung zu wagen, über großen Revolution zurückverjetzt glauben, als die Junker treifert sich über ein Verfahren, das wohl in Mostau andere Geschehnisse hinweg, die es eher verdienten, ohne wie die Windsbraut über die Saatfelder der Bauern ein­oder Petersburg am Blaze, in Berlin aber durchaus ver- Rückhalt besprochen zu werden. So findet sich in den herfuhren, die Hoffnung des Landsmannes feck und werflich sei, und mit Freude theilt sie ähnliche Kund- Bourgeoiszeitungen folgende Notiz: mitleidslos zerstampfend. gebungen anderer Organe mit. In einem gesitteten Staate wird das Plaisir eines

Wir gönnen dem Spießbürgerthum den Neptuns­brunnen, dessen Vorgeschichte ein Ruhmesblatt im Buche deutschfreisinniger Knechtschaffenheit bildet, wir gönnen ihm auch die verächtliche Behandlung von oben herab, die ihm am letzten Sonntag widerfahren ist. Die weibische Klage darüber, daß die Presse" zur Feier nicht eingeladen worden ei, ist im Einklang mit dem schmählichen Verhalten dieser Journalistik, welche über die kaum empfangene brennende Dhrfeige, welche ihr der Kaiser ertheilte, nicht besser zu quittiren wußte, als durch eine devoteste Imitation des Kaisers zum Feste des Vereins Berliner Presse, eine Imitation, die so servil ergangen ist, wie sie deutlich­bündig abgelehnt wurde. Dieselben Hungerkandidaten"

find

werden.

" Die Hubertusjagd, welche am 3. November stattfand, hat es wieder herbeigeführt, daß auf der durch den Grunewald Einzelnen, und sei dieser noch so hoch gefürstet, niemals führenden Eisenbahn eine Betriebsstörung eintrat. Unser die Sagungen antasten, welche dem gemeinen Wesen zu Potsdamer Berichterstatter befand sich in dem um 1 Uhr Nutz und Frommen gegeben sind. Und es klingen uns 20 Minuten von Potsdam nach Berlin gehenden Stadtbahn- Allen noch in die Ohren die stolz- bewußten Worte des auge. Raum hatte der Zug den Schlachtensee passirt, als er plöglich mitten im Walde anhielt. Es stellte sich heraus, daß königlichen Erlasses, in dem Wilhelm II. sich den Schirm­das gehegte Schwein über die Eisenbahn nach Schild- herrn der Gesetze genannt und scharf betont hat, daß in horn zu gelaufen war, dann wieder gewechselt hatte und nun seinem Namen das Recht gesprochen werde. abermals über den Bahnkörper gelaufen war. Vom Zuge aus Kein Gesez, kein Artikel der Verfassung verbürgt erblickte man nun die Meute, gefolgt von den Läufern und den Rothröcken, mit dem Kaiser an der Spitze, in langer Reihe irgendwem das seltsame Vorrecht, den öffentlichen Verkehr über den Bahndamm setzen, den Schluß bildete eine größere zu unterbrechen, nur um eine wilde Sau zu Tobe zu Anzahl föniglicher und anderer Equipagen. Erst nach etwa hetzen. Es wäre deshalb zu wünschen, daß irgend ein einer halben Stunde konnte der Zug seine Fahrt fort­setzen. Auch der von Berlin Friedrichstraße um 1 Uhr Passagier, der durch die Verspätung einen nachweisbaren 19 Minuten nach Potsdam gehende Stadtbahnzug mußte der Schant erlitten, vor Gericht auf Schadenersatz flagt und Jagdwagen wegen hinter Station Grunewald eine halbe Stunde| thatkräftig seine Sache durchficht. Es wird keine Richter, halten bleiben." so hoffen wir, in Berlin geben, welche die Hubertusjagd

untröstlich darüber, daß man sie am Sonntag links liegen ließ, und ihr Aerger macht sich Luft in den lärmenden und doch wie zahmen Beschwerden über das Die Sauhat vornehmer Herren setzt über Wege und für eine force majeure, für eine höhere Gewalt erachten schneidige Vorgehen der Polizei, über die Postenkette, Stege, über Dämme und Schienen gerade so munter hin- werden. Verantwortlich sind diejenigen, welche privaten welche den Zuschauern den Ellnbogenraum einengte, über weg, wie über eine gefeßlich geregelte Ordnung. Hier wie Vergnügen des Hofes ein gesetzlich verbürgtes, ein ordnungs­Die von Schuhleuten eskortirten und aufgehaltenen Pferde- dort werden die Schranken über den Haufen geworfen, nungsgemäß erworbenes Recht aufopfern, und es ist dies Ber­bahnwagen u. f. w. Ein freiheitlich gesinnter Bürger damit der Jagdlust genügt, und eine Wildsau nach allen halten scharfzu rügen und ernst zu ahnden. Eine staatliche Be­hatte am Schloßplage nichts zu thun, als von dem Mach- Regeln der Waidmannskunst zu Tode gejagt werden kann. hörde, welche einen Staatsbetrieb, unterhalten von der werke des Herrn Vegas die Hülle fiel, und Lakaien Mag der Bahnverkehr auch unterbrochen, mag der Be- Gesammtheit der Staatsangehörigen, dem subjektiven Be­bürfen sich nicht beschweren, wenn sie herrisch behandelt trieb einer öffentlichen Anstalt, welche dem gemeinen lieben eines Mächtigen unterordnet, ist zur Rechenschaft Nugen dient, auch gestört werden, der lustige Klang des zu ziehen

eine

-

So müßte der Liberalismus, wenn er noch Blut in Unser Urtheil über polizeiliche Eingriffe und Ueber- Sifthorns, das Gebell der kläffenden Meute, der Hufschlag griffe, über die ganze Polizeiwirthschaft steht so fest und der schnaubenden Gäule, die bunte Kavalkade sind ein den Adern und Mark in den Knochen hätte, sprechen und ist so bekannt, daß es nicht erst vieler Worte bedarf, um hinreichender Ersatz für solch eine Verlegung der staat - schreiben. Denn wir haben keinen Anlaß, zu viel Auf­unsere Stellung zu kennzeichnen. Erfährt der loyale lichen Vorschriften. Werden die Reisenden auch zu spät hebens von einem Vorkommniß zu machen, welches nur Spießer, einmal am eigenen Leibe die polizeiliche Rück- an ihr Ziel befördert, erleiden fie vielleicht auch zu gut in den Rahmen des herrschenden Systems hinein­fichtslosigkeit, welche ihn nicht berührt, ja welche ihm Verluste durch Zeitversäumniß, die nicht paßt. als etwas Selbstverständliches und Löbliches erscheint, so wieder einzuholen ist, werden ste aufgehalten Aber die Bourgeoisie kriecht feig zu Kreuz. Auf der bald sie sich gegen die Arbeiter richtet, so ist dies eine oder geschädigt, die Hubertusjagd ist ein ausreichender politischen Hubertusjagd der letzten vierzig Jahre ist der Lehre, die dem Helden der Weißbierstube zu denken giebt. Grund, der jeden Verstoß rechtfertigt. Der Fahrplan auf Liberalismus den übermüthigen Junkern mit Obwohl wir an eine nachhaltige Wirkung auf die Einsicht den Kopf gestellt, die Züge verspätet, nicht weil eine jauchzendem Hallali zur Strecke gebracht worden. und das Rückgrad des Philisters nie und nimmer zu höhere Gewalt den Gang der Dinge hemmte, sondern um glauben vermögen. Der Polizeifnüppel ist ein zu brauch- eines von Roß und Reisigen, von Hunden und Piqueuren bares Werkzeug des Klassenstaates, als daß man auf ihn gejagten Wildschweins willen.

Feuilleton.

Nachdrud verboten.]

Er kehrt zurück! Driginalroman von Jean Meroz.

[ 61

Und indem sie ihre Rede unterbrach, band sie ihrem

und sie wird glücklich sein, Euch zu sehen und mit Euch den Abend zu verbringen.

-

Sind Sie vollkommen geheilt, Larivette?

- Ja, Herr Deshommes, vollständig!

Nun, um so besser, auf Wiedersehen, morgen wer­den wir länger plaudern. Als Charlotte die Stimmen ihrer beiden Freunde, be­sonders die Lariretten's hörte, gerieth sie in freudige Er­regung.

Bater, ohne sich um sein Widerstreben zu kümmern, ein hinunter und rief: Prachtvolles Halstuch von rother Seide um den Hals.

-

-Aber laß mich doch, ich bin nicht frostig.

Fahne tragen willst." D, Du böser Papa, der Du nicht die Farbe Deiner

Lachens nicht erwehren. Troz seiner Traurigkeit konnte sich Marche- Seul des Er war überwinden.

Nachdem er Charlotte zwei herzliche Rüffe gegeben hatte. bie sie ihm mit Zinsen zurückgab, wandte er sich nach der Thür und begann die Treppen hinabzusteigen, während das junge Mädchen ihm leuchtete.

-

Guten Abend, Herrr Deshommes!

D, welches Glück! Ganz selig sprang sie die Treppe Kommt schnell herauf, kommt schnell herauf, o Larirette, wie sehne ich mich danach, Dich zu um­armen! Guten Abend, Charlotte! Aber Du willst wohl die Treppe herabstürzen, unvorsichtige?

-

thränen.

von

Sie kamen alle Drei in der Wohnung an.

Larirette hatte ihr wollenes Tuch abgelegt, ihre Ueber­schuhe ausgezogen und sich an den warmen Ofen gesetzt.

-

Hier ist es hübscher als draußen, sagte sie, indem sie versuchte sich von der Kälte zu befreien, welche sie heftig durchschauerte, so daß sie noch jetzt wider ihren Willen zitterte. Charlotte hatte sich beeilt eine Kasserole ans Feuer zu setzen und Wein nebst einigen Stücken Zucker hinein­zugießen. Ju einigen Minuten war der heiße Wein, der feineswegs theuer, aber trotzdem stärkend war, fertig und wurde eiligst in zwei Gläser gegossen.

-

- Und Sie, Fräulein Charlotte? sagte Mijoulet. D, ich trinke nicht, ich habe soeben gegessen, und ich bin nicht erfroren. Und dann glaube ich, daß dies mir nicht gut thut. Ich fühle mich heut Abend traurig und in schlechter Stimmung. Das Lächeln,

Larivette betrachtete sie neugierig.

Und die drei Freunde brachen in herzliches Gelächter aus. Sie liebten einander so sehr. Als sie sich trafen, welches dem ersten Augenblick der Begrüßung gefolgt war, gab Charlotte Mijoulet eiligst den Leuchter zu halten und war verschwunden. Sie fühlte sich verlegen. Sie war ge­flog der kleinen Blumenhändlerin an den Hals. Die beiden kommen, um Charlotte und ihren Vater zu sehen und auch jungen Mädchen umarmten einander und vergossen Freuden- von dem seltsamen Besuch zu sprechen, den sie an dem Morgen des Tages in ihrem Laden erhalten hatte. Jetzt wußte Danke, Larirette, für das schöne Bouquet, das Du sie nicht, was sie thun sollte, da Marche- Seul abwesend war - Guten Abend, Vater, auf Wiedersehen! Guten Abend, Töchterchen, ich werde bald zurück mir heute Morgen geschickt hast. Du sollst sehen, wie frisch und wahrscheinlich erst sehr spät in der Nacht zurück­fein. Sobald Charlotte annahm, daß ihr Vater unten an die Veilchen sind. Sie stehen im Wasser und alle sind jetzt lehren würde. Dafür konnte sie mit um so größerer Freiheit von gelangt war, schickte sie sich an zurückzukehren; da plötzlich aufgeblüht. hörte sie im Hausflur Lariretten's und Mijoulet's Stimme. Wie Du hast leiden müssen! Auch ich bin sehr un- Robert Guidal sprechen; sie war selig bei dem Gedanken glücklich gewesen. Mein armer Vater ist so schwer ver- an das Glück, welches Charlotten bevorstand. Aber was bei der kleinen Blumenhändlerin im Vorder­wundet worden und war so lange krank. Doch gehen wir hinauf, Ihr müßt erfroren sein! Ich grund des Interesses stand, das war die durch die Er­will Euch eine heiße Weinbowle machen, und dann wollen scheinung und durch die seltsamen Fragen der schwarz ver­schleierten Dame hervorgerufene Unruhe, eine Unruhe, Charlotte ist oben. Es ist hübsch warm in der Stubelwir beim Feuer ein bischen plaudern.

Guten Abend, Kinder! Ich kann mich nicht auf halten, ich habe es sehr eilig. Man erwartet mich, und ich werde so wie so zu spät kommen.