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Sozialdemokrat

Zentralorgan 6. Deutschen ſozialdemokratiſchen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik.

12 Jahrgang.

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb.

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Donnerstag, 6 Oktober 1932

Nr. 236.

sterreinische Sozialdemokratie Dänemark als Beispiel. Argumente

fordert Neuwahlen.

Gegen Fascismus und Verfassungsbruch.

Wien , 5. Oktober. ( Eigenbericht.) Vorige Woche hat die Regierung auf Grund des Kriegswirtschafts- Ermächtigungs­gejeges vom Jahre 1917 eine Verordnung erlassen, die es ihr ermöglichen soll, das Ver­mögen der an dem Zusammenbruch der Kredit­anstalt- Schuldigen zum Schadenersah heranzu­ziehen. Die sozialdemokratische Partei­leitung hat in einer Kundgebung am Montag fest­gestellt, daß sie sachlich für diese Verordnung wäre, daß sie aber die Berufung auf das Gesetz vom Jahre 1917 als verfassungswidrig und als eine Gefahr für die Demokratie ansehe,

Erhöhte Ausgaben für die Arbeitslosen, Herabsetzung des Militärbudgets.

Kopenhagen , 5. Oktober. Finanzminister Bramsnaes hat dem Folketing das Bud get für 1933/34 unterbreitet. Darin wird eine Erhöhung der Ausgaben gegen­über dem bisherigen Budget um 2.5 Millionen Kronen verlangt. Die Erhöhung fällt hauptsächlich auf Konto der wachsenden Ausgaben zur Unterstützung der Arbeits­losen. Demgegenüber wird das Budget des Kriegs- und Marinemini­steriums um 3.5 Millionen verringert. Gleichzeitig hat der Finanzminister den Rechnungsabschluß für 1931/32 vorgelegt, der einen Ueberschuß von 90.000 Kronen aufweist.

Es kracht im Naziladen!

da die Regierung damit das Parlament Hitlers Pleite: ausschalten könne. Gestern hat der Staatsanwalt gegen die Arbeiter­zeitung" eine Anlage wegen Er= pressung erhoben, weil sie eine Boykott­liste veröffentlicht hat. Heute hat der Verband der sozialdemokratischen Abgeord neten einen Beschluß gefaßt, der sich sowohl

Ein Rundschreiben der Opposition.

Versprechungen erfüllen. Hitler aber lehnte stolz ab.

Der Hitler - Laden kracht in allen Fugen. In preußischer Ministerpräsident werden. Warum nahm gegen die Diktaturgelüfte wie auch gegen die An- den größeren Ortsgruppen beginnt sich eine traf er denn nicht an? Von dieser Position aus konnten griffe auf die gewerkschaftlichen Kampfmittel wen­det. Der Beschluß verlangt jo fortige Einige Opposition herauszubilden. Hier und dort ist wir weiterkämpfen, und wir konnten viel von unseren det. Der Beschluß verlangt jo fortige Ein die innere Zersplitterung der NSDAP . bereits berufung des Parlaments, damit die soweit gediehen, daß die mit der Bonzokratie in Sozialdemokraten dort sofort verlangen Fönnen, der Hakenkreuzpartei Unzufriedenen einen eigenen daß der verfassungswidrige Erlaß durch ein ver- Bertrauensmännerkörper aufziehen. Näheren Auf­fassungsgemäßes Gefeß ersetzt werde. schluß über diese Entwicklung gibt nachstehendes Ferner tündigen die sozialdemokratischen Abgeord Rundschreiben, das ein günstiger Wind dieser neten an, daß sie gegen die verfassungsbrecheri Tage der Schlesischen Bergwacht", dem fozial schen fascistischen Pläne der Regierung den schärf demokratischen Blatt in Waldenburg, auf den ften Kampf führen werden und daß fie die Auf- Redaktionstisch wehte: lösung des Parlaments und Neu­wahlen verlangen. Zum Schluß rufen sie die Arbeiter auf, sich gegen die Anschläge der Regie­rung zu wehren.

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Breslau , den 20. September 1932. Werte Pg. und Pg.3! Jest zeigt sich auf der ganzen Linie, wie berech tigt die Warnungsrufe der Opposition in der NSDAP . gewesen sind. Aber systematisch und brutal Die beabsichtigte Londoner rden wir mundtot gemacht. Wer wagt es heute Konferenz. noch, unsere rechtzeitig angewandte Stritit als unbe­rechtigt oder, wie man immer so schön sagte, als Stänkerei zu bezeichnen? Werte Pg. und Pg.s! Was haben die verbonzten Führer aus unserer herrlichen Bewegung gemacht! Wir stehen schon wieder einmal vor Neuwahlen;

Der Standpunpt Deutschlands . Berlin , 5. Ottober. Wie das Conti- Nachrich Berlin , 5. Oktober. Wie das Conti- Nachrich tenbüro von unterrichteter Seite zu der gesteen überreichten Einladung durch den englischen Ge­schäftsträger zu einer Konferenz in London erfährt, ist bisher deutscherseits eine Antwort darauf noch nicht erteilt worden.

es steht schon jeẞt fest, daß diese Wahlen für uns eine zerschmetternde Niederlage bringen werden. Wir haben in der Vergangenheit viele hundert Mark für unsere Bewegung gesammelt, auch viele Lebens­mittel für unsere SA . Wenn wir jetzt sammeln gehen, fertigt man uns furz ab. Viele sagen: Die NSDAP . hat auch bloß viel versprochen, aber nichts gehalten!

Das Schlimmste dabei ist, daß die Leute leider recht haben.

Wenn im Zusammenhang mit der Einle dung nach London in einem Berliner Blatt da von die Rede ist, daß Deutschland auch für diese Konferenz nicht mindere Garantien verlangen müffe, als für die Wiederbeteiligung an den Genfer Verhandlungen, so geht diese Ansicht insc fern an dem Kern der Dinge etwas vorbei, als ja doch die Londoner Konferenz erst die klärung Wie sind wir doch schmachvoll belogen worden darüber bringen soll, ob unsere Bedingungen für Fortgesezt versprach man die Wachtergreifung, zum eine Wiederbeteiligung an den Genfer Abrüftungs- Warren hielt man uns. Unserem Führer Hitler wurde verhandlungen erfüllt werden. Deutschland muß nach der letzten Wahl ein großes Maß macht ange­lediglich verlangen, daß die in Aussicht genom boten; er konnte im Reich Vizekanzler und zugleich menen Verhandlungen in London auf einemt anderen Boden stehen, als es in der franzö­ sischen und englischen Antwortnote zu der deut­ schen Denkschrift zum Ausdruck kommt. Deutschland verlangt also lediglich sicher­heiten für seine Beteiligung in Lon­dont, wo ja die Frage der Gleichberechtigung erit

Keine Anklage

Zünftler.

Neben den übrigen Unternehmern, die unter den Auswirkungen der Krise leiden, klagen auch die Kaufleute über schlechten Ge­schäftsgang. Was ist das Wesen dieser Krise? An Lebensmitteln, Rohprodukten und Fertig­waren herrscht Ueberfluß, doch es fehlen die Käufer. Sie fehlen, weil in jedem Lande Mil­lionen durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit aus dem normalen Konjum ausgeschaltet sind. Besonders die Kaufmannschaft müßte sich ernsthaft die Frage vorlegen, wie es möglich gemacht werden könne, diese Massen wieder fauffräftig zu machen und dadurch die Wirt­schaft zu beleben. Nie hat man deutlicher gese­hen, wie schädlich die verminderte Kaufkraft der arbeitenden Massen auf das gesamte Wirt­schaftsleben und damit auch auf den Handel einwirkt. Hier vor allem also wäre der Hebel anzuseken. Es werden verschiedene Mittel zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise vorgeschlagen, darunter auch die Gewährung von billigen Krediten an die Produzenten, damit die stillgelegten Betriebe wieder in Gang gesetzt werden können. Bei dem Stand der Dinge, der gegenseitigen Absperrung der Staaten, dem Fehlen ausländischer Absatzmärkte ist eine all­gemeine Aufnahme der Erzeugung ausgeschlof­sen und jede Mehrproduktion an Waren würde nur auf eine weitere Uebersättigung des Marktes und auf eine Verschärfung der Krise hinauslaufen.

Das kommt davon, wenn man sich fortgesetzt in den Kreisen der Besitzenden bewegt und im ,, Kaiserhof" in Berlin schwelgt, dann hat man allerdings kein Gefühl mehr für das arme Volk. Aber welches Affentheater spielte sich denn dann noch ab? Siller lehnte stolz den angebotenen Leil der Macht ab, er wollte die ganze Macht haben. Dann aber verhandelte man wochenlang mit den Jesuiten vom Zentrum über eine Regierungsbildung. Sind denn unsere Führer überhaupt noch ernst zu nehmende Politiker? Erst lehnt man ab, dann verhandelt man wochen- Das einzige Mittel, das übrig bleibt, ist lang mit dem verräterischen Zentrum. Glaubte man die Verkürzung der Arbeitszeit in vielleicht dadurch die ganze Wacht zu erhalten! dem Maße, daß wenigstens der größere Teil Freilich, Hitler, Goebbels , Straßer und all die der Erwerbslosen, die heute weder Kleider, anderen jind reich geworden in der Zeit, wo wir noch Schuhe und Wohnungsbedarfsgegenstände immer ärmer wurden. Es ist gar nicht schwer, zu kaufen können und Lebensmittel nur in völlig prophezeien, wie diese Wahl für uns ausfallen wird. unzureichender Menge, wieder in den Produk­Ueberall hört man Verwünschungen oder Spott tionsprozeß eingestellt und dadurch konsum­fähig gemacht werden können. Das läge eben­so im Interesse der an den Rand der Ver­zweiflung getriebenen Erwerbslosen, wie in Viele Proleten werden zu den Kommunisten jenem der Unternehmer. Aber diese, und ihnen laufen. Was fangen aber wir jungen Leute an und voran die zünstlerisch orientierten Organisa­alle jene, welche es ehrlich mit dem Sozialismus tionen der Kaufmannschaft, haben noch immer meinen? Wir können doch nicht zu den von Mostau alles, was auch nur von ferne wie eine Für­bezahlten Kommunisten laufen, wir wollen doch, daß sorge für die Arbeiter und Angestellten aus­deutsche Politik gemacht wird. An dieser Verwirrung jah, mit Fanatismus und Borniertheit be­sind nur unsere Führer schuld. Für die hat sich der kämpft. Aus diesen Gefühlen und Gesichts­Sozialismus erfüllt, wenn sie hohe Gehälter und möglichst noch Diäten erhielten. Aber es kommt die Stunde, wo wir auch mit ihnen abrechnen werden.

gegen uns.

Die feinen Leute aus unserer Partei und all die Spießbürger laufen todficher zu der Papen Partei.

Mit deutschem Gruß

Opposition der NSDAP

Blutiger Ueberfall auf Reichsbannericute.

punkten heraus widersetzen sie sich auch der Einführung der 40- Stundenwoche. Sie sind töricht genug, nicht erkennen zu wollen, daß mit dieser Maßregel auch ihr eigenes Inter­esse verknüpft ist und daß damit wenigstens jener Teil der Ursachen der Krise beseitigt wer= den könnte, der in der ungeheueren Steige­rung der Produktivität der Arbeit, in der Ra­tionalisierung seine Ursachen hat.

gegen Jung und Krebs! Die organisierte Kaufmannschaft oder Verschiedene tschechische und deutsche Blätter Breslau , 5. Oktober. Drei Reichsbanner doch ihre Führer haben noch immer durch erörtert werden soll. Es muß für Deutschland hatten mitgeteilt, daß der Volkssportprozeß durch leute wurden wie die Polizei meldet ge- ihren Widerstand gegen jedweden jozialpoliti­Voraussetzung sein, daß eindeutig das Thema der Londoner Konferenz fest genalsozialistischen Abgeordneten, vor allem gegen Ruf Freiheit!" angegriffen. Ein Reichsbanner- fie Feinde der Arbeiter und Angestellten sind. Thema der Londoner Konferenz festgedie Anlageerhebung gegen die führenden natio- stern abends von mehreren Personen unter dem schen Fortschritt zu beweisen sich bemüht, daß legt wird. Krebs und Jung, eine Fortsetzung erfahren mann erhielt vier Messerstiche in den Das beweisen sie aufs neue gegenüber dem Eine Beteiligung weiterer Staa. jolle. Rücken. Die Täter entfamen unerkannt. Einige Antrag des sozialdemokratischen Fürsorgemini­teu wäre für Deutschland kein absolutes bin­Wie Der Tag" meldet, sind alle diese Ge- 3eit später meldete sich auf der Wache am dernis. Es müßte dann nur klargestellt werden, daß sich dadurch das Thema der Konferenz nicht rüchte aus der Luft gegriffen. Sie feien lediglich Sauptbahnhof ein Schmied und gab an, unter dem ster auf Einführung der 40- Stundenwoche, der verschieben würde. Schon aus diesem Grunde muß auf eine üble Stimmungsmache der tschechischen Ruf Freiheit!" von mehreren unbekannten Ber - doch wahrhaftig nicht nur ein Stück Sozial­fonen überfallen worden zu sein. Er hat meh- politik ist. Natürlich rücken sie mit all den jatt­Deutschland über die Aufgabe der Londoner Kon- Nationalistenpresse zurückzuführen. rere schwere Messerstiche erhalten.

..Angriff"-Redakteure

verurteilt.

Arbeitslosen­

jam bekannten und abgelegenen Ladenhütern ferenz schon vorher Klarheit verlangen. Eine von Argumenten gegen ihn zu Felde, auf die Konferenz, an der außer den erwähnten fünf ausführlich einzugehen es sich nicht lohnt und Mächten efiva noch Volen, Belgien oder die sie mit armseliger Monotonie noch jedes­die Tschechoslowa te i beteiligt wären, würde nicht mehr lediglich eine Besprechung der Gleich demonstrationen in London al ableierten, so oft es um eine Forderung sozialpolitischer Natur ging. Man macht sich berechtigungsfrage fein können, sondern müße Berlin , 5. Oktober. Das Berliner Gericht dann das ganze Abrüstungsproblem verurteilte heute am letzten Verhandlungstag des London , 5. Oktober. Im Osten Londons feiner Uebertreibung schuldig, wenn man be­anschneiden und damit wäre die Londoner Prozesses den Redakteur Dr. Lippert vom tam es gestern abends zu Arbeitslosen- Demonstra- hauptet, daß es dem Großteil des Handels. Stonferen; sozusagen eine kleine Abri- Angriff" wegen Beleidigung des Polizeivizeprä- tionen, die zeitweise einen bedrohlichen Charakter verhältnismäßig noch immer besser geht als stungskonferenz. fidenten Dr. Weiß und wegen übler Nachrede annahmen. Mehr als 10.000 Arbeitsloje, dar anderen Berufsständen. Man weiß auch, daß gegen Dr. Weiß und den Polizeipräsidenten unter viele Frauen, umlagerten das Rathaus. viele trotz der düsteren Prophezeiungen, mit Grzesinski zu drei Monaten Gefängnis. Die Gemeinderäte mußten von der Polizei durch denen ihre Wortführer seinerzeit beispiels­Der angeklagte Redakteur Krause erhielt die Hintertür nach Hause geleitet werden, Polizei wegen der gleichen Vergehen fünf Monate zu Fuß und zu Pferde ging wiederholt mit weise die Einführung der Sonntagsruhe be­Gefängnis. Die Kosten des Verfahrens fallen Gummiknüppeln gegen die Menge gleiteten, ihren Lebensstandard nicht unwesent­lich steigern konnten und viele sich in ihrer den Angeklagten zur Last.

Englander verzichten?

Berlin , 5. Oktober. Nach den letzten Lon­ doner Meldungen scheint es nun, daß die Eng­länder auf die Abhaltung der Londoner Konfe­renz verzichten werden.

bor.