516 Ginzelpreis 70 Heller. ( Einschließlich 5 Heller Borto

ozialdemokrat

Zentralorgan d. Deutschen ſozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik

12 Jahrgang.

Exekutionsmoratorium

in Vorbereitung.

In der nächsten Woche Vorlage ans Parlament.

Prag , 19. November. Wie das Justiz ministerium zu den Vorfällen in Polomla mits teilt, wurde bereits Anfang Oktober eine Vor­lage ausgearbeitet, durch welche den von der Wirtschaftskrise betroffenen Schuldnern gewisse Erleichterungen gewährt und gewisse Härten der heutigen Erefutionsordnung, namentlich für die Slowakei und Karpathorußland, beseitigt werden sollen. In dieser Vorlage wird unter anderem das niedrigste zulässige Angebot bei der Versteige­rung von beweglichen Sachen wie von Jm­mobilien grundlegend erhöht und die Vorschriften aufgehoben, die es ermöglichen, daß eine Liegenschaft unter dem gefeßlichen niedrig Hen Angebot verkauft werde.

Die Vorlage wurde am 19. Oktober aus. gegeben und ist Gegenstand des interministeriel len Verfahrens sowie der Beratungen der In­teressentengruppen. Die vorbereitenden Ar­beiten an der Vorlage werden mit größter Beschleunigung abgeschlossen werden, und man fann annehmen, daß sie schon in der nächsten Woche den gesetzgebenden Körper­schaften vorgelegt werden wird.

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb. tuge

daftion u. Berwaltung: Brag II, Relásanta 18 Telepb.: 20795, 31409, tacirebaft.( ab 21 Uhr): 33858 Bollicedamt: 57544

Sonntag, 20. November 1932

Hitlers Aussichten steigen?

Aussöhnung mit Hindenburg .

Verhandlungen mit dem Zentrum im Gange.

Nr. 274.

Unsere Nazi- Komödianten

wollen wieder einmal Einhei front spielen!

Nichts ist so toll, widerwärtig und chara terlos, als daß es sich bei den Hakenkreuzferr nicht eveignen fönnie!

Berlin , 19. November. Der Reichspräsident eine Verständigung herbeizuführen sucht, ohne hat heute um halb 12 Uhr Hitler empfangen. felbft designierter Reichskanzler zu jein; als eine upz vor eff Uhr fuhr zunächst Reichstagspräsi solche Mittelsperson wird Göring genannt. Gestern erschien im Tepfiz Schö­dent Göring bor der Reichsfonzlei vor. Der Verlauf der Beratungen wird aber Göring hielt sich jedoch nur eine knappe Vier- mit einer gewissen Stepsis envartet, da bis" auer Anzeiger" ein von M. K., also telstunde beim Staatssekretär Meißner auf und jetzt alle Annäherungsversuche zwischen den Na- von dem journalistischen Führer" der deut­Lehrte dann in den Kaiserhof" zurüd. Als furs tionalsozialisten und dem Zentrum auf große ichen Nationalsozialisten, Herrn Max Karg, darauf Hitler vom Kaiserhof" in die Reichs- Schivierigkeiten gestoßen sind, wozu noch die gezeichneter Leitartikel, der die innere Gesin­tanzlei fuhr, bereiteten ihm seine zahlreich er- Berhandlungen mit den Deutschnationalen tre- mungslosigkeit, die chamäleonartige Verwand schienenen Anhänger eine offenbar gut vorbereiten, die aus den letzten Wahlen gestärkt hervor lungsfähigkeit und die aufdämmernde Erkennt­tete Svation, die sich bei seiner Rückkehr wie gingen und die bis jetzt keine Neigung zu irgend nis der Nationalsozialisten von dem beginnen­welchen Kompromissen zeigen und außerdem den Niederbruch ihrer Politik geradezu senja­derholte. Die Besprechung Hitlers mit dem Reichs unverhohlen einer nicht parlamentari- tionell nachweist. Vor ein paar Jahren sind auch die jude präsidenten dauerte etwas über sine Stunde. schen Regierung den Vorzug geben. Für den Fall, daß die Verhandlungen der tendeutschen Nazis mit Hitler ausgezogen, un Hitler erschien ohne Begleitung. Er sprach zu­nächst mit Hindenburg unter vier Augen; nach politischen Parteien zu keinem Ergebnis füh- die politische Vorherrschaft innerhalb der Na­ren sollten, rechnet man damit, daß die Aus­furzer Zeit wurde Staatssekretär Meißner zu sichten für den Kanzlerposten für General tion jenseits und diesseits der Grenzen zu er gezogen. Schleicher steigen werden. kämpfen und anzutreten. Seit Jahr und Tag wurde von ihnen alles in Acht und Bann Der Chefredakteur getan, beschimpft, als volksverräterisch, über­lebt, absterbensreif und korrupt hingestellt, des Angriff" gekündigt. was nicht mit ins Hakenkreuzlerhorn blasen Ein Nazi- Opfer für den neuen Kurs". wollte. So wie sie glaubten, daß die Hitler­Troßdem über den Verlauf der Berhand- Den ersten Befähigungsnachweis welle allmählich ganz Deutschland erfassen lung vollkommenes Stillschweigen bewahrt wird, für ihre Regierungsreife haben die würde, so träumten sie in Aussig und Dur sidert doch an die Deffentlichkeit die Mitteilung Hitler , Goering , Goebbels und Straffer bereits von der Eroberung der gesamten Sudeten durch, daß der Meinungsaustausch erbracht. Der Chefredakteur des Bers durch die Nationalsozialisten. Immer mehr ein herzlicher war und daß der 13. Liner Rajiblattes, Dr. Lippert, ift ge entfremdeten sie sich ihren leiblichen Bätern, Auguft", das ist der Tag, an welchem Sinden fündigt worden. Am 1. Jänner muß er das den angestammten deutschbürgerlichen Par­Linz, 19. November.( Eigenbericht.) munden hengen ablehnte, als über- otal verlassen offiefer und die dateien, befehdeten sie hemmungslos- es schien, tung des Angriff" während des Berliner als ob unsere Nazis wirklich vermeinten, sie Oberösterreich hatten die Kommunisten heute anzusehen sei. Verkehrsstreits." unter großer unter großer Agitation einen unger marsch hieraus wird vielfach der Schluß gezogen. Aus durchsichtigen Wahlzivecken waren bei würden von ihren einstigen Nährvätern nie. Nazis mals mehr auch nur ein Stück Brot nehmen angejezt, der von der Regierung mit ganz über- daß die Aussichten zur Erreichung des Stanzler­flüssig großen Gegenmaßnahmen beantwortet amtes für Hitler in den Kreis der positiven Arm in Arm gegangen. Es war im Grunde ein müssen! Kampf um die Wahlst immen, gegen Und wer ihnen das glaubte, der wird Möglichkeiten gerückt sind. Man glaubt jetzt in unterrichteten Kret die Gewerkschaften und gegen die Sozialdemo- heute wie aus den Wolfen fallen, wenn er jen, daß die Fühlungnahme zwischen der fratische Partei. Am Tage nach der Wahl wurde erfährt, daß dieselben Nationalsozialisten be­NSDAP und dem Zentrum in Gang tommt. Der Streik von den Drahtziehern abgebrochen, reits beginnen, sich lebhaft nach dem alten Jedenfalls ist hente eine grundfäßlich die Opfer lagen auf der Straße und sofort be- Stall zurückzusehnen, ja daß sie, just sie, schon Berständigung darüber erfolgt, daß Ber- gann der Angriff" nachzuweisen, daß Hitler

Ein Hungermarsch auf Linz . Wilde Gerüchte über die Sowjetrepublik Desterreich.

wurde. Das ganze Land wurde in einen förm­lichen Belagerungszustand versetzt, alle Garni­jonen hatten Alarmbereitschaft. Einzelne kommu­nistische Trupps, die nach Lin; zogen, gerieten dort in Konflikte mit der Polizei. Es tam zu Zusammenstoßen, bei denen auch einige Teilneh­mer berlebt und 87 verhaftet wurden.

Die große Alarmbereitschaft hatte zu den wildesten Gerichten Anlaß gegeben. Im Laufe des Tages hieß es bereits, daß die Sowjetrepublit Seiterreich" proflamiert und der Generalstreit in ganz Desterreich ausgerufen fei. Diese Gerüchte wurden auch ins Ausland gemeldet. Sie sind bloß darauf zurückzuführen, daß durch einen Zufall die Wiener Zeitungen nicht rechtzeitig nach Lin; tamen.

Die Kommunisten planen überdies auch in den nächsten Tagen Hungermärsche zu veranstal ten. Alle diese Veranstaltungen sollen jedoch ver­

boten werden.

,, Unmittelbar vor dem Zusammenbruch."

Reit bevorsteht.

Wie offiziös mitgeteilt wird, beschränkte sich die Unterredung auf eine Darlegung der gegenseitigen Verhältnisse. Da die Bespre chungen noch nicht abgeschlossen sind, werden sie in der nächsten Woche fortgesett werden.

Juod sid

handlungen stattfinden sollen. Obgleich gegen und die Nazipartei die einzige Rettung wieder jenen Lieblingsschlager zu pfeifen an­Abend ein Termin noch nicht vereinbart war, vor der roten Flut und vor dem Boliche fangen, der seit anderthalb Jahrzehnten das hält man den Beginn dieser Besprechungen wismus seien. Als sichtbarer Beweis für fünf- Hauptstück Des deutschbürgerlichen Pro­schon für den morgigen Sonntag für nicht tiges gutes Wohlverhalten fliegt jetzt Lippert auf gramms" bildet: Herr Karg flötet, sanft und ausgeschlossen. die Straße.

Zu den Gerüchten, daß Hitler vielleicht in den nächsten Tagen den direkten Auftrag befom­men werde, den Versuch zu einer Regierungs neubildung zu machen, wird in der Wilhelm­straße nicht Stellung genommen. Man kann daraus wohl schließen, daß erst einmal abgewar tet werden soll, wie sich die Dinge zwischen den beiden Parteiführungen entwickeln, auf die es jett in erster Linie ankommt.

Nazi- Regierung und Staats­beamte!

fräftig zugleich, das Lied von der Ein heitsfront!

Er, der Schreibwart der Nazis, die ein paar Jahre lang, soweit ihnen der Kampf Dessau , 19. November. ( Eig. Drahtb.) Im gegen uns Zeit ließ, Deutschnationale und Dritten Reich von Anhalt hat die Nazi- Christlichsoziale und Landbündler als unfähig, Regierung den Beamten das Weihnachts - unwürdig und verrottet begeiferten und be gefchent angekündigt. Es steht ihnen frei zu wählen zwischen einer Gehaltstürzung und dem fetzten, er, der Wortführer der Nationalsozia Rollsystem". Wahrscheinlich nehmen die zwi- listen, die dem Sudetendeutschtum ihre Lehre Neben der Möglichkeit einer Beauftragung schen zwei lebeln stehenden Beamten das Roll- als allein jeligmachend hinstellten, dieser Adolf Hitlers ist auch weiter das Projekt offen, system an und erhalten dadurch in acht Me a jelbe Karg läßt sich jetzt über die sudetendeut­einen homo regius zu bewufen, eine Bernaten nur noch sieben Monatsg e- jchen Parteien und Menschen also vernehmen: sönlichkeit, die im Auftrage des Reichspräsiden hälter, was ebenfalls eine Gehaltster­ten als ehrlicher Makler zwischen den Parteien zung von 12% Prozent bedeutet.

Prinz Auwi

wallfahrt nach Mussolinien.

Rom , 19. November. Der nationalsoziali

Protest der preußischen Regierung. fann. Und immerfort kugeln sie durcheinander Erklärung Brauns im Landtag bevorstehend. Berlin , 19. November. Die preußische Staats­

..

,, Statt sich aber die Hände zu reichen und die Schultern zu bieten, balgen sie sich unterein Katastrophale Lage der österreichischen Städte. ander herum und streiten sich, wer jeder für sich allein am höchsten an dieser Mauer emporspringen Wien , 19. November.( Eigenbericht.) Die heutige Tagung des österreichischen Städtebum­und machen einen Lärm, daß einer des anderen des ergab ein fatastropholes Bild von der Lage Wort nicht versteht.. dar österreichischen Gemeinden. Der Vizebürger­meister von Gra; erklärte rundweg, daß die Na, wir haben das Wort des Herra größten österreichischen Städte unmittelbar stische preußische Landtagsabgeordnete Bring August Wilhelm hat gestern als Führer einer regierung stellte in ihrer heutigen Staatsmini- Rarg immer verstanden, auch wenn er mit dor dem Zusammenbruch stehen. Es wurde eine Resolution angenommen, in nationalsozialistischen Abordnung am Denkmal sterialfisung einstimmig fest, daß die gestern auf seinem elenden Deutsch, das über die Verwent der von der Regierung sofortige Hilfe für die Gefallenen Fascisten in der Votivkapelle Antrag der Reichsregierung erlassene Verordnung dung des sich" und des einander" nichts verlangt wird, da die Gemeindeverwaltungen des Palazzo Litorale, dem Sive der fascistischen auf Grund von Art. 48, Abs. 2 der Reichsverweiß, ins Dritte Reich zu kommen sonst nicht mehr die Verantwortung für das Partei, im Namen der nationalsozialistischen übernehmen tönnten, was in der allernächsten Partei Deutschlands sowie des Reichstagspräst fajfung dem Wortlaut und Geist der Entschei hoffte. Und wir verstehen ihn auch jetzt, da er denten Goehring einen Kranz niedergelegt. Nach dung des Staatsgerichtshofes nicht entspricht. zur Abwechslung wieder einmal in Ein­heitsfront machen will. Die Prima der Feier hielt August Wilhelm eine Huldigungs- Ministerpräsident Braun wird in der eronna Sitter hat Engagements ansprache an den italienischen Fascismus. sten Vollsigung des Landtages am Donnerstag, ich wierigkeiten, auch für die Herren den 24. November zu der dadurch geschaffenen ung und Krebs hat sich die Szene Sachlache Stellung nehmen. einigermaßen verwandelt. Die Nazi- Komödianten beginnen zu fürchten, daß Einer, der an die Ankurbelung nitg bleiben werde und daß sie Schwierig theater nicht zugkräftig ge glaubt. oden politeiten mit der Bezahlung der Kosten haben werden und da suchen sie sich halt Baris, 19, November. Der amerikanische wieder dorthin zu retten, von wo sie gefom Bantier 3. P. Morgan erklärte, wie K York Herald" meldet, nach seiner Rückfehr aus men sind: unter die warmen Fittiche der un Europa , er glaube fest an eine baldige Aufur getarnt deutschbürgerlichen Parteien. belung der wirtschaftlichen und industriellen Situation sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten .

Dollfus in Budapest .

Dirette Wirtschaftsverhandlungen. Die schwarze Internationale. Budapest , 19. November. ( MTJ.) Der öfter Wien , 19. November. Heute treten, in Salz­reichische Bundeskanzler Dr. Dollfuz und Handelsminister Jafoncig treffen Sonntag burg Vertreter der österreichischen christlich­nachmittags zu furzem Aufenthalt in Budapest sozialen Partei mit Vertretern der bayrischen ein, um mit dem Ministerpräsidenten Gömbös Volkspartei zu Unterredungen über beide Bar­und mit den Mitgliedern der ungarischen Regie teien betreffende gemeinsame Angelegenheiten, zu­rung in Angelegenheit der Regelung der sammen. An den Beratungen werden österrei ungarisch österreichischen Handelsbeziehungen chischerseits auch Bundeskanzler Dr. Dollfuß , einen unmittelbaren Gedankenaustausch zu pfle Justizminister Schuschnigg und der Salz gen. Der österreichische Bizekanzler Winkler meilt burger Landeshauptmann Dr. Rebri, bay. im Zusammenhange, mit den Handelsvertrags- rischerseits Ministerpräsident eld teilnehmen. verhandlungen bekanntlich bereits seit zwei Tagen Amtlich wird erklärt, daß die Beratingen keines wegs außenpolitischen Charakter tragen. in Budapest .

Sie, die Nazis, die ein paar Jährchen

wie im Fieber schricen und tobten, sie wenden sich jetzt durch den Mund des Herrn Kang