Ginzelpreis 70 Heller. ( Einschließlich 5 Heller Porto)

Sozialdemokrat

Jentralorgan d. Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik

12 Jahrgang.

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.

Redaktion u. Verwaltung: Brag II, Nelásanta 18 Telepb.: 26795, 31469, Nachtredakt.( ab 21 uez): 33858 Botticedamt: 57544

Gamstag, 10. Dezember 1932

Der Führerkrach bei den Nazis.

Warum Strasser so plötzlich auf Urlaub ging.

Wie wir bereits gestern meldeten, hat ein offizielles Stommunique der Reichspressestelle der NSDAP . am Donnerstag abends ganz über raschend mitgeteilt, daß Georg Straßer, der Reichsorganisationsleiter der Nazis und bis vor kurzem noch ihr Kandidat für den Posten des preußischen Ministerpräsidenten, auf einen drei­wöchigen Krankenurlaub geschickt wurde.

Die Meldung hat in der reichsdeutschen Presse die größte Aufmerksamkeit erregt, weil sie auf schwere Differenzen innerhalb der Partei führung schließen läßt. Der Berliner sozialdemo fratische Vorwärts" schreibt hiezu u. a: Was war plöglich geschehen? Herr Straßer ist am Mittwoch noch in bester bayrischer Ge­

sundheit im Reichstag gewesen. Welche von Sit­

Jer genehmigte" Krankheit hat ihn plöglich über­

fallen, was find das für Gerüchte, die so eilig und

zweiten Seite ab und schreibt dazu, wenn die gegnerische Preffe glaube, aus dieser Tatsache eine Sensation machen und Spekulationen auf einen Verfall der NSDAP ziehen zu können, so habe sie sich gründlich getäuscht:

,, Ob ein Gregor Straßer beurlaubt wird oder nicht, das lann niemals etwas daran ändern, daß die NSDAP zielflar(!) und fompromißlos(!) ihren Weg weitergeht. Der Führer wird das Programm, das er ihr von Anfang an gegeben hat, weder an den Mar­rismus noch an die Reaktion verraten, auch nicht um den Preis von Ministersesseln."

*

Auch Gottfried Feder kaltgestellt?

eifrig dementiert werden, obwohl sie noch nicht einmal ihren Weg in die Presse gefunden haben? Er befürchtet ungeheuere Abwanderung der Wählermassen"... Dieser diplomatische Krankheitsurlaub be­deutet Wie das Contibüro hört, hat der Program­einen Schlag gegen den koalitionsbereiten Flü- matiker der NSDAP und Vorsißende des Reichs­gel in der NSDAP um Straßer und Frid. wirtschaftsrates der NSDAP Gottfried Feder , Seit den Tagen des Kaiserhofbriefwechsels wird Mitglied des Reichstages, Adolf Hitler in einem zwischen dieser Richtung und der von Göb- Brief um einen mehrwöchigen Urlaub ersucht. In diesem Schreiben fragt Feder, ob die ihm von bels und Göring geführten Richtung gerun Gregor Straßer eröffnete Mitteilung über die von gen. Straßer und Frick wollen offen Frie Hitler beabsichtigte Auflösung der Haupt­den mit Schleicher machen, Goebbels und Göring vertreten die Ansicht, daß die NSDAP abteilung I( Wirtschaftspolitische Abteilung der NSDAP ) und der Ingenieurabteilung, deren nur eine Reichsregierung unterstützen, in der Leiter Gottfried Feder ist, als endgültige Maß Hitler Reichstanzler sei. Der Kampf der Richtungen hat auch in den nahme anzusehen sei. Feder weist darauf hin, Verhandlungen um die Neuwahl eines Minister- daß eine Auflösung der Wirtschaftspolitischen Ab­präsidenten in Preußen eine Rolle gespielt, die teilung als Verzicht der NSDAP auf ihr wich zwischen Zentrum und Nationalsozialisten geführt tightes Gegenwartsziel, Arbeit und Brot", ange werden. Diese Verhandlungen scheinen ziemlich sehen würde. Hieraus sei eine so ungeheure Diese Verhandlungen scheinen ziemlich ab wanderung der sehnlichst auf Besserung der Wirtschaftslage hoffenden Wählermassen zu besorgen, daß dadurch die Stoßkraft der NSDAP gefährdet erscheine.

weit fortgeschritten zu sein.

Der getreue Zinsknecht.

Das Bestreben der Reichsregierung geht dahin, die Nationalsozialisten über Preußen zu ihrer Tolerierung zu zwingen. Sie will das Preußen- Kommissariat nur aufheben, wenn der nenzuwählende preußische Ministerpräsident zu­gleich dem Reichstabinett als Vizetanzler Berlin , 9. Dezember. Wie die Pressestelle der angehört und so der Reichspolitik von Preußen NSDAP mitteilt, hat Gottfried Feder fol her keine Schwierigkeiten gemacht werden. gende Erklärung abgegeben: Gegenüber den in der Deffentlichkeit verbreiteten Meldungen

in Preußen gibt bekannt, daß er nach wie vor]

Nr. 291.

unverbrüchlich treu zu Sitler und zur Vom Trapl- Plan

Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei steht. Dasselbe gilt für alle 162 Abgeordnete der

zum

Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei Budgetausgleich.

im preußischen Landtag. Gerade angesichts der en tu ms und der Reaktion ist diese Stellung 3ersezungsbestrebungen des Ju­Niemand wird behaupten wollen, daß der nahme der preußischen Landtagsfraktion eine un- Stomplex gesetzgeberischer und administrativer bedingte Selbstverständlichkeit." Maßnahmen, über die sich die Regierungspar­Strasser legt sein Reichs- teien nach wochenlangen hartnäckigen Ausein­andersetzungen nun im Wesen geeinigt haben, tagsmandat nieder? eine erfreuliche Weihnachtsbescherung bildet.

Berlin , 9. Dezember. Im Reichstag inter - Wer sich aber den ganzen Ernst der finanz­essierte man sich heute vormittags weniger für die politischen Situation vor Augen hält, der wird Verhandlungen im Sigungssaal, als für die Vor- verstehen, daß die sozialistischen Parteien, und gänge innerhalb der NSDAP , Wie immer bei gerade sie, sich der Aufgabe, das bedrohte selchen Gelegenheiten kursierte eine Unmenge von Gleichgewicht des Staatshaushaltes herzustel­Gerüchten. So wollte man wissen, daß Gregor len, nicht entziehen durften, sollten nicht die Straßer sein Reichstagsmandat niederlegt. In Lebensinteressen der Arbeiterklasse in der nationalsozialistischen Führung hofft man, die schwerste Gefahr geraten. Denn ohne Ordnung Dinge, soweit sie über Straßer und Feder hin­ausreichen, bei Zeitgewinn ausgleichen zu können. in den Staatsfinanzen kann die Stabilität der Währung unmöglich aufrechterhalten werden. ,, Vorläufig" keine Spaltung. Daß aber eine Erschütterung der Währung vor allem die Entwertung der Arbeitseinkommen Berlin , 9. Dezember. Das schon lange vor­ausgesehene Zerwürfnis in der Leitung der natio- bedeutet, muß nach den Erfahrungen der Nach­nalsozialistischen Partei kam durch den oppositio- friegsinflation niemandem auseinandergesetzt nellen Schritt des Reichsorganisators der Partei werden. Im Interesse des Arbeiterhaushaltes Straßer und des Vorsitzenden des Wirtschafts - mußten sich also die Sozialisten um die Ord­ausschusses Feder zum Vorschein. Vorläufig nung des Staatshaushaltes bemühen und da­fann man von einer Spaltung der Partei selbst bei dafür Sorge tragen, daß diese Ordnung nicht sprechen, da es als sicher anzunehmen ist, nicht auf Kosten der sozial Schwachen herge­daß Hitler alle seine Kräfte und seinen ganzen stellt werde. In diesem Sinne haben sie gute Einfluß dafür einsehen wird, um eventuelle Er Arbeit geleistet. schütterungen unter der Mitgliedschaft zu ver meiden. Demgegenüber ist es aber unbestreitbar, daß Straßer in der Partei großen Einfluß hat außerordentlich schwierig und ihre Schwierig ( er war neben Hitler die mächtigste Person der feiten wuchsen von Tag zu Tag. Denn die Wir­ganzen Bewegung), so daß also abgewartet werden fungen der Krise machen sich gerade jetzt mit muß, zu welchen weiteren Schritten er sich ent- voller Wucht im öffentlichen Haushalte fühl­schließen wird. Bei Feder scheint es nicht, als bar. Während die Siebenerkommission des ob die Ursachen seines Urlaubes" dieselben Budgetausschusses tagte, liefen immerfort neue wären, wie bei Straßer , denn beide gehören ver- Hiobsposten über die Höhe des Abgangs der schiedenen Flügeln der nationalsozialistischen Bestaatlichen Unternehmungen ein, das Defizit,

wegung an.

SA. und SS. noch in Hitlers Besitz.

Berlin , 9. Dezember. Wie die nationalsozia listische Korrespondenz mitteilt, hat der Chef des Erklärung gerichtet:

Die Aufgabe, vor der sie standen, war

mit dem sie vang, wuchs ihr förmlich unter der Hand. Es galt schließlich, etwa zwei und eine halbe Milliarde, teils durch Ersparungen, teils durch neue Einnahmen zu bedecken. Der Finanzminister hatte, wie wir wij Kürzung der Staats­

Die bei den Nationalsozialisten von Gregor und unzutreffenden Auffassungen über mein Ber Stabes, Röhm, an die SA und SS folgende jen, zur Behebung dieser Schwierigkeiten ein

Straßer geführte Richtung ist bereit, den von hältnis zur NSDAP und über meine Saltung der Schleicher Regierung erstrebten Weg mitzu- gegenüber Ihrem Führer Adolf Hitler gebe ich gehen. Das Zentrum hat deshalb in den letzten die Erklärung ab, daß ich auf Ehre und Gewissen Tagen versucht, Straßer für das Amt eines in Treue und unerschütterlicher Ergebenheit hinter Ministerpräsidenten, zu gewinnen. meinem Führer Adolf Hitler stehe."

Am Donnerstagabend schlugen nun die Natio­Wer ist schuld? Der Jud! nalsozialisten offiziell Göring als Kandidaten für die preußische Ministerpräsidentschaft vor. Berlin , 9. Dezember. Der preußische Presse Damit war in der NSDAP der Straßer dienst der NSDAP . teilt mit: Der Vorstand der Flügel auch in der Preußenfrage in den Hinternationalsozialistischen Landtagsfraktion grund gedrängt worden.

=

=

Der Führer wird, veranlaßt durch die Be- angestelltenbezüge um fünfzehn Prozent, Ab­urlaubung Gregor Straffers, eine bau der Arbeitslosenfürsorge, Ausschaltung Reihe organisatorischer und Perso- eines großen Teiles der Kriegsinvaliden aus naländerungen in der politischen Gliede dem Rentenbezuge, Neueinführung oder Er­rung durchführen. SA und SS werden durch höhung von Massensteuern und schließlich, als diese Maßnahme nicht berührt. Als die Kerntruppe der Bewegung stehen sie, Ihrer Ber alles nicht langen wollte, die Kopfstener. Das pflichtung und Verantwortung bewußt, in Treue Ergebnis, das nach schweren Kämpfen erzielt wurde, sieht denn doch ganz anders aus als und Geschlossenheit vor ihrem Führer. diese Vorschläge, die durchaus den Bedürfnis­Gleichzeitig wurde der von Hitler genehmigte tranfheitsurlaub" bekanntgegeben. Das heißt, Die Arbeitsverhältnisse werden, daß sie aber der Arbeiterschaft teine sen der Bourgeoisie entsprachen. Der Abbau bestimmte Zahl von Arbeitssch ich der Bezüge ist gestaffelt und erreicht auch in daß Straßer als unbequem in den Urlaub im Ostrauer Revier. ten garantieren können. Diese Erklärung der höchsten Stufe bei weitem nicht jenes abgeschoben wird, daß er an den weiteren bezieht sich nicht auf die staatlichen Unter- Maß, das der Finanzminister gefordert hat. Suhhandel um Preußen nicht mehr beteiligt fetn Verhandlungen im Revierbergamt nehmungen im hiesigen Revier, noch den Ein großer Teil der Angestellten bleibt über­wird. Diese Abschiebung bedeutet eine schwere ,, Emma" Schacht der Haupt vom Abbau verschont. Was sonst dabei Bivierzina" und Desavonierung von Straßer, der bisher der Kan- Mähr.- Ostra u, 9. Dezember. Im Revier­Wilczekschen Werke. Sie erklären weiter, daß an reaktionären Anschlägen erfolgreich abge­didat der NSDAP für die preußische Minister bergamt in Mähr.- Ostrau fanden heute unter dem fie aus dem 3 wierzina"-S ch a cht nach wehrt wurde, wird noch eingehend zu bespre­präsidentschaft war. Vorsitz des Regierungsrates Pfeifer und in An­dessen Außerbetriebssegung am 1. Jänner 1933 chen sein, bis die Vorlage in ihren Einzelhei Straßer ist am Donnerstagabend von Ber- wesenheit von Vertretern der Direktorenkonferenz hundert Arbeiter übernehmen und ten bekannt ist. Die Kürzungen am Sachauf­lin abgereift. Die Gerüchte, die so eifrig und und Bertretern der Gewerkschaftsorganisationen und auf ihre Betriebe aufteilen werden." wand des Budgets entsprechen sicherlich nicht in beflissen dementiert worden sind, besagten, daß der Bergarbeiter Verhandlungen über die weitere Beschäftigung der Bergarbeiterschaft bei den Straßer in einem Schreiben an den Parteiführer Bergwerksunternehmungen des hiesigen Revieres der Arbeiterorganisationen zur Kenntnis ge- nötig gehalten, daß dem Militarismus schärfer Diese Erklärung wurde von den Vertretern affent unseren Wünschen. Wir hätten es für ſeine Parteiämter und sein Reichstagsmandat zur vor- Jan den Leib gerückt wird, wir müssen auf der Verfügung gestellt habe, ohne jedoch aus der Par- statt. Bei diesen Verhandlungen wurde beschlos- nommen, wobei verschiedene Anmerkungen vor- nötig gehalten, daß dem Militarismus schärfer Prager Verein gebracht wurden. anderen Seite bedauern, daß auch sozial und tei ausgeschieden zu sein. Straßer habe diesen sen, die sogenannten barungen vom April d. J. über die We ch= Schritt mit der von ihm nicht für richtig elurlaube nicht zu verlängern, fulturell wichtige Posten den Abstrichen zum Beratung über das nord­gehaltenen politischen Führung der Opfer fielen. Aber die Anschläge auf die In­böhmische Braunkohlenvevier validen, die Anschläge auf die Arbeitslosen NSDAP begründet. Es hieß weiter, daß sich deren Gültigkeit mit 31. Dezember d. J. abläuft. Straßer ins Privatleben zurückziehen wolle. Noch Gegen die Wechselurlaube sprachen sich von seiten der Arbeiter die Vertreter des Induſtrieverban­weitergehende Gerüchte besagten, daß Straßer be des der Bergarbeiter und die Vertreter der Na- Ministerialrates Dr. Kurz wurden heute im Minister für soziale Fürsorge wird diesmal, Prag , 9. Dezember. Unter dem Vorsiße des vor allem sind restlos abgewehrt und der veits seinen Austritt aus der NSDAP erklärt rodni sdruženi aus. Die übrigen Arbeiter Minifterium für öffentliche Arbei- im Gegensatz zum laufenden Jahre, einen reits seinen Austritt aus der NSDAP erklärt organisationen sprachen sich im Printen die Beratungen über die Verlängerung Auf jeden Fall ist damit der Führer- zipfür die Belaffung der Wechsel des sogenannten Prager Abkommens ansehnlichen Betrag für Arbeitslosenfürsorge­lampf in der NSDAP öffentlich geurlaube aus. Nach längeren Beratungen über vom 15. April d. J. betreffend die Verhältnisse zwecke im Finanzgesetze sichergestellt und be­worden. Alle frampshaften Versuche, die die Frage der Beschäftigung der überschüssigen auf den Gruben des nordböhmischen Braunkohdeckt haben. Freilich war auch die Schaffung neuer Einigkeit der NSDAP - Führer öffentlich zu Arbeiter im nächsten Jahre äußerten jich die fenreviers fortgefeßt. beteuern, find damit Lügen gestraft. Die Partei Unternehmerbertrefer, die sich gleichfalls nicht für Nach langen und schwierigen Verhandlungen Einnahmsquellen nicht zu umgehen. Es ist Hitlers ist in einer tiefen inneren Krise. die Berlängerung der Gültigkeitsdaner der Wechs von beiden Seiten haben sich die Standgewiß nicht erfreulich, daß einige Finanzzölle punkte wesentlich genäheri, so daß selurlaube aussprachen, folgendermaßen:

habe.

Der kompromißlose Führer Der Angriff" druckt die parteiamtliche Meldung von Straßers Krankenurlaub auf der

Die Bertreter der privaten Hüttenunter. begründete Hoffnung besteht, daß in der nächsten erhöht werden, daß die Begünstigung der Klein­nehmungen erklären, daß sie bis Ende, Beratung, die für Mittwoch, den 14. d. M. festgewerbetreibenden, die bei der Erhöhung der März 1933 teine Majsenentlassungefeßt wurde, bereits die Redaktion der betreffen Umjazsteuer gewährt wurde, nicht aufrechter­halten wird, daß einige Säße der pauschalter­gen überschüssiger Arbeitskräfte vornehmen den Vereinbarungen erfolgen kann.