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Zentralorgan d. Deutſchen ſozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik

13. Jahrgang.

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb.

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Mittwoch, 3 mai 1933

Nr. 103.

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Adolf Pohl

In die heurigen Kampffeiern des 1. Mai fiel eine furchtbare, eine entsetz liche Nachricht, die alle diejenigen, die es hörten, auf das tiefste erschüttert hat und die uns kaum faßbar erscheint: Einer der Besten der judetendeutschen Arbei­terbewegung, einer der bedeutendsten Männer, eine der stärksten Persönlichkeiten, welche die judetendeutsche Sozialdemokratie seit ihrem mehr als halbhundert jährigen Bestehen hervorgebracht hat, ein Mann, in dem sich wie selten in einem, der politische und kulturelle Aufstieg der Arbei­terflajje verkörpert, ist plößlich von uns gegangen: Adolf Pohl . Der Schlag, der uns traf, ist um so entseßlicher, als ein un­verständliches Schicksal den Bergarbeitern furz hintereinander ihre zwei repräsenta tiven, geistigen, geliebten, mit ihnen ver­wurzelten Führer geraubt hat: am 11. April ist ihnen die eigenartige, unbeirrbar an ihrer Anschauung festhaltende, fernige Versönlichkei: Anton Jarolims genommen, nur neunzehn Tage später, am Vortage des Maieitags, ganz plötzlich die alle Seiten der Arbeiterbewegung umfassende, in der Partei wie in den Gewerkschaften gleicher­maßen führende fraftvolle Gestalt Adolf Bohls entrissen worden. Die deutschen Bergarbeiter dieses Landes. haben in der Tat in dem schid i als schweren April 1933 ihre Führung verloren.

Aber der Verlust trifft nicht nur die Bergarbeiter, er trifft in voller Schwere die gesamte deutsche Arbeiterbe­wegung dieses Landes. War doch Bohl ein Mann, der wie wenige von uns eine durch dringende Klarheit des Verstandes und der stärk= sten Energie vereinigte. Ihm war die seltene Gabe verliehen, in den kompli­zierten Problemen unseres politischen Seins das Wesen der Dinge zu erkennen, in den schwierigsten taftijchen Fragen mit sicherem Instinkt die richtige den Interessen der Arbeiterklasse entsprechende Linie zu fin­den. Wie leicht führte uns dieser Auto­

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Seliger, so jetzt bei Bohl. Sein ganzes Leben war nicht beschauliches Wohl­ergehen, es war ständiger Kampf, Arbeit, Anspannung, Aufregung, Hasten und Jagen. Geboren war unser Bohl in dem schönen, hoch auf dem Raum des Erz­gebirges unweit der sächsischen Grenze gelegenen Ort Neuhammer am 11. März

1875 als Sohn eines Löffelschmiedes, der außer Adolf noch fünf Kinder hatte. In Neuhammer ging der begabte Junge in die Volksschule und fam nachher wo fonnte man in einer proletarischen Familie mit sechs Kindern auch nur im Traime daran denken, eines studieren zu lassen- als Lehrling in ein Tertilwarengeschäft nach Prag . Aber da war seines Bleibens nicht lange, der junge Rebell, der er damals schon war, wollte der Inhaberin des Ge­schäfts nicht Küß' die Sand, gnädige Frau" sagen und verließ lieber diese Stel­fung, che er solche Worte über seine Lippen gebracht hätte. Er bat auch später für ge­wisse Höflichkeitsfloskeln nicht viel übrig gehabt und jagte. feine Meinung immer gerade heraus. Er ging also aus dem Pro­Bra ger Textilgeschäft nach Faltenau in die Grube und wurde 1890 Bergarbeiter, was er volle 18 Jahre, bis zum September 1908 blieb. Sehr bald erwarb er das Ver­trauen seiner Grubenkollegen, was bei die­ser Proletarierschicht nicht jedem glückt, und bekleidete schon in jungen Jahren wichtige Funktionen erst in der Gewerkschaft, bald aber auch in der Partei. 1908 wurde er zum Sekretär der Union der Bergarbeiter" und zugleich der Partei in Falfenau beru­fen und blieb es bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Er hat da in einer Weise, mit einem Eifer und Geschick die Interessen der Grubensklaven vertreten, daß er bis zu seinem Tode der populärste Mann des Falkenauer Kohlenreviers gewesen ist. Man beachte doch die verschie dene Entwicklung, die er und die sein alter Gegner Simon Stark genommen hat! Während Start heute ein vergessener Mann ist, von dem nur Uebles in die Geschichte eingegangen, von dem nur der Ruf eines einstigen Demagogen übrig geblieben ist, wurde Pohl der Führer seiner Klasse. Wissen und sittlicher Ernst haben auch da auf die Dauer über Unwissenheit und Demagogie gesiegt.

didakt, der seine Elementarbildung in der Dorfschule eines Gebirgsortes empjan­gen hatte, durch die schwierigsten wirtschaftlichen Fragen, die er souverän beherrschte und in denen er immer etwas zu sagen wußte. Wie sicher und klar war sein Urteil, wenn er über politische Probleme sprach, in einer leicht vom Dialekt seiner nordwestböhmischen Heimat gefärbten, martigen, eindeutigen, aus furzen Säßen bestehenden Sprache, wobei tiefster Ernst aus seinen Zügen sprach. Wie blitzten seine Augen, wenn er uns seine Auffassungen auseinandersetzte, wobei er jedem ins Geſichy die Wahrheit sagte, weil ihm die Sache über alles ging. Und die zweite Seite seines Wesens, die das Bild seiner Individualität erst ergänzt, war die Entschlossenheit und Energie, mit der er jede Sache anpackte und die er mit dem ganzen Einjazz seiner kraftvollen Persönlichkeit zu Ende führte. Für das einmal als richtig Erkannte feste er sich mit einer Energie ein, die alle Widerstände mit dem ganzen Aufgebot seiner Nervenkraft- niederkämpfte. Wer ihn etwa während des siebenwöchigen Bergarbeiterstreits 1923 zu beob­achten Gelegenheit hatte, war einfach hingerissen von der Persönlichkeit, die ihren Weg unbeirrbar ging und nächtelang bis die anderen völlig erschöpft bi morgens als Sieger den für seine Anschauung fämpfte, bis Verhandlungssaal verließ. Die Arbeiterbewegung hat ihn buchstäblich aufgezehrt. Er verhandelte stundenlang, dann legte er sich in hohem Fieber in seinem Zim mer, im Hotel Monopol in Prag nieder, um sich nach kurzer Zeit wieder zum Verhandlungstisch zu jeben und mit der Schärfe seines Geistes und mit der Kraft seiner Person für seine Bergarbeiter fich zu schlagen. Man spricht heute vielfach von den Bonzen" der Arbeiterbewegung. Wären die Vertrauens männer der sozialdemokratischen Arbeiter wirlich Bonwurde und durch die Bohl einer der entscheidenden Faktoren der gesamten en", die sich dem eigenen Wohlergeben widmen, sie wür den alle älter werden, so aber reiben sie sich auf im Kampfe um die idra foziale Beijerstellung der Arbeiter, bis eben der Organismus. dem sie mehr zutrauen, als der Wiensch verträgt, seinen Dienst versagt. So geschah es bei

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Als der Weltkrieg ausbrach, da ging Pohl, während viele seiner nationalen Gegner zu Hause blieben und sich als Heimfrieger ihre Lorbeeren holten, an die russische Front. Eine schwere Fußverletzung, die nicht sofort entsprechend behan­delt wurde- Pohl geriet in russische Kriegsgefangenschaft hatte den Verlust eines Beines zur Folge. Pohl trug seither eine Fußprothese, was ihn in seiner Beweglichkeit hinderte und wohl auch mit eine Ursache seines Leidens wurde. Am 1. September 1915 tehrte er als Kriegsinvalider in seine Heimat zurück, an der Grenze sagte er als Sprecher seiner triegsbeschädigten Kameraden den patrio­tisch gestimmten Herren und Damen, die ihn empfingen, ein paar derbe Wahr­beiten und legte ein tapferes Bekenntnis zum Sozialismus ab. Bald danach, am 20. Feber 1916, wurde er leitender Sekretär seiner Berufsorganisation, der Union der Bergarbeiter" und blieb es bis zu ſeinem Tode. Die Geſchichte der Union " von 1916 bis 1933 ist mit ihm eng verbunden, die Union der Bergarbeiter", das war für die Außenstehenden Adolf Pohl und Anton Jarolim. Sein großes Führertalent hat sich da nach dem Weltkrieg voll entfalten fönnen. Mit starker und sicherer Hand hat er die Führung der Union ergriffen und die Bergarbeiterfoalition gegründet, durch welche die wahre Einheitsfrom aller tschechoslowakischen Bergarbeiter geschaffen Bergarbeiterschaft der Tschechoslowakei geworden ist. Er hat da für das Gruben­proletariat Unvergängliches und Unvergeßliches geleistet. Er hat den Bergarbei­tern, deren Lebenshaltung im Kriege auf ein unerträglich niedriges Niveau gejunken war, ein Kollektivvertragssystem geschaffen, das ihnen in den Zeiten