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Zentralorgan d. De

13. Jahrgang.

Abhorchskandal bei der österreichischen Post.

Der Generalpostdirektor mußte zurücktreten. Wien , 23. Mai. ( Eigenbericht.) Im Zusam enhang mit einer großen Standalaffäre ist

Erwartungen übertroffen hat.

Einzelpreis 70 Heller. Einschließlich 5 Heller Bort

Semokrat

semokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik.

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb.

R: daktion u. Verwaltung: Prag II, elásanta 18 Telepd.: 26795, 31469, Natredalt.( ab 21 11yr): 33858 Bolichedamt: 57544

Mittwoch, 24. Mai 1933

Nr. 121.

Frankreich geht nicht auf den Leim Eine Reifeprüfung des

Erst Sicherheit und wirksame Rüstungskontrolle!

Sudetendeutschtums.

Stets haben die Sudetendeutschen an der Seute unerwartet der Generalpoſtdirektor Aig der Abrüstungskonferenz behandelte heute einige Staaten zur Verfügung zu stellen. Genf , 23. Mai. ( CPB.) Der Hauptausschuß futivmittel dem Völkerbunde gegen angreifende Peripherie der Politik gelebt. Jm alten Dester­ner zurüdgetreten. Es hat sich nämlich heraus das Kriegsmaterial betreffende Fragen. Das wich gestellt, daß in der letzten Zeit der Abhorch- tigfte Ereignis des Tages bildete die Rede des hat eine gewiffe ueberraschung hervor. Exponenten zentralistischer Gewalten, die ihren Die Rede des französischen Außenministers reich waren sie politische Borhut und fulturelle kandal bei den Telephongesprächen ein Aus- französischen Ministers Paul Boncour , der gerufen, da die deutschen und italienischen Streise Sit in Wien und Berlin hatten. Politisch maß angenommen hat, das selbst die schlimmsten heute den französischen Standpunkt zu der neuen sicher mit einer gewissen Entspannung und damit waren sie durch Jahrzehnte gewöhnt, zur Situation auf der Abrüstungskonferenz im ein gerechnet hatten, daß Frankreich von seiner Durchsetzung ihrer Wünsche den habsburgi­ursprünglichen Forderung betreffend die Sicher schen Machtapparat in Bewegung zu setzen. beitsgarantie Abstand nehmen werde. Die autonomistische Nationalitätentheorie Vorher fand eine Konferenz der fünf Groß- Renners und Bauers hat zwar bei den mächte statt, auf der Paul- Boncour ebenfalls russischen Randvölkern ein lebhaftes Echo ge­nachdrüdlich darauf aufmerksam machte, daß der funden, sie war Grundlage für den föderalisti­Abrüstungsgrad Frankreichs von dem Maß der schen Aufbau der Sowjetunion ( Stalin erzielten gegenseitigen Sicherheit und der interwar vor dem Kriege von Lenin nach Dester­nationalen Rüstungskontrolle direkt reich beordert worden, um die Nationalitäten abhänge.

Die Untersuchungen haben ergeben, daß nicht nur alle Pressegespräche und viele Privat nicht nur alle Pressegesvräche und viele Privat­gespräche, sondern auch die meisten diplomati schen Gespräche zwischen Auslandsvertretern und ihren Regierungen abgehorcht, steno­graphisch aufgenommen und verschiedenen Stel­len, innerhalb aber auch außerhalb der Regie­rung, vorgelegt worden sind.

Es wurde insbesondere bekannt, daß Beamte, die der nationalsozialistischen Partei nahestehen, diplomatische Gespräche abgehorcht und nach Berlin weitergegeben haben.

Als dieser Standal sich nicht länger mehr verdunkeln liek, wurde der Generalpoſtdirektor, der dafür die Verantwortung trägt, zum soforti gen Rüdtritt gezwungen.

elnen darlegie. Paul- Boncour führte aus, jeder Beschluß in Sachen des Kriegsmaterials hänge mit den Entscheidungen über die Sicher heit und über die Kontrolle zusammen.

Die qualitative Rüstungsherabjeßung sei mit der Frage der Kontrolle und der Sanktio nen eng verknüpft. Die Kontrolle misse streng, genau und ständig sein. Die private Waffen produktion müsse einer Kontrolle unterworfen werden.

Die übrigen Mächte waren für die Erledi- frage zu studieren), aber auf dem klassischen Der Beseitigung der Angriffswaffen stimme gung der Sicherheitsfrage erst nach Festseßung nationalen Kampfboden der Sudetenländer Frankreich nicht zu, da es nicht logisch fei, die des Abrüstungsgrades. Frankreich jeste jedoch ein ist sie in den nichtmarxistischen Kreisen, ein Angriffswaffen abzuschaffen, wenn der Völker Kompromiß durch, daß der Hauptausschuß a b schließlich der Intelligenz, mit bewunderungs­bund eine gemeinsame Hilfe der einzelnen Staaten wechselnd über beide Fragen verhandeln soll. würdiger Konsequenz ignoriert worden. Davan durchführen wolle. Frankreich werde zu erreichen Morgen wird daher bereits der erste Teil des war eine zähe Abneigung gegen die Kenninis­trachten, daß der Völkerbund der Erefutivmittel englischen Planes, der über die Sicherheitnahme der Wirklichkeit schuld. Das sozialdemo Dollfuß will auch den Verfassungs- nicht beraubt werde, und es sei bereit, diese Ere- handelt, in Beratung gezogen werden. gerichtshof lahmlegen.

Wien , 23. Mai. ( Eigenbericht.) Die Regice rung Dollfuß hat heute einen neuen Vorstoß gegen die demokratische Verfassung unternommen. Dollfus lebt seit Wochen in größter Besorgnis vor dem Zusammentritt des Verfassungsgerichts­hofes, vor dem alle seine Notverordnungen, die einen offenen Bruch der Verfassung darstellen, angefochten wurden. Zur Beratung dieser Klagen ſollte der Verfaſſungsgerichtshof Mitte Juni zu sammentreten. Nun hat die christlichsoziale Partei einen Erpressungsversuch unternommen, um nach dem Barlament auch den Verfassungsgerichtshof lahm­zulegen. In der heutigen Reichs post" fün digt der Christlichsoziale Wans chura, der Mit­glied des Verfassungsgerichtshofes ist, an, daß er dieses Mandat niederlege, weil er der Meinung sei, daß das Gericht in diesem Augenblic teine Griſtenzberechtigung habe. Das Blatt hofft", daß in den nächsten Tagen auch andere Mitglieder des Verfassungsgerichtshofes diesem Beispiel folgen werden.

Es wird nicht so heiß gegessen..

Der Viererpakt noch keineswegs fertig.

fratische Autonomieprogramm afzeptieren, hätte bedeutet, daß sich das Sudetendeutschtunt auf eine Politit der eigenen Kräfte eingerichtet hätte. Das hätte von ihnen ver langt, sich vor dem tschechischen Ansturm" nicht hinter modernden Privilegien( Klassen­wahlrecht in Gemeinden und Landtagen) zit Paris , 23. Mai. ( CPB.) Nach dem gestri-| dums geführt, d. h. der Viermächtepali joll in berjdyanzen, sondern auf offenem Felde dem gen fieberhaften Tag sind heute die Nachrichten den Rahmen des Völkerbundes fallen. Der Patt- aufstrebenden Tschechenvolfe entgegenzutreten über den Viermächtepait viel ruhiger. Dies plan, der eben Gegenstand des Studiums bildet, und sich mit ihm über die Neuordnung der ist vor allem eine Folge der Nachricht der Gen- fei weniger fenfationell als der ur Dinge zu einigen. Niemals hat sich das ſude­fer Berichterstatter, daß Paul Boncour bereits sprüngliche Plan. Man ist daher der Ansicht, daß tendeutsche Spießertum von seiner eigenen gestern mit dem tschechoslowakischen er mehr Hoffnung hat, in absehbarer Zukunft, historisch geographischen Position aus orien und dem jugoslawischen Außen- die aber vorläufig noch nicht be stimmt wer- fiert, immer suchte es einen großen Bruder", minister in Verhandlungen einden kann, angenommen zu werden. hinter dem es sich verstecken konnte; stets ist es getreten ist und daß er heute weitere Unter in getreten ist und daß er heute weitere Unter- Der römische Berichterstatter des Temps" redungen mit den Außenministern der Kleinen schreibt, daß der neue Viermächtepatt nicht die auf den Stelzen gelichener Macht in Entente über den geplanten Paft der vier West- Worte, Revision der Friedensverträge", sondern die politische Arena getreten. Dieser große mächte hat. Der Ministerrat, der heute unter Vor- nur die Worte ,, neue Prüfung der Friedensver- Bruder" war zumeist das österreichische Ge­fiß des Präsidenten der Republik zusammen- träge" oder Erneuernng der Verträge" oder aber jamitdeutschtum, in den Augen der Altdeutschen trat, hörte die Darlegungen des Ministerprä- Anpassung der Friedensverträge an die Bedürf­fidenten Daladier an, der den Ministerrat auf nisse der neuen Wirklichkeit" enthalten wird. Grund der von Paul Boncour aus Genf cr Polen gegen jedweden haltenen Nachrichten über den Viermächtepakt Viermächte- Pakt. Da die meisten der zwölf Beisitzer dieses Ge- informierte. Der Ministerrat billigte einmütig richtes von der Regierung direkt oder indirekt die Anregungen, die Ministerpräsident Daladier Warschau , 23. Mai. ( PAT.) Von kompeten abhängig sind, ist es feineswegs ausgeschlossen, den französischen Delegierten in Gens gegeben ten Streifen wird mitgeteilt, daß der polnische daß dieser Plan der Regierung auch tatsächlich Wie Havas aus Nom meldet, ist der defini- Standpunkt zum Biermächtepali wie bekannt, gelingt; der Verfassungsgerichtshof wird nämlich schon durch die Mandatsniederlegung eines Drit- tive Text des Viermächtepattes noch nicht vollkommen negativ ist und nicht von tels feiner Mitglieder beschlußunfähig. Von festgelegt worden. Es wurde über die An- der Form des Pattes oder von dem Umstand ab näherung der Gesichtspunkte der einzelnen Mächte hängt, ob Bolen eingeladen wurde oder nicht. Die fozialdemokratischer Seite gehören nur zwei Rich verhandelt. Gestern abends wurde der vorläufige polnische öffentliche Meinung hält den Vier ter dem Verfassungsgerichtshof an. Text der französischen, der britischen und der mächtepakt auch in dieser veränderten Form für Die sozialdemokratische Partei erklärt, daß deutschen Regierung mit dem Ersuchen bekannt einen Versuch, den Grundsatz der Gleichheit der sich die Arbeiter, falls die Regierung den Ver- gegeben, ihn beschleunigt zu prüfen. Der Be- Mächte durch die Vorherrschaft einiger Groß fassungsgerichtshof tatsächlich ausschaltet, auch richterstatter fügt hinzu, daß der neue Text des mächte zu ersetzen. Die Urheber des Paktes dürfen ihrerseit nicht mehr an die bestehenden Gefeße Viermächtepattes von allem befreit wurde, ich eine Illusionen machen, daß sie den gebunden halten werden, wenn die Regierung was den ursprünglichen Text Mussolinis für übrigen ihren Willen werden aufzwingen fönnen. selbst mit schlechtem Beispiel vorangeht. Frankreich und seine Verbündeten un annehm Polen ist ein souveräner Staat und wird nur bar machte. Die Verhandlungen werden im durch die Verträge gebunden sein, über die es eiste des französischen Memoran- diskutieren und die es unterzeichnen wird.

Sondergericht an der Arbeit.

Das Sondergericht Salle verurteilte den früheren Stahlhelmgauführer Major a. D. Kleinschmidt zu bier Monaten Ge fängnis wegen Bergehens gegen die Verord­nung des Reichspräsidenten zur Abwehr heim­tüdischer Angriffe gegen Volf und Regierung. Kleinschmidt hatte um Mitternacht am Biertisch die Worte gebraucht: Wie ich frit­her gegen Rotfront und Rotmord gefämpft habe, so werde ich in Zukunft gegen Braunfront und Braunmord fämpfen.

hat.

Waffenstillstand vor Peking .

Chinesisches Angebot von Japan angenommen.

Tofio, 23. Mai. Nach Meldungen aus amtlicher Quelle haben die Chinesen einen definis tiven Waffenstillstandsvorschlag gemacht, von dem hiesige offizielle Streise annehmen, daß er in Kürze zum Abschluß eines zufriedenstellenden Abkommens führen wird.

Nach einer späteren Rentermeldung aus Peking ist bereits zwischen beiden Staaten ein vorläufiges Friedensabkommen getroffen worden, bei dessen Abschluß über Ersuchen der chinesischen Behörden der britische Gesandte behilflich war.

Der Kern der japanischen Angriffsarmee ist weiter vorgerüdt; die Vorhut steht vor Tungtschau, hat jedoch die Stadt noch nicht angegriffen.

Peting, 23. Mai. ( Reuter.) Der chinesisch- japanische Waffenstillstand wurde bloß mündlich vereinbart und noch nicht unterzeichnet. Die chinesische Polizei hat den Kaufleuten in

Das Sondergericht in Breslau verurteilte den Malergehilfen Sparla auf Grund der Verordnung zum Schuße von Volk und Staat D 28. Feber 1933 zu einem Jahr zwei Monaten Zuchthaus . Sparla hatte im Areise Strehlen zwei jungen Leuten, die er auf der Wanderschaft fennen lernte, gegenüber ge­äußert, er sei bereit, für 1000 Wiart den Reichs fanzler zu erschießen. Das Gericht tam auf Grund der Verhandlung zu der Ueberzeugung, Die japanischen Behörden, die Vorkehrungen daß Sparla die Tat nach seiner politischen Ein­ftellung zuzutrauen fei. Beting mitgeteilt, daß sie ihre Geschäfte offen getroffen hatten, um die japanischen Einwohner Ferner verurteilte das Sondergericht den halten können und daß die Anwesenheit von japa in dem Botschaftsviertel unterzubringen, haben Rellner Schreiber, der grimfenau nischen Truppenpatrouillen feinen Grund zur Zügennachrichten" über die NSDAP verbrei- Banit biete. Troßdem flüchten weiter chinesische japanische Patrouillen zum Schuß der japanischen ta batte, zu einem Jahr sechs Monaten Ge- Bürger aus der Stadt, während Bouern aus der Einwohner ausgesandt.

fängnis.

Umgebung ihre Zuflucht in Pefing suchen.

das waffenschimmernde Hohenzollernreich. In den entscheidenden Schicksalstagen vor und nach dem Zusammenbruch zeigte sich aber, daß die retten sollenden Gewalten verjagten.

Aus der heutigen Perspeftive gesehen, er­scheint es als eine der ärgsten politischen Tor­heiten, daß sich die Sudetendeutschen für das Habsburgerreich bis zum Weißbluten opferten, daß sie sich bis zum letzten Augenblide an feine verfinfenden Trümmer flammerten und überhaupt nicht auf den Gedanken famen, wie sich ihr Dasein ohne Desterreich gestalten werde. Heute gebärden sich unsere Hakenkreuz­ler, als ob sie schon zu Adams Zeiten das Prinzip der nationalen Autonomie angebetet hätten, im Jahre 1917 aber faßten sie noch Resolutionen gegen das sozialdemokratische " Friedensgewinsel" und forderten eine ge= meinsame Grenze Oesterreichs mit Bulgarien , die ihnen offenbar unerläßlich für eine ver­nünftige nationale Gebietseinteilung in Böh­ men und Mähren- Schlesien schien. Dazu fant noch die famose Osterbegehr schrift als ein flassisches deutsches Konzept für dic Tschechisierungsprogramme der späteren Pra­ ger Machthaber. Ob sie mehr oder weniger die Ansichten verantwortlicher deutschbürgerlicher Politiker verdolmetschte, bleibt sie dennoch ein überzeugendes Dokument darüber, von welchent Idioten im alten Desterreich deutschvölkische ,, Bewegung" gemacht wurde. Die deutschöster­reichischen Sozialdemokraten, welche jahr­zehntelang ihre besten Kräfte für die Föderali­sierung und Demofratisierung der Donau­monarchie einjeßten, dabei aber Desterreich­Ungarn als Wirtschaftsgebiet erhalten wollten, sind mit dieser Haltung durch die Nachkriegs­entwicklung glänzend gerechtfertigt worden.

Das ist die Vorgeschichte des national­fascistischen Herentanzes, der sich heute in judetendeutschen Gauen abspielt. Ihre Kenni­nis ist zum Verständnis der gegenwärtigen

politischen Strömungen unerfäßlich. Die Welle des Völkerhajjes, die Europa überflutet, schlug