Sosialdemokrat
ZENTRALORGAN
DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI
IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK
ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TAGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53877. ADMINISTRATION TELEFON 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR : WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG .
14. Jahrgang
Der Hitlerterror
im Saargebiet
Wahllisten gefälscht ( Saarbrüden.) Am 23. September 1934 begann die Wahlkampagne für das bekanntlich für den 13. Jänner festgesetzte Saarplebiszit. Die Deutsche Front veranstaltete aus diesem Anlak in verschiedenen Städten des Saargebietes
elf Bersammlungen.
Das fatholische Blatt Die neue Saarpoft"
"
( Madrid .) Im Staatsanzeiger vom Sonntag wird ein Erlaß veröffentlicht, durch den über ganz Spanien der Alarmzustand verhängt wird. Der Innenminifter erklärte, diese Maßnahme diene hauptsächlich der Erleichterung der polizeilichen Nachforschungen„ in der Angelegen heit der sozialistischen Umsturzpläne".
1934
Dienstag, 25. September 193 4
Einzelpreis 70 Heller
( einschließlich 5 Heller Perio)
Nr. 224
Die deutsche Kirchen- Opposition Die großen
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Armeemanöver
und die Oeffentlichkeit
Protest der oppositionellen Bekenntnissynode gegen die Gleichschaltung- Meiser predigt vor 8000 Ansbacher Protestanten Bekenntnissynode baben Sonntag anläßlich der grüßte Landesbischof das Wort. Von den 18.000 ( Berlin .) Die Pfarrer der oppositionellen der von der Menge mit großer Begeisterung beEinführung des Reichsbischofs folgende Erklärung Protestanten der Stadt waren 8000 in den beiden von ihren Kanzeln, soweit sie ihnen noch zur Ber - evangelischen Kirchen erschienen. Me i ser nannte Blatt erscheint einen Berichterstatter zu den fügung standen, verlesen: die gleichgeschaltete Kirche eine Irrlehre. Beim Herbstmanövern der Armee entsendet und unsere Meijer neue Ovationen. Er antwortete mit dem Manöverfeld informiert. Wir werden in einer Verlassen der Kirche bereitete die Bevölkerung Leser durch Eigenberichte über die Vorgänge im
Der Widerstand
Wir haben
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- zum erstenmal, seit unser
über Fragen schreiben, die wir früher kaum berührt haben, wenn wir uns positiv zu Faktoren ansahen, so hat das vor allem eine politische einstellten, die wir früher nicht als lebenswichtig Ursache.
veröffentlicht das Ergebnis einer Enquete, die eine die Bekenntniffe hinweg die„ National. " Wir verwerfen die Irrlehre, die über internationale Kommission unter Borsik Mor Ieys zweds Hilfe für die Gegner des Hitler- tir che" erstrebt. Weil sie das tun, baben sich der Hitlergruß. Regimes veranstaltet hat. Die Kommission stellt Reichsbischof Müller und der Rechtswalter In Sachsen tst die im Vorjahr einge- Herbstübungen der Armee und die Profeft, daß die Wahllisten voller Unrichtigkeiten find Jäger sowie alle, die ihnen hierin Gefolgschaft führte Verpflichtung aller Schulkinder zum Be- bleme, die sie aufgerollt haben, zu sprechen und daß das deutsche nationalsozialistische Re- leisten, von der christlichen Gemeinde fuch des Religionsunterrichts wieder aufgehoben kommen. Die Beachtung, die wir den Vorgime ſyſtematisch terroristische Handlungen gegen gefchieden. Sie haben den Boden der christ- worden. Sie war eine Maßregel gegen Freidenker gängen in der Armee und dem Schicksal der die Gegner des Hitler- Regimes im Saargebiet lichen Gemeinde verlassen und sich aller Rechte und Konfessionslose, wird aber natürlich nicht zu Wehrmacht schenken, entspringt nicht etwa einem organisiert. Ein eingehender Rapport dieser Kom- an ihr begeben. Dieſe Scheidung muß die christ- deren Gunsten aufgehoben, sondern auf Drän- journaliſtiſchen Senſationsbedürfnis. Wenn wir mission wird an den Böllerbund geschickt werden. liche Gemeinde fchen, anerkennen und vollziehen. gen der deutschen Glaubensgemeinde, die immer Es ist dem Reichskirchenregiment durch seine ärter ihren Wotanstult propagiert. und bekenntniswidrigen Spanien im Alarmzustandingriffe gelungen, frot des treuen Wiber. flammt im ſelben Moment auf, da in Berlin der Kirchenopposition standes der bekennenden Gemeinden alle recht der Reichsbischof Müller seine Getreuen zum mäßigen Kirchenführer und Bischöfe, abgefehen Reichsfirchentongreß versammelt hat und ihnen So lange es in Europa neben einem ent= von jenen von Bayern und Hannover , aus ihren die Parole gibi:" Mit Luther und Hitler für waffneten Deutschland schwerbewaffnete SiegerAemtern zu entfernen, die Gemeinden zu entrech Glauben und Voltstum!" Müller hat den Natio- staaten gab, die ihrer freiwillig übernommenen ten und ein Gewaltregiment aufzurich- nalsozialismus als die Vollendung der Revolution Verpflichtung zur Abrüstung nicht nachtamen, vollenden und dabei noch stärker als bisher die ten. Man wird jetzt versuchen, dieses Werk zu hingestellt. war durch diesen Zustand der europäische Frieden Man darf in der Kirchen opposition bedroht. Wir haben darum die Abrüstung In Barcelona verübten Syndikalisten drei Predigt des lauteren Evangeliums zu unter- nicht schlechthin eine religiöse Bewegung sehen. aller Staaten gefordert und sind im eige brüden. Bombenanschläge, burch die in einem Stadtviertel Sie ist heute in Deutschland die lette mög- nen Lande für die Verkürzung der Militärdienstdie Licht-, Gas- und Wafferleitungen zerstört Angesichts dieser Gefahr, die vielerorts be. Liche Form der Opposition gegen zeit, für die Herabſeßung des Präſenzſtandes und reits zu unerträgligem Gewiffen den Nationalsozialismus überhaupt. Unzufriedene des Relrutenkontingents, für die Einschränkung brud und zur Berfälschungbertird aller Lager flüchten zum Teil in die iatholische der Müftungsausgaben eingetreten. Erfolge der französischen Linken en Berfündigung, zu Maßregelun- Kirche, zum Teil in die evangelische Kirchenoppo- Solange in Deutschland und Desterreich gen und Abfebungen geführt hat, sieht es ber ſition, um sich einen Rest von Protestmöglichkeit Regierungen am Ruder waren, die friedlich geIn aon brachte eine Nachwahl in die Kam- Bruderrat der Bekenntnissynode der deutschen zu bewahren. Es iſt eine geschichtlich interessante sinnt und verständigungsbereit, nicht daran dachmer, bei der es sich um den Erſatz eines zum Ge- evangelischen Kirche als seine ihm von Gott se- Erscheinung, daß der deutsche Protestantis ten, mit ihren Nachbarn Krieg zu führen, solange nator gewählten Mitgliedes der Rechten handelte, wiesene Aufgabe an, unerschrocken und beharrlich mus damit wieder seinen alten Bortjinu erhält haben wir in den Armeen der Ententestaaten den Sozialisten einen bemerkenswerten Er- dafür zu lämpfen, daß unserer evangelischen und sterbend noch einmal die Aufgabe erfüllt, die Angriffswaffen erblickt und sie entweder für Befolg, indem ihr Kandidat die höchste Stimmzahl Chriftenheit die echte Botschaft erhalten bleibe: er nach Goethes, zur Dreihundertjahrseier der weise einer triegerischen Politit oder als Lurusunter den Lintsrepublikanischen Bewerbern er- Darum fordern wir die bekenntnistrenen Pfarrer, Reformation gesprochenem Wort hatte: wann einrichtungen ansehen müssen. Wir sind konse= reichte und daher mit großen Aussichten in die Aeltesten und Gemeindemitglieder auf, weiterhin immer und wo immer zu protestieren. quent für die Abrüstung dieser Armeen eingeStichwahl tommt, falls er von den Bürgerlichen alle Kraft an die Sammlung der bekennenden Ge- beschränkte Opposition wenig Aussichten, durchauFreilich hat die auf Bahern und Hannover treten. meinde zu sehen, damit unserem Bolte die Kirche beschränkte Opposition wenig Aussichten, durchzu- Solange es in Europa eine Möglichkeit gab, Rachwahlen zum Gemeinderat von des Evangeliums erhalten bleibe. Nur diese halten. Der Nationalsozialismus ist bisher davor den Frieden zu erhalten, ihn auf solider GrundDijon brachten den Sozialisten einen vollen Kirche, begründet auf Gottes Bort, nach den Be- zurückgeschreckt, gegen die Kirche dieselben Mittel lage zu organisieren und den kostspieligen miliErfolg, indem ihre gesamte Liste mit Hilfe der kenntnissen der Reformation, vertreten in der Be Er wird es aber schließlich doch tun und das wird lange haben wir in der Förderung des Rüftungsanzuwenden, wie gegen die politische Opposition. tärischen Apparat aller Länder abzubauen, so= bürgerlichen Linksrepublikaner gewählt wurde. tenntnisshnode und ihrem Bruderrat, ift die recht das Ende der evangelischen Kirchenoppofition be abbaucs unsere vornehmste Aufgabe gesehen. Da mäßige bentsche evangelische Kirche." deuten. Die katholische hat dank ihrem internatio- dieses Ziel bis 1930 erreichbar und feineswegs nalen Charakter Aussicht, länger zu bestehen. utopisch erschien, haben wir den organisatorischen Der bayrische Landesbischof war Sonntag in Durchseßen wird auch sie sich nicht. Das deutsche und technischen Fragen des Militärs damals wenig Ansbach . Obwohl man mit Terror gedroht Bolt wird viele Illusionen begraben müssen, ehe Interesse entgegengebracht. Wir brauchten uns mit und angekündigt hatte, daß Meiser bald nicht es erkennen wird, daß es gegen den Fascismus Dingen nicht zu befassen, deren Beseitigung wir mehr predigen" werde( man weiß, was diese nur eine wirtjame Opposition gibt: die totale anstrebten. Redewendung in Deutschland bedeutet), ergriff Revolution.
wurden.
unterstützt wird.
Der gewesene. französische Ministerpräsident Chautemps wurde in Blois im zweiten Wahlgang zum Senator gewählt. Chautemps, der bekanntlich Deputierter ist, gab vor der Wahl eine Erflärung ab, in der es heißt, daß er die Kammer aweds allgemeiner Beruhigung freiwillig verlassen werde. Die Wahl Chautemps, wurde durch das Zusammenwirken der gesamten Linfen gesichert.
Das Schwarzbuch
hat gewirkt!
Das Syftem Schuschnigg auf der Anklagebank
( P. G.) Die Kommission zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen hat mit dem
Antwort an die Kommunisten
An das
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Alle diese Vorausschungen unserer Arbeit für die Abrüstung( die noch in der Herabseßung der Dienstzeit auf 14 Monate einen schönen Erfolg verzeichnen fonnte), sind in den lezten Jahren dahingeschwunden. Wir wären Toren und Utopisten, wenn wir nicht ere fennen wollten, daß unsere Politit heute nicht von Vorausseßungen ausgehen darf, die seit 1932 nicht mehr gegeben sind.
in ber innigen Kampfgemeinschaft mit unseren Zentralfomitee der Kommunistischen Partei tschechischen Genoffen wohl erprobt ist. Unsere Arbeiter fennen unsere im roletarier in Prag . Rongreffe gipfelnden Anstrengungen um bie Nach ganz kurzer Bause habt Ihr Euch wie Herstellung der Attionseinheit aller auf dem Tag im Fiebertempo eine Heeresmacht aus, die Deutschland rüstet seit Jahr und Schwarzbuch der österreichischen der einmal mit einem Einheitsfront- Klaffenstandpunkte stehenden sozialistischen Bar- bielleicht die furchtbarste und gefährlichste Waffe ittatur nicht nur bei den Völkerbundsdele- Angebot gegen den Fascismus, diesmal der teien und wiffen, daß es gerade Eure Partei sein wird, die es je gegeben hat und geben wird. gierten in Genf , sondern auch in Oesterenleinfchen Färbung, bei uns eingestellt und gewefen ist, die die Berwirklichung dieser Bestre- Diese Aufrüstung ist deshalb nicht ungefährlicher, reich eine große Wirkung erzielt. Dr. Schusch- wie es bei Euch gang und gäbe ist diesen Anlaß bungen zunichte gemacht hat. Unsere Arbeiter weil offiziell noch die deutschen Rüstungsstände nigg, der sich für Genf die Rolle des Kämpen dazu benüßt, um uns gleichzeitig wieder einmal wiffen aber auch, daß Eure Arbeit tross aller nach dem Versailler Vertrag bestehen. Im Gegengegen die Hitlerbarbarci zurechtgelegt hatte, sah fälschlich und wider befferes wiffen anzuflagen, Einheitsfront- Parolen nicht nur nicht auf die teil, die geheime und unkontrol sich unversehens demastiert und in die Defensive daß wir bis auf Zeitungspolemiken und einige Herstellung der Einheit des kämpfenden Broleta- Iierte, jauntontrollierbare Aufs gedrängt. Der österreichische Propagandatommis- lokale Fälle" gegen den Fafcismus biher über- riats, sondern auf deren fyftematife rüstung Deutschlands ist viel gefähr fär, der Goebbels zu kopieren sucht, sah sich zu haupt nichts unternommen haben. Nach den bis: Berfchlagung gerichtet ist und daß Euerlicher als es jede legale Rüstung wäre. Wir einer außerordentlich langen Verteidi berigen Erfahrungen weiß die sozialistische Def Biel im Grunde ausschließlich auf die Serfet wiffen nicht, welche Waffen, wieviel Waffen, wiegungsrede gegen das Schwarzbuchfentlichkeit zur Genüge, was der eigentliche Swed anngber proletarischen Reihen viel Menschen Deutschland morgen, in cinem im österreichischen Radio gezwungen, über die die diefer Uebung ift, die Ihr von Zeit zu Zeit zur hinauslänft. Jeder Regung Eurer Partei, deren Jahr, in fünf Jahren wird einsehen können. Bir Regierungsblätter, die Reichspost" und die Widerbelebung Euerer Bartei bringend benötigt. hauptsächlicher Rährboben ber leidenschaftliche wiffen nur, daß es rüstet und daß es ein ein Wiener Zeitung " ebenso wie die andere Wiener af gegen die anderen fozialistischen Parteien 3 iges nicht zu bezweifelndes 3 ie I natioBreffe, am 19. September spaltenlang berichten. ift, bezeugt uns dies in geradezu augenfälliger n alsozialistischer Politit gibt: eife. den Krieg.
Darum fällt uns auch diesmal die Antwort nicht schwer und fie tann nicht anders lauten, als daß wir an dem e Standpuntte, ben wir Euren wiederholten Einheitsfront- Angeboten gegenüber bisher eingenommen haben, nicht das Mindeste zu ändern vermögen.
Unsere Arbeiter wiffen ganz gut, daß es un
Darum hat es leinen Sinn, fich mit Euch auf irgendein Baktieren einzulaffen und hiefür unfere Kräfte zu vergeuden, die viel besser in der Auseinanderfesung mit unseren affenfeinben uns im& ampte se: Kampfese
Deutschland sucht Allianzen. Es hat sie nicht in dem Ausmaß gefunden, das ihm wünschenswert scheint. Aber morgen wird es vielleicht Desterreich herrscht eine Regierung von Mussolinis freunde baben, wo es jetzt Feinde hat. In
wird in der eben stattfindenden Ratstagung offen- ferer Partei an dem guten Willen zur Zufam bar feine Entscheidung getroffen werden, sie wird menarbeit mit den anderen proletarischen Par- gen den Fafcis mu8 nutzbar gemacht wer- Gnaden, die keinerlei Rückhalt im Volke hat. Ihr teien nie gefehlt hat, und daß diefer gute Wille
bielmehr wahrscheinlich den Gegenstand der Beratungen einer außerordentlichen Tagung des Bölferbundsrates bilden, die im November stattfinden wird.
Brag, den 24. September 1934.
den tönnen.