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IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag uu fochova«2. telbon 53077. Administration-Telefon 53074. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR : WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG .

14. Jahrgang

Freitag, 5. Oktober 1934

Nr. 233

Lttrunz des Vollzugs­ausschusses der Partei Der Vollzugsausschuß der Partei befaßte sich am Donnerstag nachmittags im Parlament mit der politischen und wirtschaftlichen Situation. Der Sitzung war vormittags eine Beratung der Kreisselretäre über organisatorische Fragen vor­angegangen. _ Äm Vollzugsausschuß referierten die Ge­nossen Dr. Heller und Taub über die Vor­sprache einer Parteiabordnung beim Ministexprä- fidcnten. Daran knüpfte sich eine rege Aussprache, an der sich die Genossen Hackenberg, Z i s ch k a, Dr. Wiener, G r ü« z n c r, Kern, falsch und Genossin K i r p a l be­teiligten. Einmütig wurde dabei die Auffassung ver­treten, daß Partei und Gewerkschaften alle ihre Kräfte den gigantischen Rotstandsproblemen un­serer Krisengebiere zuwenden müssen. Zur Be­wältigung der kommenden schweren Aufgaben ist die ganze Partei zu äußerster politisch-organisa­torischer Aktivität aufzubieten und der Vollzugs­ausschuß einigte sich dahin, daß zu diesem Zweck vor allem in den wichtigsten- Zentren Ver­trauen s Männerkonferenzen als Einleitung zu anschließenden größeren Beratun­gen zu veranstalten sind.

Geheimorsanisation entlarvt Welsunsen aus Deutschland Im Vorjahre wurde gleichzeitig mit der Auflösung der D.R.S.A.P. dir Türmitzer Orts­gruppe desJungvölkischen Bundes" aufgelöst. Der Führer der aufgelösten Gruppe wurde unter Polizeiaufsicht gestellt. Behördliche Erhebungen der letzte» Zeit er­gaben, daß anstelle der aufgelösten Organisation eine geheime neue Organisation geschaffen wurde, die von Deutschland aus Weisun­gen erhielt. Diese Weisungen gingen von dem Führer der Gruppe, Josef Weitz, aus, der eS verstanden hatte, sich der Polizeiaufsicht zu ent­ziehen und nach Deutschland zu fliehen, wo er einem Arbeitslager angehört. Die Türmitzer Grheimorganisation wurde aufgelöst, der Hauptorganisntor verhaftet und nach Prag gebracht. Wie weiter verlautet, wurden Kor­respondenzen beschlagnahmt und mehrere Haus­suchungen vorgenommen. bleue österreichische Garnisonen an der tschechoslowakischen Grenze Wien . Wie die Abendblätter melden, wird das Landesverteidigungsministerium in der näch­sten Zrjt neue Militärgarnisonen im Grenzgebiet errichten. In erster Linie werden solche Garni­sonen an der Rordwestgrenze Riederösterreichs (d. h. an der tschechoslowakischen Grenze!) errichtet werden.

Oesterreich-Pakt zwischen Deutschland und Hallen? Paris . Zu den Meldungen, daß Deutschland bestrebt sei, bessere diplomatische Beziehungen mit Italien anzuknüpfen, erklärtPetit Pari­si e n", es bestehe, falls tatsächlich bestimmte neue Vorschläge existieren würden, welche Deutschland Italien unterbreiten wolle, keine Hoffnung, daß sie von Italien günstig ausgenom­men würden, Auch die englische Presse spricht, wie aus London gemeldet wird, von einem deutschen M a n ö v e r, welches darin beruhe, einige Tat­sachen zu ersinnen oder zu verdrehen und auf diese Weise Mißtrauen zwischen Paris und Rom zu säen. Dagegen teilt der römische Berichterstatter desTemps" mit, daß das brennendste Problem zwischen den beiden Staaten, O e st.e r r e i ch. auf, gutem Wege zu sein scheine und daß ein Ab­kommen erzielt werden wird. Italien verlange von Deutschland , daß es Oesterreich auf eine lange Reibe von Jahren dieRuhe verbürge.

MC Lage m unseren Randgebieten Kierofascistiscue

Hoffnungen

Vertreter der Partei beim Ministerpräsidenten

Prag . Eine Abordnung der Partei sprach am Donnerstag beim Ministerpräfiden- ten Malhpetr vor, um den Regierungschef über die soziale««nd politische» Verhältnisse in den deutsche» Randgebiete» z« informieren. I» eingehender Aussprache wurde auf den außerordentliche» Ernst der Lage hingewiesk v und insbesondere im Hinblick ans den bevor­stehenden Krisenwinter eine Steigerung der staatlichen Fürsorgetätig- keitfürdie Arbeitslosen verlangt. Der Ministerpräsident erklärte in Beanl Wartung der aufgeworfene« Fragen, über die traurigen Brrhältmffe in unsere« industrielle« Notstandsgebieten unterrichtet zu sein. Er stellte eine ernste Prüfung der vorgebrachte» Wünsche in Aussicht, wobei er namentlich seine positive Einstellung zu der produktive» Arbeitslosenfürsorge betonte. Das in dieser Vorjprache aufgeworfene Krisenproblem in de» Grenzgebieten wird«n- sererseits auch bei de« kommende« Koalitionsberatungeu mit allem Nachdruck in de» Vorder­grund gerückt werden. Die sich ständig verschlimmernde AebeitSlosentragödie erfordert nicht nur die Aufmerksamkeit, sonder« auch die tätige Bereitschaft der Gesamtregiernng.

Wettere Verhaftungen von Heimatfrontlern Was säst der Bund der Landwirte zu diesen seinen politischen Freunden?

In der letzten Zeit mehren sich, wie dieLi- dove Roviny" berichten, an der schlesisch-deut­schen Grenze die Besuche reichsdeutscher Staats­bürger, welche ihren Aufenthalt mit geschäftli­chen Angelegenheiten motivieren. Viele von ihnen aber verfolgen andere Ziele, nicht in letzter Linie leisten sie Spionage. Mit einem von diesen Reichs­deutschen kam in letzter Zeit in Troppau der fünfundzwanzigjährige arbeitslose Lackiererge­hilfe Josef W e i s er aus Troppau zusammen. Er wurde beobachtet und nach Feststellung ver- dächtiger Umstände verhaftet. Bei der Hausdurch­suchung tmrrden-bei ihm Belege über seine Z u- gehürigkeit zur Sudetendeut­ schen Heimatfront gefunden und Ma­terial, welches den Verdacht begründet, daß sich Weiser strafbarer Handlungen gemäß den Para­graphen 2 und 14 des Gesetzes zum Schutze der Republik hat zuschulden kommen lassen. Gleich­zeitig mit Weiser, welcher in die Untersuchungs­haft des Kreisgerichtes in Troppau eingeliefert wurde, wurden der steunundzwanzigjährige Me­chaniker Eugen Weißhuhn und der dreiund­zwanzigjährige Bauzeichner Ludwig Barus- s el, beide aus Troppau , verhaftet. Ebenfalls verhaftet wurde der Kassier der Hen- l einfront Karl E ß l e r und das Mit­glied der Heimatfront Josef E r- telsberger, gleichfalls beide aus Trop­ pau . Im Zusammenhang damit wurden Haus­durchsuchungen auch beim Kreissekretär der Heimatfront, Otto Gebauer aus Troppau vorgenommen, wonach Gebauer gleichfalls verhaftet wurde. Es wurde festgestellt, daß Gebauer mit einem tschechoslowakischen Staatsbürger deutscher Rationalität in Verbin­dung stand, der heuer nach Deutschland entflo­hen und. dort in die Dienste einer irredentisti- schen Organisation getreten ist, deren Tätigkeit gegen die§SR gerichtet ist. Gebauer war Mitglied der aufgelösten Par­tei der deutschen Nationalso­zia l i st e n. Wegen Verdachts von Straf­handlungen nach dem Paragraphen 2 und 17 des Schutzgesetzes wurde Gebauer in die Haft des Kreisgerichtes überführt. Was sagt der Bund der Land- wirte zu d e r T ä t i g k e i t seiner politischen Freunde? Spins muff Ordnung macken DasPrävo Lidu" kommt gestern auf die Notiz derDeutschen Landpost" zu sprechen, in welcher der Minister Spina seine Beziehungen zur Sudetendeutschen Heimatfront zu entschul-

? Sache der Landbündler, sondern Sache, der Hei­matfront selbst seien.Wir haben jedoch", so sagt das Zentralorgan der tschechischen Sozialdemo­kratie,von den eigenartigen Beziehungen der Koalitionspartei der deutschen Agrarier zu Hen­ lein geschrieben und das läßt sich nicht durch ir­gend einen Hinweis duf die Heimatfront abtun. Wir haben schon gestern nach demSozialdemo­krat" verinerkt, daß der neue Kalender des Su­ detendeutschen Landstandes voll von Bewunde­rung für das Regime des Dritten Reiches ist. Solche Vorfälle, da die Koalitionspartei der deutschen Agrarier auf zwei Stühlen sitzt, kann man heute und täglich verzeichnen. D r. Spina mutz seine Partei in Ordn u n g geben. Das gibt es nicht, daß die Teilnahme an der Regierung zum Mantel wird, hinter dem sich hakenkreuzlerische Bestrebungen und Intri­gen verbergen. Dermächtige Fürsprecher** Henleins Auch dieNova Doba", das Pilsener Blatt der tschechischen Sozialdemokratie, beschäftigt sich in einem Leitartikel mit Henlein und betont, es habe schon einige Male darauf hingewiesen, daß es sich bei der Heimatfront nur um einen Ersatz der Hakenkreuzpartei handelt und daß es zwi­schen den Hakenkreuzlern und Henlein nur den einen Unterschied gibt, daß Henlein mit der Maske der Loyalität und mit dem Täuschungs­manöver der Konzentration des deutschen poli­tischen Lagers hervortritt". Was Henlein aber noch von den Hakenkreuzlern unterscheidet, ist, daß ereinen mächtigen Fürsprecher in der Re­gierung" hat.Der deutsche Minister Spina durfte sich nicht trauen und wollte es auch sicher nicht, sich für die Linderung des Schicksals der deutschen Hakenkreuzpartei einzusetzen, aber er zeigt alle, Bereitwilligkeit, sofern es sich um Hen­ lein handelt... Die Verhältnisse im nördlichen und nordwestlichen Böhmen sind unhaltbar... Henlein dringt in die breitesten Kreise unter dem Schutze vorgetäuschter Legalität und Loya­lität und hauptsächlich unter dem Schutze seines mächtigen Protektors ein."

Und wieder fällt eine marxistische Feste" so schreit es jubelnd mit fetten Lettern aus der Presse unserer deutschen Christlichsozialen genau wie damals als in den Straßen Wiens die Kartätschen der Kanonenchristen Arbeiterwohn- häuser zerschossen und Menschenleiber zerfetzten. Wieder sucht der Klerofasrismus ein Land> diesmal ist es Spanien in seine gierigen Klauen zu fassen und schon die Vorstellung, sein erstes werde sein, die spanische Arbeiterbewegung in Strömen Blutes zu ersticken, läßt den in den Redaktionen der klerikalen Zeitungen sitzenden gesalbten Herren das Wasser im Munde zusam­menlaufen. Worin erblickt denn die christlichsoziale Presse das neuerliche Fallen einermarxistischen Feste"? Die Regierung Samper ist zurückgetre­ten' die wahrhaftig mit dem Marxismus nicht das geringste gemein hatte. Ihr kann man nicht nachsagen, daß sie sehr geschickt gewesen ist, noch weniger aber, daß sie es an Verfolgungen und Drangsalierungen der Sozialisten hat fehlen las­sen. Die sozialistische Partei steht hart vor der Auflösung, alle Gewerkschaftshäuser sind ge? sperrt, etwa zehn Gewerkschaftsführer und eine Anzahl Cortesabgcordneter sind in'Hast; aufge­löst sind die niarxistischen Jugendverbände, der Et Socialista" wird regelmäßig beschlagnahmt, über Spanien ist der Alarmzustand verhängt. In dem Rücktritt einer Regierung, die solches zu- Wege gebracht hat, wird man Wohl den Fall einer marxistischen Feste kaum erblicken können. Was die Klerikalen über den'Fall Sampers aufjauch­zen läßt, das ist, daß diese Regierung doch nicht bereit war, sich ausschließlich dem Willen der katholischen Reaktion dienstfertig zu erweisen. Nun hoffen sie, daß Gil Nobles, der Führer des spanischen Klerofasrismus, obwohl diesmal noch nicht er, sondern Lerroux die Kabineüsbildung vollzogen hat, bald zu einer ausschlaggebenden Stellung in der Führung des Staates gelangen werde. Schon sehen die Klerikalen die Zustände, wie sie vor der Errichtung der Republik in Spa­ nien bestanden haben, wieder hergestellt und an­klagend stellen sie fest, unter der Republik sei der Jesuftenorden vertrieben, es seien kirchliche An­stalten enteignet und verweltlicht, ja sogar daS Ordenswesen unter strengste Kontrolle gestellt worden. Die Republik und auch der nur kurz an­dauernde Einfluß der sozialistischen Arbeiterbe- wegung hat an der wirtschaftlichen Lage des Landes und seiner Bewohner nicht allzu viel zu ändern vermocht, aber gerade das, was als An­klage gegen das republikanische System erhoben wird, die Brechung der Alleinherrschaft des Klerikalismus, die Beseitigung des bis ins Mark faulen und korrupten Monarchisnrus und die Befreiung von dem ungeheueren parasitären Heere der ungezählten Ordensbrüder, die gleich einem gefräßigen Heuschreckenschwarm das Land kahl fraßen, muß ihr als-eines ihrer Hauptver­dienste angerechnet werden. Vor der Errichtung der Republik in Spanien zu Ieben,.bedeutete nicht nur fiir den Sozialisten,, sondern für jeden frei denkenden Menschen Schrecken und Oual. Ge­fängnis, Verbannung, Fememord: das waren die Perspektiven, die jedem stündlich vor Augen standen. Noch im Jahre 1923 ergab die Betrach­tung ein Bild Spaniens , das in der.Tat nahezu übergangslos an die Zeit der finstersten mittel­alterlichen Reaktion anknüpfte. Begreiflich, daß schon die Hoffnung, es werde bald' wieder so weit sein, auch unsere Klerofascisten zu Ausbrüchen der Freude veranlaßt. Vorläufig besteht das Fallen der marxistischen Feste" lediglich darin, daß in das neue Ministerium Lerroux auch drei klerikale Fascisten ausgenommen worden sind. So weit ist es jedenfalls noch nicht, daß zum Zwecke der Versklavung der spanischen Arbeiterklasse ein spanischer Dollfuß, wie er von unseren auch-

Zum Schluß betont das Blatt, daß die Zu­kunft des Staates nicht vom Kampf zwischen Tschechen und Deutschen , sondern von derdemo­kratischen Verständigung der demokratischen Tsche­choslowaken und demokratischen Deutschen Ab­hängt... Wir fürchten, daß durch die bisherige Gleichgültigkeit der Henleinschen Bewegung ge­genüber eine schwere Sünde an der Demokratie digcn sucht und in der gesagt wurde, daß die i in diesem Staate und an der Zukunft unserer Beschuldigungen gegen die Heimatfront nicht! ganzen Staatspolitik begangen wird"