Sosialdemokrat
ZENTRALORGAN
DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI
IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK
ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. ADMINISTRATION TELEFON 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR : WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG .
14. Jahrgang
Donnerstag, 1. November 1934
Das Signal Wir greifen an
Wer kümmert sich um Not und
Sorgen der Massen?
Die Organe des judetendeutschen Bürger- Die Arbeiterschaft des Komotauer Bezirkes begrüßt
tums haben Henleins Böhmisch- Leipaer Kundgebung mit fatter Genugtuung registriert und für sie aus allen Kräften die Werbetrommel gerührt.
Barum auch nicht! Der ſudetendeutsche Moſes hat
in seiner unter Mitwirkung verschiedener Faktoren zustande gekommenen Rede nicht den leiſeſten
Zweifel darüber aufkommen lassen, daß er nicht
daran denke, einen der antisozialen Instinkte der fudetendeutschen Bourgeoisie jemals zu verlegen. Er hat in seiner groß angekündigten Deklaration, die die Offenbarung der neuen großen Mission der Sudetendeutschen Heimatfront werden sollte, nicht nur teinerlei wirtschaftliche und soziale Postulate aufgestellt, er hat auch nicht mit einem Worte in dieser Zeit der schrecklichsten Massennot der wirtschaftlichen und sozialen Nöte der judetendeutschen Massen Erwähnung getan.
Zur selben Stunde, da Henlein ganz im Sinne der großtapitalistischen und großagrarischen Hintermänner seiner Bewegung" diesen für das Sudetendeutschtum wichtigen Problemen sorgfältig aus dem Wege ging, ist die Deutsche sozialdemo= fratische Arbeiterpartei mit einem Kampfprogramm gegen die Krisennot vor das Volk getreten und hat damit, ganz anders als Henlein, gegenüber der Arbeiterschaft ihr lebendiges starkes Berantwortungsbewußtsein ebenso bewiesen, wie ihren unerschütterlichen Willen, alle Anstrengun gen zu unternehmen, um den Aufstieg der Voltsmassen aus Not und Elend zu ermöglichen. Not und Sorgen dieser Massen haben in den Auslaffungen Henleins in Böhmisch- Leipa keinerlei Raum gefunden wir aber wollen nicht
schehen!
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die Parole der Partei und erklärt:
Die Kundgebung am 4. November 1934 wird die größte werden, die Komotau jemals gesehen hat
Gestern und vorgestern fanden in unserem Bezirk vier große Vertrauensmännerversammlungen statt, und zwar in Komotau , Görkau , Seestadtl und Hein= richsdorf, die alle einen Massenbesuch auswiesen und in denen die letzten Vorarbeiten für die sonntägigen Kundgebungen besprochen wurden. Die Versammlungen legten in beredter Weise Zeugnis ab von der Kampfbegeisterung, die unsere Genoffen beseelt. Ueberall erklärten die Funktionäre, daß die Weisung der Partei, am Sonntag für die Forderungen der sudeten deutschen Arbeiterschaft aufzumarschieren, im Proletariat den stärksten Widerhall gefunden hat. In der Debatte zu den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Referaten wurde immer wieder gesagt, es sei das Gebot der Stunde, daß die Partei aus der Abwehrstellung heraustritt und zur Offensive übergeht. Wir haben es satt, so sprachen die Genossen, die Provokationen des Bürgertums, das unsere Bewegung für die Sünden verantwortlich machen möchte, die es selbst begangen hat, noch länger ruhig hinzunehmen. Nach den Berichten der Vertrauensleute wird unsere Komotauer Kundgebung in Bezug auf Größe und Wucht alle bisherigen Veranstaltungen in diesem Gebiet bei weitem übertreffen.
Die antifascistische Volksbewegung in Westböhmen
Die Arbeitslosen kommen
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Einzelpreis 70 Heffer
( einschließlich 5 Heller Portol
Nr. 256
Wer eine Krone entbehren kann, stellt sie für den guten Zweck zur Verfügung. Dabei muß man bedenken, daß jeder zweite Parteigenosse arbeitslos ist!
Aus dem Elbogener Bezirk werden 3000 Menschen
nach Karlsbad kommen. Nach den bisherigen
Anmeldungen. Aber die Zahl der Anmeldungen
wird von Stunde zu Stunde größer. Eine Vertrauensmännerversammlung, die am Dienstag in Chodau stattfand, verlief in großer Begeiste= rung. Ein Teil der kommunistischen Arbeiter wird sich an der Demonstration beteiligen. Es sind einige Tausend Arbeiter aus dem Elbogener Bezirk, denen am Sonntag ein e Marschlei= stung von mehr als sechs Stunden bevorsteht. Das kann sie nicht schrecken. Wir wer den es ihnen zeigen!"
Alle helfen mit!
In Falkena u ist das Kreissekretariat der Turner, in Karlsbad das der Jugendlichen. Ueberall ist man fieberhaft am Werke, um die Kundgebung recht eindrucksvoll zu gestalten. Sie wird zeigen, wo der beste Teil der sudetendeutschen Jugend steht. Dabei wütet die Arbeitslosigkeit gerade unter der Jugend entfeßlich. Etwa dreißig Prozent der Turnvereinsmitglieder sind arbeitslos. Im Sozialistischen Jugendverband ist das Verhältnis noch schlimmer. Aber die rote Jugend läßt sich nicht unterkriegen: ihre Eingliederung in die mächtigen Kaders der antifascistischen Kämpfer zeigt, daß sie mit der Partei fest verbunden ist. Neben den Jugendlichen und den Zurnern find alle übrigen Kulturorganisationen mit der Vorbereitung des. 4. November beschäftigt: ein Wille, ein Ziel beherrscht alle. Sie werden es ihnen
Karlsbad . Die westböhmischen Genossen, die[ Verstimmung und Unzufriedenheit zur Folge geich weigen und dies soll in den großen Kund- mit der Vorbereitung des sonntägigen Massenauf- habt. Als aber bekannt geworden war, daß wir gebungen unserer Partei am 4. November ge- marsches beschäftigt sind, wissen, daß von ihrer am 4. November marschieren werden, um Henlein Tatkraft und ihrem organisatorischen Können viel die Antwort auf die fascistische Herausforderung zeigen! Die Lage von hunderttausenden Arbelter- abhängt. Hier haben wir die stärkste Partei- Kreis- von Böhmisch- Leipa zu erteilen, gab es überall familien in der Tschechoslowakischen Republik iſt organisation. Der von der Henleinbewegung fest- freudigste Zustimmung und das Gelöbnis, für Die Arbeitslosen kommen! bon erschütternder Tragik. Die Situation in den gestellte Berfall der Sozialdemokratie müßte also deu 4. November noch eifriger zu arbeiten als für am schwersten von den Krisenivirtungen betroffe- hier besonders start zu bemerken sein. den 7. Oktober. In der Partei, den Gewerkschaf= Unvergeßlich ist der Eindruck, den die Unnen Gebieten ist von furchtbarem Ernst. Menschen, die jahrelang erzwungenem Nichtstun ausgelieAlle, die an dem Sterben unserer Partei so ten, den Genossenschaften und den Kulturorga- terredung mit den Graslißer Vertrauensfert sind, die seit Jahren Tag für Tag vergeblich große Freude haben, werden eingeladen, am nisationen gibt es jetzt nur einen Rede- und männern vermittelt. Graslih ist der Bezirk, der Sonntag nach Karlsbad zu kommen. Hier kön- Arbeitsstoff: die antifascistische Kundgebung in absolut und verhältnismäßig die meisten Arbeitsnach Arbeit und Lohn suchen, besigen nicht mehr die Widerstandskraft, die zur Abwehr gesellschaftsnen sie das„, politische Nichts", das die Sozial- Karlsbad.„ Wir werden es ihnen zei losen hat. Die Genossen weisen darauf hin, daß demokratie nach den Behauptungen der Schrift- gen!" das kann man immer wieder hören, die vor einigen Tagen in der sozialdemokratischen zerstörender Erscheinungen Voraussetzung ist. leiterpresse durch den henleinschen Sturman- cb man nun in die ärgsten Notstandsgebiete tommt Presse gemeldete Arbeitslosenzahl auf je 1000 gar nicht stimmt; griff geworden ist, selbst in Augenschein und dort mit den Arbeitslosen spricht oder noch Einwohner 231 Arbeitslose in Arbeit stehenden Vertrauensleuten begegnet. fieistin Wirklichkeit viel höher. Man Das ist Solidarität! muß zur Zahl der registrierten Arbeitslosen noch die Bergarbeiterpensionisten zählen, die nicht Wir werden ihnen zunächst zeigen, was Soarbeits-, sondern nur berufsunfähig sind und nur lidarität ist. Aus dem Bezirk Elbogen deshalb aus der Statistik ausscheiden, weil sic 3. B., in dem die Arbeitslosigkeit sehr groß ist, nicht an der Ernährungsaktion beteiligt sind. Sie tönnen nicht alle Teilnehmer an der Kundgebung fönnen jedoch von ihrer Pension nicht leben und nach Karlsbad marschieren. Die Genossen aus waren früher alle in anderen Berufen tätig. Aber
nehmen.
Vor allem in den Grenzgebieten sucht die Geschäftigkeit von demokratie- feindlichen Elementen Wohlstand und Arbeitsfülle im fascistischen Nachbarland vorzutäuschen. Von drüben Was sich jetzt in den einzelnen Bezirken abspielt, werden Sappen und Gräben in den Bereich un- verbürgt allerdings allen Henleinfreunden eine ſerer Demokratie getrieben, damit ihre Funda- arge Enttäuschung: der Aufruf der Partei an die mente abbrödeln und zusammenbrechen sollen. sozialistischen Republikaner, am 4. November zu Eine unter den Opfern der Dauerarbeitslosigkeit großen antifascistischen Kundgebungen anzutreund der Maſſennot wachsende Verzweiflungsstim ten, hat in Westböhmen eine wahre Volts mung wird von gewissenlosen, fühl berechnenden bewegung ausgelöst.
Demagogen genährt, die für die wirtschaftliche ,, Wir werden es ihnen zeigen!" und soziale Notlage Demokratie, die Sozialdemo tratie und die freien Gewerkschaften verantwort- Das Verbot der für den 7. Oktober in Karlslich machen. bat angesagt geivesenen Kundgebung hat zunächst
Mißgunst und Neid darüber, daß nicht alle Angehörigen der Arbeiterklasse die gleiche drückende Last der Krise zu spüren bekommen, werden mit liche Leben auf einer anderen, den Interessen aller teuflischem Vergnügen angestachelt. Vielleicht ist Gesellschaftsglieder gerecht werdenden Ordnung so die geschlossene Front der sozialdemokratischen neu organisieren.
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einigen Orten müssen die Eisenbahn benüßen. auch die Kleinen Meister, die nach ihrer ganzen Darunter find Arbeitslose, die schon monate- und Lebenslage Proletarier sind, vermehren die Zahl jahrelang nichts verdienen. Die Solidarität der der wirklich Arbeitslosen. Arbeitenden sichert ihnen die Möglichkeit der Bahnbenügung: es wird eifrig gesammelt.
ausgebeuteten, in schwerer Not versinkenden arbeitenden Menschen eintritt? Wo ist jemals außer
Auf 1000 Einwohner dürften nach den glaubhaft belegten Angaben unserer Vertrauens männer etwa 300 Personen kommen, die arbeits-, bezw. einkommenslos sind.
Die Henleinfascisten, die ständig versuchen, halb der Sozialdemokratie und außerhalb der die Arbeitslosen gegen die Sozialdemokratie ausArbeiterbewegung auseinanderzutreiben... In Jezt muß sie mit dem Einfluß, über den sie freien Gewerkschaften so viel zähe, verbissene, auf zuspielen und behaupten, gerade in Graslit sei manchen Bezirken haben Teile der staatlichen verfügt, und den zu stärken und zu erweitern die reibende Kleinarbeit für die Arbeiterinteressen ge- ihnen der Einbruch in unsere Reihen gelungen, Bureaukratie durch Maßnahmen, die jedes soziale Pflicht aller Arbeitenden ist, auf dem demokra- leistet worden? Die phrasendreschenden Dema- mögen sich am kommenden Sonntag sehr auf= Empfinden vermiffen lassen, diesen Treibereten fischen Staat einwirken, damit er durch systema- gogen aus allen anderen" Fronten" und Par- mertsam umsehen: unserErtrazug fährt Borschub geleistet und den demokratischen Staat, tisches und planmäßiges Eingreifen in die Wirt- teien können nicht ein Tausendstel davon auf- mittags a b. Er ist schon derart überfüllt, daß der in solchen schweren Zeiten den der Not aus- schaft die schädlichen Wirkungen der Krise auf ihre zeigen! er wahrscheinlich wird geteilt werden müssen. gelieferten Armen als Beschüßer zur Seite treten besiẞlosen Opfer herabmindert. Diesem Zweck Hat das Kampfprogramm, dem wir am Wieviele der Genossen und Genossinnen, die müßte, als ihren Feind erscheinen lassen. dient das Programm, an dessen Spize die For 4. November neben dem Protest gegen den Hen- am Sonntag nach Karlsbad fahren werden, find In dieser Situation kommt die Deutsche derung nach Schaffung von Ar- leinfascismus kraftvoll unsere Zustimmung geben arbeitslos? fozialdemokratische Arbeiterpartei mit ihrem beitsgelegenheit steht. Ein ganzes wollen, die eine Bedeutung, für die in den öffent,, Mehr als 90 Prozent!" Kampfprogramm heraus. Illusionen zerstörend, System von sozial- und wirtschaftspolitischen lichen Institutionen und Körperschaften wirkenden stellt es wirklichkeitsschüchtern die Tatsachen der Notwendigkeiten zeigt auf, wie dieser Zweck durch Vertreter der Sozialdemokratie und der Gewerk- ist die Antwort. Für sie alle ist das ein schweres jüngsten Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens das Eingreifen des Staates zu erreichen ist. schaften, für unsere Parlamentarier die Richtung Opfer. Da sind die Arbeitslosen von Rothau , die in unserem Staate fest. Mit ihrem Kampfprogramm vom Herbst ihrer Arbeit abzustecken, so hat es auch noch die schon jahrelang keinen Verdkenst haben, da sind Diese Klarheit ist notwendig. Die sozialde- 1934 verkündet die sozialdemokratische Arbeiter- andere: Signal zu sein für die Massen der Arbei- die arbeitslosen Instrumenten- und Spielzeugmokratische Arbeiterbewegung ist nicht verantwort- bewegung vor dem ganzen Volke, in welcher Richter, Angestellten, Arbeitslosen und Kleinbauern, macher. Sie haben nur noch dünne Kleider auf lich dafür, daß die Wirtschaft unter den Fesseln tung sie ihre Macht in der nächsten Zukunft ein sich in dem Kampf um die Rettung der Wirtschaft, dem Leib und haben schlechte Schuhe. Aber sie des privatkapitalistischen Systems nicht zu einem zusetzen gewillt ist. Der Schutz, die Verteidigung um die Rettung der Arbeit und des Menschen, der werden kommen, sie werden es ihnen zeigen! Wer wirklichen Aufschwung kommen kann. Hätte sie in des arbeitenden und des arbeitslos gewordenen sie vollbringt, in die einzige Front einzureihen, noch Arbeit hat, hilft den Kameraunserem Lande bereits jene unbesiegbare Kraft, zu Menschen und seiner menschenunwürdigen Existenz die diesen Kampf ohne Schwanken mit dem flaren den die Fahrt bezahlen. Die Arbeider sie erst heranreift, so würde sie heute diese steht für sie in ihrem Kampfe obenan. Ziel der Befreiung vom Kapitalismus zum Siege ter aus der ganzen Kreisorganisation find den Wo ist noch eine Parte i, die mit die führen will! eisernen Fesseln der Wirtschaft sprengen und ProGraslizer Kameraden helfend beigesprungen; in duktion. Verteilung und das gesamte gesellschaft- ser legten Offenheit, mit so tiefem Ernst für die Iden Gewerkschaften und in der Genossenschaft ist