Sosialdemokra

ZENTRALORGAN

DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB . CHEFREDAKTEUR : WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG .

15. Jahrgang

Donnerstag, 16. Mai 1935

Die Verderber des Sudetendeutschtums

Wer Henlein wählt, schaltet sich von der Mitbestimmung im Staate aus

Vieles ist möglich in der Welt, vieles auch bei der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins, aber eines ist ganz und gar ausgeschlossen und un­möglich: mit Konrad Henlein und feinen Trabanten über Politit zu reden. Stellt die Sudetendeutsche Par­ tei vor eine politische Frage und Ihr werdet als

Antwort

nichts als eine aufgequollene Phrase erhalten, die zerplatzt, wenn man sie mit der politischen

Realität in Berührung bringt.

Ta hat der Minister für öffentliche Arbeiten Dr. Ez e ch in seiner Rede auf der Parteikonferenz am 23. April mit der ganzen Verantwortlichkeit| eines Parteiführers und Regierungsmitgliedes

erflärt,

daß jede Stimme, die der Henleinfront zufällt, bei der Regierungsbildung vollkommen in Wegfall kommt, für die deutsche Bevölkerung des Landes

verloren ist

Und diese Entwicklung, die ebenso der natio. nalen Zusammensetzung des Staates, wie den Interessen der judetendeutschen Bevölkerung ent­spricht, sollten politische Aben teurer zerstören dürfer?

Die gegenwärtige Regierung hat dem Feuer einer fünfjährigen Krise standgehalten. Sie hat,

nachdem sie die Vertreter des Finanzkapitals aus­geschieden hatte, nachdem die agrarischen Parteien in der Krise die wirtschaftlichen Probleme in neuem Lichte sehen gelernt hatten, nachdem der blutige Anschauungsunterricht des Fascismus im tschechi­

schen Volke das demokratische Bewußtsein gestärkt hatte, eine einheitliche politiſche Linie gefunden:

Unbedingtes Festhalten an der Demokratie, Bekämpung der Krisenfolgen durch Arbeitsbe­schaffung und Arbeitszeitverkürzung, Bekämpfung der kapitalistischen Krise selbst durch planwirt­schaftliche Maßnahmen.

Und dieses mühsam aufge baute Werk sollte durch ge=

and am 12. Mai, also erst in der drittfolgenden wiffenlose Haiardeure furz Nummer rafft sich die Rundschau" Henleins und flein geschlagen werden? zu der Erwiderung auf:

" Es kann in Hinkunft keinen anderen Akti­bismus geben, als den jungvölkischen Alti­

vismus."

Denn was fon'st kann Henlein erreichen? Die demokratische Zusammenarbeit mit den sudes tendeutschen Fascisten ist nicht möglich. Die poli­tische Mitbestimmung der Deutschen in der Tsche­choslowakischen Republik ist aber nur in der demo­

fratischen Zusammenarbeit denkbar.

Wer Henlein wählt, schaltet sich daher selbst von der politischen Mitbestimmung im Staate aus.

Basta. Was dieser jungbölfische Attivismus ift. wodurch er sich von dem graubärtigen Alt­aftivismus" unterscheidet, mit welchen Mitteln und Methoden der junge böltische Attivismus bessere Ergebnisse für Das hat der Minister Hodža schon im No­das judetendeutsche Volk erreichen will, als es der vember vorigen Jahres mit aller Deutlichkeit ge­alte Attivismus vermochte, davon erfahren wir aus dem Artikel, obwohl er über fünf Spalten geht, nichts. Die Balfenlettern des Sabes müssen| die Richtigkeit des Inhaltes, den Inhalt der Phrase überhaupt ersehen. Un d

solchen Menschen sollten die sudetendeutschen Wähler am 19. Mai ihr Schicksal anver=

trauen?

Gie follten nicht verstehen, was sie damit anrichten würden?. Opposition. Die nationalen Fronten standen fich ichroff gegenüber. Die politische Entwicklung des Landes erstarrte in Unfruchtbarkeit, die infolge| der Schwächung der sozialistischen Parteien immer mehr auch zu sozialpolitischer Unfruchtbarkeit wurde. Die deutsche Sozialdemokratie hat damals immer wieder festgestellt, daß eine leberwindung fung der nationalen Fronten Bustandes nur möglich ist durch A u flö= und ihre Ersetzung durch die übernationale de= mokratische Zusammenarbeit

Bis 1926 standen alle deutschen Parteien in

diefes

sagt:

,, Totalität auf der deutschen Seite würde unvermeidlich eine noch größere Tota­lität auf tschechischer Seite zur Folge haben. Das wäre zugleich Stillstand in der Lösung unserer nationalen Probleme, es wäre überhaupt keine Problem= I ösung mehr, sondern Kampf aller gegen a I I e."

Wer nicht den Kampf aller gegen alle will, sondern friedliches Zusammenleben der Völker und wirtschaftlichen Aufbau, der muß mithelfen, der Sudetendeutschen Partei eine gründliche Nieder­lage zu bereiten und

ihren Totalitätsanspruch ein für allemal zunichte machen.

Wer anders handelt, dient nicht dem sudetendeutschen

o It, sondern seinen schlimm it en einden. Kann man denn übersehen, wie Stříbrný, der Führer der nationalen

Vereinigung, der sozial wie national gleich real­tionären antidemokratischen Front im tschechoslo­wakischen Volke,

auf den Wahlfieg Henleins spekuliert, wie er ihn förmlich herbeisehnt? Ueberall, wo Deutsche leben, sollte man pl a= fatieren, was Stříbrný am 14. April in sei­nem Blatte schrieb.

" Henleins voraussichtlicher großer Sieg ver­hindert die übrigen deutschen Parteien aus dem bloßen Trieb der Selbsterhaltung, an der Regie­

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Nr. 114

Unser Kampf für den Frieden

Wer heute vom Kampf für den Frieden spricht, darf sich keinen Illusionen hingeben. Ec muß sehen, daß die. Vermehrung der Rüstungen und die Vermehrung der zwischenstaatlichen Pakte. auch wenn ihr Ziel die Abwehr gewaltsamer An­griffe ist, den Krieg nicht verhindern können und auf die Dauer keine andere Wirkung haben als einen Wettlauf um die Höchstzahl von Verbündeten und von Waffen, der alles andere als ein Zus stand der Sicherheit und Friedensbereitschaft ist. Wer heute vom Kampf um den Frieden spricht, wendig sie sind, die Kriegsursache nicht beseitigen muß erkennen, daß Abwehrmaßnahmen, so not­

fönnen

-

und daß der Kampf um den Frieden

auf die Beseitigung der Kriegsursache gerichtet sein muß, wenn er Erfolg haben soll.

Die Bedrohung der Welt durch den Fascis­mus ist die Kriegsdrohung unserer Zeit. Die Be-, freiung der Welt vom Fascismus ist die Voraus­fetzung für die Erhaltung des Friedens. Der Rüstungstaumel und das Kriegsgeschrei, die im Dritten Reich Hitlers herrschen, sind deutlicher als alle Friedensschalmeien, die der Führer von Zeit 3u Ze in die Welt hinaus tönen läßt, um ihnen regelmäßig einen neuen Schlag gegen den Welt­frieden folgen zu lassen. Und wenn er diese Schläge mit dem Hinweis auf die Härten des Versailler Vertrags rechtfertigen möchte( die auch von anderen schon vor ihm erkannt und befehdet worden sind), dann versucht er die Blicke der Welt auf eine Frage abzulenken, die mit der Henleins Sieg würde also das politische fascistischen Kriegsgefahr nichts zu tun hat. Ez Schicksal der Sudetendeutschen dem ertremsten genügt, daran zu erinnern, daß der erste, der den tschechischen Nationalismus ausliefern. Je größer Völkerbund zu sprengen versuchte und den neuen Henleins Wahlerfolg, desto schwächer der Einfluß europäischen Kriegsgeist schuf, der Vertreter eines der Sudetendeutschen in der tschechoslowakischen Staates war, der als Sieger am Versailler Ver­Politik. Henleins Sieg wäre des trag mitgewirkt hatte: daß es Mussolini , iudetendeutschen Volkes Nieder Vater des Fascismus war, der als erster die

rung teilzunehmen. Nach den nächsten Wahlen wird es wohl zur allnationalen Koalition ohne Deutsche kommen, deren Regierungsteilnahme vor­zeitig war."

derlage.

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neuen

Gewaltdrohung ins Nachkriegseuropa schleuderte Darum fort mit diesen Verderbern des und der gerade jezt dabei ist, auf fudetendeutschen Volkes. außereuropäischem Boden einen Darum vorwärts und aufwärts mit der Krieg zu entzünden. Und wenn es den Sozialdemokratie! Machthabern des Dritten Reiches wirklich um den Versailler Vertrag ginge, dann wäre es unerklär­lich, daß sie ihre außenpolitischen Attacken borivie= gend gegen Gebiete richten, die auch vor Versail­ les nicht zum Reiche gehört haben: gegen Oester­ reich , Holland und die Schweiz , gegen die sude= tendeutschen Gebiete und gegen den Ostraum", das europäische Rußland .

Durch demokratische Zusammenarbeit der Arbeiter und Bauern zum wirtschaftlichen Wie­deraufbau und zum sozialen Aufstieg aller schaffenden Menschen!

Wird die Henleinfront

die Wahlperiode überleben?

Der ,, Venkov" verneint es

Der wahllose Expansionsdrang des Fascis mus , der gerade jetzt durch das afrikanische Aben­teuer des Duce erkennbar wird, kann nur von Irregeführten oder von Jrreführern mit Revisions­bestrebungen und nationalen Wiedervereinigungs­tendenzen erklärt werden. In Wirklichkeit be= ruht dieser Expansionsdrang auf einem Kriegswillen um jeden

Ungünstiger Eindruck der Schloßtournee im tschechischen Lager Breis, der zum Wesen dieses Unterdrückungs­

Daß sich spät, aber doch, in den maßgebenden

auf Grundlage der wirtschaftlichen und sozialen tschechischen Streisen die richtige Auffassung Schichtung. 1926 trat das Ereignis ein. Land- über die Henleinfront durchsetzt, beweist ein bündler und Christlichsoziale gingen in die Regie Artikel, der im Hauptblatt der tschechischen Agra­rung, nachdem die agrarischen Zollforderungen die rier, dem Venkov", Mittwoch erschienen ist. allnationale Koalition gesprengt hatten. Ter Bür Tie Auffassung des Venkov" verdient um so mehr gerblock war eine bloße Zweckgemeinschaft zur Er- Beachtung, als gerade dieses Blatt lange Zeit Rielung wirtschaftli. er Vorteile für die besißenden henleinfreundlich orientiert war und auch von der Massen und dennoch vollzog er, ohne es zu wissen Rundschau" immer wieder zitiert wurde. In dem

und

die

zu wollen,

die geschichtliche Notwendigkeit

und

und gab, indem er die nationalen Fronten durch für die Richtigkeit der marristischen Theorien. n Klassenfronten verdrängte, ein Schulbeispiel wischen reifte die Zusammen­arbeit der tschechischen deutschen Sozialdemokratie u inniger Kampfgemeinschaft. 1929 lourde der Bürgerblock beseitigt. Eine rein bür Merliche Regierung war nicht mehr möglich, die als rein parlamentarische Kombination über die Siederherstellung der allnationalen Roalition, die Mehrheit verfügt hatte, scheiterte an dem ent Sloffenen Willen der tschechischen Sozialdemofras tie, die Gemeinschaft mit den deutschen Arbeitern beiter aufrechtzuerhalten. Die Mitregierung der Deutschen war dank der Zusammenarbeit der Sozialisten aus einer bloß zufälligen parlamentarisch- politi­

schen Konstellation eine staatspolitische Not­

wendigkeit geworden.

erwähnten Artikel heißt es:

er

erbeten hat. Die ärmeren arbeitslosen deutschen systems gehört, das, um die Mächte der Reaktion Volksschichten sind auch erregt wegen der Haufen und des Privatkapitals entgegen den historischen von Automobilen, welche überall den Agitations. Notwendigkeiten und gegen den Willen der Volks­zug Henleins bilden. Aus einem Beschüßer der mehrheit aufrechtzuerhalten, den Terror im eige­Armen", als den sich vor Jahresfrist Henlein vor- nen Lande durch gewaltsame Erfolge in der gestellt hat, ist der Schuh befohlene der Außenpolitik ergänzen muß und mit dem Hinweis Kapitalist en geworden. Diese Wahlkam- auf kommende friegerische Auseinandersetzungen pagne trägt den Keim von Henleins Ende die inneren Konflikte zum Schweigen bringen. in sich, das früher kommen wird, als die kom- durch forcierte Rüstungen eine künstliche Konjunk­mende Wahlperiode beendigt sein wird! tur schaffen und den Krieg als letzten Ausweg be= Der Venkov" ist das Blatt einer Partei, die schreiten will, wenn sich die auf Lüge, Gewalt und heute und jedenfalls auch nach den Wahlen den Entrechtung aufgebaute fascistische ,, Ordnung" Ministerpräsidenten und den In- nicht länger halten läßt. nenminister stellt. Wenn sich in dieser Bar­

In dem Bestreben, um jeden Preis Stimmen zu gewinnen, hat sich Henlein beträchtlich von sei­nem ursprünglichen Programm entfernt. Er trat vor die Oeffentlichkeit als Sachwalter des Prole­Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß tariats, der Arbeitslosen und der Arbeiterschaft. tei die Ueberzeugung durchsetzt, daß Henlein die fascistische Kriegsgefahr Aber heute hat das deutsche Volf Grund zum die Wahlperiode politisch nicht auch dann nicht beseitigt wäre, Staunen. Die größten Agitatoren für Henlein sind überleben wird, so ist um so mehr erwiesen, wenn alle von den fascistischen Regierungen die Kapitalisten, die Großinstriellen und der ehe- daß Genoise Dr. Czech Recht hatte, als erhobenen Ansprüche von den erschreck­malige deutsche Adel. Henlein ist ihr Gast, ez auf der Reichskonferenz betonte, daß jedelten Nachbarländern freiwillig erfüllt schläft bei ihnen, die Kapitalisten schicken zu ihm Stimme für enlein verloren würden. Die Erfahrung hat bewiesen, was auch ihre Leute und ihre Autos, ja der ehemalige Graf ist. Wie lange immer die Henleinfront als Partei ein Blick auf das Wesen des Fascismus zeigt: Waldstein führte eine Deputation der Seinen existieren wird, politisches Gewicht wird sie keines daß jeder erfüllten Forderung eine neue folgen nach Böhm.- Leipa, welche Henlein gratulierten. haben. Die tichechischen Politiker muß, weil der Fascismus die ,, Dynamit" Dadurch sind auch treue Agitatoren Henleins ver- müßten eine Politik des Selbstmordes braucht, um über die Widersprüche in seiner eige­wirrt. Ebenso haben die Kandidatenlisten Henleins treiben, wenn sie sich mit einer Bewegung ein- nen, nur durch Gewalt zu festigenden Struktur eine Entzauberung hervorgerufen, weil auch min- ließen, in der sie selbst jetzt die Waffe der hinwegzukommen. Weder Abwehrpakte noch Ver­berwertige, ja höchst bedenkliche Leute auf sie ge- ja Iten Aristokratie, des nach Hitler- föhnungspatte können also etwas daran ändern, raten sind. Am meisten hat sich Henlein geschadet, deutschland orientierten deutschen Kapitals und die daß die Kriegsgefahr besteht, solange fascistische daß er überall, unter Hinweis auf irgendwelche Bewegung der übel sten Desperados er- Regierungen bestehen. Und nur der Sturz anonyme Drohbriefe, zu seinem Schutz Gendarmen kennen. dieser Regierungen kann deu