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15. Jahrgang
Freitag, 24. Mai 1935
UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion UND Verwaltung FRAG«l. FOCHOVA a. Telefon 0077. HERAUSGEBER» SIEGFRIED TAUB . CHEFREDAKTEUR ! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURI DR. EMIL STRAUSS. FRAG.
Parteikonferenz der deutschen Sozialdemokratie Br-, Im Steinersaal des LidovL düm in Prag sand Donnerstag die Parteikonferenz statt, um über das weitere Borgehen unserer Partei und über die Besetzung der Mandate im zweiten Skrutinium zu entscheiden. <• Das politische Referat erstattete der Parteiborsitzende Genosse Dr. C z e ch. Er würdigte unter lebhafter Zustimmung der, Konferenz dir gewaltigen Leistungen der Bertrau- ensmänner im Wahlkampfe und hob besonders dir aufopfernde Arbeit der Republikanischen Wehr, ber Jugendlichen und des Genoffen Taub hervor. In der Beurteilung des Wahlergebnisses erklärte Genoffe Tr. Czech, daß weder organisatorische Mängel noch ideologische Schwächen den Rückschlag herbeigeführt haben, daß er auch nicht durch die Taktik der Partei verschuldet wurde, sondern daß die fascistische Welle über die Grenzen geflutet ist. Hitler hat im sudetendeutschen Volke gesiegt. Auch die Christlichsozialm find trotz ihrer LppofitionSpolitik geschlagen worden und ebenso die Kommunisten im deutschen Gebiet. Im tschechischen Volke hat aber die Demokratie gefiegt. Die tschechische« Koalitionsparteien find zur Fortsetzung der Zusammenarbeit entschlossen. Daraus ergibt fich für uns die Aufgabe, dem sudetendeutschrn FasciSmuS den Weg zur Macht zu verlegen und di«.wirtschaftlichen und sozialen Interessen der deutschen proletarischen Menschen zu schützen. Die Partei ist vollkommen intakt geblieben und wird, erfüllt von«nerschüttcrter Begeisterung für den Sozialismus, die schweren Kämpfe der Zukunft erfolgreich bestehen. An das beifällig aufgenommene Referat des Parteivorsitzenden knüpfte sich eine eingehende Aussprache, an der die Genossen Reitzner- Bodenbach, Lorenz- Teplitz, Schwarz- Leitmeritz, Sacher- Fischern, Heller- Teplitz, Leinsmer- Komotau, UIlmann- Aujfig und Deutsch - Pretzburg teilnahmen. Tn allen Reden kam die ungebrochene Kampfkraft ber Partei und die prinzipielle Einmütigkeit über bas weitere Vorgehen zum Ausdruck. Nach dem Schlußwort des Genossen Dr. llzech ermächtigte die Konferenz den Parteivor- üand zur Führung der Verhandlungen über die Neubildung der Regierung. Die Konferenz nahm ferner einen Bericht bes Genossen Taub über die Vorschläge für das Zweite Skrutinium entgegen und genehmigte die dorgeschlagene Liste. Um die neue Regierung Im Zusammenhang mit den Verhandlungen über die Regierungsbildung tauchen die üblichen Kombinationen über die Aufteilung der Ressorts auf die einzelnen Parteien und innerhalb dieser wieder auf bisherige Kabinettsmitglieder oder beue Kandidaten auf, die sich natürlich nur sehr schwer auf ihre Richtigkeit prüfen lassen und ost schon überholt sind, bevor sie bekannt werden. Nicht bestätigt sind bisher die Gerüchte, daß die brutschen Christlichsozialen dicht abgeneigt wären, mit den Landbündlern einen gemeinsamen Klub zu bilden, um eine Ber- kretung in den Ausschüssen zu erlangen. Deshalb sind um so mehr auch die Behauptungen mit Vorsicht aufzunehmen, daß die Christlichsozialen so- ffar zu einer Teilnahme an der Regierung in der norm bereit wären, daß ein Parlamentarier oder auch ein höherer deutscher Beamter diesen gemeinsamen Klub in der Regierung als M i n i- st er ohne Portefeuille vertritt. Auf tschechischer Seite soll die Vertretung ber A g r a r i e r auf drei Ministerien reduziert werden; Verteidigungsminister B r a d a L soll ein anderes Ressort übernehmen und die Natio- Nalverteidigung einem General überlassen werben. Für das Innenministerium wird u» a. ein Nationalsozialistischer Kandidat genannt, für. das Handelsministerium ein Gewerbcparteiler. Allerbings hätte hiefür nur Abg. Mlioch als Präsident der Olmützer Handelskammer eine gewisse sachliche Qualifikation, während es wenig wahrscheinlich ist, daß der Parteivorsitzende Naj- w a n, der sich den Wahlsieg seiner Partei zuschreibt, selbst• auf ein Ministerportefeuille zu- üunsten Mläochs verzichten würde, mit dem ihn nickt gerade sehr freundschaftliche Gefühle verbinden.
Macdonald geht? Abschüttelung des unbeliebten Premiers vor den Wahlen
L o n d o n. Nach einer Reutermeldung steht nunmehr unzweifelhaft.fest, daß noch vor Ablauf der Pfiugstfrrien des Parlaments Baldwin anstelle Macdonalds den Posten des Ministerpräsidenten übernehmen wird. Der Grund für diesen Wechsel sei die Feststellung des Augenarztes, daß Macdonalds Augen den Anstrengungen, die mit seinem jetzigen Amt verbunden find, nicht gewachsen seien. Ein Wechsel auf den Posten des Ministerpräsidenten macht nach altenglischer Uebcrlieferung den förmlichen Rücktritt aller übrigen Mitglieder des Kabinetts erforderlich.
Der neue Ministerpräsident hat somit freie Hand für einen Umbau deS Kabinetts. Nach Reuter besteht Grund für die Annahme, daß Baldwin von dieser Gelegenheit weitgehenden Gebrauch machen werde. Macdonald werde der Regierung wahrscheinlich als Präsident des StaatsratrS auch weiterhin angehörrn. Man werde alles tun, um mit einer möglichst starken Regierung, di« auf der gegenwärtigen nationalen Grundlage stehe, vor die Wähler zu treten. Die Wahle« zum Parlament würden voraussichtlich im Herbst stattfinden.
Handln fordert Finanzvollmachten Paris . Der Ministerpräsident und der Finanzminister beschlossen, am Dienstag nachmittags nach der Verlesung der Regierungserklärung in der Kammer und im Senate das Parlament unverzüglich um finanzielle Vollmachten zu ersuchen, den tatsächlichen Stand der Staätsfinar.- zen darzulegen und die Vertrauensfrage zu stellen.. , Da die Mehrzahl der Deputierten noch, auf Urlaub weilt und bisher kein Klub einberufen wurde, läßt sich nicht sagen, welchen Standpunkt die Kammer einnehmen wird. Die Dinge werden in erster Linie vom Tone der Regierungserklärung und von der Lage der Staatskasse abhängea.
Etwas zum Lachen Budapest . Bei den letzten Wahlen wurde auf der Regierungsliste unter einem falschen Namen ein jüdischer Kandidat für das antisemitische Programm gewählt. Das Ministerium des Innern hat die Untersuchung ausgenommen.,..
Der Hampelmann
und wer ihn an der Strippe hat
InteriatiMale Würdigung unseres Wahlkampfes Im„Peuple ", dem Hauptorgan der bel- gischen Sozialdemokraten, beschäftigt sich Irras, der Außenpolitiker dieses Blatte», an leitender Stelle mit dem Ergebnis der tschechoslowakischen Wahlen und besorgt das in nicht nur außergewöhnlich ausführlicher Weise, sondern auch mit solch europäischem Blick auf di« Bedeutung der Tschechosiowakei und ihr« demokratischen Kräfte, daß wir wenigstens dir wesentlichste« Stelle« diese» Artikel» der breiteste« Oeffentlichkeit »ermittel« wollen. Gleich eingangs heißt e» in' diesem Artikel,, daß die sonntägige» Wahlen in der Tschechoslowakei außerordentliche Aufmerksamkeit auf sich zogen. Und sofort wird an Hand des Wahlergebnisses frstgrstellt, daß„die Tschechoslowakei dir Bastion derDemokratieunddrrSta- dilitit in Mitteleuropa bleibt." Dann heißt es weiter; „Man hat es oft genug ausgesprochen, daß die Tschechoslowakische Republik zur Zeit eine Insel der Freiheit und Demokratie in einem Mit teleuropa ist, das von der fascistische« Flut überschwemmt zu werden droht. Aber das Land Masa- rtzks ist noch etwa» anderes: es ist die festeste Bastion dessen, was noch an politischer unb wirt- jcbastlichcr StahUilät in diesem Steil Europas ge-t blieben ist, e» stellt dort— da» darf man ohNs Nebertreibung sagen— den letzten Friedenspfeiler dar. Und dieser Pfeiler ist eS, gegen den die destruktiven, kriegerischen Mächte, tückisch, aber unversöhnlich, ihre heftigsten Attacken richten. Die Tschechoslowakei ist das große Hindernis, das sich gleichzeitig dem pangermanischen Drang nach Süd osten und dem klerikofascistischen Intrigen entgegenstellt, die auf die Wiedererrichtung der Habsbur ger -Monarchie abzielen. Mehr noch als gegen Sowjetrnßland ist gegen den Bestand der Tschechoslowakischen Rcpublil selbst daS germana-polnische Einverständnis ge- richtet. Für die Tschechoslowakei gibt es keine Stabilität und Sicherheit ohne Freiheit und ohne Demokratie. Und in diesen Ideale« und in seinen demokratischen Einrichtungen wurzelt die geistige und materielle Kraft der Tschechoslowakei . Das ist der Grund, warum die ganze Welt sich mst ungeheurem Interesse gefragt hat. wie das demokratische und parlamentarische Regime dieses Landes die Probe der jetzigen Wahlen bestehen würde." Der.Peuple" stellt sodann da» im allgemeinen befriedigend« Ergebnis dieser Wahlen fest, beschäftigt fich weiter mit der nafionalen Zusammensetzung der Tschechosiowakei und mit den insbesondere durch die eng« und brüderliche Zusammenarbeit der tschechischen und deut schen Sozialdemokraten geglückten Versuch, da» große Problem- der Tschechosiowakei, die Lösung der nafionalen Frage, in Angriff zu nehmen. Dann heißt es weiter; „Die Feinde der Tschechoslowakei hatten rasch bemerkt, daß in dieser Zusammenarbeit der tsche- chischen und deutschen Bevölkerung die Kraft und die Stabilität der Republik beruht und daß infolgedessen hierinihx verwundbarst er Punkt zu suchen ist. Lange vor Hit l e r s M a ch t e r g r e i f u n'g hatte die Nazi« bewegung ihre besondere Aufmerksamkeit auf die sudetendeutsche Bevölkerung^ d. h. vor allem auf die Grenzgebiete Böhmens , gerichtet. Und seitdem der braune Fasrismus sich Deutsch lands bemächtigt«, wurde die Hitler-Propaganda in der Tschechoslowakischen Republik durch die Reichsregierung geschickt organisiert, ge- . lenkt und bezahlt, mit dem wohlbedachten Zweck, die Republik r« überfluten und im geeigneten Augenblick mit den größten ErfolgSaussichtriL in die Lust zu sprengen." Das Blatt beschäftigt sich dann mit dem Wahlausgang, stellt fest, daß fich innerhalb der deutschen Bevölkerungi die Sozial d e mokraten noch am bestengegen di« Henlein flut verteidigten, und schreibt dann weiter; „Air stehen also einem b e-ä n g°sti g e n• den panger m a n i sch«« u nd.f asei«