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Sosialdemokrat

ZENTRALORGAN

DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI

IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR : WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG ,

15. Jahrgang

Konstituierung

der Partei- Vertretung

Der am Brünner Parteitag nengewählte Parteivorstand trat am 2. Juli in Prag zu sei­ner konstituierenden Sigung zusammen. Nach Begrüßung der neuen Mitglieder und einer Danksagung an die ansscheidenden durch den Parteivorsitzenden Genossen Dr. Czech wurde zunächst das Präsidium konstituiert. Es wurden zu Stellvertretern des Parteivorsißen­den die Genossen de Witte und I aksch, zum Kassier Genosse Dr. Heller, zum Schriftfüh­rer Genosse Kögler einstimmig gewählt.

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Mittwoch, 3. Juli 1935

Einzelpreis 70 Heffer

( einschließlich 5 Heller Portol

Nr. 153

Hilfe für die Katastrophen- Die Bohemia"

Opfer im Erzgebirge

möchte gleichschalten

Die muntere Greisin Bohemia" ist in ihrem 108. Lebensjahre eben dabei, eine neue Häutung zu vollziehen und es ist vielleicht tein Zufall, daß sie just an dem Tage, da sie sich von

Die Genossen de Witte und Katz beim Ministerpräsidenten ihrem alten Chefredakteur Wesselsti verab=

Prag . Wir haben bereits über die furchtbaren Verheerungen berichtet, welche durch einen Wirbelsturm in einem der ärmsten Teile des Erzgebirges, und zwar in der Gegend von Wei. pert, angerichtet worden sind.

Wiederum sind es die Sozialdemokraten gewesen, welche den bedauernswerten Opfern der Naturgewalten als erste zu Hilfe eilten und alle zweckdienlichen Schritte zur Bekämpfung des plötzlich über zahlreiche Familien hereingebrochenen Notstandes einleiteten.

Dienstag fand in dieser Sache eine Aussprache unserer westböhmischen Parlamentarier mit dem Herrn Ministerpräsidenten Mal y petr statt, über deren Verlauf und Ergebnis uns folgen­der Bericht zugeht:

Die Sigung nahm einen Bericht des Parteivorsitzenden Dr. Czech über die poli. tische Lage entgegen. Genosse Czech gab Aufklärungen über die Vorarbeiten des Mini­steriums für soziale Fürsorge zur Durchführung Die Abgeordneten Eugen de Witte und der Hilfe für die Notstandsge Franz Ka z prachen Dienstag beim Ministerprä­biete und Berichte über die sozialistischen Be- fidenten vor und verlangten eine rasche und zurei­mühungen um die Verwirklichung der Verkür- chende Hilfsmaßnahme der Regierung für die von zung der Arbeitszeit und der obliga. der Wirbelsturmfatastrophe betroffenen Gemein­den und Gemeindeinsafsen im Bezirke Bref= torischen Arbeitsvermittlung. Er beschäftigte sich außerdem mit den landwirt- ni- Weipert. schaftlichen Problemen und den vorbereitenden Abgeordneter de Witte hatte sofort nach Arbeiten zum Budget. Bekanntwerden der Katastrophe alle Stätten der Ueber diesen Bericht entspann sich eine ein- Berstörung in Weipert , Pfeil Sorgen= gehende Aussprach e, an der sich die Genos und gemeinsam mit den Funktionären der sozial­Genof- thal und Christoph hammer aufgesucht fen Taub, Reisner, Hackenberg, Kern, Kauf- demokratischen Bartei, sowie mit den Vorsitzenden mann, Paul, Blatny, Wiener, Möckl, Wildner der Gemeindeverwaltungen von Pleil- Sorgenthal beteiligten. Nach dem Schlußwort des Genossen und Christophhammer( im lestgenannten Orte Czech wurde sein Bericht einstimmig zur auch gemeinsam mit dem Oberkommissär der poli­Kenntnis genommen. tischen Bezirksbehörde) alle Schäden erhoben und Im Zuge der Konstituierung bestellte der nach Tunlichkeit festgestellt. So fonnte er dem Mis Parteivorstand seine Vertreter in den Bera- nisterpräsidenten einen auf die meisten Einzelhei­tungskörperschaften und sekte gemäß dem Be- ten eingehenden Tatsachen bericht über den schlusse des Parteitags die Propaganda- Umfang und die schrecklichen Auswirkungen dieser Elementarkatastrophe geben. kommission und die Beratungs. stelle für Wirtschaftsfragen ein.

Zu Sekretären wurden wie bisher die Ge­noffen Taub, Kremser und Paul bestellt.

Sodann befaßte sich der Parteivorstand auf Grund eines Referates des Genossen Taub mit ben dem Parteivorstand vom Parteitage zugewiesenen Anträgen und faßte die ein­schlägigen Beschlüsse.

Schließlich wurden die laufenden admini­strativen Angelegenheiten erledigt.

So ist's recht!

Bern . Nachdem die reichsdeutschen Behörden nun auch die ,, Baseler Nachrichten" in Deutschland berboten haben und dadurch für die in Deutschland lebenden Schweizer die letzte Möglichkeit geschwun­den ist, sich über die Vorgänge in der Welt durch schweizerische Zeitungen zu informieren, hat der Bundesrat als Retorsionsmaßnahme verfügt, daß der Eintritt der deutschen Zeitungen " Der Alemanne" und ,, Der Stürmer " in die Schweiz verboten und das Erscheinen des Blattes Der Reichsdeutsch e", des Or­gans der in der Schweiz lebenden Reichsdeutschen, untersagt werde.

Herriot , der Halblinke

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Er machte besonders darauf aufmerksam, daß weder dem Bezirke Preßnis, noch den Gemein­den von denen einige, wie Pleil- Sorgenthal und Christophhammer selbst schwer in Mitlei= denschaft gezogen wurden Geldmittel zur Verfügung stehen, und daß nahezu a II e durch den Wirbelsturm um das Haus, um das Obdach und um Hab und Gut Beraubten mittellos sind. Kaum einer der Menschen, denen der Sturm das Dach weggeriffen, könne es ohne fremde Hilfe wieder aufbauen, kaum einer könne seine zerstörten Stuben und Mauern aus eigenem wiederherstellen; die wenigsten jener Familien, deren Werkzeuge, landwirtschaftliche und Haus­geräte, Möbel und Kleider vernichtet wurden, könnten sich selbst auch nur den notwendigsten Ersatz beschaffen.

Nur schnellste und wirklich zn reichende Hilfe des Staate& könne den völligen Untergang dieser armen,

schiedet, den ordinärsten Leitartitel veröffentlicht, der sich in 107 Jahren in ihren ehrwürdig alters­grauen Spalten finden dürfte. Unter dem Titel ,, Weiter wählen!" fordert sie die Regierung auf, den Parlamentswahlen alsbald auch Wahlen in die Gemeinden, die Krankenkassen und die Spar-, tassenausschüsse folgen zu lassen. Nun ist es im demokratischen Staate jedermanns Recht, ſeine Meinung über derlei Probleme zu sagen, Wünsche zu äußern, Forderungen aufzustellen. Während es in dem Reich, nach dem es die Bohemia" mit

auch burch keinerlei Verſicheru nike sobre aller Straft brünstiger Sehnsucht zieht und wo sie

auch durch keinerlei Versicherung geschützten die Hälfte ihres geschäftlichen Fundaments besitzt, Menschen verhindern!

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Abgeordneter Rais wies besonders auf die Dringlichkeit der Hilfeleistung hin. Der Scha­den, den durchwegs fleine Leute erlitten haben, beträgt nach den Erhebungen und weiteren Schätzungen mehr als 800.000, und ihm steht so gut wie gar keine Möglichkeit gegen über, aus Mitteln des Bezirkes, der Gemeinde oder aus privaten Mitteln etwas davon abzu­decken.

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nicht möglich wäre, Wahlen irgendwelcher Art zu fordern und auf die demokratische Verfassung- die als Papier dort noch besthen soll zu pochen, erfreut sich die Bohemia" eben der günstigen Lage, zivar nach Deutschland zuständig zu sein, aber in der Tschechoslowakei zu erscheinen, wo sie aber nur der Tsche­radikal, oppositionell und choslowakei gegenüber demokratisch sein darf.

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Wir haben den Rufen der Henleinfascisten, daß man jezt in alle Vertretungen Neuwahlen ausschreiben müsse, wiederholt sachliche und wohl­Genoffe de Bitte legte die Bilder vor, die begründete Argumente gegenübergestellt. Nicht von den Genossen Sigmund und Stern auf darum geht es, daß die Bohemia" aufs neue genommen wurden und von denen einige bereits in nach Wahlen auf allen Gebieten ruft. Es ist nur der gestrigen Ausgabe des Volkswille" wiederges bemerkenswert, welcher neuen Begrün geben wurden. Er bezog sich auf die amtlichen Erdungen sie sich hiebei bedient. hebungen durch die Bezirksbehörde in Weipert und bat darum, daß der Ministerpräsident Veranlas­sungen in den zuständigen Ressorts treffen möge, um vor allem einmal die notwendigsten Wieder­Herstellungen zu ermöglichen.

Daß die ,, Boh.mia" der Sozialdemokratie Borhaltungen darüber macht, daß sie sich mit den Beiten geändert habe, kann man als Geschmad­losigkeit abtun. Die Sozialdemokratie hat sich so­weit geändert, als vor allem die geänderten Kampfmethoden ihrer Gegner fie gezwungen haben, in manchem Punkte vor Der Ministerpräsident war ob fichtiger, in manchem härter zu sein als früher. Die der Schilderungen sichtlich erschüttert und er- Erfahrungen, die man mit einer formalen und klärte, daß er sich die Hilfeleistung durch die Re- absoluten Demokratie in Deutschland gemacht hat. gierung sehr angelegen sein laffen werde. Es waren lehrreich genug. Dort hat sich erwiesen, daß fetzte sich auch sofort mit dem Innenmini- man dem Fascismus nicht nach den alten Spiel­sterium in Verbindung, und von dort wurde regeln des demokratischen Fair play begegnen: wiederum zugesagt, daß unverzüglich ein Be- tann, ohne nicht selbst den Kopf auf den Bock richt der Landesverwaltung über die des Henters zu legen. Die ,, Bohemia" fönnte sich Auswirkungen der Wirbelsturmkatastrophe ein- darauf berufen, daß fie auch in früheren Zeiten geholt und gleich die erstematerielle schon wenig Wert auf Fairneß im Kampfe gegen Hilfeleistung aus dem Fonds den Sozialismus gelegt hat, aber wir versichern des Innenministeriums für ihr, daß auch ihre schmuzigsten Jugendtollheiten Elementartatastrophen erfolgen nicht an das heranreichen, was sich der Fascismus an Kampfmitteln leistet und daß es der nadte Im Uebrigen erklärte der Ministerpräsident, Wahnsinn wäre, diesem System bon Lug und daß alles nur Mögliche getan werde, um den durch die Katastrophe im Bezirke Preßnitz- Wei­pert Geschädigten Beistand zu leisten.

werde.

Russische Protestnote an Japan

Das Militär provoziert Grenzzwischenfälle

Trug, Zwang und Gewalt gegenüber nicht zu härteren Methoden zu greifen, als wir sie dem alten Liberalismus gegenüber anwandten. Das gegen hat die Bohemia" zur Rechtfertigung ihrer bielen Wandlungen nur das eine, freilich wandels. bare Jdeal des höheren Profits anzuführen, dem sie in allen Kursen der politischen Windrose zuzus streben wußte. Ein Blatt, das ehedem die Privi legien der Befißklasse in den Gemeinden leiden­schaftlich verteidigte und das vor kurzer Zeit noch als Organ der DAWG. das Wort Wahlen so vor­Moskau. Der sowjetrussische Botschafter waren. Gleichzeitig wurden die Kutter und die Ufer sichtig gebrauchte, wie es die Pietät empfahl, die in Tokio Juren e w überreichte am 1. Juli dem photographiert. Nur der Kaltblütigeit und Ruhe der im Hause des Schwerkranken das Wort Tod ver­Besatzung der sowjetruffischen Schiffe und ihrem pönt, spielt sich auf einmal als Anwalt radikal­meiden, ist es zu verdanken, daß auf der verlegten Atem die Sozialdemokratie der Inkonsequenz an Grenze der Sowjetunion nicht das Feuer eröffnet zuflagen. wurde und der Zwischenfall nicht zu weiteren Kom­plikationen führte.

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Aber diese frivole Greifin verfügt noch über faftigere Ordinärheiten. Da schreibt sie:

Paris . ,, Echo de Paris" veröffentlicht ein japanischen Außenminister Hirota im Auftrage Streben, einen bewaffneten Zusammenstoß zu verster Gemeindedemokratie auf und wagt in einem Telegramm aus Lyon über die Erklärung, in der Sowjetregierung eine Protestnote betreffend die welcher sich Staatsminister Herriot über die Grenzzwischenfälle, die sich in der letzten Zeit er neuen Tendenzen einiger Elemente in der radi- eignet haben. falsozialistischen Partei beschwert. Ich bin nicht In der Note heißt es u. a.: Am 26. Juni nach­rechts eingestellt, aber ich kann nicht dulden, daß mittags fuhren die zwei mandschurischen Kanonen- Dieser Fall ist, heißt es in der Note, ein ich mit der äußersten Linten verwickelt werde, boote ,, simin und Limin" in den Bojar- weiterer Beweis des offensichtlichen Strebens der sagte Herriot . Ich werde der Partei auf diesem tower Flußarm des Amur- Flusses beim Dorfe Bojar- Iotal en japanisch mandschuri Wege nicht folgen und werde lieber zukow ein, der zu den Hoheitsgewässern der Sowjet- schen Behörden, Konflikte und Verwicklun union gehört und deshalb für ausländische Schiffe gen zwischen Japan und Sowjetrußland zu probo­gesperrt ist. Zwei Kutter des sowjetrussischen zieren. Die Sowietregierung erwartet, daß die Grenzschutes signalisierten den mandschurischen japanische Regierung, die wiederholt ihren Wunsch Kanonenbooten, daß die Einfahrt in den Flußarm erklärte, die friedlichen Beziehungen an der Grenze nicht erlaubt ist. Eroß dieser Warnung liefen die bei aufrechtzuerhalten, rasche und energische Das Gesez rügt besonders streng die Vers den Kanonenboote in den Flußarm ein und fuhren Maßnahmen treffen werde, um provokato- leumdung von öffentlichen Funktionären, denen ohne die Signale der sowjetrussischen Grenzfutter zu rischen Handlungen der lokalen japanisch- man- böswilligerweise Mißbrauch ihres Amtes nachges beachten, stromaufwärts. dschurischen Militärbehörden vorzubeugen, und sagt wird. Wie sollen sich aber Hunderte sozialdes daß sie diese Behörden nachdrücklich auf die Unzu- mokratischer Mandatare oder sozialdemokratisch

rüdtreten."

Riesenmanöver

In den Sparkassen verfügen sie über Gelder, zu denen sie und ihre Anhänger den allers geringsten Teil beitragen, und obendrein sorgen fie. dafür, daß überall ihre Leute als Beamte angestellt unb gut bezahlt werden. Soziale Fürsorge...?

zwischen Bozen und Udine Der ,, Matin" meldet aus Rom , daß die italienische Armee in diesem Sommer zwischen Bozen und Udine unter Beteiligung von etwa 500.000 Soldaten und in Anwesenheit des Königs, Dabei stand die Besatzung der mandschurischen des Ministerpräsidenten Mussolini sowie des Mar- Kanonboote an den Geschützen und Maschinengeweh lässigkeit und Gefährlichkeit ihrer Handlungsweise denkender Beamten gegen die dredige Paus schalls Badoglio große Manöver veranstalten wird. Iren, die gegen die sowjetrussischen Rutter gerichtet an der Grenze aufmerksam machen werde.

' ichalberdächtigung wehren, die in den