Sosialdemokrat

ZENTRALORGAN

DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TAGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 33077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB , CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG ,

15. Jahrgang

Mittwoch, 7. August 1935

Demonstrationen

und Straßengefechte

in französischen Städten

Baris. Hervorgerufen einerseits durch die Regierungsdekrete über die Gehälter- und Lohn reduktionen und andererseits durch den Gegenjak zwischen den sozialistischen Arbeitern und reaktio­nären Vereinen ist es Montag und Dienstag in verschiedenen Städten zu Unruhen und Schieße­reien gekommen.

In der Umgebung des Bastille- Blazes in Paris wurden, nach einer Meldung des Tich. Breß- Bureaus, bei einem Zusammenstoß zwischen Anhängern der, Patriotischen Jugend" und Mit­gliedern der sozialistischen Einheitsfront, welche vorher von den Fascisten überfallen worden war, Revolverschüsse gewechselt, durch welche eine Per­son tödlich und mehrere schwer verletzt wurden. Die Polizei verhaftete 50 Personen.

klärte, unter diesen Verhältnissen nicht arbeiten zu wollen und trat in den Streit, welcher rasch großen Umfang annahm. Als die Gendarmerie eine Versammlung verhindern wollte, versuchten die Streifenden den Gendarmeriefordon zu durch­brechen. Die offizielle französische Telegraphen­agentur Havas meldet, daß im Laufe des Diens tag- Nachmittags in Brest Nuhe eingetreten sei.

Dienstag nachmittags versammelten sich etwa Verkehr im Pariser Rayon, der die Autobusse, die

1200 Angestellte der Geſellſchaft für öffentlichen Straßenbahn usw. gehören, in Paris und wollten im 18. Bezirk gegen die Regierungsdefreie manis feſtieren. Die Polizei trieb die Versammlung aus einander und berhaftete hiebei etwa fünf Teil­nehmer. Heute gegen abends versammelten sich etwa 500 Angestellte der Gasanstalten in der Vorstadt Clichy und wollten in einem Manifestationsumzug In Toulon demolierten streikende Ar- nach Paris ziehen. Die Polizei schritt ein, be­beiter des staatlichen Arsenals nach einer Demon- schlagnahmte die im Zuge getragenen Standarten und trieb die Manifestanten auseinander. stration gegen die Lohnreduktionen das Lokal der monarchistischen Action francaise und einige Gast­häuser, in welchen die Marineoffiziere zu ver­fehren pflegen. Einige Offiziere wurden ver prügelt. Erst einem starken Gendarmerieaufgebot gelang es, die Demonstranten zu zersprengen.

Im Kriegshafen Brest begannen die Kund­gebungen der Arsenalarbeiter Montag und wie derholten sich im Laufe des folgenden Tages, als die Behörden in den Werkstätten Gendarmen aufmarschieren ließen. Die Arbeiterschaft

Polen lehnt

Danziger Argumente ab Warschau . Der polnische Kommissar in Danzig Papée sandte dem Danziger Senat die Antwort auf die Note vom 3. Auguft. In der Ant­wort heißt es, daß die vom Senat angegebenen Gründe für die Notwendigkeit, einige Waren vom Einfuhrzoll zu befreien, nicht angenommen wer­

erden können.

SHF- Mann in seiner Parteikanzlei geschlagen und getreten!

Wie es bei Henleins in Teplitz- Schönau zugeht!

Wir erhalten von einem in der Sudeten Das ärztlich e Zeugnis spricht deutschen Partei an hervorragender von schweren Quetschungen und sonsti­Stelle tätigen Funktionär, der jedoch mit gen Verletzungen. bem mißhandelten Mitglied nicht identisch ist, fol­Einige Tage später erhielt der übel zugerich genden Bericht: In der Sudetendeutschen Partei, Bezirk Tep- tete Funktionär, von dem wir wissen, daß er wäh­lik- Schönau, iputten nach den Wahlen allerlei rend der Wahlzeit Tag und Nacht für die Sude­Unannehmlichkeiten herum; es gab dies und jenes tendeutsche Heimatfront gearbeitet hat, die Mittei zu erledigen. Man mußte zurückschrauben, denn in lung, daß er aus der Partei ausgefchloss der Hiße des Gefechts wurde manches getan, man- sensei. ches gesagt und manches Mitglied geworben, was

dann zu Komplikationen führte...

des

Statt daß ihn die Partei vor diesen eigen­artigen Manieren eines werdenden Führers ge­schüßt hätte, warf sie ihn aus der Partei hinaus. Die ganze Angelegenheit wird innerhalb der Su­ detendeutschen Partei behandelt werden, da eine Berufung gegen den Ausschluß vorliegt.

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( einschließlich 5 Heller Porto)

Nr. 182

Krisenpolitik und Sozialismus

Vom schwedischen Ministerpräsidenten Per Albin Hansson

Der augenblicklich in Stockholm weilende P. M.- Mitarbeiter unseres Blat. tes hatte eine Unterredung mit dem sozialdemokratischen schwedischen Mini­sterpräsidenten Hansson, der sich über eine Reihe außerordentlich inter. effanter und für die Sozialdemokratie bedeutungsvoller politischer Fragen sicherlich große Beachtung unserer Lefer finden, da die Auffassungen Hanssons äußerte. Die Ausführungen des schwedischen Ministerpräsidenten werden die Erfahrungen wiedergeben, die ein leitender sozialdemokratischer Staats. mann in mehrjähriger Regierungszeit gemacht hat.

Welchen Ursachen und welchen Methoden der Troßdem wir also eine ausgesprochene Konjunk schwedischen sozialdemokratischen Regierung schrei- tur haben und nicht nur die Krise überwunden, ben Sie selbst, Genosse Hansson, den erstaunlichen war es nicht möglich, den gesamten Zuwachs an tonjunkturellen Aufschwung Schweden 3 zu?

Als wir 1932 noch in Oppositionsstellung

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waren, richteten wir den Hauptangriff gegen die sogenannte Sparsamkeitspolitik" der bürgerlichen Parteien und der Regierung. Wir sahen in der Arise eine Krise nicht des Mangels, sondern des Ueberflusses und wir konnten die Bekämpfung der Strise nicht in einer Begrenzung des Bedarfs, son­dern nur in seiner Steigerung sehen. Daher gaben wir für die Wahlen von 1932 die Parole aus: Steigerung der Kauftraft. Die private Initiative hatte als Stimulans versagt. Wir stellten uns auf den Standpunkt, daß Staat und Gemeinden eingreifen müßten, um eine effet­tive Kauffraftsteigerung zu ermöglichen. Als wir die Regierung übernahmen, erwies sich dieser Grundsaß als entscheidend. Solange wir in Oppo­fition standen wußten wir selbst nicht, wie ente scheidend. Bezeichnend ist, daß wir in der Oppo= fition nur 30 Millionen für öffentliche Arbeiten auf dem offenen Markte verlangten, während wir in der Regierung 200 Millionen begehrten. Die Arbeitskraft so rasch aufzufangen. Die Ueberwin­Krise zeigte sich bei uns in hauptsächlich zwei dung dieser Schwierigkeit ist nun unser Haupt­Symptomen: der immer schärfer ansteigende, ia problem auf dem Gebiet der Arbeitsbeschaffung. tatastrophalen Arbeitslosigkeit, und dem ebenso 1933 war unsere Parole: Erhöhung der Kauf­fatastrophalen Preisfall für die landwirtschaft- kraft. Bei den Wahlen von 1934 den Land­ lichen Produkte. Unsere Politik stand also vor zwei tagswahlen Erweiterung der Produktion". Aufgaben: Erstens das Volk in Arbeit zu sehen, Ueber die Einzelheiten der Methoden für die Er­zweitens aber die landwirtschaftlichen Preise zu weiterung unserer Produktion sind wir uns noch stabilisieren und der Bauernschaft wieder zu einer nicht völlig klar. Doch haben wir vor allem ein angemessenen Rentabilität ihrer Arbeit zu verhel- umfassendes Bauprogramm. Eine fen. Auf diese beiden Aufgaben konzentrierten wir Erweiterung unserer Bauindustrie ermöglicht die Arbeiten des Reichstages von 1933 und mit nämlich eine Verknüpfung der beiden einander so vollem Erfolg. Die in Arbeitgesette widersprechenden Probleme der Gefahr der Be­Arbeiterschaft wurde wieder völkerungsverminderung auf der einen Seite und bollwertiger Konsument der der im Augenblick so hohen Zuwachsziffern aut landwirtschaftlichen Produkte, der anderen. Bessere und billigere Wohnungen, so, die wieder rentable Landwirt= wohl auf dem Lande wie in den Städten, wirken fchaft Käuferin der Industrie der Abnahme der Bevölkerung entgegen, gleichzei waren. Die Steigerung der Kauffraft bedeutete tig aber ermöglicht die Erweiterung der Bautätig also eine Selbstauflösung der Krise. Freilich, wir feit, die ja eine der effektivsten Schlüsselindustrien hatten auch Glück. Vor allem mit unserem Export. ist, eine raschere Aufsaugung des Zuwachses an Es iſt teils die hohe Qualität der Arbeitskräften. Das ist also unser gegenwärtiges schwedischen Waren, die unseren Erport Programm." gefördert hat, wohl aber hauptsächlich die ich we

dische Valutapolitit. Wir hatten schon 1931 den Goldstandard verlassen. Uns fam der Wirtschaftsaufschwung des Pfundblockes besonders zugute. Da wir aber seit 1933 imſtande waren auch die Kaufkraft der Krone im Lande ſelbſt zu heben, so kam uns diese Exportſteigerung voll zu gute. Es ist gewiß auch die Valutapolitik, die eine Boraussetzung und Ergänzung unserer Krisen­politik war."

Welche der Methoden Ihrer Regierung, sehen Sie, Genosse Hansson, als zielführend zum Sozialismus an?

* Ich hatte oft Gelegenheit diese Frage beson­

ders" mit amerikanischen Sozialisten zu disku­tieren. Gehen Sie: wir haben in Schweden nicht eine, sondern zwei Krisen überwunden, eine wirt­schaftliche und eine politische. Mit dem Anwachsen der Krise wuchs auch bei uns in den Mittelschich=

Im Zuge eines solchen Reorganisationspro­zeſſes sollte auch ein neuer Bezirksführer bestellt werden. Warum man zur Berson eines unbekann­ten Herrn aus einem anderen Bezirke griff, war Gegenstand verschiedener Gerüchte, die sich immer| Wie ich erfahre, wird gegen diese Mißhand­mehr verdichteten und schließlich auch zu Ohren lung im Sefretariat in der Frauengasse, wobei ten eine antidemokratische, teilweise fascistische Wie gedenkt Ihre Regierung, Genosse Hans- Tendenz. Was wir bewiesen haben, das ist, daß neu zu bestellenden Herrn Führers famen.. eine größere Anzahl Menschen son, den noch vorhandenen Rest der Arbeits eine demokratische Regierung handeln kann und Tage vergingen. Da wurde am Freitag, dem 3e ugen dieser Gestapomethoden waren, die 28. Juni 1935, ein Funktionär der Sudetendeut- tra fanzeige erstattet werden. Iosenzah I, die jawohl struktureller Natur daß der Reichstag und die Demokratie handlungs­schen Partei, dessen Name uns bekannt ist, in das ist, au bekämpfen? fähig ist. Das bedeutet eine Rettungun= Teplizer Braune Haus ", also in die Kanzlei-| Soweit der tatsächliche Sachverhalt! Da ents 50.000. Dies obwohl heute rund 100.000 Wen- Rettung der politischen Basis Unsere lezte Arbeitslosenziffer ist rund serer Demokratie und damit die räume der Sudetendeutschen Partei in der steht nun wohl doch die Frage: Wo sind wir den ſchen mehr in Arbeit stehen als in der Zeit der für eine sozialistische Arbeiter­sich dem Mann aus dem fremden Bezirk gegen- angelangt? Was ist das für eine Bartei, die zu- letzten Hochkonjunktur 1929. Wir stehen in Schwebe we gung. Was nun die Sozialifie= über, der zu einer besonderen Führerfunktion läßt, daß in ihren Kanzleiräumen Mitglieder vor den nämlich heute vor zwei Problemen, die in ihrer rungsfrage selbst anbelangt: Ich bin zu­Ohne nun eine Rechtfertigung des Parteileute tun, wenn sie so frei und ungebunden uitung einander diametral entgegengesetzt sind. viel Marrist, um nicht zu wissen, daß man Gozia­ahnungslosen SHF Mitgliedes, das einen Gegner in ein leerstehendes Nebenzimmer wuchs eine stetig sinkende Tendenz. Wir stehen vor lismus ein Produkt der Entwicklung sein muß. Ich nicht wußte, zu welchem Behufe man es loden fönnten? Und dann wage noch jemand daran einer wirklich ernsten Gefahr der 11eber halte nicht viel von am Schreibtisch ausgearbei vorlud, abzuwarten, wurde der Funk. 8u zweifeln, daß diese sudetendeutschen Fascisten a Iterung unseres Voltes und bei teten Sozialisierungsprojekten, sondern viel mehr fionär in ein leeres Nebenzim haben! mer geführt und dort von dem

auserforen war.

Mitgliedern geprügelt werden? Was würden diese

Auf der einen Seite zeigt unser Bevölkerungsnach- lismus nicht machen" kann, sondern daß Sozia­

mancherlei gelernt von

daß um 1950 ein Rüdgang unserer Bevölkerungs - Die Frage der Möglichkeit der Sozialisierung Der Mann, der auf diese Art die Liebe seis ziffer zu erwarten ist. Gleichzeitig aber stehen wir hängt innig damit zusammen, wie weit den brei­Mensch, über dessen Ehrlichkeit und Intelligenz lich hochzifferiger Jahrgänge im Produktions- licher Eingriffe in der Volkswirtschaft klar gewor­esicht. Als er ob dieser Züchtigung taum ein Zweifel besteht. Wir würden nur wün- leben unseres Landes unterzubringen. Allein un- den ist. Sie ist also eine Frage der Erfah= zusammen bra ch, versetzte ihm der schen, daß er und die anderen seiner Kameraden" ter den letzten fünf Jahren haben wir einen Zurung, die das Volt mit den Wirtschaftsformen intelligente Herr noch einige Fuß aus solchen wahren Geschehnissen die entsprechen schuß von einer Viertelmillion neuer Arbeitskräfte macht. Für heute stellt sich diese Erfahrung in den Konsequenzen zögen über die normale Ersetzung älterer Arbeitskräfte.| unserem Volt so dar, daß es zwar die Entwick­

neuen Mann geprügelt. Er bekam Schläge in den Kopfunding ner Partei verspürt hat, ist ein anständiger im Augenblick vor dem Problem ganz ungewöhn- ten Volksmassen die Notwendigkeit gesellschaft­

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tritte.

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