Sosialdemokrat

ZENTRALORGAN

DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TAGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 33077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB . CHEFREDAKTEUR : WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, PRAG .

15. Jahrgang

Samstag, 14. September 1935

Fünfzehn Jahre wurde geredet

- jetzt wird

gehandelt

Einzelpreis 70 Heller

( einschließlich 5 Heller Porto)

Frankreich

Nr. 215

an Englands Seite Lavals Rede in Genf

Gen f. Der französische Minister­präsident Laval hielt am Freitag vor der Völkerbundversammlung seine mit großer Spannung erwartete Rede. bedin gungslos für die Einhaltung des

Hauptbeschäftigung der SdP- Bonzen: Intrigieren ebaval feste fich be

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Es wird Scherben geben Dilettanten schimpfen einander Dilettanten -Man bildet Blöcke und trägt den Dolch im Gewande- Die Trümpfe Die betrogenen find schon in der Hand, bald geht das Stechen los

Arbeiter ahnen den Stunk- Ernster ist die Sache Dr. Köllner

Porträts von Henlein - Führern, gezeichnet vom Henlein - Abgeordneten Nentwich

Sie versprachen vor der Wahl: Arbeit allen Arbeitslosen Wohlstand dem Gewerbe Hilfe den Bauern

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Mit Posaunenschall wurde im ganzen ſude­ tendeutschen Land verkündet: fünfzehn Jahre hät­ten die verruchten alten Parteien nur geredet die Bonzen hätten sich die Bäuche gefüllt und um das Volk nicht gekümmert nun aber sollte endlich gehandelt wer= den. Das zog.

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Eineinviertel Million Wähler und Wäh­Yerinnen schenkten Konrad Henlein blindes Ver­trauen. Er sollte sie besseren Zeiten entgegen­führen. Nach dem 19. Mai warteten sie in fieber­Hafter Spannung auf die versprochenen Taten. Während das gläubige Volk hoffte und wartete, sonnte sich Henlein am Genfer See , bereiste er die Schweiz , England, Skandi= navien. Nun ist er wieder heimgekehrt, doch die Taten sind immer noch nicht da..

Das gläubige Volk, das ihm blind ver­traute, beginnt zu murren.

Mit Festen und Volkstagen" soll der Un­mut übertönt werden.

Der Volkstag" in Haida war angeblich die -größte politische Kundgebung des Sudeten deutschtums".

Sollte anschließend etwa mit dem Handeln begonnen werden? Ach nein, Herr Sandner spielt in Prag schon wieder S. M. allergetreueste Opposition".

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Strassenau, den 22. 8. 1935.

Herrn Rudolf Sachse, Ortsleiter der S. d. P. Bodenbach Nr. 1158.

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uns den Dolch im Gewande trägt, doch e ich die Suppe nicht so heiß, wie sie die Herren vom Kreis M.), der mir immer mehr als das geistige Oberhaupt soweit die Herren aus dem ano­nymen Dunkel hervortauchen erscheint, kochen und einrühren wollen. Derzeit haben wir alle Trümpfe in der Hand und wir wollen sie nicht vorzeitig ver­stechen. M. muß hier weg und das darf nicht locker behandelt werden. Hausmann allein ist nicht gefährlich und Helzel**) ist dann doch ein etwas zweifelhafter Bundesge­noffe für ein so gewagtes Spiel. Helzel wird fich, wenn er so weiter macht, in nicht zu ferner Zeit auch in breiteren Kreisen demaskiert und da­durch einflußlos gemacht haben. Auch und viel­leicht besonders unsere Arbeiter

haben wohl im Unterbewust- Völkerbundpaktes und aller dar= fein ein Gefühl für den Bruch, der aus erfließenden Ver. in feinem Charakter liegt. Wirpflichtungen ein und betonte Efel allerdings haben diefes feine Gefühl nicht nachdrücklich die englich fran gehabt und zu spät bekommen. Interessant ist zösische Solidarität in der Kowarcz. Wie doch gute Worte und auch gleich- Clebernahme zeitiges Ahnenlassen rücksicht 8= wortung. loser Härte im richtigen Zeitpunkt wirken fönnen!

Nun Sonntag bin ich zurück. Sei so gut und besprich mit Robert, der Samstag Abend zurück­tommt, die Tetschner Sache. Ich will zusehen, daß ich Sonntag noch Dich erreiche, um mich über den Stand der Dinge' ns Bild zu setzen. An Koware; will ich gleichzeitig schreiben, damit er tut, was möglich ist. Montag muß durchreißen.

Ernster ist die Sache Dr. Köllner und Dein Brief. Ueberschlafen! Wir wollen be­raten, was zu tun ist. Jedenfalls zeichnet sich die Notwendigkeit einer weiteren unter redung mit Konrad ab.

Schönsten Dank für Deine Zeilen. Grüße an Dich und Deine liebwerte Gattin von mir nnd meiner Frau

Dein Nentwich.

Abf. Ing. Alfred Nentwich, Tetschen a. d. Elbe ..

Um dieses Dokument richtig beurteilen zu können, muß man noch die folgende Danksagung lesen:

Kameraben!

Der Nord böhmische Volf stag" in Haida war die größte poli­tische Rundgebung des Sudetendeutschtums. Er wurde zu einem einzigartigen Erfolge für unsere Bewegung, zu einem überwältigenden Treubekenntnis zu Konrad Henlein .

Nur durch Euere unermüdliche Mitarbeit, durch Enere Opferbereitschaft fonnte dieser Tag gelingen.

Wir haben bewiesen, daß wir seit dem 19. Mai stärker und in= nerlich fester geworden sind.

ich Euch!

Kameraden und kameradinnen! Als Kreisleiter danke Treue um Trene auch in den kommenden Tagen! Unsere Opfer sollen nicht vergebens gewesen sein!

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Franz M a v.

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Oder wird nach bekannten Mustern vom Hauptquartier eine Berichtigung fommen: In wahr ist, daß iemandem ins Ge= ficht gespuckt wurde.. Wahr ist, daß es geregnet hat...?

Wird man bei der nächsten Parlamentsfit­zung die Nentwich und May und Dr. Köllner wieder in forschen Doppelreihen nebeneinander ins Haus marschieren sehen?

gemeinsamer Verant­

Andererseits vergaß er auch nicht, dieFreundschaft zwischen. Frank= reich und Italien zu betonen und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß noch eine Lösung gefunden werde, die die ,, berechtigten" italienischen Er­wartungen befriedigen könnte und mit der Achtung vor der Souveränität eines anderen Völkerbundmitgliedes vereinbar sei.

Die Rede Lavals wird allgemein dahin ausgelegt, daß Frankreich noch mals einen Appell zur Mitarbeit an Italien richtet, aber für den Fall, daß eine versöhnliche Lösung nicht zu­standekäme, Sanktionen gegen Jta­lien und zwar zunächst wirt= schaftlicher und finanziel. Ier Natur- mitmachen würde. Da mit hat sich Frankreich deutlich an die Seite Englands gestellt.

Echtheit diese Briefes etwa angezweifelt werden, sind wir bereit, die Serie sogleich fortzusetzen. Und was sagt

die sudetendeutsche

Oeffentlichkeit dazu?

Das ist die ernsteste Frage, die sich beim Lesen dieses zeitgeschichtlichen Dokuments auf drängt. Gibt es überhaupt noch sittliche Maßstäbe in unserem politischen Leben? Ist bei zwei Drit teln unserer Bevölkerung das Gefühl für An­stand und Sauberkeit in öffentlichen Dingen schon bor die Hunde gegangen? Werden sich die einein­viertel Million Wähler der Henleinpartei mit jol­cher Einlösung der empfangenen Versprechungen zufrieden geben?

Dieser widerliche Cliquenstreit soll den Ar­beitslosen das versprochene Brot ersetzen, dem Gewerbe die erhoffte Arbeit, den Bauern die erwartete Schuldenstreichung? Diese Fragen legen wir den Wählern und Wäh­lerinnen der Henleinpartei vor.

Eines ist gewiß: jene verrottete Schriftleis terpresse, die für Henleins Partei so heftig die Werbetrommel gerührt hat, wird mit der gleichen moralischen Akrobatik, mit der sie die kleinste Ver­fehlung eines Arbeiter- Vertrauensmannes zu plakatieren gewohnt ist, diese skandalösen Vor­gänge im Lager der Volksgemeinschaftler tot­Das liegt bei Konrads unerforschlichem Rats schweigen. Eher ließen sich diese Herrn Schrift­schluß. Wir werden jedenfalls nicht ermangeln, leiter mit glühenden Zangen foltern, bevor Tie die Henleinwähler auch weiterhin über die Vor- ihren Lesern die Wahrheit über die Führerkämpfe gänge in ihrer Partei zu informieren. Sollte die in der Henleinpartei mitteilen würben,

Und die Wähler sollen weiter hoffen. Hof­fen und warten, nicht murren und drängen. Wie­In diesen hohen Tönen spricht jener Herr gesucht. Sie passen zu ihm und der werden sie vergebens hoffen. Denn während das Volt auf Taten war- May zu seinen Heerscharen, gegen den sein er zu ihnen. Außerdem ist der Führer un­tet, streiten sich die Führerum Fraktionsfollege Nentwich alle Trümpfe fehlbar. Man kann neugierig sein, was die Herren in der Hand" hat. Jener Herr May, der in die Pfründen. Henlein - Wähler, prüfet an Hand des nach Haida mit bewiesen hat, daß wir seit dem 19. May, Helzel, Dr. Kölner u. Komp. zu folgend abgedruckten Original- Dokuments selbst, Mai st ärfer und innerlich fester dieser moralischen Porträtierung durch ihren ob ihr euch die Voltsgemeinschaft unter Henleins geworden sind". Der mit dem Dolch im Ge- Kameraden Nentwich zu sagen haben. wande" ausruft: Treue um Treue. Denn: Führung so vorgestellt habt: Unsere Opfer sollen nicht vergebens gewesen sein". Wessen Opfer? Die des Herrn Nentwich, der seine Urlaubsruhe hingab, um gegen den Kreisleiter nicht gerade verzuckerte Pfeile abzu­schießen? Oder die des anderen Mandatsträgers mit dem Bruch im Charakter"? Man hat in Lieber Freund und Kampfgefährte Sachfe! Haida wieder einen einzigartigen Er­Deinen Eilbrief erhielt ich und antworte fo I g" erzielt: Nur zu, je forscher, gleich. Die Herrschaften spüren Oberwasser und desto eber sind die Scherben da.". segeln frisch und unbekümmert den Kurs, der Weil: Ernster ist die Sache Dok ten liest. 2 ar 31, ie forscher desto forköllner", des. Trautenauer Henlein cher ist der Scherben da. Von Dille- Advokaten und Abgeordneten, wie sein Klubkollege tantismus zu sprechen, wenn man selber Nentwich sorgenboll vermerkt. mehr als dilletiert, ist lustig. Daß sie über Robert) und mich herfallen, läßt mich in meiner Ferien- und Ruhestimmung vollkommen kalt, um­somehr als die Herren es in unserer Abwesenheit fun, was eine besondere Ritterlichkeit der Kampfesführung beinhaltet. Frene Allenthalben gibt es Leute in der Henleinpartei, mid über eine Auffailung von Freundespflicht, die der Efel im Halje würgt. Das Führerprinzip die Dich zu dem eiligen Brief veranlaßt, erkenne fann den großen Strach unter den streitenden flar, daß Du recht hast, wenn Du von der Blocks" dazu hat man ja die Sudetendeut­Festigung des Blodes sprichst, der gegen schen mühevoll geeint, um neue Parteiungen in der eigenen Partei zu bilden zwar verzögern, aber nicht aufhalten. Und eine weitere Unterre­dung mit Konrad" wird auch nichts nüben, wenn schon die bisherigen Befchivörungen für die Katz waren. Henlein hat sich doch seine Abgeordneten persönlich aus

*) Robert Tschafert, Senator in Boden bach. ) Franz Ma y, Kreisleiter und Abgeordneter, Niedergrund.

**) Helzel, Landesvertreter, Obergrund.

Es stinkt also nicht nur in Bodenbach . Die ganze Volksgemeinschaft von Eger bis Jägern

derf strömt allgemach schon penetrante Verwe­fungsgerüche aus.

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Schweigen aber heißt, sich mitschuldig machen an dem Verhängnis, daß ein aus tausend wirtschaftlichen Wunden blutendes, darbendes und um die letzten Existenzmöglichkeiten ringendes Minderheitsvolk dem Cliquenstreit politischer Dilettanten ausgeliefert wird. An Hinterherklugen wird es nicht fehlen, wenn es zu spät ist.

Jetzt ist es noch Zeit, der größten Komödie in der sudetendeutschen Poli­tik, deren Hauptdarsteller einander selber die Maske vom Biedermanns­Geficht reißen, ohne Katastrophe ein Ende zu bereiten.

Wenn die Führer der Henleinpartei nur reden und streiten dann müssen ihre Wähler handeln!