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Sosialdemokra

ZENTRALORGAN

DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI

IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB . CHEFREDAKTEUR : WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG .

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15. Jahrgang

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Mittwoch, 2. Oktober 1935

Einzelpreis 70 Heller

( einschließlich 5 Heller Porto)

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Hitler- Offensive

gegen Oesterreich

In gleichem Maße, in dem sich Italien in das abessinische Abenteuer festrennt, in gleichem Maße, in dem die Verwirrtheit unter den West mächten wächst, in eben diesem Maße steigert sich auch die außenpolitische Aktivität Hitler- Deutsch lands. Die Ereignisse der letzten Wochen haben gezeigt, daß die neue Offensive, die das Dritte Reich insbesondere auch gegen Oesterreich begonnen hat, trotzdem sie sich dort weit weni­ger geräuschvoll vollzieht, als der gleichzeitig mit den Fanfaronaden von Nürnberg eingeleitete An­griff auf Litauen ,- schon sehr beträcht= liche Erfolge aufzuweisen hat, die erst kürzlich in der Revolte der österreichischen Landeshauptleute in Erscheinung getreten ist. Die von Herrn von Papen, dem Sondergesandten Hit­

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kritik ist nicht der erste Erfolg Papens, der feit Monaten Desterreich bereist und die Geschäfte der NSDAP und des Dritten Reiches . besorgt, ohne daß die österreichische Presse ihn angreifen dürfte.

Die Stellung der patriotischen" Defter: reicher in der Reglerung, vor allem Starhem­bergs und des Außenministers Berger- Walde=

Leute für die Paven'schen Angebote wird von

nicht annehmen sollte, als nationa I

Nr. 229

,, un berläßlich zu stürzen und durch Hilgenreiners Abgang

eine Regierung zu ersehen, in der jedenfalls nicht mehr ein Heimwehrmann Außenminister sein würde.

Bei dieser zweiten Zielsetzung spielt auch der Ehrgeiz des Bürgermeisters Dr. Schmit eine treibende Rolle, der gerne an Stelle Schuschniggs Bundeskanzler werden und den autoritären Kurs unter Abwendung von der westlichen Orienties rung, straffer führen und in gute Relation zu Berlin sezen möchte.

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Die Entwicklung dieser Verhält

negg, gegenüber dem Drängen der Funder- nisse erheischt die volle Wachsamkeit Tag zu Tag schwieriger. Diese Leute drängen der Kleinen Entente , um durch den Ab­darauf, daß die österreichische Regierung mit

Papen in Unterhandlungen über seine Bor- schluß des Donaupaktes den vereinig­schläge eintrete.

Was seit Monaten als selbstverständliche Folgerung aus einem erlittenen Fiasko galt, das ist am Sonntag Tatsache geworden: Theologic­professor und Senator Dr. Hilgenreiner ist als Vorsitzender der Deutschen christlichsozialen Par­tei zurückgetreten und an seiner Stelle hat der Parteitag der Christlichsozialen den ehemaligen Senator Friedrich Stolberg gewählt. In seinem politischen Referat auf dem Parteitag hat der Abgeordnete Dr. Luschka zu betonen für nötig befunden, die Partei nehme keinen Kurswechsel bor , aber schon die Wahl Stolbergs als Nachfol­ger Hilgenreiners beweist alles andere eher als das Festhalten an dem von Hilgenreiner be= stimmten politischen Kurse, der die Partei in die trostloseste Sackgasse geführt, in der sie seit ihrem Bestande gewesen ist.

An sich betrachtet wäre die Erwählung eines neuen Parteivorsitzenden eine innere Angelegen= Falle beachtliche politische Ursachen hat und es Partei aufzwang, die im Mai überraschender

Dabei ist es Klar, daß Herr v. Papen über ten haken- und krukenkreuzlerischen heit der Christlichsozialen, doch da sie in diesem lers, mit unleugbarer Geschicklichkeit und großer Beisung aus Berlin mit seinen Anträgen zivet Emtrieben ein Ende zu bereiten und die Politik war, die Herr Hilgenreiner seiner

Ueberredungsfunst

geführte Nazipropaganda, äußert aber nicht nur in der Provinz, sondern

auch am Size der Regierung selbst ganz deutlich auch am Gize der Regierung selbst gang deutlich ihre Wirkung.

Hier ist es vor allem der Chefredakteur der Reichspost", Staatsrat Dr. Fun der, als Orafel der christlich- sozialen Partei noch immer eine der einflußreichsten Personen in Desterreich, der, in die Nezze der Papen 'schen Propaganda ein­gesponnen, sich in lezter Beit gerade zum Vers mittler für die Vorschläge, die der deutsche Ge­fandte aus Berlin überbracht hat und dem flerifo­fascistischen Regime gemacht hat.

Bapen hat sich ihm mit zwei eigen händigen Schreiben Hitler& legitimiert: ein Schreiben, gerichtet an die Gau­leitung der NSDAP in Desterreich, verbietet bis auf Widerruf jede Aftion in Desterreich; das zweite bevollmächtigt Papen , einen Vertrag mit der jetzigen österreichischen Regierung unter den folgenden Bedingungen abzuschließen, die wohl nur als vorläufiges Minimalprogramm gedacht find:

1. Zehn Jahre Nichtangriff, ähn lich dem Vertrage mit Polen ;

2. Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen, Begünstigungen für Desterreich, mindestens im Umfang, wie sie Ungarn , Rumänien und Ju­ goslawien angeboten wurden, beson­ders für Holz und Vieh, Einräu­mung der Meistbegünstigung für alle Clearingabkommen;

3. Begnadigung der österreichi­schen Legionäre, soweit sie nicht ge­richtlich verfolgt oder verurteilt wur­den, also Erlaubnis zur Rückkehr von etwa 10.000 Nazi;

4. Keine Schlechterstellung der NSDAP gegenüber anderen politi­schen Parteien, falls solche wieder zugelassen werden, und bei Bestel lung von Bürgermeistern;

Biele verfolgt: zunächst den Donaupaft, der von Berlin keinesfalls gewollt wird zu to rdie

reichisch- deutscher Vertrag abgeschlossen werde, der Wien aus über Mitteleuropa zu ver­pedieren, indem vorher ein zweiseitiger öfter- die Unruhe, die sich neuerdings von einen späteren Donaupaft überflüssig oder wert­los machen würde; sodann die iesige breiten droht, rechtzeitig zu ersticken. Regierung, wenn sie das Berliner Angebot

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Politische Lizitation London - Paris

Uebereinstimmend berichten die französischen eines Angriffes Jtaliens die Situation zu flären Blätter, daß die englische Regierung, nachdem sie beabsichtige. Frankreichs Anfrage, wieweit Großbritannien den Frieden auf dem europäischen Festland zu sichern bereit sei, in dem Schreiben Sir Samuels Hoares beantwortet habe, ihrerseits an Frankreich die Anfrage gerichtet habe, wie sich Frankreich in dem Fall verhalten würde, daß die englische Flotte im Mittelmeer angegriffen würde.

In den Kommentaren der Presse heißt es dazu, daß England feine Zusicherung auf sofortige Waffenhilfe wünsche, sondern nur für den Fall

Die englischen Zeitungen bestätigen die Mel­dung nicht, stellen die britische Anfrage aber auch nicht in Abrede. Es heißt nun, daß Frankreich feine Antwort zum Anlaß nehmen werde, von England noch weitergehende Zusicherungen zu er zielen als sie Sir Samuel Hoare in seinem Schreiben gegeben hat.

Ueber den Empfang Grandis im Foreign Office bewahren die englischen Blätter Still­fchiveigen, betonen aber, daß die Situation sich nicht geändert habe.

Was macht Frankreich , wenn...

London.( Amtliches Radio.) Die Nach richt, daß die britische Regierung bei der franzö fischen Regierung eine Anfrage betreffend das Vorgehen Frankreichs unter gewiffen Umständen eingebracht habe, wurde Dienstag in London

bestätigt.

Ist Italien den Briten gewachsen?

genreiners nicht des allgemeinen politischen weise die schwere Wahlniederlage der Chriſtliq­sozialen zeitigte, so entbehrt die Kaltstellung Hil Interesses. Das Wort Kaltstellung ist berechtigt, denn wenn auch der bisherige christlichsoziale Parteiführer Senator bleiben sollte, eine bc= stimmte Rolle auf die Führung der Partei wird ihm faum mehr eingeräumt werden.

Die Deutsche christlichsoziale Bartei ist aus der alten christlichsozialen Partei in Oesterreich ) hervorgegangen, sie trug in allem deren Geist und Gesicht. In ihr war keine Spur des Geistes etwa des reichsdeutschen Zentrums, christlich" bedeutete und bedeutet bis heute bei ihr flerifal, und sozial" war und ist sie seit je nur insoweit zum Scheine, um die in ihren Reihen stehenden katholischen Arbeiter bei der Stange zu halten. Im Wesen ist diese von wirklichen und verhin­derten Geistlichen geführte Partei stockreaktionär, fortschritts- und arbeiterfeindlich und wenn es seinerzeit, als die Partei in die Regierungsmehr­beit eintrat, schienaber auch nur schien- als ob die christlichsoziale Partei Verantwor tungs- und Wirklichkeitsgefühl besize, so tat sie in Wahrheit diesen Schritt nicht, um für das deutsche Volt im allgemeinen und für die sozial Notleidenden in diesem Volfe zu wirken, sondern um ihren reaktionären Gelüsten zu folgen. Im­merhin kann gesagt werden, daß der von den deutschen Christlichsozialen unter der Bürger­foalition eingeschlagene Kurs bei ihren Wählern feinen stärkeren Widerstand weckte. Unruhe und Berrüttung wurde erst in den letzten Jahren in die christlichsoziale Partei getragen, als Prälat Dr. Hilgenreiner weitgehendst Weg und Taftik bestinimen Surfte.

Die Blätter beschäftigen sich immer konkreter mit der Frage, ob die italienische Seemacht aus­reichend ist, der britischen überhaupt eine Schlacht Die Spuren für die Ursachen der Kata­zu liefern. Im allgemeinen wird die Qualität der strophe der Christlichsozialen führen bis in die Wie erklärt wird, bezieht sich die Anfrage auf italienischen Schiffe sehr hoch eingeschätzt. Die Zeit der Machtergreifung Hitlers und der bc= die Möglichkeit eines isolierten Angriffes italienischen Schiffe sind an Schne I- hördlichen Auflösung der nationalsozialistischen ligteit fast durchivegs den gleichen Katego- Partei bei uns zurück. Der, wenn auch mit den einer Partei bei der Behandlung eines bestimmten rien der englischen Flotte überlegen, an Bestüt verbrecherischesten Mitteln errungene Konfliftes vor dem Völkerbund gegen ein Mitglied Haken= des Völkerbundes, das bei den Verhandlungen in fung den Engländern gleich. Dagegen hat England freuzsieg in Deutschland , ließ die nationale Genf erklärte, daß es seine aus dem Paft sich er- natürlich auch für den Fall eines unglücklichen Kampfader des Herrn Hilgenreiner mächtig an­gebenden Verpflichtungen loyal erfüllen werde. Im Kampfes im Mittelmeer die größeren Reserven schwellen. Er ist immer weniger Christlichsozialer, 5. Aufnahme eines Nicht- Nazi Salle, daß ein isolierter Angriff auf Großbritannien und die Möglichkeit von Ersaßbauten, während selbst nicht in dem bei uns üblichen Sinne, als von nationaler Verläßlichkeit, z. B. wegen dessen Erklärung, daß es die Grundsätze des Italien unter einer Blockade schwer leiden würde Deutschnationaler gewesen; seinen Neigungen von nationaler Verläßlichkeit, z. B. Völkerbundes unterstützen werde, oder wegen bor - und seine Verluste kaum ersetzen könnte. Endlich ungehemmt zu folgen, daran hinderte ihn nur des früheren Ministers, Prof. Dr. läuftgen Maßnahmen, die es mit Rücksicht auf das bejizt Italien fast keine Flugzeugmutterschiffe und fein Priestergewand. Hitlers Machtantritt brachte Srbik in die Wiener Regierung. bedrohliche Verhalten, die diese Erklärung hervor hat gerade seine größten Schiffe noch im Bau, so diese letzten Hemmungen in Wegfall, er begrüßte Der systematischen Wühlarbeit der ,, Betont- rief, für gut befindet, erfolgen würde, stellt die bri- daß es der führenden britischen Schiffstlase noch ihn segnend wie einen Erfolg der katholischen Kirche selbst, erst viel später erklärte er gegenüber Nationalen" ist es gelungen, sowohl die Christ- tische Regierung an die französische die Anfrage, ob nichts Gleichwertiges entgegenstellen tann. den Totalitätsansprüchen der Nazis, es genüge lichsozialen, wie auch die Heimwehren in einen sie eine solche Situation, falls sie eintreten würde, das einfache Kreuz, seine Partei brauche kein fonservativen( legitimistischen) und in einen na- als jener analog ansehen würde, von welcher im Nom.( Havas.) Durch drei Sonderdekrete Hakenkreuz, welche Meinung er wieder korri­tionalistischen Flügel zu spalten. Zu den Natio- dritten Absatz des Artikels 16 des Pattes gesprochen wurden die Unteroffiziere und Soldaten bestimm- gierte, als die Wiener Kanonenchristen Arbeiter­nalen gehören in der christlichsozialen Partei wird. ter Kategorien Ber Assentjahrgänge 1907, 1909, außer Dr. Funder besonders noch der General­1910 und 1912 unter die Fahnen gerufen. sekretär der Vaterländischen Front und frühere Generalstabsoberst, Adam, und der Bürgermeister Schmitz, der aus früherer Zeit intime Beziehun gen zu b. Papen unterhält; bei den Heimwehren vor allem die Tiroler mit dem dem Fürsten Star­hemberg gegnerischen jeßigen Generalfonsul in Triest , Dr. Steidle, ferner der Graf Revertera , Sicherheitsdirektor in Oberösterreich und alle In London zweifelt man nicht an der Art Nichtadeligen. Diese beiden nationalistischen der französischen Antwort, doch wird London nicht Gruppen kooperieren miteinander und stehen jetzt überrascht sein, zueinander in intimerem Verhältnisse, als zu den anderen Christlichsozialen, bzw. zu den adeligen Heimwehroffizieren. Die Drosselung der Presse­

In diesem Absatz heißt es:

Die Mitglieder des Völkerbundes sind sich darin einig, daß sie sich gegenseitige Hilfe gewähren, um den besonderen Maß­nahmen, die gegen eines derselben ein den Ver­trag brechender Staat unternehmen würde, ent­gegenzutreten.

diese Antwort mit einer gewiffen Verzögerung er­folgt, denn Ministerpräsident Laval will sich in dieser Sache mit seiner Regierung beraten.

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Neapel.( Tsch. P.-B.) Das Flugzeugmutter­schiff ,, Miraglia" ist mit Bombardierungsflug­zeugen und 380 Fliegern an Bord aus dem hie­igen Hafen ausgelaufen.

häuser mit Granaten beschossen. Da wandte sich Hilgenreiners Herz auch dem Krufenkreuz zu. Zu Hilgenreiners Trugschluß, Hitler werde unter anderem auch die Geschäfte des katholischen Kle­rikalismus besorgen, gesellte sich nach der Auf­lösung unserer Nazipartei die Spekulation. Das heißt, Hilgenreiner spekulierte darauf, die che malige Gefolgschaft der Nazipartei einzufangen und so schlug er mit Leibeskräften die nationale Pauke, warf sich als Anwalt der Nazis auf und London . Das neue Flaggschiff der eng- mimte in Geste, Tonart und Wort den in heilige lischen Mittelmeerflotte, das Schlachtschiff Entrüstung geratenen Teutonen. Daß seine Rat­( 31.000 Tonnen), traf tenfängerkunststücke vergebliche bleiben würden, Queen Elizabeth" Dienstag vormittags, von England kommend, das hätte Herr Hilgenreiner bald aus der Tats fache feststellen können, daß die Nazianhänger gar

,, Queen Elizabeth " in Gibraltar eingetroffen

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