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IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK
ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII.,FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBERS SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. KARL KERN, PRAG .
16. Jahrgang
Sonntag, 20. September 1936
Nr. 220
Genfer vespreckungen Genf . Die politischen Beratungen in Genf vollzogen sich an« Samstag Olof» in der Form privater Besprechungen. Der französische Ausieu- «uinlster D c l l> o s traf mit dem türkische» Außenminister NuschdiAraS zusammen und hatte sodann mit dem SowjetvolkSkommissär L i t- n> i it o tu und mit dem jugofsawischcn Gesandten S u b o t i c eine Besprechung, der ihn über die Ergebnisse der Preßburger Konferenz der Kleinen Entente Informierte. Der e n g l i s ch.e Delegierte Cranborne lud zu einer Beratung de» spanischen Gesandte» Asearata zu sich. Die Beratungen über die Lösung der abcsiinischen Frage sind in vollem Gange. Schnelder-Creuzot auf der Anklagebank PariS. (E.-B.) Vor einigen Tagen brachte die Pariser Presse die Meldung, derzufolge zwei Firmen der NüstungSindustrie wegen Lieferung von unbrauchbarem Material an den Staat gerichtlich belangt' werden sollen. DaS Gewerk- schastsorgan„Le Peuple" ist nun in der Lage, den Namen einer dieser Firmen zu enthüllen. Es handelt sich uni den Fürsten der Kanonenindustrie, den Jndustriemagnaten Schneidec-Creuzot. Der „Peuple " bringt diese Meldung unter dem Titeln „Es hat s.ich etwas geändert!" und Weist darauf hin, daß zum erstenmal in der Geschichte zin^ Rcgj^ruiig, bgi, Btzzt ausbriug^. einen Gewaltigen sine Schneider, der sich blShereiner restlosen Jnnmtnität erfreute und als„Tabu'" galt, gerichtlich zur Bcrantivortung zu ziehen. Es ist unnötig hervorzuhebcn, daß dieser „Betriebsunfall" des Herrn Schneider von vielen als eine Tatsache betrachtet wird, die geeignet ist, den Bestrebungen, die auf eine Nationalisierung der Rüstungsindustrie hinzielcn, neuen Auftrieb zu geben»
Titulescus Krankheit: Vergiftung Bukarest . Nach den aus St. Moritz cingetrof- sencn Nachrichten ist im Befinden Titulescus eine leichte Besserung esttgetrctcn. Der behandelnde Arzt TituleScuS, Professor Landovski aus Paris , erklärt, der.Fäll sei s ch w e r, a b e r n i ch t h o f f n u n g S l' o s. Titulescu leide an einer Vergiftung aus noch unbekannter Ursache, die zu einer Erkrankung der Leber geführt hat. Die Temperatur hält sich die ganze Zeit um 87.8, lvoraus hervorgehe, dah es sich um eine Vergiftung, nicht aber um eine Infektion handle. Damit ist die bisher bestandene Malariadiagnose offenbar fallen gelassen worden.-
Investitionskomitee ernannt
Prag, - 1Ü. September. An anderer Stelle bringen wir eine Sozialkarte der Tschechoslowakischen Republik. Sie ist einer offiziellen Publikation entnommen und daher gegen den eventuellen Vorwurf tendenziöser llcbertreibung gefeit. Bei aller Sorgfalt der Darstellung liefert sic ein besorgniserregendes Bild der ungleichen Verteilung der Arbeitslosen»«)! auf die einzelnen Staatsgebiete. Aus der Methode, die. Arbeitslosigkeit im Verhältnis zu der Zahl der Lohnempfänger dar- zustellcn, geht übrigens die Tiefenwirkung der Krisenerscheinungen in den verschiedenen Landschaften nicht genügend hervor. Wo z. B. die Landwirtschaft in überwiegendem Ausmahe betrieben wird, ist auch ein höherer Perzentsatz der ArbcitSlosenzahl unter einer schwächeren Jndu- striebevölkerung nicht so katastrophal, wie in ausgesprochenen Industriegebieten. Deshalb figurieren in der Darstellung auch slowakische Agrar
gebiete mit hohen Verhältniszahlen neben dem hochindustrialisierten Erzgebirge , wo die Landwirtschaft nur eine bescheidene Rolle spielt. Immerhin ist aus der Karte ersichtlich, dah auch tschechische Jndustricbezirke Böhmens und Mährens mit hohen Arbeitslosenzahlen figurierei«. Am schlinnnsrcn liegen aber die Verhältnisse in Westböhmen und Nordmährcn-Schlesien , worauf in nahem Abstand Nordböhmen und Mittelmäh- ren folgen. Auch soll nicht übersehen werden, daß die nordmährische Krisenzone ziemlich stark in die Westslowakei hinübergrcist. Jedenfalls ist unbestreitbar, daß die Arbeitslosigkeit nicht nur ein gesamtstaatliches, sondern in hohcin Maße ein regionales Problem ist. Dieser bedeutsainen Tatsache ist bisher bei der Krisenbckämpfung zu wenig Rechnung getra- I gen worden. Es ist daher eine begrüßenStvorte Wendung, wenn nunmehr im Sinne der Ankündigungen des Ministerpräsidenten BcratungSlör- pcrschaften auf regionaler Basis errichtet werden, lvclche an einer proportionellcn Verteilung der öffentlichen Investitionen«nitzuwirkcn haben. Wir hoffen, daß bei der definitiven Rege» lung dieser Frage die besonderen Interessen West- bühmens und NordböhmenS, aber auch Nordinäh- rcn-Schlesiens verdientermaßen berücksichtigt wer, «den. Viel wird allerdings, davon abhäng en, welcher Wirkungskreis den BcratungSausschüssen ein, geräumt wird und ob man gleichzeitig die Zentralstellen dazu verhalten wird, die berechtigten regionalen Interessen mehr als bisher zu respektieren. Hauptsache ist, daß einmal der Anfang zu einer systematischen wirtschaftlichen Ausbautätigkeit gemacht wird. Die deutsche Arbeierbewegung dieses Landes wird einem solchen Beginnen gerne ihre konstrukivcn Kräfte leihen. Man soll sich aber keiner Täuschung darüber hingeben, daß noch eine bittere Zwischenzeit zu überwinden ist, bevor die Früchte dieser wirtschaftspolitischen Offensive der Regierung reifen werden. Vorläufig ist nicht ab- zusehcn, wie durch noch so glückliche Exportförderung oder durch die umfassendste Investitionstätigkeit die Massenarbeitslosigkeit in unseren ausgedehnten industriellen Nofftandsgebieten überwäligt werden könnte. Bei aller berechtigten Freude über die endlich eintretende allgemeine WirtschaftSbelcbung soll nicht übersehen werden, daß die enorme Arbeitslosigkeit gerade in den sudetendeutschen Cxportgebieten nur geringfügige Abnahmen aufweist oder vielfach sogar stationär
Kampf dem Hunger! eine gebieterische Notwendigkeit angesichts des neuen Krisenwinters
Hobst« ftat Samstag btt- Mitglieder des„Be-- ratungSkmniteeS für Jnvestitionsarbeitcn und die damit zusainntcnhängendcn Fragen" ernannt, das damit beim Ministerpräsidium errichtet wird. So wurde den Resolutione» deS Abgeordnetenhauses vom 27. Mai d. I. und des Senats vom 29. Mai d. I. entsprochen, die verlangten, daß die Negieriing bei der Vergebung von Jnvesti- tionsarbeiten au» dem Ertrag der VerteidigungK- anleihe in den einzelnen Bezirke» besonders den Ilmfang der Arbeitslosigkeit in Betracht ziehe und besonders jene Fabrikbetriebe berücksichtige, die sich in den v» n der Krise am m ei st en betroffenen Gebieten befinden. Die Errichtung deS Beratungskomitees wurde bereits am 13. August amtlich angezeigt. Seine Aufgabe ist es, wirtschaftlichen Fachleuten als den Bortretarn der verschiedenen Gebiete und Bezirke Gelegenheit zu geben, bei den Jnvesti- tionsarbeiten im Nahmen deS Negierungsinvefti- tionsplanes ebenso wie bei Arbeiten, die aus deut Erträgnis der Berteidigungöanleihe finanziert werden, die regionalen Interessen
Kinder aus dem Aicarar geborgen Madrid.(Reuter.) Die Sprengung des Alcazar bildet ständig den Gegenstand erregter Gespräche in ganz Spanien . Die drei mächtigen Dynamit-Ladungen, die unter dem starken Mnuerlverk der Festung angebracht worden waren, wurden um 7 Uhr 39 früh zum Explodieren gebracht. Die starke Hauptmauer stürzte mit einem Schlag zusammen. Die Explosion lvar so heftig, daß große Steinblöcke weit durch die Luft geschleudert wurden. Dank der Anordnung, daß die Zivilbevölkerung die Umgebung der Festung zu räumen habe, wurde durch die umherfliegenden Mauerstücke niemand verletzt. Ein Teil der Verteidiger unternahm einen Ausfallversuch, Ivährcnd sich die übrigen in die unterirdischen Kasematten zurückzogcn, Ivo sie zur Zeit noch Widerstand leisten. Man glaubt jedoch, daß ihr Schicksal bald besiegelt sein tvird. In de» Kellergewölben wurde» zahlreiche Kinder gesunde» und in Sicherheit gebracht. Ebenso glaubt man, daß die Mehrzahl der Frauc» und Greise in den unterirdischen Kellerräume» Zuflucht gesucht hat und gerettet werdet« kant«.
Aufgabe: Geltendmachung regionaler Interessen der Krisengebiete ^B'klkA^Dei'BoksiVeMir'llrrNssrglrrinlss d r wm ach e»f soweit sie init-den Interessen des ganzen-Staates übereitlsttuimen, 'und auf eine Proportionelle Verteilung der Investitionen hinznwirken. Die Mitglieder deö BeratimgSkomitees wurden über Anträge der einzelnen LandeSprästden- ten ernannt; im ganzen wurden 23 Mitglieder und die gleiche Anzahl do» Ersatzmännern er- nannt. Auf Böhmen entfallen elf Mitglieder, darunter vier Deutsche, auf Mähren -Schlesien und die Slowakei je fünf Mitglieder, darunter ein Deutscher für Mähren -Schlesien , und auf Kar- pathornßland zwei Mitglieder. Unsere Partei ist in dem Komitee durch den Genossen Franz S v o j» e als Mitglied und den Genossen Franz N e h w a l d als Ersatzmann vertreten. Durch die Einsetzung der Kommission hat die Negierung den angeführten Parlamentsresolutionen entspräche«« und ein« gleichmätzige Geltendmachung der regionalen Inte r«s s e» bei der Bcrgebung von Investitionsarbeiten gesichert. Die konstituierende Sitzung deö Beratungskomitees beruft der Ministerpräsident voraussichtlich, noch im Laufe des Septembers rin.
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Dichte der Arbeitslosigkeit am Ende des Jahres 1935
Bezirke, in welchen auf 100 Lohnempfänger
Die slowakischen und karpathorusslschen Bezirke, In welchen öffentliche Arbeltsvermlttlungsanstalten nicht bestehen, sind fM mit Kursivschrift bezeichnet
Bewerber kamen, welche die öffentlichen Arbeitsvermittlungsanstalten nicht unterbringen.konnten.