Sosialdemokrat

ZENTRALORGAN

DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

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HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB . VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: KARL KERN, PRAG .

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16. Jahrgang

Budget 1937:

8455 Millionen

Steigerung um 5 Prozent

Sonntag, 4. Oktober 1936

Str. 231

Neue- Devalvation angekündigt

Prag . Nach den Informationen des Tfc. Im Höchstausmaß von 16%- Parlament für Mittwoch, Senat für Freitag einberufen

P.-B. aus kompetenten Kreisen hat die Regie­rung in ihrer Freitag- Sitzung die Budgetziffern gemäß dem Vorschlage des Finanzministers Dok­for Kalfus genehmigt. Dieser Entscheidung der

Prag . Amtlich wird gemeldet: Für Montag, den 5. Oktober, ist eine Sitzung der Wirtschaftsminister einberufen, um sich im Sinne der am 2. Okto ber getroffenen Entschließung des Ministerrates mit dem Einfluß der inter­kei zu befassen. nationalen Währungsentwicklung auf die Währungslage der Tschechoslowa

Auf Grund der heutigen Beratungen der Regierungsfaktoren werden die Wirtschaftsminister in Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium und der Nationalbank einen Gefeßentwurf ausarbeiten, durch den der Goldgehalt der tschechoslowakischen Krone vermindert wird. Durch diese Maßnahme wird die Devalvation der tschechoslowakischen Krone vom Jahre 1934 auf jenes Maß ergänzt, das uns die Entwicklung der internationalen Devisen märkte unaufschiebbar auferlegt, nachdem es nach der französischen Deval. vation noch zur Devalvation der schweizerischen und der holländischen Wäh rung, d. i. zum Zerfall des Goldblocks, gekommen ist.

Regterung zufolge werden die Ausgaben im Bud get für 1937 rund 8455 Millionen und die Einnahmen rund 8456 Millionen betragen. Für 1936 waren im Budget Ausgaben von 8032 Millionen und Einnahmen von 8033 Millionen vorgesehen. Die Erhöhung der Ausgabenseite be= trägt alfo 423 Millionen ober 5.25 Prozent.b Das Bestreben der Regierung ging dahin, daß das Budgetgleichgewicht hergestellt werde und daß die Nationalversammlung bei rechtzeitiger Borlage des Budgets genügend Zeit zu deffen ordnungsmäßigen Durchberatung habe. Nament lich der Ministerpräsident Dr. Hodža hat auf die ehefte Vorlegung des Budgets an die Nationalver= sammlung großen Einfluß genommen.

Die Neutralitäts- Komödie

Madrid . In einem Kommuniqué, welches die spanische Regierung über, die Ereignisse vom 8. Juli bis 29. September veröffentlicht hat, heißt es:

Am 20. September landeten in Tetuan 12 deutsche Großflugzeuge. Sie wurden bort zum Transport von Fremdenlegionären nach Sevilla benügt. Am 12. September lief in Rio Martin unweit von Tetuan der italienische Frachtdampfer Alicantono" aus Triest ein, des­fen Labung aus Gas bomben, Flugzeug­bestandteilen und Waffen bestand. Am 6.September landeten drei italieni= fche Bombenflugzeuge auf Mallorca , wo auch der Dampfer Nereide" aus Genua vor

Anker ging, der eine Ladung von 350 Tonnen Bomben, an Bord führte. In Sevilla traf am

Kriegsmaterial, insbesondere schwerer

7. September ein Zug von 23 Waggons aus Por tugal ein, der mit Bestandteilen von 14 Flug­zeugen beladen war, die aus Hamburg stammen.

Die portugiesischen Waffenfabriken lieferten an die Aufständischen eine große Menge von Maschinengewehren und Artille

riemuniton. Die spanische Regierung hat in Erfahrung gebracht, daß am 27. September aus Lissabon Kriegsmaterial und Kampf gas, die aus Italien stammen, an die spanische Grenze gebracht wurden.

Aus der heutigen internationalen Währungsentwicklung ist ersichtlich, daß die Tschechoslowakei noch eine Devalvation in dem beabsichtigten Um fang durchführen kann, ohne Maßnahmen des Auslandes gegen die tiche choslowakischen Waren hervorzurufen und ohne das Gleichgewicht auf dem heimischen Markte in schädlicher Weise zu stören, d. i. ohne ihr inneres Preisniveau wesentlich ins Schwanken zu bringen.

Um unserem wirtschaftlichen und sozialen Leben möglichst verläßliche und dauernde Garantien der Stabilität zu schaffen, wird dem Ministerium des Inneren und dem ihm angeschlossenen Kollegium der Vertreter der wirt. schaftlichen und sozialen Interessen die Aufgabe und die Vollmacht erteilt werden, daß es in keinem Fall zu einer unbegründeten Verteuerung kom. men könne.

Die Devalvation der thajechoslovakien Krone wird es unserer Wirt. fchaft ermöglichen, fich rechtzeitig und zweckmäßig den Bestrebungen der Weststaaten betreffend eine allmähliche Entspannung anzuschließen, deren eine Voraussetzung der allgemeine Wirtschaftsfriede ist, dem die eben durch­geführte Devalvation der Währungen des Goldblocks den Weg öffnen soll. Das Abgeordnetenhaus der Nationalversammlung wird zu einer Sit­zung für Mittwoch, den 7. Oktober, und der Senat der Nationalversamm. lung für Freitag, den 9. Oktober, einberufen werden. Die Regierung der Re publik wird in diesen beiden Sigungen den beiden Kammern der National versammlung ihren Entwurf betreffend die Neuregelung der tschechoslowa kischen Währung vorlegen.

Das Ausmaß der Devalvation, über das sich die offizielle Meldung nicht ausspricht, dürfte nach unseren Informationen 16 Prozent der heutigen Parität nicht überschreiten.

Wie verlautet, wird die Regierung die wirtschaftliche Entwicklung bis Ende dieses Jahres aufmerksam verfolgen und sich gegebenenfalls in diesem Zusammenhange auch mit den Einkommensverhältnissen der Staatsangestellten befaffen.

London.( Beater.) In amtlichen Areifen Frankreich zieht die Konsequenzen

wird erklärt, daß die Regierung den Inhalt der Mitteilung sorgfältig prüfe, welche die Madrider Regierung dem Völkerbunde zugehen ließ und in der behauptet wird, daß 3. alien und Deutschland das Abkommen betreffend die Nichteinmischung in die inneren spanischen

Kämpfe verlegen.

Auflockerung der Kontingente Herabsetzung der Zölle Paris . Die franzöfifche Regierung hat[ betreffenden Zolltarifregulierungen durch ein Dekret 107 Arten von Einfuhr sowie die Regelung von Gebühren für die Bewil­tontingente aufgehoben und beabsichtigt; ligung der Einfuhr vorschlagen, in sie wird auch wie verlautet, die Aufhebung von etwa 200 bei die Aufhebung der Kontingente vor­einer Gesamtzahl von ungefähr 1200.. Die zuschlagen imſtande ſein. näheren Einzelheiten wird der Ministerrat zu Beginn der nächsten Woche durch beraten.

Die Welle der Abwertung, die von Frank­ reich ausgegangen ist, hat nun auch unser Ufer er­reicht. Die Regierung der Tschechoslowakischen Republik hat einer Aenderung des Verhältniffes zur Krone, wie es bereits einmal im Feber 1934. geschehen ist, zugestimmt. Damals wurde der Goldgehalt der Strone von 44.58 auf 37.15 mg Gold herabgesetzt. Heute soll die Abwertung ebenfalls höchstens ein Ausmaß von 16 Prozeni erreichen. Die endgültige Entscheidung darüber liegt jedoch noch in den Händen der Wirtschafts= minister, des Ministerrates und letzten Endes des Parlaments.

Warum hat sich die Regierung zu dem in das Wirtschaftsleben so einschneidenden Mittel der Abwertung der Krone entschlossen? Was uns das zu gezwungen hat, ist vor allem die Tatsache, daß die anderen abgewertet haben. Seit dem

Jahre 1931, da das englische Pfund in seinem

Wert herabgesetzt wurde, hat eine Reihe von Län­dern wie die nordischen Länder, die Vereinigten Staaten, Südamerika , die englischen Dominions, Japan und andere, mit denen wir auf dem Welt­markt zu konkurrieren haben, das Verhältnis ihrer Währungen zum Gold geändert. Auch Deutsch­ land , welches formal noch nicht abgewertet hat. hat für den Auslandsverkehr Martsorten geschaf= fen, deren Wert tief unter dem offiziellen Kurs der Mark liegt. Die Folge davon war, daß

die tschechoslowakische Industrie im Auslande konkurrenzunfähig geworden

ist und das trifft besonders jene Industrien, die im deutschen Gebiete liegen( Teytil-, Porzellan-, Glasindustrie) und damit die sudetendeutschen Arbeiter. Die Konkurrenzunfähigkeit unserer In­

duſtrie gegenüber der Induſtrie jener Länder, welche bereits abgewertet haben, iſt eine der Ur­

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sachen allerdings nicht die einzige- der Massenarbeitslosigkeit in den deutschen Gebieten der Republik .

Nun wird man einwenden, daß die Tschecho­slowakische Republit schon einmal, und zwar im Feber 1934, den Wert der um 16% Prozent herabgesetzt hat. Wie sich nun nach mehr als zwei Jahren gezeigt hat, war das Maß dieser Herab­fegung zu gering. Warum? Weil England und die Vereinigten Staaten um etwa 40 Prozent, die nordischen Staaten um etiva 40 bis 50 Pro­zent abgewertet haben, so daß wir die Konfur­renz mit diesen Ländern absolut nicht aufnehmen fönnen. Deswegen war es notwendig, die Kon­turrenzfähigkeit der tschechoslowakischen Industrie in bezug auf den Preis durch eine noch ma= Tige Abwertung der herzustellen.

Nun könnte weiters gesagt werden, daß eine Abtvertung der eine Erhöhung der Preise zur Folge haben wird, d. h., daß die bestehenden Löhne an Kauftraft verlieren. Demgegenüber ist festzustellen, daß der Regierung, wenn alle ſie ftüßenden Parteien wollen, Mittel zur Verfü gung stehen, um

den ungerechtfertigten Preisanstieg zu ver­

hindern.

monopol gebunden man kann nunmehr den

Die beiden Flotten Durch Sonderdekret wurde der Zoll auf stoßen aufeinander? Beim Wirtschaftsministerium wird eine nichtkontingentierte Waren herabgesetzt. Die Her­Gibraltar. Wie der Neuter- Korrespondent 3011kommission errichtet werden, welche abfehung wird ab 6. Oftober 1936 gelten und 20 Prozent für Rohstoffe, 17 Prozent für Er­aus glaubwürdiger Quelle erfährt, ist die spas damit beauftragt werden wird, unberechtigten zeugnisse oder Halbfabritate betragen. Durch ein Der Preis des Getreides ist durch das Getreide­nische Regierungsflotte, welche den vergeblichen Preiserhöhungen, welche durch die Erhöhung der Versuch unternommen hat, die Blockade vor dem Einfuhr ausländischer Konkurrenzwaren verur- weiteres Dekret wird ab 6. Oktober die Zollges Wert und Nugen des Getreidemonopols ermessen Diese bühr auf kontingentierte Waren um 20 Prozent Hafen von Bilbao zu durchbrechen, in der Nich facht werden konnten, entgegenzutreten. tung gegen Gibraltar abgedampft. Man rechnet Kommiffion wird den zuständigen Ministerien die herabgesetzt. mit der Möglichkeit eines neuen Zusammenstoßes zivischen den Flotten der Regierung und der Auf­ständischen.

26.000 Tonnen- Schlachtschiff in Wilhelmshaven vom Stapel gelassen

Blum vermittelt

Paris . Der Umstand, daß der französische Ministerpräsident. Blum Samstag vormittags in Genf nacheinander den polnischen Außenminister Bec und den tschechoslowakischen Gesandten Dr. Osustý empfangen hat, hat die Aufmerksamkeit der Genfer Berichterstatter der Pariser Abend­

Wilhelmshaven. Samstag mittags wurde Schlachtschiff Scharn anglers Hitler das blätter hervorgerufen.

hier in Anwesenheit

rst" vom Stapel ge= laffen. Die Baſſetverdrängung des neuen Schlachtschiffes Scharnhorst" beträgt 26.000 Tonnen, die Länge 226 Meter, die größte Breite 30 Meter. Das größte Kaliber des Schiffes be­trägt 28 Zentimeter.

Jugoslawien profitiert

und auch alle anderen Lebensmittel, Ge­brauchsartikel und Industriewaren, welche im In­land, bzw. aus im Inland hergestellten Rohstoffen erzeugt werden, müssen durchaus im Preise nicht steigen, weil dazu ein volkswirtschaftlicher Grund nicht gegeben ist. Wohl wird die Spekulation die Entwertung der zur Preissteigerung ausnut­zen, aber dem muß mit dem ganzen Gewicht der staatlichen Verwaltung entgegengetreten werden. Hier erwächst unserer Verwaltung eine große Au Bürokratie auch die Weisungen der Regierung gabe und an uns liegt es zu kontrollieren, ob die ſinngemäß verwirklicht. Anders ist es mit den Amortisationen Preisen jener Waren, die aus dem Auslande kom­men oder zu deren Erzeugung man Rohstoffe braucht. Gefern es sich um fiändische dische Lebensmittel handelt, wie Reis, fann die Preiserhöhung wettgemacht werden durch er

an der Francabwertung Belgrad . Die Vreme" schreibt, daß die Ab­wertung des Franc um fast ein Drittel unter Beibehaltung des jezigen Dinar- Wertes gleich­zeitig eine Herabfeßung der jugoslawischen Der Korrespondent des Paris Soir" Staatsschulden bedeutet, die überwiegend auf Sauerwein, schreibt, daß diese beiden aufeinan Franc Tauten. An Zinsen und derfolgenden Besuche bei Léon Blum ein Beweis bafür sind. daß der franzöſiſche Ministerpräsident dahlt Jugoslawien in Francs 265 Millionen jähr­eine Annäherung zwischen Polen und der lich, so daß in Dinar eine Ersparnis von mehr Tschechoslowakei anstrebt. lats 180 millionen Dinar erzielt würde.