Sosialdemokrat
ZENTRALORGAN
DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK
ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077, HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB . VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: KARL KERN, PRAG .
16. Jahrgang
J
ر شرع Kaomi
Mittwoch, 28. Oktober 1936
Feiertag des Staates
Bum achtzehnten Male jährt sich heute der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit bleibt Tag, da die Tschechoslowakische Republit aus der auch in der kommenden Zeit eine der wesentlichTaufe gehoben wurde. Schon kommt eine Gene- sten Aufgaben, um so mehr, als mit der Lösung
nur vom Hörensagen kennt,
Probleme
Frieden
Einzelpreis 70 Heller
( einschließlich 5 Heller Porto)
Nr. 251
und Wohlfahrt
Zum Besuch des rumänischen Staatsoberhauptes in Prag
Der heurige Staatsfeiertag erhält seine be Rumänien Hauptstadt
Golobatischen Republit abſtattet.
ration aus den Schulen, die e das alte Desterreich biefer Aufgabe and die Löſung vieler nationalen ſondere Bedeutung durch den Besuch der Fiches noch als dentende Wienschen erlebten, empfinden Der achtzehnte Geburtstag der Repubit ſteht es nur noch als dunklen, blutigen Schatten. im Zeichen eines der wichtigsten Bündnisse, die Krieg und Zusammenbruch haben den Schluß- sie zur Sicherung ihrer Existenz und des europunkt unter die Entwicklung eines Staatswesens päischen Friedens abgeschlossen hat: Im Zeichen gesetzt, das in den letzten Jahrzehnten seiner des rumänischen Königsbesuches, im Zeichen der ruhmlosen Existenz nur noch durch das Ausspielen der Nationalitäten gegeneinander bestehen fonnte. Aus den Trümmern des alten Kaiserstaa tes erhoben sich, jung, lebensfroh und lebenswillig, die Nachfolgeftaaten, unter denen die Tschechoslowakische Republik dank der Stetigkeit in der Führung, dank den Führern, die sie hatte und dank der politischen Reife des tschechischen Voltes die geradlinigste und erfreulichste Entwicklung nahm.
Die achtzehn Jahre, die seit der Gründung der Republit vergangen sind, waren wahrhaftig nicht solche, daß sich das Volk auf den errungenen Freiheitslorbeeren hätte ausruhen können. In ,, Nur der verdient die Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß!" Es waren Jahre,
in denen pohn neugebaute Haus mühsam beitskultur, mit
es ward wohnlich auch für die Nationen, die an der Schaffung der Republik keinen aktiven Anteil hatten. In einer gärenden Umwelt, die sich in der letzten Zeit zu einer gefahrdrohenden, feinds lichen wandelte, galt es, dem jungen Staats
Der Form nach ist der Aufenthalt des Oberhauptes des mit uns befreundeten Staates in Prag ein Gegenbesuch, der Rumänenkönig stat Kleinen Entente . Das erinnert zugleich eindring- tet damit dem Präsidenten der Republik den Dant lich daran, daß die Außenpolitik der Tschechoslo- dafür ab, daß ihn Dr. Beneš in Bukarest besucht watischen Republik, die sich in der ganzen Zeit hat. Die Gastfreundschaft und Ehrerbietung, ihrer Existenz so ausgezeichnet bewährt hat, in welche man dem gewählten Staatsoberhaupt der ihrer ganzen Konzeption beibehalten werden soll. Tschechoslowakei in Rumänien erwiesen hat, werWird die Außenpolitik auch fernerhin im Zeichen den auch wir gerne erwidern und der Repräsen= dessen stehen, der sie begründet und der heute zum tant des rumänischen Staates wird mit Achtung ersten Male den Geburtstag der Republik , deren und Herzlichkeit in den Mauern von Prag empEntstehen ohne sein Wirken kaum denkbar ist, als fangen werden. Der Zweck des Besuches ist aber Staatspräsident feiert, wird sie im Geiste Dr. natürlich nicht nur der, daß sich unser Präsident Ben e 3 3 geführt werden, dann wird sie der für die freundschaftliche Aufnahme, die er in Bu Tschechoslowakischen Republik auch fernerhin ihre tarest gefunden hat, revanchieren will, sondern große geschichtliche Rolle als Vorkämpferin der um das freundschaftliche Verhältnis, das die Demokratie und Mitgarantin des europäischen Tschechoslowakei mit Rumänien verbindet, zu er Aeußern von der Linie ab, die kein Liebäugeln gegenwärtigen ropäischen mit dem Feind der europäischen und der Mensch- Lage anzupassen. Das Bündnissystem Erfüllung ihrer großen hiſtoriſchen willen: es soll das Bestehendes Staaafdhismus fennt, dann ist ber Tſchechoslowakei beſteht nicht um ſeiner ſelvit Mission in Frage gestellt, sondern auch ihre Eri- tes sichern und zur Erhaltung stenz bedroht. des europäischen FriedensbeiWir glauben aber, an diesem Geburtstage tragen. der Republik sagen zu können, daß die Kraft der Das Bündnis mit Rumänien , dessen AnArbeiter und der anderen Demokraten tschechi- fänge in der Zusammenarbeit Masaryks mit bekämpfen, die feine demokratische Verfassung von Weiterverfolgung der bisherigen politischen Linie im Weltkriege liegen, ist am 23. April 1921 abinnen und außen bedrohen. Diesen Aufgaben ist durchzusetzen. Die Arbeiter tschechischer und geschlossen worden, kurz nachdem der ehemalige bietantsführung nach beſter Möglichkeit deutscher Zunge, geeint durch den Willen, mit Saifer Starl in Ungarn erschienen war, um ſeine nachgekommen; und an ihrer Erfüllung haben der Demokratie auch ihre eigene Freiheit zu Thronansprüche geltend zu machen. Zweimal im auch die Deutschen und unter ihnen wieder vor schüßen und durch sie um die Befreiung der vom Jahre 1921- im April und OktoberschritKralovo n. T. Dienstag nachmittags um allem die Arbeiter, hervorragenden Anteil. Faschismus unterdrückten Genossen zu fämpfen, ten die drei Länder der Kleinen Entente gegen die 16 Uhr 45 mitteleuropäischer Zeit fuhr beim Ein- Zum ersten Male seit 1929 fönnen wir das sehen in der konsequenten Fortführung ihres po- Restaurationsversuche der Habsburger mit Erfolg bruch der Dunkelheit und schwachem Regen in der Fest der Staatsgründung im Zeichen der Wirt- litischen Wirkens das geeignete Mittel, die Re- ein, troß Mobilisierung kam es nicht zum Kriege. nach dem rumänischen Staatsmann benannten schaftsbesserung begehen. Kein schöneres Ge- publik zu einem Sort der sozialen und nationa- So hat sich schon seit dem Jahre ihres Entstehens burtsgeschenk hätte sich die Republit machen tön- len Gerechtigkeit zu gestalten. Sie bringen der die Kleine Entente als Werkzeug des Friedens rumänischen Grenzstation Nicolae Titulescu " nen als die Zurückführung tausender Menschen in Republik zu ihrem Geburtstag das Bekenntnis erwiesen, als ein Instrument ein neuer ( früher Halmei) der Sonderhofzug des Königs den Arbeitsprozeß, die in den letzten Monaten der unwandelbaren Treue und demokratischen Liches Chaos in Mitteleuropa zu Carol, bestehend aus elf vier- bis sechsachfigen gelungen ist und deren Fortsetzung und Steige- Opferbereitschaft dar, und das Bekenntnis zum verhindern. Das tun die drei Staaten auch Bullman- Wagen, ein. Auf dem Bahnhof wars rung durch die eben in Angriff genommenen Staatsoberhaupt, in dem sich die demokratische heute. Die Meine Entente ist ein Mittel der finanziellen Maßnahmen der Regierung in die und die Friedenssendung der Republik sympo- Konsolidierung, die in ihr vereinigten Staaten tete die tschechoslowakische Suite unter Leitung Wege geleitet wurden. Die Bekämpfung der lisiert. 3 Gesandten Jan Masacht. Der tschechoslowatische Gesandte in Bukarest Seba stellte die tschechoslowakische Suite dem König und dem Kronprinzen vor. Der Hofzug setzte sich dann nach 17 Uhr zur Weiterfahrt in Bewegung. Die Bes völkerung, welche sich um den Bahnhof zahlreich versammelt hatte, bereitete dem König herzliche Obationen.
Auf tschechoslowakischem Boden
des
In Kralovo n. T. traf der Zug um 17.20 Uhr ein. Auf dem Bahnhof begrüßte ihn der Gouverneur von, Karpathorußland, Konstantin Hrabar, in russischer Sprache. Hierauf mel bete fich dem Stönig Carol der Landespräsident bon Karpathorußland Ant. Rosypal. Der König schritt dann die Ehrenkompagnie des Infanterie- Regimentes 45 ab.
Das Donauproblem
in österreichisch - ungarischer Beleuchtung Budapest . Der österreichische Staatssekretär Schmidt erklärt im ,, Magyarország ", er halte für das wichtigste Problem Mitteleuropas die Frage der Zusammenarbeit der Donaustaaten. Das Donauproblem könne nur durch positive und mühsame Arbeit gelöst iverden. Es bedürfe einer Politit der Tatsachen und in dieser Hinsicht seien die österreichischen und ungarifchen Staatsmänner wovon er sich bei seinen gegenwärtigen Verhandlungen überzeugen konnte
bollkommen der gleichen Auffassung. Im Laufe seiner Besprechungen sei er in seiner Ueberzeugung bekräftigt worden, daß Desterreich und Ungarn in diesem Sinne eine ersprießTie Busammenarbeit werden ent-| halten tönnen.
wvejen vidjerheit zu schaffen und die Sträfte zu der und beutidjer Burge Bert ten in der
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haben keine Absicht irgend jemandem etwas wegzunehmen. Wohl waren die Bündnisverträge der drei Staaten im Zeichen der Abwehr der Restauration und des magharischen Revisionismus entstanden, aber seit dem Anbeginn der Kleinen Entente hat insbesondere Dr. Beneš sich nicht nur darauf beschränkt, in diesem Bündnis einen Schutz gegen irgendein magyarisches Abenteuer zu sehen, sondern er hat auch darin ein Mittel erblickt, zur Annäherung aller mitteleuropäischen Staaten zu gelangen, eine Seimzelle zur Wiederherstellung der politischen und to irtschaftlichen Ordnung im Donauraum und damit ein Element des europäischen Aufbaues und Friedens zu schaffen.
Allerdings haben sich die Verhältnisse im Donauraum seither geändert. Neben die Kleine Entente ist die Ländergruppe des sog. römischen Protokolls( 1934), d. i. Italien . Desterreich und Ungarn getreten. Die Tschechoslowakei und ihre beiden Verbündeten haben dies jedoch nicht als Feindseligkeit betrachtet und es war Ministerpräsident Dr. Hodča, der den Gedanken ausgesprochen hat, es müßten die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen den beiden Gruppen enger gestaltet werden. Von derselben Auffassung, die Kleine Entente müsse ein Element der Ordnung und des Friedens sein, ist Außenminister Krofta durchdrungen, dessen letztes Exposé die friedliebenden Absichten der Republit ins hellite Licht rückt.
Der Besuch des Königs von Rumänien wird und das ist das Erfreulichste daran den mitteleuropäischen Friedensblock stärken. Gr wiberlegt am besten jene Gerüchte. von denen man nach dem Rücktritt Titulescus hörte, daß eine Schwenkung der rumänischen Außenpolitik bevor