Sosialdemokrat

ZENTRALORGAN

DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK

ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TAGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077 HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB . VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: KARL KERN, PRAG .

16. Jahrgang

Deutsches Echo auf Edens Rede:

Wutausbruch und Drohungen!

Die ,, Frankfurter Zeitung ", die mindestens England gegenüber als Sprachrohr der Wilhelmstraße gilt, befaßt sich in einem Artikel des Chefredakteurs R. Kirchner mit Edens Rede und schreibt neben anderen wütenden Aus­Laffungen u.a.:

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Donnerstag, 17. Dezember 1936

Die deutschen Truppen

Sensationelle Enthüllungen über die, Nichteinmischung'

Paris. ( Havas) Der Londoner Bericht­erstatter der Agence Havas zitiert einen im Manchester Guardian" veröffentlichten Artikel, in dem u. a. gesagt wird: Die Eltern und Ver­wandten der in Spanien dienenden deutschen Soldaten haben die Nachricht erhalten, daß ihre Söhne mit unbekanntem Ziel zu einem Militär­übungskurs entfandt wurden, der 16 Wochen dauern wird. Die Eltern wurden aufgefordert, ihre Korrespondenzen in offenen Kuverts an bas Bostamt Berlin 10, für Flieger Postamt Berlin 2 und an Nr. 55 für Mitglieder der Tamk- und Fliegerabwehrmannschaften zu adressieren. Es wurde ihmen angedeutet, daß die Post die Briefe an die entsprechende Adresse weiterleiten wird. Das Blatt bemerkt hiezu, daß die Eltern bereits amtliche Mitteilungen zu erhalten beginnen, in denen ihnen mitgeteilt wird, daß ihre Söhne während der Manöver getötet oder tödlich ver­Tetzt worden sind"..

in Spanien

Im Deuvre" veröffentlicht Frau Tabonis eine Nachricht aus Genf , in der es heißt: Die in der Berliner Deutschen Volkszeitung" veröffent. lichte Nachricht die bereits Dienstag abends in Genf bekannt war spricht von der Organisie­rung des Geheimen Dienstes zur Regelung der Frage der Entschädigung und der Pensionen für Witwen und Verwandte von Soldaten der deut. fchen Armee, die in Spanien gefallen find oder verwundet wurden. Diese Nachricht hat in Genfer Kreisen einige Erregung hervorgerufen. Nach den Statuten dieser Drganisation feien mit der Ver­handlung mit den Eltern besondere Emissäre be­traut, die das Gelöbnis absoluter Verschwiegen­heit ablegen mußten. Die deutschen Verluste in Spanien feien sehr bedeutend, insbesondere wäh rend der letzten Monate. Sie werden auf 900 bis 1200 Tote geschätzt. Insbesondere feien zahlreiche deutsche Flieger abgeschoffen worden.

Wie lange noch

wird Hilgenreiner sich Extratouren leisten?

Kandidatenrede für die SdP Im Senat

,, Keine Macht der Welt wird jemals das Dritte Neich zwingen können, die Grenzregulic­rungen der Friedensverträge in Ost- und Südost­ europa als annehmbar, gerecht und vernünftig zn erklären, und diesen Zwangslösungen durch einen Garantievertrag unseren Segen zu geben. Das Gleiche hat nicht einmal die Weimarer Republit getan wie könnte man es vom Dritten Reich erwarten? Wir haben statt dessen Verträge ge­fchloffen eder angeboten, die eine gewaltsame krie gerische Revision ausschließen. Mehr kann man nicht verlangen. Wenn mehr nicht geleistet werden kann, so liegt das nicht an uns Deutschen , son­dern an der Mangelhaftigkeit der Grenzrege­inngen. Die Erkenntnis, daß dies so ist: der Man­gel an Vertrauen zur Haltbarkeit des in Versail­ les und Trianon Geschaffenen, ist die eigentliche Quelle des Mißtrauens der anderen. Der D st ent Earopas ist doppelt, ja dreifach be I a st e t: durch die Mangelhaftigtett der territorialen Regelung, von der wir eben sprachen, durch den französischen Wunsch, im Osten Bundesgenossen zu haben, und durch den Bolsche wis mus. Während wir können, ist der Bolschewismus eine uns allen auf­gezwungene brennende Gegenwartsfrage. Er ist der Erzfeind des Nationalsozialismus, ideologisch und politisch das weiß jeder. Aber auch militä risch das beweisen u. a. die Abmachungen, die Begeisterter Beifall und Gratulationen seitens der SdP- Senatoren zwischen Prag und Moskau getroffen wurden und die einmal dazu führen könnten, daß die Prag . Daß Herr Senator Hilgenrei- verlange schon der ernste Wille, nach einem Dauer Komintern in der Tschechoslowa- ner, ehemaliger Obmann der christlichsozialen frieden, der nicht im Gegensatz zur Mehrheitspartei tei fo handelt, wie fie in Spanien gehandelt Volkspartei, von jeher ein tiefes Verständnis für gefchloffen werden könne. Es tomme aber mehr dar­das Dritte Neich samt seinen Konzentrations- auf an, was erreicht wird, als von vom. Sein Pro­lagern für Sozialisten und Katholiken an den gramm sei die Einheitsfront aller Deutschen in nas tionalen Fragen. Tag gelegt und dieses Verständnis seit den Ur Bethlen in Italien abgeblitzt! anfängen der Henleinpartei auch auf diese über­Mit dieser Stellungnahme Hilgenreiners ist Nom.( Tſch. P.-B.) Der Vortrag, den tragen hat, iſt allgemein bekannt. Ebenso bekannt die Sache natürlich nicht abgetan, denn sie ist ge der ehemalige ungarische Ministerpräsident Graf ist aber auch, daß seine Partei auf diese seltsame eignet, die ganzen Verhandlungen einfach zu Tattit ihres Vorſizenden bei den Wahlen fch to extorpedieren. Bethlen Dienstag in Mailand gehalten hat, wird von den italienischen Blättern tommentarlos zi- dr.a u- f g ez ah It hat, so daß Herrn Hil­Sollen die deutschen Regierungsparteien nach tiert. Es ist bezeichnend, daß das offizielle Gior- genreiner schließlich nichts übrig blieb, als die Ob- der Meinung des Herrn Hilgenreiner fidh, frei nale d'Italia" aus dem Vortrag den Passus mannstelle der Partei niederzulegen. Er hielt sich einige Zeit etwas im Hinter- willig zu bloßen Handlangern des Herrn Henlein weggelaffen hat, in dem Bethlen die Notwendig= und feiner Kameradschaftsbündler degradieren? keit einer Unterstützung Ungarns hervorgehoben grund, aber gerade jeßt, da die deutschen attivi hatte, damit es stark sei im Kampfe gegen den stischen Parteien, zu denen ja seit dem Sommer Panflawismus. Diese Erklärung hat in römi- auch die Chriftlichsozialen gehören, eben an die schen politischen Kreifen keinen befont= ungeheuer schwere und verantwortungsvolle Auf­ders günstigen Eindruck hervortenfrage zu versuchen, sah Hilgenreiner seine gabe gehen, die Lösung der Minderhei gerufen. Es wird nämlich auf das Unzutref­fende der Behauptung Bethlens verwiesen, Beit gekommen, um als richtiges, nur etwas reich daß die italienischen Lebensinteressen von der lich altes Enfant terrible wieder das ganze Wert, Unterstützung Ungarns abhängen. Es wird auch jeder Verantwortung bare Rede im Senatsplenum bevor es noch richtig begonnen hat, durch eine fonstatiert, daß Italien eine Gefahr des Pan­flawismus nicht kennt und daß die italienische zu gefährden. Politik gegenüber Jugoslawien ein Beweis dafür Es ist bezeichnend, daß Herr Hilgenreiner babei die ganze SbP- Korona als 8 beifällig lau­Hawifmen Staaten einigen und fchende Zuhörer um sich versammelt hatte und daß ist, daß fich Italien auch mit den am Schluß feiner Rede der ganze SdP- Klub mit Frank an der Spite an Hilgenreiner vorbei­befilierte und ihm gratulierte.

hat."

nicht die Politik der Staaten der österreichisch­ungarischen Monarchie gegenüber den Slawen be treiben will. Italien wünscht die Sicherung des einer jeden

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Sollen die Unterhändler der aktivistischen Parteien nach jeder Beratung zum Herrn undt oder zum Herrn Dr. Rof che laufen, Stellung weitere Weiſungen für den nächsten Tag um ihnen Rapport zu erstatten und in Habtacht­gehorsamst einzuholen?

Einzelpreis 70 Heller

( einschließlich 5 Heller Porto)

Nr. 293

Zerrissener Nebel

England und die Tschechoslowakei Die Außenpolitik des Dritten Reiches hat eine schwere Niederlage erlitten. Das Kernstück der Außenpolitik des deutschen Nationalsozialismus war der Gedanke Frankreich von England zu trennen, Deutschland dadurch im Westen zu entlasten und freie Hand im Osten zu erhalten. Das hat Hitler in seinem Buche Mein Kampf " gepredigt, darum ward Ribbentrop nach London erst als Sonderbeauftragter des Führecs, dann als Botschafter gesandt worden, denn in Deutschland weiß man, ein Vormarsch der deut­ schen Armee nach Osten wäre nur möglich bei britischer Neutralität.

Eine Zeitlang schien es, als ob die deutsche Außenpolitik in ihrem Bestreben Erfolg haben sollte, das deutsch - englische Seeabkommen war Wind in die Segel des Dritten Reiches , die eng­ lisch - italienische Spannung hatte die Engländer vorsichtig gemacht, sie wollten nicht zugleich mit Italien und Deutschland in Konflikt geraten. Diese Vorsicht zwang dem britischen Löwen außer­dem noch die Tatsache auf, daß seine Krallen nicht geschärft waren, d. h. daß England nicht ge­rüstet war. Die englische Außenpolitik hat zwar seit 1914 stets ihr Lebensinteresse an allen Fra­gen des Westens betont, Chamberlain hat 1925 in Locarno die Grenzen Frankreichs und Belgiens garantiert, aber irgend eine ähnliche Verpflich­tung im Osten einzugehen, hat sich England stets geweigert.

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Die letzte Rede des Außenminiſters Eden hat ein wenig die Nebel zerrissen, die über der Zu­funft Osteuropas lagern. In dieser Rede vom 14. Dezember hat Eden wie wir schon gestern fest­gestellt haben- mit erfreulicher Klarheit aus­gesprochen, daß England ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens auch in den an= deren Teilen Europas , nicht nur im Westen, habe, er hat sich also der These Litwinows vom unteilbaren Frieden beträchtlich genähert. Noch deutlicher wurde die dem Ministerpräsidenten Baldwin nahestehende Morningpost", welche flipp und klar sagt, der Außenminister habe, ohne ein Land besonders zu erwähnen, in seiner Rede an die Möglichkeit eines reichsdeutſchen Angrif­fes auf die Tschechoslowakei " gedacht. Ein solcher Schritt aber würde Großbritannien nicht gleich­gültig lassen. Sollte das Deutsche Reich ", so schreibt das konservative englische Blatt, tat­sächlich damit rechnen, die Tschechoslowakei zu überfallen, ehe wirkliche Hilfe verfügbar wäre, so würde nach britischer Auffassung in derarti­gen Aktionen fraglos das übrige Europa mit Einschluß des britischen Weltreiches verwickelt werden".

blatt nicht mehr werden und angesichts der bis­Deutlicher fann ein englisches Regierungs­Oder sollen sie nicht vielmehr aus tiefem herigen Reserviertheit der Engländer in allen deutschtum, das gerade durch die Manöver der der Haltung des zitierten Blattes nicht die Fol­Verantwortungsgefühl für das gesamte Sudeten - Fragen des Ostens ist die Aeußerung der Mor­ningpost" bedeutsam. Gewiß, man darf auch aus Henleinpartei auf das schwerste bedroht wird, im Vertrauen auf die eigene Kraft verantwortungs- gerung ziehen, Großbritannien werde die Gren freudig und felbſtändig in dieſe ſchweren Berhand- wie jene Frankreichs und Belgiens . Aber in Lon­zen der Tschechoslowakei genau fr garantieren, fungen gehen und die Kläffer einfach beiſeite bon ist man fich deſſen bewußt, daß bei einem laffen, die felbft trotz ihrer zahlenmäßigen Stärke Angriff Deutschlands auf die Tschechoslowakei noch nicht das Geringste geleistet haben? nicht nur die Verbündeten dieses Landes, sondern Die Ablehnung ihres Ginheitsfrontfühlers das übrige Europa mit Einschluß des britischen Lebensrechtes Hilgenreiner eröffnete feine Rede mit der etwas im Abgeordnetenhaus durch die SdP hätte der Weltreiches" nicht untätig zuschauen würden. befremdenden Feststellung, daß seine Partei eigentlich christlichsozialen Partei ein hinreichendes Me­Nation in Mitteleuropa . Mit anderen Worten: Deutschland bis heute in wesentlichen Dingen mento sein müssen, sich in dieser Richtung nicht stößt nicht nur im Westen, sondern in der Oppofition fei, troßdem ihr unnüß weiter vorzuwagen. Ist Hilgenreiners auch im Osten auf den großen Ossletzkys Aufenthalt unbekannt Vertreter im Ministerrat size. Deutsche Minister feien Paris . Die A Agentur Havas meldet aus bisher nur Versprechen" gewesen und größten- neuester Vorstoß eine seiner bekannten Extra- BI od der Friedensmächte, Deutschland teils unerfüllte". Bei den kommenden Verhandlun touren oder eine offizielle Erneuerung des abge- ist bei einem Vorgehen gegen Osten ebenso iso­Berlin, daß der Laureat des Nobel- Friedenspreis gen über die Minderheitenfrage handle es sich dar- lehnten Einheitsfrontangebotes? liert, wie es bei einem Krieg im Westen wäre. Die ses Offießty am Montag das Krantenum, au zeigen, was der Staat den Deutschen zu ge Es wird gut sein, wenn die christlichsoziale Uebermacht, die sich gegen Deutschland zusam haus verlassen hat. Sein nunmehriger ben habe. Parteileitung diese Fragen bald klärt. Schließlich menfände, wäre noch größer als 19.4. Destregen Aufenthalt ist nicht bekannt. Was die Frage anlangt, wer auf deutscher Seite werden auch die tschechischen Regierungsparteien ist jeder Gedanke an einen Krieg für das Deutsche berechtigt sei, Verhandlungen zu führen, so meint der Redner, im Namen des ganzen deutschen Voltes ein eminentes Interesse daran haben, tlarzustellen, Neich Wahnsinn, ein solcher. Krieg würde aus au ſprechen fei Leine einzige Partei ob die Verhandlungspartner auf deutschbürger- Europa einen blutigen Trümmerhaufen machen berechtigt, weil leine das ganze Volt hinter sich habe. licher Seite aufrechte Männer oder bloße Puppen und das deutsche Volt in eine Katastrophe treiben, Paris . Meldungen der Abendblätter zufolge Aber eine Partei sei berechtigt, für zwei Drittel des einer Oppositionspartei vom Typus der SDP sein wie es sie weder im Dreißigjährigen Krieg noch wollen die Großmächte bei beiden friegführen- Bolles zu sprechen, und müffe daher bei wichtigen follen. Was sagt insbesondere Herr Minister nach Beendigung des Weltkrieges erlebt hat. Die­den Parteien in Spanien zweds Abschlusses eines nationalen Fragen gehört werden. Sie könnten es Bajiček dazu, der sich draußen in den Ver- jenigen, welche Deutschland neuerlich in einen mehrtägigen Waffenstillstandes für die Weihbie mit..materiellen Vorteilen", die ſi ab und zu Wir sind auf die Antwort sehr gespannt. Sollte ein noch ärgeres Versailles führen. nicht so machen, wie die laffenparteien" fammlungen ehrlich mit der Sop herumschlägt? Krieg hineinhebten, würden es ein zweitesmal in nachtsfeiertage und zweds Austausche 3 verlangen, die Wähler über die grundlegenden Fras die Partei mit Hilgenreiners neuester Rede nicht Die Haltung Englands zu den Fragen des der Geise In und der gefangenen nicht- gen hinwegtäuschen möchten.( Zwischenrufe von unse fämpfenden Bevölkerung intervenieren. Die ritirer Seite: Politischer Eiertang!) keine Partei einverstanden sein, dann wäre es dringend not- Ostens tann aber auch nicht ohne Folgen für die schen Schiffe in den spanischen Gewässern feien könne im Gegensatz zu der stärksten Bartei( b. h. wendig, ihm gegenüber einmal alle Konsequenzen fu de tendeutsche Politik sein. Mo­bereit, diesen Austausch zu vermitteln. ber SbP!) endgültige Entscheibungen treffen. Dies l'au ziehen! natelang haben Herr Henlein und seine Kumpane

Welhnachts- Waffenstillstand?