Nr. 151.
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16. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
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mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden
Sonnabend, den 1. Juli 1899.
Expedition: SW. 19, Benth- Straßje 3.
sich scharf und genau dem öffentlichen Geist eingeprägt haben schlepper und 3,25 M. gegen 2 M. für die Pferdejungen. mußte, und daß die Fälschung, wenn sie auch jetzt nicht ent- Die Bechen lehnten aber ab, mit den Streifendeckt worden wäre, doch bei der ersten Gelegenheit, den zu verhandeln.
Mit dem 1. Juli eröffnen wir ein neues Abonnement auf den fatz im Reichstag zur Anwendung kam, hätte entdeckt Streifenden als unberechtigt erscheinen zu lassen, eine Lohnwo der vom Präsidenten Ballestrem aufgestellte Grund- Die Zechenverwaltungen haben, um die Forderungen der Vorwärts" werden müssen. Dann hätten die Urheber der Fälschung doch stala mitgetheilt, dabei aber nicht angegeben, daß diese Löhne unmöglich dem Präsidenten und den 200 Mitgliedern, die an Häuer gezahlt werden, während die Streifenden Schlepper, seine Worte gehört und sich wohl gemerkt hatten, einreden Steineträger und Pferdejungen sind, die bedeutend weniger fönnen, die nicht gesprochenen neun Worte, mit denen zu bekommen. sammen die anderen ganz nichtssagend sind, wären thatsächlich gesprochen worden. Ueberdies hätte ein Blick auf das Originalstenogramm, welches aufbewahrt ist. jede Möglichkeit der Annahme einer Sinnestäuschung oder Hallucination ausgeschlossen. Kurz, der Betrug mußte an
Unterhaltungsblatt
und der Sonntags- Beilage.
Die Neue Welt".
Für Berlin nehmen sämtliche Zeitungsspediteure, sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zu den Tag kommen. monatlichen Preise von
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für die Monate Juli, August und September entgegen.( Eingetragen ist der Vorwärts" in der Post- Zeitungs: lifte für 1899 unter Nummer 7820).
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Von dem Roman im Unterhaltungsblatt erhalten neu hinzutretende Abonnenten die bisher erschi nenen Fortsetzungen nachgeliefert.
Die Redaktion des Vorwärts".
Die Fälschung,
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welche im Bureau des deutschen Reichstags verübt worden ist, hat, wie das nicht anders sein konnte, ein ungeheueres Aufsehen erregt. Die reaktionäre Presse, für welche die Aufdeckung dieses wohl beispiellofen Standals ein betäubender Schlag ist, hat sich bisher begnügt, den Brief Ballestrems ohne Kommentar und an möglichst wenig auf fälliger Stelle zum Abdruck zu bringen die übrige Presse ist aufs tiefste empört, hat aber zum Teil noch nicht die Sprache vollständig gefunden, welche zur Brandmarkung und Kennzeichnung der That die allein passende ist.
An anderer Stelle veröffentlichen wir die Urteile der Presse, soweit sie von Belang sind.
Und nun über die That selbst einige Worte.
Die Fälschung setzt ein ungewöhnliches Maß von Selbstbertrauen und Recheit auf seiten der Urheber voraus. Der Urheber, sagen wir, denn ein einzelner fonnte, der Natur der Sache nach, die That gar nicht verüben.
Aber Dummheit ist ein Faktor, der gerade in den Kreisen, aus denen die Fälscher und die Fälschung zweifellos dieser skandalösen Fälschung gilt, gilt es nicht von dem gehervorgegangen sind, eine sehr große Rolle spielt. Und was von samten Thun der Reaktion- nämlich, daß es geeignet ist, das Gegenteil dessen zu bewirken, was die Urheber erstreben?
Gerade durch diese unverschämte Herausforderung ist der Reichstag moralisch gezwungen, den Kampf aufzunehmen. Dies ist aber ein Kampf, in welchem die Volksvertretung nur zu gewinnen hat.
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Sündenbock.
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Nachdem die Fälschung im Etenogramm des Reichstags ertappt worden ist, sucht man die Sache als Harmlosigkeit zu deuten. Die " Post" stellt die luftige und lustige Vermutung auf, wahrscheinlich habe ein dem Präsidenten Grafen Ballestrem nahestehender Abgeordneter, der schon öfter für ihn Noten im Stenogramm durch gesehen habe, die Kenderung vorgenommen; von einer Eigenmächtigkeit des Reichstagsbureaus könne keine Rede sein.
Die„ Nat.- 3tg." dagegen teilt mit, es sei festgestellt worden, daß die Aenderung des Stenogramms von einem Beamten des Reichstags herrühre, der inzwischen eine Rüge erhalten habe. Näheres will der„ V. Q." auf dem Bureau des Reichstags erfahren haben; dies Blatt schreibt:
Um die Unruhen recht würdigen zu können, geben wir hier noch ein Situationsbild unseres Dortmunder Parteiorgans. Da heißt es:
Ein berittener Gendarm wurde um 6 1hr abends( am 28. Juni) von der Menge mit Steinen beworfen und mußte fliehen. Darauf erschien eine Abteilung von sechs Gendarmen und Polizisten und hieb auf die Leute ein. Als hierauf mit einem Steinbagel geantwortet wurde, kam es auf der Bahnhofstraße zu einer schrecklichen Scene. Die Abteilung begann zu feuern; die Gendarmen zielten bedächtig und fast jeder Schuß sa ß. Die Polizei schoß mit Revolvern. Das Feuern dauerte 10 Minuten. Man zählte etiva 30 Schüsse. Die Menge floh natürlich Hals über Kopf und ließ auf dem Schlachtfelde neun Opfer zurück. Ein Arbeiter war sofort tot, die andern schienen zum Teil schwer verwundet zu sein. Ihr Jammern war herzzerreißend. Auf Karren wurden sie ins Krankenhaus gebracht. Nachträglich sind noch einige verschieden.
Bei dem Transport der Schlachtopfer stieg die Erbitterung der Masse bedenklich, weswegen zwei Bolizisten noch einige Schüsse abfeuerten. Später zog eine Patrouille von zwei Polizisten und einem Gendarm durch die Bahnhofstraße, ausgiebig Säbelhiebe rechts und links austeilend. Der Kampfplatz war mit Blut und Fleischfezen bedeckt.
Es fann feinem Zweifel unterliegen, daß der Mangel an Staltblütigkeit bei der Polizei sein gut Teil dazu beigetragen hat, die leicht erregbaren, ohnehin zu Gewaltthätigkeiten geneigten Leute zu reizen und die Ausschreitungen zu verschärfen.
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Die Scharfmacherei wird unterdes trotz all der offenfundigen, von uns dargelegten und von niemand be. strittenen Thatsachen mit unzerstörbarer Dreistigkeit fortgesetzt. Auch die amtliche Berliner Korrespondenz" schließt sich den Scharfmachern an mit der Behauptung, daß die Social„ Es liegt ein unglückliches Mißverständnis vor. Daß es demokratie trotz alledem die Mitschuld nicht ablehnen könne, übersehen worden, daran trägt die nervöse Stimmung und Hast denn die verhängnisvolle Lehre, daß eine Minderheit die Schuld, welche die Begleiterieinung aller Schluß Streiflustiger der arbeitswilligen Mehrheit ihrer Arbeitssizungen ist. Aber im Bureau ist der Irrtum bereits erkannt fameraden ihren Willen aufdrängen dürfe, und daß solchenund unter die Berichtigungen aufgenommen worden, die nach falls die Niederlegung der Arbeit, die Aufrechterhaltung jeder Session in üblicher Weise durch die Register nach der Arbeitssperre und die Fernhaltung der Zuzügler selbst mit gewiesen und berteilt werden.. Es ist bereits ange=
ordnet, durch Versendung der Berichtigungen auch diesen despotischen und widerrechtlichen Mitteln erzwungen werden Irrtum larzustellen. Der Beamte, der die Ver- dürfen, hat in Herne Wurzeln geschlagen, welche jetzt eine wirrung angerichtet hat, ist ermittelt. Es mächtige Triebkraft entwickeln".
ist Sache des Präsidenten, ob er weiteres gegen den betreffenden Das ist wiederum bewußte Lüge. Herrn beim Wiederzusammentritt des Reichstages unternehmen Welches auch unsere Lehre sei, so waren wir doch erst will. Zu fleinen redaktionellen Aenderungen gestern in der Lage, die nach dieser Richtung gewiß unglauben die Korrektoren sich zuweilen befugt. So ist auch diese verdächtige Feststellung der Deutschen Tages- Zeitung" zu Aenderung hineingekommen, deren Tragweite der Herr um 10 citieren, daß unsere Lehre bei diesen Arbeitern teinen weniger ermessen konnte, als er die voraufgegangene Rede des Boden gefunden habe. Ueberdies schreibt auch heute die Abgeordneten Röfice nicht gelesen hatte." Rheinisch- Wests. 3tg.":
unfähig sein, die Umgestaltung der Worte des Präsidenten als Wer soll das glauben? Stein Beamter des Reichstages fann so eine redaktionelle Aenderung" anzusehen. Und warum hat das Bureau des Reichstages, nachdem die Presse Lärm schlug, kein Wort der Aufklärung veröffentlicht, sondern Tage lang geschwiegen, bis die Berichtigung des Präsidenten selbst erschien.
Die Urheber waren Leute, die gewohnt sind, sich über Gesetz und Recht hinwegzusetzen und die durch Erfahrung zum Glauben gelangt sind, daß sie keine Strafe zu befürchten haben. Es ist im Reichstag sehr oft schon vor gekommen, daß z. B. aus den Räumen der WahlprüfungsKommission wichtige Aftenstücke zeitweilig oder für immer verschwunden sind. Jedermann nannte im Privatkreis den oder die Urheber, allein keiner ist jemals deshalb zur Verantwortung gezogen worden. Das ist diesmal anders. Diesmal liegt in der Handlungsweise eine so freche übermütige Beschimpfung und Herausforderung des Reichstags, daß dieser den Handschuh aufnehmen und gern oder ungern die Sache ausfechten, Die aufgestörten Sünder suchen einen Sündenbock. Man dem Frevel die Sühne folgen lassen muß. fucht einen untergeordneten Beamten vorzuschieben. Nachdem der Aber nicht bloß gewohnheitsmäßige Verächter von Recht böse Streich kläglich mißlungen, möchte man eine Verwechslungsund Gesetz müssen die Urheber der Fälschung gewesen sein, fomödie vorspiegeln. Doch niemand wird sich dadurch täuschen sondern auch Männer von großer geistiger Beschränktheit lassen.. Leute, die, über Recht und Gesez sich erhaben dünkend, von der Unmöglichkeit ihrer Bestrafung überzeugt, die einfachsten
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Die
Regeln der Klugheit außer acht lassen und ohne Berechnung Bergarbeiter- Unruhen im Ruhrrevier.
der Folgen ihres Handelns vorgehen.
Der Zweck des Handelns liegt sonnenklar da, und ist auch Der Verzweiflungsausbruch der polnischen Bergarbeiter an sich durchaus logisch vom Stand der Reaktionäre. Hatten wir scheint in der Hauptsache wieder unterdrückt zu sein. Die es nicht schon erlebt, daß durch einen Druckfehler wichtige letzten Nachrichten aus dem Streifgebiet lauten beruhigend. Gesezesbestimmungen aus der Welt geschafft wurden, warum. T. B. meldet unterm 30. Juni: nicht eine dem herrschenden System überaus unbequemte parlamentarische That ungeschehen machen durch eine eindurch das Einschieben einiger Worte, vom Reichstag in seiner erdrückenden Mehrheit gebilligten und dem Sinne nach geforderten Gr flärung des Präsidenten die Spize abgebrochen und ihr jede Bedeutung genommen hätten?
fache Fälschung
die der
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Ein genialer Gedanke! Nur daß wir, unter Umdrehung des Schillerschen Wortes, dabei ausrufen müssen: Wär's nicht so herzlich dumm, man wär' versucht, es sehr gescheit zu
nennen.
Der Streit der Kohlengrubenarbeiter scheint sich seinem Ende zu nähern. Auf jämtlichen Zechen, welche sich im Ausstande befanden, war heute früh ein großer Teil der Arbeiter angefahren. Die Fehlenden dürften jedenfalls im Laufe des Tages noch anfahren. In der Stadt herrscht Ruhe; neue Ausschreitungen sind nicht vorgekommen.
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Die Socialdemokratie, die jeden Zusammenhang mit den Ausschreitungen gegen Arbeitswillige von der Hand weist, kann jetzt zeigen, daß sie nicht unter" Koalitionsfreiheit", die niemand antasten will, Freiheit für die Raufereien von Radaubrüdern meint. Wenn der Vorwärts" den Zusammenhang der Partei mit den Unruhen, wie wir glauben mit Recht, abweist, muß er ein Interesse am Schutz der Arbeitswilligen haben."
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Demgegenüber können wir uns darauf beschränken, die " National- Zeitung" zu citiren, welche schreibt:
Die Bemühungen der offiziösen und der„ Scharfmacher"-Bresse , aus den Herner Tumulten Kapital für gesesgeberische Unterdrückungsmaßregeln zu schlagen, sind durch den Verlauf der Unruhen rasch auf den Sand gesezt worden. Hätten diese irgend etwas mit denjenigen Berhältnissen zu schaffen, welche eine Erweiterung des§ 158 der Gewerbe- Ordnung erwägenswert erscheinen lassen, so würden wir gewiß keinerlei Grund haben, es zu bestreiten; denn wir haben vor und während der Reichstagsverhandlung über den Entwurf zum Schutz der Arbeitswilligen eine derartige nähere Erwägung auf Grund der§§ 1 und 2 desselben empfohlen, und wir glauben, wie alsbald nach der ReichstagsVerhandlung an dieser Stelle ausgeführt wurde, daß sie trotz der vorläufigen Ablehnung der Kommissionsberatung nach dem Wiederbeginn der Sigungen im Herbst stattfinden wird. Aber die Vorgänge in Herne und Umgegend haben damit nicht das mindeste zu schaffen. Straßentumulte müssen von der Polizei, nötigenfalls mit militärischer Hilfe, unterdrückt werden; und Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverlegung, Landfriedensbruch, Aufrühr find im Strafgesetzbuch mit schweren Strafen bedroht; zur Ahndung derartiger Handlungen bedarf es keines neuen Gesetzes."
Politische Webericht.
Von der heutigen Vormittagsschicht fehlten auf den Zechen Shamrock I und II" 214 von 963 Mann, auf der Zeche„ Van der Heydt" 125 von 390, auf Zeche Julia" 130 von 362, auf Friedrich der Große " 170 von 820, auf Konstantin der Große " 61 von 382 und auf Zeche„ Mont Cénis" 300 von 935 Mann. Auch der Donnerstag, der ein katholischer Feiertag war, Vielleicht mochten die Urheber der Korrektur" oder verlief völlig ruhig. Die Zahl der Streifenden beläuft sich Redaktion", die an die„ Korrektur" und Redaktion" der ja nach diesen Meldungen noch auf ca. 1000 Mann, nach Emser Depesche durch Bismarc erinnert, darauf bauen, daß einer uns foeben zugehenden Nachricht sind sogar noch die die„ rettende That" nicht sofort bemerkt werden würde, und sie dreifache Zahl ausständig, aber darin stimmen die Nachrichten Die Situation in Preußen ist schwierig, die vom Kaiser mochten, da der Reichstag nun fünf Monate Ferien hat, sich überein, daß keine Unruhen mehr vorkommen. gewünschte Kanalvorlage begegnet störrischen Hemmnissen. denken, daß nach Ablauf dieser Zeit der ganze Vorgang ber Unrichtig ist die von uns gestern mitgeteilte Angabe der Die Liberalen wünschen Auflösung des Abgeordnetenhauses, gessen und Graf Ballestrem sich auch inzwischen abgekühlt haben Rhein - Westf. Ztg.", daß man die Forderungen der Streifenden die„ Kölnische Zeitung " wütet gegen die Junker und lechzt würde. Das war freilich der Scharfsinn eines Monomanen, nicht kenne; es haben sich vielmehr Vertreter derselben nach vermehrtem Einfluß der Großindustriekreise in preußischen eines beschränkten Hirns mit fir auf einen Punkt gerichtetem zu den Distrikten der Zechen Julia"," Van der Heydt", Fragen. Aber diese rheinischen Wünsche und Hoffnungen Denken, das alles nicht auf der geraden Linie zum Ziel Liegende" Shamrock" und" Friedrich der Große " begeben und ihre werden sicherlich nicht erfüllt werden, der Osten hat die übersicht. Ein normales Hirn hätte sich sagen müssen, daß der Forderungen vorgetragen: 4 M. gegen 3,20 m. für die Freundschaft der Regierung, die Blut vom Junkerblut ist, Vorgang im Reichstag bei seiner außerordentlichen Wichtigkeit Steinschlepper, 3,75. gegen 2,50 M. für die Kohlen- trotz Kanalvorlage und unerfreulicher Starrnackigkeit. Diese