Sozialdemokrat

Sentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 70 eller

Rebattion u. Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantw. Rebatteur i. B.: Zdenko Neuwirth, Brag

17. Jahrgang

Mittwoch, 30. Juni 1937

,, Neues Klima in Mitteleuropa

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Dr. Hodža bel der Eröffnung des Kongresses der Völkerbundligen und ohne Vorbehalte respektieren wir den Grundsatz der gegenseitigen Nichteinmischung.

Preßburg . Ministerpräsident Dr. Hodža traf Dienstag um 9 Uhr 15 hier ein, auf dem Bahnhof begrüßt vom Vorsitzenden der inter­nationalen Union der Völkerbundligen, dem bel­gischen Senator Rollin und dem Vorsitzenden der tschechoslowakischen Völkerbundliga Dottor Jina und den übrigen Mitgliedern des Prä­fidiums. Während der Fahrt vom Bahnhof bis zur Universität wurde Dr. Hodža von der Bes bölferung begeistert begrüßt.

Um 9.45 Uhr eröffnete Rollin den Kongreß. begrüßte insbesondere Dr. Hodža und erteilte Dr. Jina das Wort. Dieser begrüßte die Dele­gierten, die aus 28 europäischen und außereuro­päischen Staaten erschienen waren, um für den Frieden zu manifestieren.

Das Wort ergriff sodann Ministerpräsident Dr. Hodža

der französisch, englisch und deutsch sprach. In feiner Sundgebung erklärte Dr. Hodža u. a.:

Eine neue Atmosphäre schwebt über den Donau­ländern,

eine Atmosphäre, in der erfolgreich gegenseitige Achtung, gegenseitige Toleranz und die Sicherstellung der gemeinsamen Intereffen gedeihen.

Das ist das neue Klima in Mit­ teleuropa . Widmen Sie diesem Gedanken der regionalen Zusammenarbeit in Mitteleuropa hre

THICKSAUFMARSCH R

DER

3. bis 5. Juli in Aussig

Nr. 152

Würzburg und Preßburg

Spannung zwischen den Donaubölkern herbei­geführt werde und sodann Abkommen vers wirtlicht werden, welche die Vorbedingung ihrer gemeinsamen Interessen und das einzige Mittel Die Tschechoslowakei kann soeben auf ihrem find, fi ch j e gli chen Versuchen einer Gebiete in der alten Donaustadt Preßburg , die Vorherrschaft zu erwehren. Es auch mit der Geschichte des Deutschtums im macht sich die Idee geltend, daß diese Regional- Donauraum eng verbunden ist, die Vertreter der ablommen allmählich die Grundlage einer Frie- Völkerbundliga aus einer ganzen Menge von dens- Konstruktion und des Weltfriedens bilden Staaten begrüßen. Wir haben wohl alle, die wir sollen. Diese Grundlagen werden eben durch die guten Willens sind, manche Enttäuschungen mit günstige Organisation Mitteleuropas und Donau - dem Völkerbund erlebt, insbesondere wenn wir Europas gelegt, ohne die es feinen dauernden uns in einem Idealismus, der allzu leicht die Frieden geben kann, die aber, wenn sie nicht vor- Schwierigkeiten des Daseins übersieht, zu viel von handen wären, die Quelle von Konflikten für ganz ihm versprochen haben. Die Tagung von Preß­Europa würden." burg gibt uns wohl Anlaß, über das Problem Die Kundgebung Paul- Boncours wurde des Völkerbundes nachzudenken und wir werden wiederholt vont Beifall der Versammlung unter- da zur Erkenntnis kommen, daß das Versagen brochen und zum Schluß mit lebhaftem Applaus der Völkerbundapparatur, wie wir es mehr als quittiert. einmal mitgemacht haben, nicht allein auf die technischen Mängel der Genfer Organisation zu rückzuführen ist. Die Frage der Aktionsfähigkeit des Völkerbundes ist eine solche politischer und moralischer Natur. Wer entſchloſſen ist, den Frie­ben mit ullen erdenkbaren und zweckmäßigen Mit­teln zu wahren, der wird troß aller Enttäuschun gen auf den Völkerbund als Mittel des Friedens und der internationalen Politit nicht verzichten. Staatsmänner, sondern auch der breiten Schich Deswegen ist die Gewinnung nicht nur der ten der Bevölkerung für die Jdec des Völker bundes bon großer Bedeutung und es muß immer wieder für den Genfer Bund der Nationen ge­worben werden. Dieser großen Aufgabe haben sich die Völkerbundligen unterzogen und in den Reden der offiziellen tschechoslowakischen Politifer bei der Begrüßung der ausländischen Gäste hat es fich gezeigt, daß der Völkerbund in der Tschecho flowatei treue Freunde besißt.

Aufmerksamkeit. Durch Unterstüßung des Regio­nalismus werden Sie Ihr Endziel stärken, den Böl­ferbund universell zu erweitern, damit er die nötige Autorität zur Verhinderung brudermörderischer Kriege habe, wobei ich nicht nur an den Krieg zhvi Nach Beendigung der Festsißung begannen schen Armeen denke, sondern auch an die nicht minder im Rahmen des Kongresses der Union für die verderblichen und gefährlichen wirtschaftlichen Kriege Wölferbundligen die einzelnen Kommissionen ihre

und sozialen Sämpfe.

MitteleuropagrüßtSuropa: Seien Sie überall Dolmetscher unseres guten Wil lens und unserer Entschlossenheit, an einer schöpfe­

rischen Eintracht dre Nationen und Kontinente mit

*

Wir können nicht leugnen, daß sich in Europa gegen den Völkerbund Zweifel erheben. Man zweifelt auarbeiten." an seiner Lebenstraft, an seiner Autorität. Deshalb muß die eUnionfürbenBölterbund Die Kundgebung. des Ministerpräsidenten wenn sie ihre edlen Aufgaben erfüllen will, anläßlich Dr. Hodža, die an zahlreichen Stellen von der ihrer Kongreffe oft die Rolle von Missionären Zustimmung der gesamten Versammlung beglei­pielen. Bei uns, deffen kann ich Sie versichern, find let war, wurde vom tschechoslowalischen Mund­Sie dieser Aufgabe im vorhinein ledig. Bei uns funt gesendet. ist der Glaube an den Verbund noch nicht gestorben. Sie befinden sich

auf dem Beben einer Mepublik, beca Bri

mit Necht unter jene großzen Europäer gezählt wird, deren Ergebenheit und Arbeit die Grund­lage war, auf der Genf ruhte.

Die Tschechoslowakei war und bleibt ein treuer An­hänger des Völkerbundes und gerade deshalb hat sie den Wunsch, daß Genf so rasch wie möglich die lebergangsperiode seiner Schwäche überwinde. Wir find bereit, an jeder Reform des Bölterbundes mit­zuwirken, durch die. seine Stärkung erzielt werden fann! Sehr entschieden würden wir einen jeden Ver­fuch zur Erschütterung seiner Funktion in der inter­nationalen Weltpolitik ablehnen. Er wird seine Auf­gaben mit um so wertvolleren Ergebnissen erfüllen fönnen, ie sicherer er imstande sein wird, sich auf regionale Patte zu stüßen. In der Reihe dieser regionalen Gebilde harren des Donaugebietes ficherlich große Aufgaben, da

bas entstehende Mitteleuropa nicht anderes als cint

Arbeiten.

Gruß Dr. Beneš'

Preßburg . Der Präsident der Republik Dr.

Benes sandte an den Vorsitzenden des Kongreſſes der Internationalen Union der Völkerbundligen folgendes Telegramm:

Herr Vorsitzender,

ich danke Ihnen aufrichtig für Ihren lieben Gruß. Ich begrüße herzlichst den Kongreß der Inter­nationalen Union der Völkerbundligen und wünsche ihren Arbeiten vollen Erfolg. Trok den Der Vorsißende, Senator No IIin, dankte Dr. Hodža und dem Vorsitzenden der tschechoslo- Schwierigkeiten der heutigen Zeit bleiben wir un talischen Völlerbundliga Dr. Jina für ihre entwegt Ihren Ideen und Ihren Idealen ergeben. Stundgebungen und sprach dann über die Tsche­ choslowakei und ihre Friedensarbeit.

Im Namen der ausländischen Delegierten sprach der ständige Delegierte Frankreichs beim Wölferbund Pa u I Boncour, der u. a. sagte:

Auch Außenminister Dr. Krofta sandte an Es besteht heute bereits eine Atmosphäre, den Kongreßverjißenden eine herzliche Begrü­die gestattet, daß zunächst eine oderung der ßungsdepesche.

Regierungserklärung Chautemps

Für Frieden und sozialen Fortschritt

Paris . Die Regierung Chautemps stellte sich Dienstag nachmittags der Kammer mit einer

Auſfitument her Kooperation und der Carmanie Regie:" Agerffärung vor, in der es heißt, daß

europäischen tann, wo Diffonan­zen drohen können.

Die Mitteleuropäer werden sich dessen bewußt, daß die Vorausseßung einer jeden moralischen Kon­folidierung das ehrliche Streben nach Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen ist.

zwei Grundgedanken im letzten Jahre Wünsche der franzöfifchen Republikaner be­stimmt haben: Friede und sozialer Fortschritt. Dem Dienste dieser beiden Ibeen widmet die Regierung ihre gesamten Bestrebungen. Sie wahrt die Kontinuität der franzöfifchen Außenpolitik, die leidenschaftlich Ganz offenkundig schreitet das Bemühen, die ergeben ist dem Streben nach Frieden mit allen givei mitteleuropäischen Präferenzsysteme einander Bölkern, und wird den Freundschafts­anzunähern, der Realisierung entgegen. Das eine, beziehungen treu bleiben, bie das sich aus der kleinen Wirtschafts­Frankreich bisher zu den einzelnen Staaten entente ergibt, und das atveite, dessen Basis die gehegt hat, sowie dem Völkerbund. römischen Proto tolle bilden. Verſtänd- Die Regierung wird unaufhörlich bemüht sein, nis findet auch das Bestreben, in das vorbereitete das Gebiet der internationalen Zusammenarbeit System auch Bulgarien einzubeziehen. Wir zu erweitern. Frankreich ist sich seiner selbst und ' haben es so weit gebracht, daß wir mit dem Wohl seiner Freunde sicher. Frankreich ist entschlossen, wollen der westlichen Großmächte rechnen können, sich jeglicher Drohungen zu enthalten, die den daß die Meistbegünstigungsklausel einem mittel- Frieden gefährden würden, wird aber auch selbst europäischen Bevorzugungssysteme nicht im Wege eine Gefährdung des Friedens steht, und daß wir mit unseren nächsten großen bul de n, wird nichts für die Erhaltung des Nachbarn, deren Interesse an Mitteleuropa selbstver- Maximums ihrer Wehrpflicht vernachlässigen, ständlich ist, bereits in informative Verhandlungen hegt jedoch die feste Hoffnung, daß ihre Be­eintreten tönnen. Auch jene politischen und psycholo

werden und

die Erhaltung des Friedens gewählt haben, der und einer seiner treuesten Anhänger ist der 3 bin flef überzeugt, daß der Weg, ben Sie für Einer der Mitbegründer des Wölferbundes einzig richtige ist und zu dem erfehnten Ziele Staatspräsident Beneš, der sich niemals Illu führt. Die Tschechoslowakei teilt Ihre Ansichten fionen über den Wert des Völkerbundes hingegeben und Ihre Wünsche und wird weiterhin mit Ihnen und doch mit der ihm eigenen Zähigkeit an der für Frieben, Gerechtigkeit und friedliebende inter - Genfer Einrichtung festgehalten hat. Es wird die nationale Zusammenarbeit mitarbeiten. ausländischen Delegierten gefreut und in ihrem Glauben an den Völkerbund gefestigt haben, wenn der Präsident der Republik versichert hat, daß wir unentwegt den Ideen und Idealen des Völfers bundes ergeben bleiben. Ebenso hat sich der Ministerpräsident zu Genf bekannt und hat namens der Regierung erklärt, daß die Tschechos slowakei bereit sei, an jeder Reform des Wölfers bundes mitzutvirken, durch die feine Stärkung er zielt werden kann. Man wird auch sehr damit Völkern im Donaubecken eine besondere Aufgabe einverstanden sein, daß der Ministerpräsident den zuweisen will, die allerdings nur im Einverneh men mit den großen europäischen Nationen gelöst werden kann. Wenn schließlich der Ministers präsident von der Gleichheit der Nationen und Staaten gesprochen hat, zeigt das am besten, daß die Deutschen der Tschechoslowakei als Minderheit alles Interesse daran haben, den Völkerbund wies der stärker und politisch wirksamer zu machen, daß sie alles Interesse haben, die Idee der Ver­ständigung der Nationen über die Ideologie der Gewalt in den faschistischen Staaten siegen zu sehen.

menschlicher Arbeit von Grand auf geändert, den Angestellten beffere Existenzbedingungen, Unabhängigkeit

und

Würde gebracht haben. Die Pause in der Durchführung der sozialen Reformen, welche die vorherige französische Re­gierung als Notwendigkeit proklamiert hat und die tatsächlich dringend ist, darf nicht einen Rück­zug oder eine Stagnation bedeuten. Deshalb er achtet es die Regierung als ihre Pflicht, ihr Ar­beitsprogramm zu entwickeln, das sie allmählich verwirklichen will.

Schon heute fordert deshalb die Kammer die In schreiendstem Gegensaß zu den in Preß­Annahme der Regierungsvollmacht, burg gehaltenen Reden und Bekenntnissen zur eine Reihe von unentbehrlichen Maßnahmen Friedensidee steht die tags zuvor vom deutschen durchführen zu können, so die Verlängerung Reichskanzler in Würzburg gehaltene Rede. Wir der Arbeitskollektivverträge und des Mieter fchuhe 8, Verhinderung der Spekulation und der Steuer hinterziehungen u. ä.

*

Ms der Kammerborsißende Herriot ver­

haben erst unlängst an leitender Stelle darauf Deutschlands angestellte Rechnung nicht stimmen hingewiesen, daß jede mit der Vertragstreue wird. Nach der Nede Hitlers sind sogar die Auss sichten auf einen Westpakt auf ein geringes Maß gesunken. Während man bisher gehofft hat, wenn auch nicht einen allgemeinen europäischen Patt zustande zu bringen, so doch wenigstens den Fries

Mindestmaß gesunken. Um so mehr geht aus der Nebe Hitlers hervor, daß Deutschland eine Siche

gischen Scheidewände, die so lange jede, Aussicht auf mühungen nach Loderung der Spannung und fündete, daß a cht Interpellationen den am Rhein durch ein neues Locarno zu festi gegenseitigem auch an die Regierung bezüglich Politik einge bracht wurden, meldete sich Ministerpräsident haute mp3 zum Wort und erklärte, daß die Regierung mit Rücksicht auf die außerordent lichen Umstände und die Dringlichkeit des Regie­rungsentwurfes, der die Erteilung der Finanz­vollmacht fordert, ersucht, daß die Behandlung der Interpellationen über die Regierungspolitik bertagt werde..

arbeit verdunkelt haben, werden eine nach der ande ren entfernt. Der gute Wille bricht sich Bahn, die Minderheitenfragen auch dort zu lösen, wo aus fubjektiven oder objektiven Gründen eine praktische Lösung nicht erreicht wurde. Die An­ertennung der Gleichheit macht sich in demselben Maße geltend, tpie sich der Grundsatz des Frie dens und guter Nachbarschaft geltend macht. In Mitteleuropa besteht keinerlei Bereitwilligkeit, sich an den sogenannten ideologischen Kämpfen au betei­ligen, die die Uneinigkeit zwischen so viel europäischen Ländern vertieft und erregt haben.

Wir alle in Mitteleuropa beharren eifersüchtig und fest auf unseren politischen und moralischen Souveränitäten

trali[ chea

richtet an alle Völker und an alle Regierungen ohne Ausnahme den diesem Raum in. crialistische Absichten hat. in rung in Osteuropa nicht wünscht, weil es ehen in Appell, durch ihren aufrichtigen Beitritt diesem Gebiete auf Krieg und Eroberung sinnt. zu dem Regime gegenseitiger wirtschaftlicher Das wachsende englische Interesse an Mittel­Hilfe und Beschränkung der Rüstungen endlich europa , ist der beste Beweis dafür, daß Deutsch­bie Hoffnung auf dauernde Zusammenarbeit lands Absichten in der ganzen Welt erkannt wer Nach kurzer Debatte sprach sich die Depu- den. Es wird erkannt, daß Deutschland feine unter befriedeten Bölkern erstrahlen zu laffen. tiertentammer im Sinne des Regierungsantrages follettive Sicherheit will, während die Demokratien Die Regierungserklärung befaßt sich sodann mit 398 gegen 142 Stimmen für die Vertagung von Westeuropa überzeugt sind, daß. es keine den inneren franzöfifchen Ander Interpellationen aus. Die übliche Mehrheit Sicherung durch ziveiseitige Verträge gibt, daß gelegenheiten und befaat, der Boltsfrontgruppen wurde babei um 20 Stim- die Sicherheit vielmehr nur eine tollettive sein Regierung werde nicht zulagen, daß die men der linken Mitte vermehrt. Zahlreiche Ab- kann, daß sie nur allaemein oder überhaupt nicht hervorragende foziale Gesetzgebung irgendwie geordnete der Mitte enthielten sich jedoch der sein wird. Hitler fündigt in seiner Rede das angetastet werde, die die Bedingungen Stimmenabgabe.

mit

I selbständige Vorgehen Deutschlands an und hat