Sozialdemokrat
8entralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartet in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 70 Heller
Redaktion und Verwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag Mittwoch, 15. September 1937
17. Jahrgang
... Denn ich bin ein Mensch,
gewesen, Und das heißt ein Kämpfer sein...
Mit den Trefflichsten zusammen Wirkt' ich, bis ich mir erlangt, Das mein Nam in Liebesflammen Von den schönsten Herzen prangt. Goethe
Der große Tote
Trauerkundgebung
der deutschen Sozialdemokratie
Dienstag, den 14. September, 8 Uhr abends versammelten sich in Prag die Mitglieder des Parteivorstandes der Deutschen sozialdemokratifchen Arbeiterpartei und die Vertreter sämtlicher deutscher sozialistischen Organisationen zu einer Trauerkundgebzung für den verstorbonen Bräsidenten T. G. Masaryk . Als Gäste nahmen an diefer Kundgebung für den Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Otto Wels und Wilhelm Sander teil.
Die Trauerrede, die von den Versammelten ftehand angehört wurde, hielt der Vorsitzende der Partei, Minister Dr. Ludwig Czech . Tief bewegt schilderte der Redner, wie er am Vormittag mit den Kindern des Berstorbenen beisammen war und das Beileid der gesamten deutschen Arbeiterbewegung zum Ausbruck gebracht hatte. Dr. Czech stellte Masaryk als den Mann bar, der bie Fundamente der Stepublik gelegt und aus ihr ein feftes Bollwerk der Demokratie gemacht hat. Er schilderte ihm als die Verkörperung ebelsten Menschentums, deffen Herz allen gehörte und der fich, so oft große Schicksalsfragen der Arbeiterschaft zur Verhandlung standen, bedenken. und bedingungslos auf Seite der Arbeiter geschlagen hat. Er war ein Kämpfer für die Wahrheit, ein weithlickender, unvergeßlicher Genius, von dem wir schweren Herzens Abschied nehmen. Wir danten ihm für alles, was er uns gegeben hat und wir danken ihm dafür, daß er uns einen Nachfolger gab, der in seinem Geiste fortwirkt. In dem Ehrenbuch des Sozialismus wird er den kommen den Geschlechtern als großes Vorbild und Symbol wahren Menschentums verzeichnet sein.
Nach der Nede des Parteivorsitzenden , aus ber wir morgen noch einiges bringen werden, und die in tiefer Ergriffenheit angehört wurde, wurde die Situng gefchloffen.
Das Belleid der Partel
Dienstag vormittags besuchte der Vorsißende der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Gesundheitsminister Dr. Ludwig Czech mit seiner Frau das Schloß Lana. Er drückte den Angehörigen des verstorbenen Altpräsidenten das tiefste Beileid der Deutschen sozialdemokratischen Bewegung unseres Landes aus.
Belleldskundgebungen
der frelen Gewerkschaften Die Bentralgewerkschaftskommission des Deutschen Gewerkschaftsbundes schiate folgende Beileidstelegramme ab:
An den Bräfibenten der Republik , Dr. Eduard Bened. Hochverchrter Herr Bräfident! Tiefbewegt trauern wir mit Ihnen um unseren Befreier- Bräfibenten T. G. Mafaryt. Es brängt uns, Ihnen in diesen schmersburäbesten Stunden
unfere innigfte Anteilnahme zu bekunden".
Herrn Gefandten Jan Mafary, Schloß Lana. In tiefer Trauer mit den Angehörigen unferes unvergeßlichen Befreier- Präsidenten, bes väterlichen Freundes der Arbeiterschaft, unfer innigftes Beileid".
Herrn Ministerpräsidenten Dr. Milan Hobja, Prag . Erschüttert von dem Hinfcheiden unseres Befreier- Präsidenten Z. G. Mafaryls, entbieten wir Ihnen und der gesamten Regierung unfere
herzliche Teilnahme."
Die Telegramme find gezeichnet: Bentralgewertschaftskommission des Deutschen Gewert schaftsbundes, Reichenberg, Anton Rosch er. Franz Maco u n.
Masaryk auf dem Totenbett
Seit Samstag nachts lag Masaryk in tiefer Bewußtlosigkeit; es kam kein Wort mehr über seine Lippen. Der langjährige Leibarzt des Präsidenten, Dr. Maixner, drückte ihm die Augen zu.
Staatsbegräbnis am Dienstag
Der heutige Ministerrat wird die Dispositionen treffen
Brag. Das Tschechoslowakische Preßbüro erfährt von kompetenten Stellen folgende vorläufige Dispositionen über das Begräbnis und die Trauerfeierlichkeiten für den Befreier- Präsi
benten:
bent
Nr. 217
Lernen wir von ihm!
Alle demokratisch gesinnten Bürger unseres Landes, alle guten Europäer verfolgten mit Schmerz und Bangen den heroischen Todeskampf des großen Menschen, Kämpfers und Staatsmannes Masaryk , dessen gütiges Auge nun aufgehört hat zu leuchten, dessen warmes Wort aufgehört hat zu klingen, dessen Vermächtnis aber zum Eigentum von Millionen wurde. Von Millionen, die in ihm nicht nur den Erivecker seiner Nation sehen, nicht nur den Befreier seines Vaterlandes, sondern einen Lehrer Europas , der als Politiker zugleich eine moralische Instanz war. Dem Treiben des Tages berwurzelt, stand er zugleich hoch über ihm, dem Leben verhaftet wie nur je ein Mensch mit kräf= tigen Sinnen und aufgeschlossenem Herzen, meisterte er zugleich das Dasein als tätiger Weiser. Was überhaupt ein Mann dazu beitragen kann, ein Volt vorivärts zu bringen und innerlich zu bereichern, hat Masaryk getan; er tat es in so startem Maße, daß er weniger befarnt ist als der Masaryk des tschechischen Volkes, denn die tschechische Nation als das Volt Masaryts.
In den Stunden, da Millionen Menschen um das Leben dieses Großen bangten, kam auch uns Deutschen erst so recht zum Bewußtsein, was er uns bedeutete und wie sehr er unser ist. Wir deuts schen Arbeiter hatten zum Menschen Masaryk immer ein gutes Verhältnis, auch dann, als der Ablauf der Geschichte uns vorübergehend in politische Gegnerschaft zu ihm gebracht hatte. Denn die sozialen Ideale, für die er wirkte, sind auch die unseren. Er hat schon im alten Desterreich der Sache der fämpfenden Arbeiter Verständnis und Hilfe entgegengebracht, ohne auch nur eine Spur nationaler Voreingenommenheit zu äußern, und die Arbeiter aller Nationen unseres Landes hatten auch in dem Präsidenten Masaryk einen gerechten Anwalt ihrer Bedürfnisse.
Als aber in Deutschland hinweggefegt und geächtet wurde, was den Kulturdeutschen heilig war, als man in Deutschland Humanität, Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit mit Füßen zu treten begann, da sahen wir auch den milden Glanz klarer, der von Masaryk , dem Humanisten, dem Wahrheitsfünder, dem Wahrer der Gerechtig feit und der Freiheit ausging und Masaryk wurde uns demokratischen Deutschen Führer und Vorbild im Kampfe gegen den Ungeist, der unser Volt in Bann schlug." Jesus , nicht Caesar!" war seine Parole. Masaryk , nicht der Diktator!" ist die unsere.
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ratungen des Regierungsvorsitzenden mit den Negierungsfaktoren fallen; über die Beschlüsse wird eine amtliche Meldung ausgegeben werden. Von der Gewalt der Menschlichkeit, die bon Vielleicht schon Montag? Masaryk ausging, sind auch jene Deutschen beein Spät nachts veröffentlicht das Preßbüro ist." Ter Mann, der heute in dem alten Adelsdruckt, in denen der nationalistische Wahn lebendig Das Begräbnis des Präsidenten Masaryk eine Meldung, daß über allfällige Aenderungen schloß am Rande der tiefen mittelböhmischen Wälfindet Dienstag, den 21. September, von der dieser Dispositionen nach der Nichtung hin erwo- der den letzten Atemzug tat, verstand eine Sun". Prager Burg aus statt. Der Begräbniszug wird gen wird, daß das Begräbnis des Präsident- die immer Achtung abzwingen wird: er ver durch die Prager Hauptstraßen gehen. Die sterb- Befreiers in Prag und in Lány um einen stand zu kämpfen, ohne zu haſſenı“ liche So schrieb das Blatt jener Partei, der sonst Bere Hülle des Verstorbenen wird provisorisch auf 2 as früher, also am Montag, ſtatt- lin und Nürnberg Richtschnur ſind. Am Abend dem Friedhof in Lana neben der Gemahlin T. G. finden würde. Infolgedeffen würde es auch früher vor der Todesstunde Masaryks schwang von NürnMasaryks, Charlotte, beisefekt werden. zur Ueberführung der sterblichen Neberreste des berg aus eine Orgie des blindwütigsten Hasses Neber ble definitive Beisehung der sterb- Präsident- Befreiers aus Lana auf die Prager durch den Aether . Menschen, die, um Masaryk lichen Ueberreste des ersten Präsidenten der Tsche-| Burg kommen. Die definitive Entscheidung wird bangend, dem Rundfunk lauschten, hörten mit Erchoslowakischen Republik wird später entschieden in der Ministerratssitzung, getroffen werden, die greller und erniedrigender, da das humanitäre schütterung diese Stimme. Sie flang ihnen noch 18. September, ad werden. Von Samstag, aut diesem Zwecke von den Mittagsstunden auf Wert Masaryks vor ihrem Auge stand, des Manam Sonntag und Montag werden die sterblichen Ueberreste des Präsidenten auf einem im Säulen- Nachmittag, eventuell Abend des Mittwoch ver- nes, der die Lüge und den Haß aus tiefster Seele berabscheute und der doch immer ein Kämpfer war. Tausende Deutscher sentten an diesem bangen faale Blečniks auf der Prager Burg errichteten schoben wurde. Abend ihr Haupt in. Scham. Dort dröhnte, anKatafalt aufgebahrt werden. Die Regierung der Republik wird das Andenken des Präsidenten in Mit der Frage der Leichenfeierlichkeiten hat geblich. im Namen des Deutschtums, die Stimme einer Trauerfisung ehren, welche wahrscheinlich sich ein engeres Ministerkollegium, bestehend aus der blindwütigen, brutalen Gewalt, alle Errunfür Mittwoch nach 12 Uhr mittags einberufen bem Ministerpräsidenten Dr. Hodža, dem Eisen- genschaften der Kultur, alle Ideale der Menschuchwerben wird. Der Verlauf dieser Sitzung, in wel- bahnminister Bechyně, dem Schulminister Frante feit verneinend, und hier legte sich das ewige cher der Ministerpräsident Dr. Milan Hodža und Unifizierungsminister Dr. Šrámek befaßt. Schweigen auf den Mund eines Mannes, der die die Trauerkundgebung halten wird, wird vom Es ist beabsichtigt, die törperlichen Ueberreste des Kunst verstand, zu kämpfen ohne zu hassen! Wie Tschechoslowakischen Rundfunk gesendet werden. Altpräsidenten zwei Tage im Lanaer Schloß aus- sehr fühlten wir, daß dieser erkaltende Mand Am Dienstag spricht beim Begräbnis Mafa- zustellen, dann soll die Leiche nach Prag über unserer Herzen Stimme geformt hatte, wie ſehr ryls am Sarge der Präsident der Repu- führt und auf der Burg aufgebart werden. Hier wurde uns bewußt, daß uns der Mensch Masaryt wird die Bevölkerung Gelegenheit haben, vom und sein humanitäres Wert näher stehen, uns lit Dr. Ebbard Benes. Die beiden Altpräsidenten Abschied zu nehmen. Der Kondukt demokratischen Deutschen unendlich näher stehen Rammern der Nationalversammlung werden an soll sich von der Burg durch die Nerubagaffe, ben als die Verneinung des wahren Deutschtums, das ihren Trauerfihumgen wahrscheinlich am Montag, Masarykkai, die Národni triba auf den Wenzels immer auch schlichtes Menschentum war, im ben 20. September, einberufen werden. In der plak begeben und von da auf den Wilsonbahn- Namen eines angeblichen Deutschtums, das den Sigung des Abgeordnetenhaufes wird der Bor- hof, worauf die körperlichen Ueberreste nach Lana Stempel nationaliſtiſchen Haſſes und nationaliſtifikende. Abgeordneter Fan Malypete die erfährt werden. Es iſt beabsichtigt, nad einer scher Verzerrung trägt. Trauerfundgebung abhalten, in der Sihung des längeren Beitperiode den Sarg ins National- Verbeugungen, die in der tragischen Stunde Senate wird Senatspräsident Dr. Frant. Soumausoleum zu überführen, für deffen Vorberei- des Abschieds vor Maſarht gemacht werden, zähltup sprechen. Die definitive Entscheidung über tung die gesetzlichen Vorarbeiten eingeleitet ten wenig, wenn in der täglichen Praxis seine Art biese Maßnahmen wird bei den heutigen Bewerben. und seine Ideale verneint würden. Für uns, die