Nr. 164.
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Vorwärts
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Berliner Volksblatt.
16. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Weltpolitik.
Es giebt Weltpolitik und Weltpolitik. Was man bisher so nannte, das war die Politik der Welteroberung und der Weltausraubung.
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Sonntag, den 16. Juli 1899.
Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3.
Arbeiter Frankreichs und Englands, die durch ihren Massen- dem er vor 11 Jahren furze Zeit angehörte. Er geriet daprotest dem Krieg vorbeugten.
Das war Weltpolitik des Proletariats.
Und die Arbeiter Deutschlands und Italiens , die sich der sogenannten Kolonialpolitik mit aller Straft wider setzen und dadurch für die Erhaltung des Friedens unter den Wölfern wirken sie treiben Weltpolitik.
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Und die Arbeiter Oestreichs, die das zerfallende buntscheckige. Reich auf dem Boden der Freiheit und Gleich berechtigung aller Nationen und aller Staatsangehörigen zu sie treiben Weltverjüngen und fest zu begründen streben- politit. Und welche von beiden Weltpolitiken ist die bessere? Welche weitsichtiger und schöpferischer? Welche von beiden bringt der Welt den Krieg? Und welche den Frieden? Welche dient der Barbarei? Und welche fördert die Kultur?
Die massenmordenden Despoten des Altertums und Mittelalters: die Cyrus, Alexander, Cäsar, die Tamerlan und Dschingiskan waren große Weltpolitiker. Zu Anfang dieses Jahrhunderts war Napoleon Weltpolitiker. Und Welt politik ist jahrhundertelang betrieben worden von dem Römerreich, das davon verfault ist, und wird in der Gegenwart betrieben von zwei Staaten: England und Rußland . Allerdings von beiden in entgegengeseztem Geist, mit entgegengesetzten Zielen. In Rußland die Weltpolitik des Despotismus, sich stüßend auf die Knechtschaft des Volkes, wie das Römerreich auf die Sklaverei und darum die gleichen Folgen schon zeigend: die Symptome, der Zersehung. Das erinnert uns an Die pfäffischen und nicht pfäffischen Zeloten aber, die der ein anderes Weltreich, das über ein Jahrhundert internationalen Socialdemokratie vorwerfen, sie wolle alles geblüht hat, und dann, nach jahrhundertelangem Siechtum, zerstören, was der Menschheit heilig und wert sei, erinnern vor unseren Augen zusammengebrochen ist: Spanien , wir an das stolze Wort, das der Canadier unseres Seu me dieses tragischte Opfer der Weltpolitik, das, von der aussprach:
Natur und vom Glück begünstigt wie fein zweites Reich ,, Wir Wilden sind doch bessere Menschen." der neueren Geschichte, deshalb zu Grunde gehen mußte, weil es nicht begriff, daß es nur zwei gesunde Grundlagen der Staaten giebt: Freiheit und Arbeit.
reine Kinderei!
Fäulniserscheinungen im höheren
Schulwesen.
mals sofort mit dem Leiter der Schulabteilung, Staatsrat v. Knorr , in Konflikt. Es fehlten ihm eben völlig die Gaben, ohne die man nun einmal an Höfen und in Regierungen kein Glück hat. Geschmeidige Unterordnung und Preisgabe der eigenen Meinung gegenüber höherer Weisheit", Verzicht auf eigenen Willen gegenüber Autoritätskikel hat Schiller nie fertig gebracht. Die damals in Darmstadt gemachten Erfahrungen mögen ihn auch abgehalten haben, jetzt, nachdem v. Knorr gegangen und sein Nachfolger Soldan infolge des Dettweiler Standals ein Ende jähes genommen hatte, die oberste Leitung der Schulabteilung selbst zu übernehmen. Daß ihm die Nachfolge Soldans angeboten wurde, steht fest; er lehnte sie ab und ging zum offenen Angriff über.
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Schon die offenbar von Leuten, die in ihm den kommenden, Mann fürchteten, ausgehenden Versuche, ihn als mitverantwortlich in die Affaire Dettweiler- Soldan zu verwickeln, gaben ihm Anlaß, in der Wormser Zeitung" und an anderen Orten manchen scharfen Hieb auf die Darmstädter Regierung zu führen. Die Veröffentlichungen in der Frankfurter Zeitung " schlagen dem Faß nur den Boden aus. Unter dem Titel: Der Fall Soldan, ein schulpolitisches Vermächtnis", führt Schiller den Nachweis, daß in der obersten Schulleitung Hessens seit zwei Jahrzehnten fachmännische Unwissenheit und bureaukratische Indolenz Trumpf gewesen seien. An den Fortschritten, die auf pädaDas zweite der beiden Weltreiche der Gegenwart hat diese gogischem Gebiet gemacht wurden, seien die Herren in Darmbeiden Grundlagen. In keinem Lande der Welt wird so viel stadt ganz und gar unschuldig gewesen. Dafür bringt er gearbeitet wie in England, und in keinem Lande der Welt Der Geh. Oberschulrat Prof. Dr. Hermann eine Reihe drastischer Belege. herrscht mehr politische Freiheit, in wenigen so viel. Schiller, Direktor des Gießener Gymnasiums und des damit Als weiteres Charakteristikum dieses Shstems erörterte Und das englische Weltreich ist nicht im Verfall- wie verbundenen pädagogischen Seminars, zugleich Professor der seine Feinde, voran die deutsche Junkergesellschaft, uns Tag Pädagogik an der hessischen Landesuniversität, ein Mann, Schiller eingehend die unangebrachte Art der Sparsamkeit", für Tag vorreden. der sich durch seine litterarischen Leistungen und praktischen die man bei Anstellungs- und Besoldungsfragen zur AnEngland ist ein Weltreich, und muß als solches eine Versuche auf dem Gebiete des Unterrichtswesens ein wendung brachte. Die Zahl der provisorisch angestellten Weltpolitik haben. Allein dieses Weltreich ist in eine innere weit über Hessen und Deutschland hinausgehendes An- Lehrer stieg auf 24 Prozent der Gesamtzahl und eine Striſe geraten. Seit einem Menschenalter und mehr drängen sehen in der schulmännischen Welt errungen hat, hat die Anzahl definitiver Stellen blieb stets monatelang offen. Auf die Verhältnisse zu dem logischen Schluß, daß die Eroberung das Oeffentlichkeit angerufen gegen Schulmißstände schwerster Art. diese Weise wurden die Lehrer künstlich in ihrem Besoldungsschlechteste Mittel ist zur Gewinnung von Macht und Reich- In drei Artikeln in der" Frankfurter Zeitung " hat er die dienſtalter" zurückgehalten und um Tausende von Mark in tum, daß z. B. die Vereinigten Staaten von Nord- Amerika Amtsführung des seitherigen hessischen Schulministeriums ihren gesetzmäßigen Gehaltsansprüchen verkürzt. Um die Gymnasien einiger kleiner Städte finanziell lebensEngland hundertmal mehr Vorteile bringen, als einer heftigen Kritik unterzogen und dabei Zustände beweiland die englischen Kolonien von Nord- Amerika - leuchtet, die die allgemeine Aufmerksamkeit herausfordern. Es träftig zu machen, wurden ein bis zivei Augen zugedrückt und daß die beste Weltpolitik ist: Freiheit im Inneren handelt sich dabei keineswegs bloß um hessische Verhältnisse; hinsichtlich der Anforderungen an Fleiß und Betragen der Schüler. Der Zweck, die Anziehung auswärtiger Schüler, und Friede nach Außen. Wohl hat dieser Gedanke die Sache hat eine generelle Bedeutung. noch nicht den Sieg erfochten, er gewinnt jedoch stets weitere Der Schritt, den Herr Schiller gethan hat, trägt das wurde so gut erreicht, daß der preußische Kultusminister schließlich über ein besonders entgegenkommendes oberhessisches, Kreise und ist bereits ein Fattor, mit dem die englische Re- Gepräge des Außergewöhnlichen an sich. Daß ein auf so Gymnasium die Sperre verhängt hatte, das heißt, er erteilte gierungspolitik zu rechnen hat. hoher Sprosse der Beamtenleiter stehender, mit äußeren Ehren Was sich in Deutschland Weltpolitik" nennt, ist die reich ausgestatteter Staatsdiener sich plötzlich der demokrati - feinem Schüler der höheren Klassen eines preußischen Gymschen Presse bedient, um seiner eigenen Regierung vor aller najiumis mehr die ministerielle Erlaubnis zum Uebertritt in Wir bauen Schiffe, fahren Volldampf voraus! ins blaue Welt den Topf aufzudecken, kommt nicht alle Tage vor. Den jenes Gymnasium. Als infolge der in den achtziger Jahren in Hessen beMeer, suchen teleskopisch und mikroskopisch nach Inselsplittern, regierenden Herren in Darmstadt mag das unangenehm die noch nicht entdeckt sind, ziehen die deutsche Flagge über berührt haben. Sie haben sich denn auch mit einer sonders hochgehenden Bewegung gegen die Ueberbürdung" Kaum die Leistungen an den höheren Schulen offensichtlich rasch Sümpfen und Sandwüsten auf, die kein Mensch sonst haben ganz ungewöhnlichen Energie ins Mittel gelegt. will, und schreien triumphierend in alle Welt: wir sind Welt- war das verhängnisvolle Morgenblatt der Frankfurter fanten, griff Herr v. Knorr zu einem genialen Mittel, diepolitiker wir haben eine Kolonialpolitik! Beitung" in Darmstadt eingetroffen, da gab's großen jelben rasch wieder zu heben. Er erklärte auf der Direktoren" Sagen Sie Ihren Was diese Weltpolitik der Eroberung, des Länder- Ministerrat, dann Reise des Staatsministers Rothe zum Groß- fonferenz im Jahre 1884: raubes oder Länderkaufes in Wirklichkeit iſt, was herzog auf's Jagdschloß Wolfsgarten. Das allerdings etwas Lehrern, daß, wer künftig nicht eine be,, im ganzen sie für die Menschheit, für die für die Kultur zu leisten verzögerte Nachmittagsblatt der offiziösen„ Darmstädter Ztg." friedigende Zahl von Noten vermag das lehrt uns die Farce, welche die Herren Welt verkündete bereits das Resultat: die Pensionierung gut"," gut", und sehr gut" aufzuweisen hat, teine Zulage erhält und nicht befördert politiker uns seit einigen Monaten im Haag vorspielen. des Rebellen. Nicht einmal auf dem Papier haben sie den uralten Plan Am nächsten Tage folgte die Meldung, daß außerdem ein wird." Auf die Frage eines Konferenzmitglieds, wie hoch vom internationalen Schiedsgericht in präsentable Gestalt bringen Disciplinarverfahren gegen Schiller eingeleitet sei. Zugleich die befriedigende Zahl" sein müsse, wurde der Bescheid erteilt: können. Ein Schiedsgericht, dem sich nur der zu fügen hat, der meldete aber auch ein Telegramm aus Gießen , daß der Neftor mindestens 60 Pro 3." Daß diese sogen.lex Snorr" von vornherein feinen Strieg führen will oder kann das der dortigen Universität sich mit den Defanen der vier wirkte, liegt auf der Hand. Denn gute Noten geben ist für Lichtenbergsche Messer ohne Stiel und Klinge. Wahrhaftig, Fakultäten nach Darmstadt begeben habe, um gegen die Ben- Lehrer wie Schüler natürlich eine viel bequemere und anwenn Drenstierna seinem Sohne in einer besonderen Lektion fionierung Schillers zu protestieren. Als Universitäts - genehmere Sache, als sich selbst und seine Schüler zu größeren hätte veranschaulichen wollen, mit wie wenig Verstand die professor durfte Schiller nicht furzer Hand pensioniert werden. Anstrengungen und besseren Leistungen zu zwingen. Als Welt regiert wird, er hätte nichts Besseres thun können, als Das haben die Darmstädter Herren im Sturm der ersten Folge dieser Entbürdung" mit Wahrung des trügerischen diefen Haager Friedenskongreß zu veranstalten. So klar ist Aufregung offenbar ganz vergessen, sonst hätten sie sich sicher Scheins guter Censuren bezeichnet Schiller das Empor der Unwahrhaftigkeit im Lehrerberuf die Unfähigkeit der Staatsregierer- Zunft den Völkern niemals nicht so ohne weiteres in die Nesseln gekränkter Professoren- wuchern gemacht worden! rechte gesetzt. Sie haben denn auch soweit nachgegeben, daß und die wachsende Unwissenheit der zuzukünftigen Während die Weltpolitik der Weltpolitiker sich im sie Schiller die Ausübung seiner Professur bis auf weiteres Regierern und Richtern des Volkes berufenen jungen Herren respektive Herren Jungen. Haag theoretisch und in allen Teilen der Welt praktisch als gestatteten. unfähig zum Guten und fähig nur zum Schlechten bekundet, Der gemaßregelte Geh. Oberschulrat hat jedenfalls seine treibt das internationale und socialdemokratische Prole Strafpensionierung, wenn nicht als Professor so doch als tariat praktische und theoretische Weltpolitit, Gymnasialdirektor, vorausgesehen. Es gereicht ihm zum Lobe, die das Gegenteil ist von dem, was man heute Weltpolitik nennt. daß er sich durch die Aussicht auf die allerhöchste Ungnade Ueberall in allen Ländern die gleiche Politik: Politik des nicht hat abhalten lassen, frei von der Leber weg zu reden. Friedens und der Freiheit. In England, wo ein Er war von jeher eine Kampfnatur. In Baden half er Teil der regierenden Sippe jetzt einen schmählichen Krieg zu anfangs der 70er Jahre das Jesuitentum aus dem höheren entzünden bemüht ist, fällt die Weltpolitik der Arbeiter den Schulwesen hinausfegen. Nach Hessen berufen ging er den alten Bundesstaaten durchaus fachmännische Tüchtigkeit und Thatkraft? Verbrechern in die Arme. Mächtig erhebt sich der Protest Schlendrian kräftig auf den Leib. Besondere Verdienste erwarb Wer möchte das z. B. für Preußen behaupten angesichts des englischen Proletariats gegen den Kriegsspekulanten er sich um die Entwicklung der pädagogischen Ausbildung des der Thatsache, daß das preußische Ministerium, als es 1891 Chamberlain; und unser Londoner Partei Organ, die höheren Lehrerstandes. Die von ihm geschaffenen diesbezüglichen Lehrpläne, Unterrichtsmethode und Lehrerausbildung auf " Justice", hat recht: fügt Chamberlain sich nicht gutwillig, so Einrichtungen am Gießener Gymnasium wurden vorbildlich höheren Befehl reformieren sollte, zu Schiller kam, um wird der Volkszorn ihn zwingen. für ganz Deutschland . Auch aus dem Ausland wurden zahl aus voller Schüssel zu schöpfen. Und hintennach scheiterte
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Das sind schlimme Dinge, und man begreift, daß die regierungsfreundliche Hessische Presse wütend ist über den Mann, der Hessen so vor der ganzen Welt bloßstellt. Diese Was Herr Schiller der Bokalpatrioten mögen sich trösten. hessischen Schulleitung vorwirft, ist nichts specifisch Hessisches. Anderwärts sieht's ähnlich aus!
Oder dominieren in den Schulministerien der anderen
Das bißchen Protest der liberalen Bürger will nichts reiche Fachmänner zur Instruktion nach Gießen geschickt. Als das beste an dem Widerstande der höchsten Bureaukratie. besagen; den Millionen der englischen Arbeiter läßt sich nicht der Kaiser im Dezember 1890 einen Anlauf zur Reformierung In demselben Jahre wurde auch Bayern vom Zug ungestraft trogen. Und schon vor 40 Jahren, als die englische des höheren Bildungswesens nahm und zu diesem Zweck der Zeit" erfaßt. Auch dort sollte was in Sachen der SchulOligarchie mit den Vereinigten Staaten zur Erhaltung der eine Konferenz nach Berlin berief, war Schiller oben reform geschehen. Da man aber absolut nicht wußte was, so Sklaverei Krieg anfangen wollte, war es der zornige Protest auf. Er wurde zu weitgehender Mitarbeit an den in Preußen schickte man die Oberstudienkommission, fünf Mann hoch, acht der englischen Arbeiter, der den Krieg verhinderte, wie durchgeführten Reformen herangezogen und wäre wohl in das Tage lang nach Gießen zu Schiller in die Schule. Als echte Mary in einer seiner Denkschriften für die Internationale preußische Kultusministerium eingesprungen, wenn nicht seine Bayern verabschiedeten sich die Herren vom dortigen LehrerArbeiterassociation so beredt dargelegt hat. Das war schon Feinde, die Frommen" am Hofe, ihm den Weg verlegt follegium mit einer folennen Kneiperei. Und die bayrische Reform hätten. daß Gott erbarm! Weltpolitik Weltpolitik des Proletariats. Uebrigens wäre er wohl auch im preußischen Kultus- Nein, nein! Fachmännisches Wissen braucht man heutzuAls vor einigen Monaten derselbe Chamberlain zum Krieg mit Frankreich hette, waren es die socialdemokratischen ministerium nicht warm geworden, so wenig wie im hessischen, I tage nicht, um zu regieren.
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