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Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 75 Heller

Redaktion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Brag 18. Jahrgang

Zu neuer Arbeit

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zu neuem Kampf!

Beschlüsse des Parteivorstandes

Bra g. Der Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei tagte Mitt­woch, 22. Juni, im Parlament und nahm einen politischen Situationsbericht des Parteivorfihen­den Abg. Wenzel Jaksch entgegen. Jaffc refe­tierte über die in letzter Zeit vom Präsidium der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei ge­führten innerpolitischen Verhandlungen und erftat tete entsprechende Vorschläge für die bei den Ver­handlungen über das Nationalitätenstatut einzu schlagende Taktik. Ueber das Ergebnis der Ge­meindewahlen berichtete der Generalsekretär der Partei, Abg. Taub. Er würdigte die in diesem Wahlkampfe bewiesene außerordentliche Rampf­kraft der Bewegung und charakterisierte auch die Mängel, die in einzelnen Orten zutage getreten find. Ueber die politischen und organisatorischen

Donnerstag, 23. Juni 1938

Aus dem Inhalt:

Wieder drei englische Dampfer versenkt

Deutschland kündigt

Ostrauer Kohlenlieferungen

Der gleichgeschaltete BdL als Arbeitgeber

Die Frage der Getreidepreise

Sozialdemokratische Wählerinnen und Wähler! Mahnung

Ihr habt am 22. und 29. Mai sowie am 12. Juni 1938 den sudetendeutschen Fa­schismus in die Schranken gewiesen. Die Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins hat durch euer aufrechtes Eintreten für den demokratischen Sozialismus ihr Ziel nicht erreicht; es gibt keine faschistische Totalität im deutschen Gebiete dieses Staates! Ihr habt allen Anstürmen der Gegner getrotzt. Wirtschaftlicher Boykott, Gesin­nungsterror und gesellschaftliche Aechtung konnten euch nicht niederzwingen. Auch die wütenden Angriffe des gesamten Propaganda- Apparates des Dritten Reiches und die Drohung mit den Schrecken des Krieges haben bei euch nichts gefruchtet. Der demo­kratische Sozialismus hat sich in den schwersten Tagen auch im deutschen Gebiete unseres Staates ehrenvoll behauptet und ihr alle habt durch euere Ueberzeugungstreue ihrer großen Kämpfe gesichert. und Gesinnungsfestigkeit der Partei den größten moralischen Erfolg in der Geschichte

Durch euer tapferes Auftreten habt ihr dem europäischen Frieden, der Freiheit und dem Sozialismus einen unvergänglichen Dienst erwiesen. Euere Entscheidung für die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei ist eine bleibende historische Leistung. Dafür dankt euch die gesamte Partei.

Der Gemeindewahlkampf 1988 hat aufs Neue den Beweis dafür erbracht, daß wir auf dem Boden einer demokratischen Rechtsordnung unbezwingbar sind. Innerlich gestärkt durch den Kampf der letzten Tage, gehen wir unerschütterlich an die Lösung der vor uns liegenden Aufgaben heran. Wir bauen auch jetzt auf euch, Genossinnen und Genossen, und sind fest davon überzeugt, daß ihr alle ausnahmslos auf euerem Platze sein werdet.

Jufgaben, die fich aus der innerpolitischen Situs Der Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei

fion und aus den Erfahrungen des Gemeinde­wahlkampfes ergeben, entwidelte sich eine einge. hende Aussprache, an der sich beteiligten: Abg. Krejči, Lorenz, Kratena, Dill, Kehler, Wondrak, Abg. Dr. Czech, Dent, Schweichhart, Kern, Fi. fcher und Mottl. Nach einem Schlußwort des Bar teivorsitzenden wurden u. a. folgende Beschlüffe gefaßt:

1. Die Herausgabe einer mehrsprachigen Rorrespondenz zur Informierung der Auslands­preffe über die Vorgänge im fudetendeutschen Be­reich und insbesondere über den gegenüber der so. zialistischen Arbeiterschaft praktizierten Betriebs.

terror.

2. Die beschleunigte Abhaltung einer ge­meinsamen Beratung mit Bertretern des Deut. schen Gewerkschaftsbundes über wirtschaftliche und foziale Tagesfragen.

3. Die Ausgabe neuer Parteilegitimationen

per 1. Juli 1938.

4. Den für das Jahr 1939 vorgesehenen Reichsarbeitertag, verbunden mit dem Feſt des zwanzigjährigen Bestehens der Partei, nach Auf­sig a. d. Elbe für den 8., 9. und 10. Juli 1939 einzuberufen und mit den Vorarbeiten fofort zu beginnen.

5. Die Beratungen über die Reorganisierung und Ausgestaltung der Parteipreffe unverzüglich aufzunehmen.

Abschließend befaßte fich der Parteivorstand

Erst Weihnachten

Freiwilligenabzug?

Baris. Das grundsägliche Einvernehmen, bas Dienstag im Nichteinmischungsausschuß über die britischen Borschläge zur Verstärkung der Seckontrolle in Spanien und betreffs der Zu­Regierungsstellen rückziehung der Freiwilligen erzielt wurde, wird in Frankreich begrüßt. An Regierungsstellen rückziehung der Freiwilligen erzielt wurde, wird in

Nr. 146

zur Besonnenheit

Wir haben erst unlängst auf die Bestrebun gen aufmerksam gemacht, die in der Wahl Liebiegs zum Vorsitzenden des Deutschen Hauptverbandes der Industrie zum Ausdruck gekommen sind und Organisation in eine ideologische Gemeinschaft mit die dahin gehen, die große deutsche Industriellen der Sudetendeutschen Partei zu bringen. Es ist gar teine Frage, daß die Industriellen und ihre Sekretäre diese Gleichschaltung nicht aus Liebe zur Volksgemeinschaft anstreben, sondern daß die Su­ detendeutsche Partei für die Unternehmer nur ein Mittel ist, die unumschränkte Herrschaft in den Betrieben wieder zu erlangen, welche durch die sozialpolitische Gesetzgebung der Republik und die Tätigkeit der freien Gewerkschaften eingeschränft worden ist.

Dies ist der Grund, warum in einer ganzen Reihe von Unternehmungen die Betriebsleitungen die Deutsche Arbeitnehmer- Gewerkschaft, die ge­wertschaftliche Organisation der Sdp, so begeistert unterstüßen. Diese Gewerkschaft gibt sich als dies

enige Organisation aus, die den deutschen Ar­beitsplatz erhalten will, welche Aufgabe bisher die freien Gewerkschaften, wie in einem Flugblatt der DAG anläßlich einer Betriebsausschußwahl behauptet wird angeblich nicht erfüllt haben. Wie aber die DAG im Verein mit den Unterneh mern dieser Aufgabe gerecht werden will, geht am besten aus dem Verhalten der Unternehmer in der Textilindustrie hervor. In allen Fällen, wo still gelegte Textilbetriebe wieder aufgemacht, also Ar­beitspläge für jahrelang arbeitslose deutsche Boltsgenossen geschaffen werden sollen, setzt der Allgemeine Deutsche Textilverband alles in Bewe gung, um die Wiederaufnahme der Betriebe und

wird betont, daß das Verdienst an dieser Einigung außeren auch der Sv. damit die Wiederbeſchäftigung arbeitsloser Textil­

wietregierung zukomme. An allen Stellen wird der Wunsch geäußert, daß alsbald die erfehnte Befriebung eintrete. Berschiedene Stimmen erklären jedoch, daß es nach Ansicht von Sachverständigen erst zu Weihnachten zu der Abberufung der Freiwilligen kommen werde.

Außenminister Bonnet erklärte in einer

Journalisten- Konferenz, die Sowjetunion habe da. durch, daß fie ihre Zustimmung zu der Einigung gab, sehr wirksam zu den Möglichkeiten einer fried. lichen Regelung beigetragen.

Die spanische Regierung hat sich zu den Ab­fichten Englands und Frankreichs durch eine Nebe des Ministerpräsidenten Negrin geäußert, der nach der Rückkehr von der Front sein Bertrauen für die Zukunft ausbrüdte.

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unter Boraussetzung der Gegenseitigkeit

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arbeiter zu verhindern. Nicht der DAG, sondern der Union der Textilarbeiter" ist es zu verdan ten, wenn in einigen Fällen stillgelegte Textilbes triebe wieder in Betrieb gesetzt wurden, während

Im Unterhaus gab Chamberlain Mittwoch Zu der von Frankreich und Großbritannien die deutschen Unternehmer, die Freunde der DAG, offiziell bekannt, daß Italien den Wunsch aus- vereinbarten Einsetzung einer internationalen das traurige Verdienst für sich in Anspruch neh­gesprochen hat, das englisch - italienische Abkom- Kommission in Toulouse zur Untersuchung von men können, durch ihre Rekurse die Wiederbeschäf men folle möglichst hald in Kraft treten. Flugangriffen in Spanien verwies Dr. Negrin tigung arbeitsloser Arbeiter zu verzögern. darauf, daß seit Feber d. J. die Regierung der Eine Reihe von Unternehmern aber begnügt Republik mehrmals feierlich erklärt hat, daß sie sich nicht damit, ihrer ideellen Solidarität mit der SdP Ausdruck zu geben, sondern sie unterſtüßt es darauf verzichte, die Zivilbevölkerung des Rebel- mittel- oder unmittelbar, daß in ihren Betrieben Tengebietes zu bombardieren und daß fie fich Arbeiter von Werfmeiſtern und Angeſtellten zum trok Berweigerung der Gegenseitigkeit auch Eintritt in die SdP gezwungen werden. Wiehr daran gehalten hat. Die Regierung wird die Ar- oder weniger verhüllt wird solchen Arbeitern mit­beit dieser Rommission unterstützen. geteilt, daß sie im Weigerungsfalle entlassen wer Die Bombardierungen der Städte und die den. Auf die Gefahren, die sich aus einem solchen Versenkungen englischer Schiffe werden aber fort- Verhalten ergeben, haben wir schon hingewiesen. gefeht, wie die nachstehenden Meldungen zeigen: In der lezten Nummer des Textilarbeiter" wird von Anfragen aus dem Ausland erzählt, in denen ob die Betriebe, in denen die Wa­ren erzeugt werden, welche sie bestellt haben, na­tionalsozialistisch sind oder nicht. Große Aufträge wurden bereits storniert. Es entsteht also die Ge fahr einer schweren Schädigung unserer Industrie, die ohnehin mit großen Schwierigkeiten zu lämpfen hat. Will man nicht, daß derartige Aufträge dem Sudetendeutschen Gebiet und damit der sudeten deutschen Arbeiterschaft vollkommen verlorengehen, Die republikanischen Truppen haben bei so wird man dafür sorgen müssen, daß diese Aus­Billareal den Friedhof überschritten und die landsaufträge jenen Betrieben zugeschanzt wer Franco- Abteilungen bis an den Mijares- Fluß ge- den, deren Inhaber keinen Terror in den Fabriken drängt, wo ein großes Gefecht stattfand, an dem auch Flugzeuge teilnahmen.

Wieder drei englische Schiffe versenkter unſerer fudetendeutſchen Betriebe

mit den durch die Gleichschaltung der Jugendfür- Balencia.( Ag. Esp.) Im Mitternacht| Mitternacht viermal von Flugzeugen aus bombar­forge aufgeworfenen Fragen und faßte hiezu die von Dienstag auf Mittwoch wurde der schon öfter| biert, zuletzt Mittwoch mitags. Die Einwohner­erforderlichen Beschlüsse. von deutsch - italienischen Fliegern angegriffene schaft, sagt der Neuter- Bericht, bewahre Ruhe und Nach Erledigung einiger organisatorischer englische Dampfer Thorpenes", der außerhalb es fann gefagt werden, daß fie fich während des Fragen wurde die inhaltsreiche Sigung gefchloffen. des Safens von Valencia verankert war, durch ein Lufttorpedo von einem Flieger versenkt. Vorher war der Dampfer aus Maschinengewehren be­fchoffen worden.

Die Verhandlungen über das Statut

Ueber die heute und morgen stattfindenden Verhandlungen über das Nationalitätenstatut gibt das Tfch. Pr.-B. folgende Meldungen auß: Brag. Die angekündigte Besprechung ber

Um vier Uhr früh wurde der gleichfalls außerhalb des Hafens liegende englische Dampfer Lunian" von einem Flugzeug aus Maschinenge­wehren beschoffen und durch Bomben in Brand geftedt. Die Mannschaften beiber Schiffe fonnten ge­rettet werden bis auf einen Matrofen der Thor. pene".

Nach Neuter wurde Dienstag auch der eng­

Angriffes gleichgültig verhielt. Erfolge be! Villareal

Alles für den Kampf der Republik

dulden.

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Wie man aus dem Vorgehen der mährischen Wollindustriellen ersieht und wie uns auch aus anderen Gebieten berichtet wird, find nicht alle Industriellen und nicht alle Mitglieder des Deut­schen Hauptverbandes der Industrie mit dieser ge­radezu selbstmörderischen Politik, als deren Hauptvertreter der Oberdirektor der Böhmischen Borfihenden der Koalitionspartelen und der Bor- lische Dampfer Gløginia" vor Balencia verfentt. Valencia.( Havas.) Der örtliche Sefre- Sparkassa Dr. Kislinger gilt, einverstanden. Die fitzenden der Abgeordnetenhaus- und Senats- Die Versenkungen haben in London umso tlubs dieser Parteien mit dem Vorsitzenden der mehr verstimmt, als erst am Dienstag Premier- tär des Allgemeinen Arbeitsverbandes( UGT) Masse der deutschen Industriellen hat schon einige­Regierung Dr. Hodža, deren Zweck die Aus- minister Chamberlain im Unterhause erklärt hat, hat eine Kundmachung veröffentlicht, in der es mal erwiesen, daß sie aufs falsche Pferd gesetzt sprache über die aktuelven Fragen der Nationali bak die britische Regierung General Francs nicht heißt, daß alle Mitglieder der Gewerkschaftsorga- hat man erinnere sich nur der Markspetulatio­tätenpolitik ist, wird für Freitag, den 24. Juni, im Zweifel darüber gelaffen habe, welche Auffaf- nisationen ab Mittwoch mobilisiert sind, gleich nen deutscher Industrieller in den ersten Nach einberufen werden und wird in Anwesenheit des sung fie über die Angriffe auf britische Handels- gültig, welchen Alters sie sind. Sie sollen an den kriegsjahren, die zu einer Kapitalverarmung ge Befestigungsarbeiten von Valencia teilnehmen. führt und sich an der deutschen Industrie furcht­Ministers für Auswärtige Angelegenheiten schiffe habe. Der Gouverneur hat angeordnet, daß alle Thea- bar gerächt haben. Die Folge der jetzigen Verhält Dr. Krofta stattfinden. Mittwoch morgens unternahmen Francs tervorstellungen eingestellt und alle Unterhal nisse ist ja bereits gleichfalls eine Kapitalabwan­Bra g. Donnerstag, den 23. Juni, werden die Mitglieder des Ausschusses der politischen Flugzeuge einen Luftangriff auf den Nordteil von tungsstätten gefchloffen werden. Die Schauspie- derung aus dem deutschen ins tschechische Gebiet, Minister zu einer informativen Besprechung mit Barcelona , der acht Menschenleben zum Opfer ler werden an der Front für die kämpfenben Ab- so daß die Kapitalsgrundlage, auf der die sudeten den Vertretern der Sudetendeutschen Partei zu forderte. Achtzehn Personen wurden verwundet. teilungen wirken. Es werden auch alle Betriebe, deutsche Industrie sich entwickeln kann, noch schma­ſammentreten, welche unter dem Borfihe des Bei den Rettungsarbeiten wurden drei Mitglieder bie nicht für den täglichen Bedarf urbeiten, ein- ler geworden ist, als sie ohnehin schon war. Im des Roten Kreuzes getötet. Balencia wurde feit gestellt werden. Zeichen der Volksgemeinschaft wird also geradezu Borsigenden der Regierung stattfinden wird.