Sozialdemokrat

8entralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Einzelpreis 75 Heller

Rebattion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantw. Redakteur i. B.: Zdenko Neuwirth, Prag 18. Jahrgang Samstag, 24. September 1938

Ein Krieg

ist

Hitlers Ende

Alles für die Republik ! Alles für die Freiheit!

Mobilisierung

Die Konferenz von Godesberg wegen Hitlers Forderungen abgebrochen

Nr. 225

Chamberlains Versuch gescheitert

Frankreich und Rußland erklären sich bündnistreu!

Das Fiasto der Konferenz von Godesberg wurde gestern abends in folgendem Reuter- Bericht zugegeben: Heute abends wurde offiziell mitgeteilt, daß Ministerpräsident Chamberlain und die übrigen Mitglieder der britischen Delegation morgen zeitig früh nach London zurückkehren.

Brag. Kurz und fast schroff ist die] Rentermeldung, daß Chamberlain und seine Mitarbeiter Samstag früh abreisen. Wurde auch in diesem Kommuniqué nicht mitgeteilt, baf die Verhandlungen ge.

Scheitert sind, so ließ doch schon das Fehlen jedes Hinweises auf eine etwaige Wiederauf­nahme der Verhandlungen erkennen, daß die Berhandlungen abgebrochen sind. Ueber die Ursache schreibt die morgige Times", das die Verhandlungen an den übertriebe­nen Forderungen Hitlers ge­scheitert sind.

Daß Hitler sich mit dem Plan, der das Er gebnis der ersten Besprechung mit Chamberlain war, nicht mehr zufrieden gab, wußte man be­reits, ohne zu wissen, was er nun forderte. Die Sprache des reichsdeutschen Rundfunks und der beutschen Presse ließen es erkennen. Das Spiel, bas Hitler so oft gespielt, wiederholte er auch diesmal: immer mehr und mehr verlangen, in ber Ueberzeugung, daß alle Welt sich vor ihm

Frankreich kommt zu Hilfe! kommt zu Hilfe! Ein letzter Versuch

Paris.( Havas.) Ministerpräsident Daladier erklärte gestern: Wenk die Tschechoslowakei das Opfer eines unprovozierten Angriffes werden würde, so würde Frankreich nicht zögern und sofort alle notwendigen Maß­nahmen zur Hilfeleistung treffen.

Auch Rußland bundestreu!

Gen f. Gestern ergriff in der Völkerbundsigung Litwinow das Wort zu der wiederholten Erklärung, daß Rußland den sowjetrussisch- tschechoslowaki­

Godesberg.( Reuter.) Mini­sterpräsident Chamberlain kam um 22 Uhr 30 in das Hotel Dreesen zum Reichskanzler Hitler . Falls Minister­präsident Chamberlain nach die ser Unterredung mit Hitler seinen Be schluß nicht ändert, wird er also Sams­tag um 8 Uhr früh im Flugzeug nach London a breisen.

fchen Pakt einhalten werde, wenn Frankreich feine Verbindlichkeit einlösen kraten, die nicht nur Lippenbekenntnisse zur wird.

Russische Warnung an Polen

fürchte, daß er schließlich alles verlangen könne, Bei Angriff auf die Tschechoslowakei

fars für auswärtige Angelegenheiten Potemkin

demokratischen tschechoslowakischen Republik ab­gelegt haben, die mit dem Einsaße ihrer Eri­stenz und ihres Lebens den Kampf gegen die inneren Staatsfeinde geführt haben, werden auch in dem Verteidigungskampf der Republik gegen den äußeren Feind nicht nur ihre Pflicht erfüllen, sondern mehr als ihre Pflicht tun. Sic fämpfen aus innerster Ueberzeugung für die

was er nun wolle, daß ja doch niemand Wider­Kündigung des Nichtangriffspaktes Republik und gegen den Todfcind aller Frei­stand zu leisten wagt. Wir schrieben gestern, baf ungemein viel davon abhängen werde, ob Mosfa u.( Havas.) Die Sowjetregie- Artikel 2 des polnisch- sowjetruffischen Ver- heit, gegen den Faschismns. Chamberlain nur nachgiebig sein werde oder rung hat der polnischen Regierung in Angelegen- trages entbindet die Vertragspartei von ihren mit ihnen alle deutschen Demokraten stimmen Die deutschen sozialistischen Arbeiter und auch fest zu bleihen vermöge. Den überstei- heit des sowjetrussisch- polnischen Nichtangriffs- Verpflichtungen in dem Falle, daß die andere mit ein in den Ruf, der sich auf die Lippen gerten Forderungen gegenüber blieb er fest. pattes eine Note übermittelt. Freitag früh um Partei einen Angriff auf einen dritten Staat Die erste Enttäuschung erlebte Chamber- vier Uhr übergab der Stellvertreter des Kommis- unternimmt. Die Note der Sowjets stützt sich auf unserer tschechoslowakischen Landlente drängt: Es lebe dic tschechoslowa. lain, als Hitler die Unterzeichnung eines ge- biefe Note dem Leiter der polnischen Botschaft Informationen, daß sich die polnischen Truppenkische Republik ! meinsamen Aufrufes zur Bewahrung der Ruhe verweigerte. Die zweite war, daß Hitler ihm Jankowski. In dieser Note teilt die Sowjetregie- an der tschechoslowakischen Grenze konzentrieren, dung ber polnischen Regierung mit, daß fie ce für und auf Gerüchte, die von der polnischen Regie­erklärte, der englisch - französische Plan sei be- notwendig halte, mitzuteilen, daß sie den sowjet- rung bisher nicht dementiert wurden, daß die Hitler wollte keine Beruhigung reits überholt, die Zustände in der Tschecho- russisch- polnischen Nichtangriffspakt, ohne volnischen Truppen die polnisch- tschechoslowaki­slowakei seien derart, daß eine viel weiter irgendwie aufmerksam zu sche Grenze überschreiten wollen. gehende Liquidierung der Tschechoslowakei not- machen, in dem Falle, daß die polnische Re­wendig sei. Chamberlain vermochte auf dieser gierung ihren Truppen den Befehl erteilen Grundlage nicht weiterzuverhandeln. Es kam würde, in tschechoslowakisches Gebiet einzumar­am Freitag nicht zu der für 11.30 Uhr verein- fchieren, fündigen würde.

barten neuen Zusammenkunft, sondern Cham­berlain sandte Hitler einen Brief, in der Ab­

Die Note fügt hinzu: Die Sowjet­egierung erwartet, daß diese

Gerüchte dementiert werden.

London . Ueber die mehr als dreiſtündige Zusammenkunft Chamberlains mit Hitler am Donnerstag wurde nichts weiter mitgetetts, als daß die Gespräche zwischen beiden Staatsmännern unter Hinzuziehung eines Dolmetschers stattfan­den. Mehr erfuhr die Welt nicht, als das im Na­men Chamberlains ausgegebene Kommuniquee be= fagt, in dem gefordert wird, daß alle beteiligten Bedingungen der Tschechoslowakei ein ungestörtes Parteien sicherstellen mögen, daß die örtlichen Fortfahren in den Gesprächen nicht stören. Der Berichterstatter der Daily Mail" Ward

sicht, die Situation ganz eindeutig klarzustellen. zwungen, zu einem reinen Abwehrkampf, Ten. Hitler war sie noch immer nicht kühn Um 15 1hr 35 fam Hitlers Antwort. Das Er- dann ist sie frei von Schuld an dem furchtbaren| genug! gebnis war: die Verhandlungsfortsehung er Geschehen. Die ganze Welt ist einig in dem Greift nach dieser Ablehnung Hitler die wies sich für die englische Delegation als un- Urteil, daß sie bereit war zu Zugeständniffen Tschechoslowakei an, so ist eindeutig und klar Price, der auch von deutscher Seite infor­möglich. ganz außerordentlicher Art, zum Verzicht auf der Bündnisfall für Frank- miert ist, übermittelt einen Bericht aus dem man Abbruch der Verhandlungen: das beden- sehr wesentliche Teile des Staatsgebietes, daßreich und damit auch für entnehmen kann, daß die Mission Chamberlains tet, daß nun die Tschechoslowakische sie zu Opfern bereit war, wie in der neueren Sowjetruhland gegeben. Die und Hitlers nicht parallel in der gleichen Rich­Republik des Angriffes gewärtig sein Geschichte nie ein Staat sie für den Frieden ge- Tschechoslowakei steht nicht allein in tung verlief. Er meint, man habe erwartet, der mus. Es ist selbstverständlich, daß nun sofort bracht hat. Chamberlain stellte bei der Zusam- dem ihr aufgezwungenen Kampfe. Ein Kampf werde auch im Namen Hitlers ausgegeben wer Aufruf, den Chamberlain allein ausgegeben habe, die Mobilisierung angeordnet menkunft mit Hitler am Donnerstag fest, die um die Existenz des Staates, aber er wird den. Das ist aber nicht geschehen. Chamberlain wurde. Sie wurde noch am Freitag nach von der Tschechoslowakei angenommene Lösung zu einem Kampfe um die Exi- jedoch legte so großen Wert darauf, daß die Atmo­viertel 11 Uhr durch den Rundfunk verkündet. könne die kühnsten Wünsche der stenz des Dritten Reich es wuer- sphäre des Friedens bewahrt werde, daß er sich Ist die Tschechoslowakei zum Stampfe ge- betroffenen Minderheit und des Reiches erfül- den! Die deutscher Sozialdemo entschloß. den Appell nur im eigenen Namen zu

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