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Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 eller

Redaktion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag

18. Jahrgang

Sonntag, 9. Oktober 1938

Aus dem Inhalt:

Neues ,, Parlament" in Italien

Stufenweise

Demobilisierung

Ueber die Ueberläufer

Die Meinung der tschechischer Presse

Godesberg

Nr. 238

Londoner Lordmayor kommt nach Prag und die fünfte Zone

Hilfsfonds unter britischer Verwaltung

Der ehemalige französische Gesandte in Prag , Couget, der Vorsitzende der Französisch schechoslowakischen Handelstammer in Paris , sandte dem Vorsitzenden des Verbandes der fran­ zöſiſchen Preſſe und Direktor des" Journal des Débats ", E. de Maleche, einen Brief, in wel­

London, 8. Oktober. ( Reuter.) Der Lordmayor von London hat be schloffen, am Montag um 8 Uhr 45 Minuten vormittags vom Flugplatz in Croydon nach Prag zu fliegen, wo er unter Leitung des englischen Gesandten Newton eine Organisation einrichten wird, die die Verteilung und Ver­waltung der Mittel des Hilfsfonds des Lordmahors durchführen wird, um die bringendsten Bedürfnisse der Flüchtlinge, deren Zahl in die Hunderttauchem er auf die Situation aufmerksam macht, in sende geht, sicherzustellen. Dieser Fonds des Lordmayors von London be. trägt schon jetzt 20.000 Pfund Sterling. Dieser Betrag wurde in den ersten 24 Stunden erreicht und heute ist der Briefeinlauf so gewaltig, daß mit seiner Sichtung 27 Beamte beschäftigt sind.

die Tausende von Flüchtlingen in der Tschecho­flowakei geraten jind, die von ihrem Heim ver trieben wurden. Er erinnert daran, daß der Lordmajor von London bereits die Veranstaltung öffentlicher Sammlungen zugunsten dieser Flücht­Paris und in der Provinz gleichfalls Aufrufe linge angeregt hat und fragt, ob die Presse in veröffentlichen würde, unter der Patronanz des reich Gammlungen ugunsten der unschuldigen

Diese Nachricht ist geeignet, bei vielen bereitschaft und entbieten dem Lordmahar den Flüchtlingen aus dem sudetendeutschen Gebiet Gruf und den Dank der judetendeutschen einige Hoffnung zu weden. Die schon Flüchtlinge. sprechen einem Betrage von ungefähr drei Mil- Hilfsaktionen in Frankreich Borstandes des Pariser Munizivalrates in Frant lionen und es ist damit zn rechnen, daß die- Paris.( Havas. Der Zentralausschuß fer Fonds noch gewaltig ansteigen wird. Zu des franzöfifchen Noten Kreuzes hat an Der Vorsitzende des Verbandes der Pariser diesem Fonds kommen noch die Sammlungen, die Deffentlichkeit den Appell gerichtet, zur Hilfe­die von der Gewerkschaftsinternationale, in leistung für die in das Landesinnere evakuierten Presse hat diesen Brief der Tagespresse zur Ver­Frankreich, Schweden , Dänemark und anderen tschechoslowakischen Flüchtlinge Geldbeiträge zufügung gestellt. Der Brief wurde heute abends bereits von mehreren Abendblättern abgedruckt.

Teiften.

Opfer der brutalen Gewalt zu veranstalten.

Der IGB tagt

Abordnung nach Prag

Ländern organisiert werden und die bei rich­tiger Verteilung und zwemäßiger Verwen­bung nicht nur viel Not linders, sondern auch die Grundlage für neue Existenzen schaffen Lönnen. Es ist insbesondere zu wünschen, daß bie Frage der Auswanderung für fu­betenbeutsche Flüchtlinge rasch und gut wird ge­läft werden können. Wir erwarten, daß bie britischen Komitees und die britische Regierung Paris , 8. Oktober. Das Präsidium des Internationalen Gewerk. auch diesem Problem ihre Anfmerksamkeit schaftsbundes, das unter dem Vorsitze W. Citrines in Paris eine Beratung widmen und die Auswanderung nicht nur abhielt, befaßte sich mit der internationalen politischen Lage, hauptsächlich finanziell, sondern auch durch die Beschaffung seit dem Münchener Abkommen. Es wurde beschlossen, unverzüglich eine von Aufiedlungsgebieten unterstützen werden. internationale Aktion zur Hilfeleistung für jene zu organisieren, die unter den Der Lordmayor von London vertritt die Folgen des Abkommens zu leiden haben. Weiters beschloß das Präsidium größte Stadt der Welt, die zudem eine sozia- auf Ersuchen der tch e choslowakischen Gewerkschafts, listische Berwaltung hat. Wir werten den Ent- kreise, binnen einigen Tagen eine Kommission nach Prag zu entfenden, schluß des Lezomayors und die Bereitschaft des die sich eingehend über den Gesamtstand der Angelegenheiten informieren englischen Gesandten in Prag , an der Errich- wird. Nach ihrer Rückkehr wird diese Delegation dem erweiterten Präfi tung und Verwaltung des Hilfsfonds mitzu- dium des Internationalen Gewerkschaftsbundes berichten, zu welchem wirken, als einen erfreulichen Beweis der Hilfs- Zwecke das erweiterte Präsidium eigens einberufen werden wird.

Slowakische Regierung im Amt

Uebergabe der Verwaltung

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Ressortverteilung

Brag, 8. Oftober. In der am 7. Dktober Diesem ganzen Modus wurde von der Re­1938 abgehaltenen Sitzung des Ministerrates gierung zugestimmt und der Vorsitzende der Re­wurde das Uebereinkommen mit den slowakischen gierung ersuchte die beteiligten Regierungsmit Ministern angenommen, daß die Kompetenz in glieder, bei seiner Durchführung in aufrichtigem, flowakischen Angelegenheiten bis zur Zeit der de- gegenseitigem Vertrauen und Zusammenwirken zu finitiven verfassungsrechtlichen Regelung auf die fammenzuarbeiten.

und deutscher Sprache forderte er von den Ange= hörigen dieser Minderheitsnationen Loyalität

zum slowakischen Staat, versicherte aber gleich zeitig mit Nachdruck, daß die slowakische Re­gierung die Bürgerrechte der Deutschen und Ungarn wahren und schützen werde.

Die karpathorussische Regierung horod, 8. Oktober. Kurz vor 20 Uhr beendeten heute im Regierungsgebäude von Uzho­rob die Vertreter beider zentralen Nationalräte, ſlowakischen Miniſter übergeht und daft die Aus. Entsprechend dem Nebereinkommen der flo- des russischen und ukrainischen Nationalrates und übung der Kompetenz im Rahmen der Rechts- wakischen Mitglieder der Regierung über die am die parlamentarischen Vertreter Karpathorußlands ordnung und des Finanzgesetzes erfolgen wird. 7. Oktober 1938 vereinbarte Verteilung der ihre Beratungen, wobei sie eine Liste karpatho­Ausdrücklich wurde konstatiert, daß die in diesen Agenden wurde zwischen den einzelnen flowakischen russischer Minister nach slowakischem Muster aus­Grenzen festgesetzte Kompetenz sich sowohl auf Miniſtern die Kompetenz folgendermaßen aufge- arbeiten. Die Beratungen, die vormittags von fachliche als auch Personal fragen bezieht. Die teilt: Entscheidungen der slowakischen Minister erfolgen nach ihrem Einvernehmen entweder individuell oder kollegial.

Minister Dr. Tifo: Präsidium und Inneres.

Minister Teplanfký: Landwirtschaft,

Minister Černát: Schulwesen. In Personalangelegenheiten wurde beschlof­Minister Dr. Durčanský: I u st i 3, Sv= sen, daß in Nefforts, wo ein ganzstaatlicher, foge= nannter Konkretualstatus besteht, entsprechend demi ale Fürsorge und Gesund heutigen fattischen Personalstand slowakische Sta- heit& wefen. tuffe mit eigener Systemisierung geschaffen wer­den, in deren Nahmen der slowakische Minister öffentliche Arbeiten, Handel freie personelle Disposition bei gleichzeitiger Be- und Finanzen. bachtnahme auf die Rechtsansprüche der Angestell­ten haben wird, wodurch allerdings das Recht auf eventuelle Versehung und Betrauung mit be­stimmten Funktionen nicht berührt wird. Bei den Staatsbetrieben wird mit Ausnahme der Betriebe mit Monopol und Regalcharakter ( Tabakregie, Münzamt, Salzamt usw.) ein eige­ner flowalischer Verwaltungsausschuß gebildet

werden.

Die Modalitäten der a II m ählichen nebergabe werden immer im Einvernehmen des Ressortsministers mit den zuständigen flowa­

fischen Miniſtern feſtgefekt werden. Falls es zu feinem Einvernehmen kommt, entscheidet die Negierung.

Minister Lichner: Verkehr.

Die slowakische Regierung an die Deutschen

10 bis 12 Uhr und nachmittags von 15 bis 20 Uhr andauerten, schlossen mit einem Abkommen, wodurch der Regierung folgende Kandidatenliste der karpathoruffischen Minister vorgelegt wird: Vorsitzender der Regierung und Inneres: Senator Dr. Bačinský, Minister für Schulwesen: Abg. Brody,

Wirtschaftliche Angelegen­heiten: Abg. Dr. Fencik,

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Gefundheitswesen und so ziale Fürso: ge: Direktor Vološin, Verkehr: Abg. Revay, Just iz: Abg. Dr. Pješčat. Presburg. Im Rahmen einer großen Fest- Die Beratungen der Vertreter des russischen versammlung in Preßburg sprachen Samstag und ukrainischen Zentralrates und der parlamen abends die Mitglieder der slowakischen Regie: tarifchen Vertreter Karpathorußlands, die heute rung, die von der Menge begeistert begrüßt den ganzen Tag in Uzherod stattfanden, wurden wurden. gegen 20 Uhr beendet. Die farpathorussischen

Der Vorsitzende der Regierung, Minister

Wodurch unterscheidet sich nun, nach der Festsetzung der Staatsgebiete, die als fünfte Zone von den deutschen Truppen besetzt werden, die Vereinbarung von München vom Godesberger Memorandum? Im Grunde genommen nur das durch, daß die Räumung der abzutretenden Lans desteile nicht schon, wie Hitler in seiner Rede ges fordert hatte, am 1. Oktober vollendet ſein mußte, folgt. Das riag Herr Chamberlain als gewals sondern in einem Zeitraum von zehn Tagen er­tigen Gewinn ansehen und Herrn Daladier mag es als großes Zugeständnis Hitlers erscheinen­in der Tschechoslowalei wird man diesen Zeita unterschied nicht zu bejubeln vermögen.

Der andere Unterschied: im Godesberger Abstimmungsgebiete festgesetzt und nun Memorandum hatte Hitler bestimmte Gebiete als bleibt das Picbiszit. Ist das ein Gewinn? Doch nur für London und Paris , wo man sich ein paar Wochen der Aufregung erspart. Die Liche=

choslowakei aber verliert Gebiete, auf die im Falle eines Plebiszits gewisse Hoffnungen gesezt werden konnten.

Das war eine der Begründungen, mit denen der Tschechoslowakei die Annahme des Dittats von München erträglicher gemacht werden sollte: daß man behauptete, wenn die Tschechoslowakei diese von den Großmächten vereinbarten Be­dingungen annehme, werde die Durchführung der Beschlüsse nicht so hart sein, würden gewisse Er­leichterungen möglich sein. Wobei man auf tschechoslowakischer Seite natürlich vor allem daran dachte, es würde bei den neuen Grenz­fejtjesungen Rücksicht genommen werden auf Berfehrsinteressen, auf bestimmte wirtschaftliche Interessen und nicht zuletzt darauf, daß bei den Grenzregelungen darauf Bedacht genommen werde, daß nicht allzu viele von Tschechen be wohnte Gebiete an Deutschland fallen.

Alle diese Erwartungen und Hoffnungen sind grausam enttäuscht worden. Auf keines die­ser Bedürfnisse der Tschechoslowakei wurde Nüd­sicht genommen und das Selbstbestimmungsrecht, auf das sich doch die ganze., tluge" Aktion der Großmächte stüßte,

Man hat der Tschechoslowatet das ganze nordwestböhmische Braunfohlengebiet abgenom men, und gerade dort sind gewisse Landstriche sehr start mit Tschechen durchsetzt, so daß eine für die Tschechoslowakei günstige Lösung unschwer mit den nationalen Siedelungsverhältnissen hätte nicht die geringste Rücksicht auf die Hauptbahn­in Eintlang gebracht werden können. Man hat verbindungen zwischen Böhmen und Mähren ge­nommen, sondern sie an einigen Stellen durch schnitten. Und man hat, obwohl die Festseßung der fünften Bone mit Berufung auf die Nations zugehörigkeit der Bewohner dieser Gebiete er folgte, also mit Berufung auf das Selbstbestim mungsrecht, die Grenze nun doch so gezogen, daß sie mit der Sprachgrenze nicht zusammenfällt. Dabei denten wir natürlich nicht an die vielen im deutschen Gebiet eingestreut lebenden, mehr oder minder große Minderheiten bildenden Tschechen, sondern an Grenzorte mit starker tschechischer Mehrheit. Das gilt übrigens auch für die Ab­tretungen an Polen . Auch bei diesem Gebiets­wechsel wurden Grenzorte mit tschechischer Wehr­heit an Polen abgegeben.

So werden denn nach dieser Grenzregelung nicht nur schwere wirtschaftliche Wunden am Kör­per der Tschechoslowakei zurückbleiben, sondern auch nationale Wunden, die sehr schmerzen. Es ist teine Neuregelung, die von tschechischer Sette als einigermaßen gerecht angesehen werden tönnte, als gerecht selbst vom Standpunkte der Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes aus, wenn von den 3,638.000 Einwohnern der abge­tretenen Gebiete rund 725.000 Tschechen sind. Wie ist es dentbar, daß die Tschechen sich inner­lich damit völlig abfinden?

Die Tschechoslowakei wird sich, wir glauben davon überzeug sein zu können, wirtschaftlich aufraffen, sie wird ihre Lebensfähigkeit auch nach dieser Amputation erweisen. Und es mag sein, daß sich weil ja die Tschechoslowakei wirts schaftlich in hohem Maße von Deutschland ab­hängig sein wird, nachdem ihre politische Be­geringer geworden ist wirtschaftlich erträg lidje, ja jogar gute Beziehungen zwischen

Dr. Tifo, wandte sich in feiner Mehe nicht nur Bertreter werden Montag nach Prag kommen, um deutung, ihre außenpolitische Bewegungsfreiheit an die Slowaken, sondern auch an die ungari hier die von ihnen beschlossenen Anträge fchen und deutschen Mitbürger. In ungarischer unterbreiten.

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