Mnterhaltungsblatt des Horivärts Nr. 26. Freitag, den 5. Februar. 1897. (Nachdruck verboren.) 4) Jakob der ITetzke. Eine Waldbauerngeschichte aus unseren Tagen. Von Peter Rosegge r. Die Kirchengeher stellten sich rings um ihn, und die Tullerl war besonders begierig, den kleinen Sänger zu sehen. Der Luschel-Peterl langte mit dem Arm sorgfältig in den zu- sammengefalteten Schirm hinein, der Vogel kreischte, der Peterl mußte ihn gefaßt haben, als dieser nun aber den Arm langsam wieder zurückzog und den Schirm auseinander thal, war kein Vogel da. Obzwar es bekannt war, daß der Luschel-Peterl mit einem Blatte, das er auf die Zunge that, allerlei Voaelstimmen täuschend nachzuahmen verstand, saßen sie ihm doch fast allemal auf, wenn er in guter Laune seine Kunst übte. Jetzt ist er mir auskommen!" murmelte der Alte mit weinerlichem Gesichte, spreitete die Finger aus und starrte iu die Luft. Hierauf wandte er sich an die Dirnlein, und mit zwinkernden Augen sprach er die Vermuthung ans, eine oder die andere werde den Vogel in der Tasche haben. Jede leugnete es. aber untersuchen ließ sich kehre. Weit hinter diesem munteren Dölklein ging eine Gruppe von Männern, darunter der Sepp in der Grub, der Rodel, der Stiudcl im Stein, der Oberstöckel und der Jakob. Sie waren für einen solchen FrüHsommemorgeu fast zu ernsthaft. Sie führten in langsamem Takt ein angelegentliches Gespräch. Auch der Jakob redete. Er pflegte sonst außer Hause nicht viel z» sprechen, er stotterte ein klein wenig, aber mau horchte doch, wenn er den Mund aufthat, es war allemal der Mühe werth. Es darf nicht sein," sagte der Jakob,wir müssen eS abwenden." Wir müssen dem Guldeisncr zureden, so viel wir können, er darf nicht verkaufen!" so auch der Stindel im Stein. Seid Ihr einverstanden, Nachbarn?" fragte der Jakob, daß wir heute Abend, iveun wir von Sandeben heimkommen, miteinander zum Guldeisner gehen und ihm die Sache vor- stellen? Es darf und es darf nicht sein. Wenu der Guld- eisner losgeht, dann wird alles rutschend in Altenmoos." Hingehen kann man", meinte der Oberstöckel,ob's was hilft, ist eine Frage. Ja, wenn das viele Geld nicht war'!" Das Geld und zetzt auf einmal das Geld!" rief der Jakob völlig aufbrausend.Haben wir Alteuinooser jemals nach Geld so viel gefragt? Haben wir ein's, ist's gut, habeu wir kein's, leben wir auch so, arbeiten vielleicht lieber und schlafen besser. Was wir brauchen, das wächst aus unserem Grund: das Brot auf dem Feld, Milch und Butter auf den Wiesen, die Leinwand auf dem Flachsacker, die Wolle auf den Schafen und das Leder auf den Rindern." Ist so, ist eh so," stimmten die anderen bei. Wollen wir Fleisch," fuhr der Jakob fort,wir haben es in den Schweinen, Eier legen uns die Hühner. Die Hand- wcrker haben wir im Haus. Salz, Tabak und sonstiges Klein- zeug, auch den Stcnergulden zahlen wir von dem Erlös der paar Stückeln Vieh, die wir verkaufen, oder vom Hafer. Was brauche ich denn sonst noch?" Wohl wohl, ist eh so," sagten die anderen. Und die Leute jetzt alleweil nur Geld, mehr Geld, viel Geld! Verkaufen ihr Heu, ihren Wald und gar noch ihre Häuser und Hosen um's Geld. Mir graust!" Wirst recht haben, Nachbar, wirst recht haben," sagte der Rodel und machte eine Bewegung mit der Hand, als wollte er etwas in der Luft fangen. Wenn er diese Geste that, da wußte mau schon, er hat was GescheidteS zu sagen. Und dumm war er nicht, der schlanke, hagere, etwas gebückte Mann; obgleich ein- Lugig, sah er doch manches klarer und richtiger, als viele andere mit zwei Augen.Verkaufen auch ihre armen Seelen!" rief er aus,es ist eine verdammte Sach', es ist gerade, als ob das Geld ansteckend wäre." Rodel, das wird nicht wahr sein," redete der Bauer Klachel drein.Bei rtiiinem Nachbar Klatsche! sind seit vier- zehn Tagen zwei Tausender gelegen. Wenn Geld ansteckend wär', so hätt' ich davon kragen müssen. Ich Hab' mich nicht ausräuchern lassen und auch sonst kein Gegenmittel an- gewendet."'- Der Rodel that, als habe er den Witz nicht gemerkt, faßte den Klackel am Rockflügel, blieb mit ihm stehen und sagte:Die Anderen haben meine Red' verstanden, Dir sag' ich's deutlicher: Die Geldgier steckt an. Dagegen magst Dich wohl brav räuchern lassen mit Wachholderstauden und Johanneskraut." Da laß ich mich lieber mit Tausendguldenkraut räuchern!" erwiderte darauf lachend der Klachel. Hat denn dieser Kampelherr gar so viel Geld?" fragte der Stindel. Gotteslästerlich viel soll er haben," antwortete der Rodel, ich Hab' gehört, wenn der seinen Reichthum in lauter Zehuerbaukuoten hätte und thät' nach einer gnten Mahlzeit anfangen, die Zehuerbaukuoten zu zählen, und schnell zählen, und nichts als zählen, und keinen Bissen essen, ehevor er mit dem Zählen fertig wär', so müßte er bei seinem Geldzählev verhungern." Verdammter Kerl!" knurrte der Sepp in der Grub. Wer ist er denn eigentlich, dieser Kampelherr?" fragte der Stindel im Sleiu. So viel ich gehört habe, soll sein Vater ein ungarischer Kornlieferant oder Sauhändler, oder so was gewesen sein," wußte der Rodel zu berichten. Und was hat der Sohn für ein Geschäft?" Kein schlechtes," sagte der Rodel,der Sohn ist Millionär. Von Staatsschuldbriesen Papierschnitzel abschneiden ist das einzige Handwerk, das in Wahrheit einen goldenen Boden hat. Früher hat er Geiverkschaften besessen, der Kampel- Herr, und eine ganze Eisenbahn soll er gehabt haben. Aber weil die Zeiteil unsicher werden, so hat er die Sachen verkauft und will sich jetzt rechtschaffen breit auf Grund und Boden hinsetzen. Grund und Boden kann nicht zerstört werden und nicht davonlaufe». Und kostet auch nicht viel, man läßt Wald wachsen und braucht keine Leute dazu und zahlt für Wildniß nicht viel Steuerzulden. Der Staat verliert dabei, aber das macht nichts. Einmal wird der Wald doch was werth. Kurz und gut, es ist ein sicher angelegtes Geld. Dazu das Jagdrevier, macht auch Spaß. Anschicken können sie sich's, die Herren!" Du kannst Dir's halt ausdenken, Rodel," zollte der Sepp iu der Grub dem Sprecher sein Lob. Wissen möcht' ich's doch, wie er ausschaut, so ein Millionär," meinte der Klachel. Ist zu sehen," belehrte der Sepp,zu Sandeben beim Fleischhacker soll er sich jetzt anfhalten." Was gilt's!" rief der Klachel,was gilt's, ich meld' mich heut' bei ihm! Kosten thut's nichts. Vielleicht schenkt er mir was." Schenken!" lachte der Rodel,Narr, wenn der schenken thät, wär' er kein Millionär geworden." Einen Hunderter kunut er mir schon schenken," meinte der Klachel,ein Hunderter ist bei so einem gerade so viel, wie bei unsereinem ein Groschen, wenn man ihn dem Bettel- mann schenkt. Vergelt's Gott! sag' ich gern dafür. Und wirft er nnch hinaus, so wacht's nichts, denk' mir halt: bin eher auch draußen gewesen." Klachel, Du bist ein Wichtling!" rief jetzt der Jakob, wäij doch eine Schand', wenn sich em Altenmooser Bauer von so einem fremden Herlaufer bei der Thür hiuausioerfen lassen thät! Was geht uns der Kampelherr an!" Man wird doch reden dürfen," brummte der Klachel. Wenn Du glaubst, mein lieber Klachel," sagte der Rodel,der Kampelherr selber sitzt draußen beim Fleischhacker, so bist wieder auf dem Holzweg. Der Kampelherr weiß sich was besseres, als in einem Dorfwirthshaus tagelang zu warten aus die Gimpel, die ihm zufliegen sollen. Der da draußen. daS ist nur sein Unterhändler, niußt Du wissen." Unterhändler oder Kampelherr!" rief der Klachel und schlug mit den Armen um sich, als wollte er in der Luft an- saugen zu schwimmen,ist mir alles eins, wenn er nur Geld hat." Unter solchen Gesprächen waren sie hinausgekommen durch den Steppenwald; dieser gehörte nicht mehr zu Alten« moos, sondern der Herrschast Rabenberg, was mau schon den schönen schlanken buschigen Bäumen ansah, die keinem Bauern wirthschaften helfen mußten. Als unsere Kirch- gänger zur Hirschenklamm kamen, wo au beiden Seiten die