Anterhaltungsblatt des Vorwärts
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Nr. 27.
Sonntag, den 7. Februar.
( Nachdruck verboten.)
Franz, bleib' daheim!
Die Schirmbäume am Guldeisnerhof warfen ihre Schatten; sie warfen solche über die Felder hinab und sogar eine Strecke jenseits der Bergblöße wieder hinan, denn es war schon am späten Nachmittage. Drei Männer stiegen den Feldweg herauf gegen den Hof. Es waren der Sepp in der Grub, der Rodel und der Jakob vom Reuthofe. Sie waren der Verabredung nach zusammengekommen und heraufgegangen, jetzt wollten sie sehen, ob sie Glück hätten.
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1897.
mürfelt, das bemerkt ein Bauer nicht. Die alte langweilig tickende Wanduhr hinter dem massigen Kachelofen zeigte schon die siebente Abendstunde. Von den gegenüberliegenden Waldbergen leuchtete das Sonnengold noch so hell zurück und zu den Fenstern herein, daß in der Stube eine grünliche Dämmerung war.
Jest tam von der Küche herein eine runde Magd mit feingeflochtenen" Haarzöpfen, freundlichen Augen und milder Gesichtsfarbe. Sie bedeutete den Männern, wenn sie etwa bei dem Guldeisner was zu schaffen hätten, so sollten sie so gut sein und ein klein wenig warten, dann möchten sie ins Stübel kommen. Er sei just aufgestanden.
Als die Magd hernach wieder zu ihrem prasselnden Herdfeuer hinausgegangen war, schmunzelte der Sepp, und sein Schmunzeln sagte mehr, als sein Wort: Das ist sie gewesen." Schau einmal zum Fenster hinaus," sagte der Rodel und tastete in die Luft hinein, dort beim Brunnen steht auch Eine!" ,, Richtig!" versetzte der Sepp. Eine säuberer, wie die andere. Diese schwarzen Augen! Die sind schwärzer wie der Teufel!" Und leicht auch gefährlicher!" meinte der Rodel. Und im Garten dort steht auch noch was!" sagte
Der Hof bestand in zahlreichen Gebäuden, Ställe, Scheunen, Schoppen, Dreschtennen, Fruchtkästen und zwei Wohnhäuser, alles stattlich und in bestem Stande erhalten. Das eine kleinere Haus, welches schier versteckt unter Kirschbäumen stand, war das Ausgedingstübel, welches jetzt keine Insassen hatte, weil keine Ausnehmer, keine Alten" vorhanden waren. Das andere große Haus, welches faft mitten in dem Krauze der Gebäude stand, aber doch so, daß es mit seinen vielen Fenstern frei in die Gegend aussehen konnte, trug an einer seiner Wände weiße der Sepp. Schußscheiben mit weißem Zentrum; der Guldeisner pflegte auf Scheiben zu schießen, wenn im Revier kein Reh war; und die Scheiben mit den Meisterschüssen nagelte er sich selber zu Ehren an die Wand.
Vor diesem Gebäude bleiben die drei Männer stehen, um sich auszuschnaufen und hinzuschauen in das weite Land. Bon teinem Hause in ganz Altenmoos hatte mau eine so weite freie Aussicht, als vom Guldeisnerhof. Ueber die Waldbäume hinweg, die unten den Gesichtskreis engten, konnte von hier aus das Auge auf ferne blauende Berge fliegen, die mit ihren weichen Linien in der Fremde draußen standen. Wenn dort die Sonne aufging, war es ihr erstes, daß sie dem Guldeifuer zu den Fenstern hineinleuchtete in sein Bett, oder in die Kaffeeschüssel, wenn solche schon auf dem Tische stand. So gut hatten es die tiefer unten liegenden Häuser nicht: der Reuthof hatte gar keine Kaffeeschüssel, und ihre saure Milchsuppe mußten die Leute dort des Morgens im Schatten essen, während hier schon der goldene Sonnenschein lag.
„ Ein schöner Platz ist's, der da heroben," sagte der Sepp. " Das Getreide wird halt doch um acht Tage später zeitig, als unten bei uns," entgegnete der Rodel.
Hingegen ist es schwerer im Körndl", meinte der Jakob. ' s ist alles fester und körniger, was da heroben wächst. Wär's mein, das Gut, ich wollt's nicht verkaufen."
Gegenüber dem Hause, am Holzschoppen- Kobel, stand mit versilbertem Halsbande geschmückt, der große schwarze Kettenhund. Er riß nicht an seiner Kette, er teifte und bellte nicht aufgeregt, wie die kleinen Kläffer, die an anderen Häusern hingen, er rasselte nur ein wenig und ließ in gemessenen Zwischenpausen ein würdiges Knurren hören.
Die Männer traten nun in das Haus und ohne viel Umstände in die große Stube. Da war niemand. Sie setzten sich an die Wandbank, und der Sepp und der Rodel stopften ihre Pfeifen an. Der Jakob rauchte nicht, er schaute für sich in der Stube umher und dachte: Schöner, als die meinige, ist sie nicht. Aber größer ist sie. Tische stehen hier zwei, weil einer für die vielen Leute zu klein wäre. An der Stubenecke sind die Heiligenbilder nicht anders, wie bei mir. An der Wand bei den Tischen in Lederheftlein herum stecken die Löffel nicht anders, wie bei mir. Nur ihrer viel mehr. Sechsundzwanzig Löffel, und große! Das braucht was, jeden Tag in so einem Haus! Sechsundzwanzig Löffel! und was sie erst mit der Gabel essen! Und mit den Fingern! Und was sie trinken! Schlecht, hört man, wird nicht gelebt beim Guldeisner. Er selber versteht's und seinen Leuten gunut er auch was. Soll unter seinem jungen Gesinde ja viele nahe Verwandte haben, der Guldeisner. Nu, ist recht.
"
Meiner Seel'!" rief der Rodel, das ist erst die schönste! Salat begießen thut sie. Herrschaft, bei der ihrem Begießen muß es gut wachsen sein!"
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" Ihre Kittel tragen da heroben die Weibsbilder nicht alllang."
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Macht aber nichts, haben keine zerriffenen Strümpfe an." " Haben halt gar keine an."
" Der Guldeisner hat's gern so, essen mögen seine Weibers leut', so viel sie wollen, aber mit dem Gewand sollen sie sparsam sein, sagt er."
Thut's eh leicht, wenn's schön warm ist."
Go tratschten sie, auch Männer können es, wenn sie Langweile haben. Der Guldeisner war unverheirathet, wußte die fleißigsten und frischesten Dienstboten in seinem Hof zu versammeln, und so ging die Arbeit allzeit munter von statten.
" Das ist halt das Schlimme!" sagte nun der Jakob mit einem schwermüthigen Athemzug.
" Was meinst, Nachbar," fragte der Rodel, der Sparsamteit mit dem Gewand wegen?"
Wenn er Kinder that' haben, der Guldeisner, rechtmäßige Kinder, er wäre festgenagelt an fein Haus und Grund." So der Jakob.
Dann kam die Magd wieder: Jezt könnten sie schon ins Stübel gehen.
Jm Gottesnamen!" fagte der Rodel und zwinkerte mit dem einen Auge, das er hatte, packen wir ihn an."
Und sie gingen in das Nebenstübel, das voller Sonnenlicht war, weil das große blanke Fenster gegen Sonnenunter gang hin stand. Und wie vornehm eingerichtet! Am Fenster rosenrothe Vorhänge, die an einem Eisenspänglein zum Verschieben waren. An den Wänden, über alten kunstvoll ge= schnitten Schränken, Porzellanfrüge und Teller, gegenüber der Thür ein Spiegel übergeneigt an der Wand hängend, so daß die Eintretenden darinnen ihre eigenen Füße wie über einen schiefen Fußboden herabsteigen sahen. Ferner an der Wand ein paar vielgabelige Hirschgeweihe, ein Schießgewehr und ein Waidmesser. Auf Bett und Stühlen war die grauenhafteste Unordnung, und der Guldeisner saß in Hemd und Unterhose an dem unbedeckten braunen Tischchen und schlürfte just seinen Morgenkaffee, wobei er das Gesicht in die Schale steckte, so daß die Eintretenden von seinem Kopfe nichts sahen als den schwarzen wirren Haarwust.
„ Geht's nur her, Nachbarn!" rief er mit schnarrender Als er Stimme noch zuhalb in das Kaffeegefäß hinein. dieses endlich pfusternd auf den Tisch gestellt hatte, sah man den Altenmooser Großbauer von Angesicht zu Angesicht. Auf breiten Achsel saß kurz und dickhalsig ein runder Kopf. Ueppiges verfilztes Haar, blaffes kleines Geficht mit stark So waren sie da und dachten ihr Theil und warteten vorstehenden Wangen - und Backenknochen, buschige Augenin der geräumigen düsteren Stube. Alle Fenster waren ge- brauen, große schwarze und unruhige Augen, plumpe Stumpfschlossen, und daß die Luft in solchem Raume etwas| nase, an der sich die Nüsternflügel weit aufzogen, wenn
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