Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 47. ndog
de Sonntag, den 7. März.
25] Jakob der Lekte. Eine Waldbauerngeschichte aus unseren Tagen. Von Peter Rosegger .
Das fremde Taheim und ein Gruß aus der Ferne.
Allein blieb eigentlich der Vater Jakob nicht zurück in Altenmoos, wie die Angerl meinte. Es gab noch manche Lentchen, die entweder in seinem Hause oder in den verfallenden Huben und Hütten des Eugthales wohnten.
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1897.
Da war im Reuthofe ein Junge, ein Waisenknabe, den der Jakob nach dem Verluste des Jackerl's einer durch's Land ziehenden Dörcherbande abgenommen hatte. Dieser Junge hatte fuchsrothes Haar und einen schiefen Blick. Die Leute hießen ihn darob gerne den Rothschiagl", was aber der halberwachsenen unbehilflichen Burschen besonders gut und Der Hausvater war gegen den Jakob nicht leiden wollte. schenkte ihm Vertrauen. Auf den Ferdinand muß man recht acht geben," sagte er einmal zum Nazz, daß er nicht schlecht wird."
der
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Warum soll denn der Ferdinand schlecht werden?" fragte Nat, ist ja ein guter Bub."
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Er hat rothes Haar und schielt," sagte der Jakob. Bist Du auch so Einer, der auf solche Sachen schaut?" versetzte der Nat.
Da war der alte Bechölbrenner Nat. Der hatte fich allmälig so fest beim Jakob eingeheimt, daß keine Rede mehr vom Fortgehen war und auch keine mehr vom Dableiben. Er machte ftillwegs in allem, was Haus und Hof betraf, Gemein schaft mit dem Bauer. Unser Haus," sagte er, unser Stubens" Freilich," antwortete der Jakob. Leute, die ein unans tisch, unser Bett. Und wie wird's unserm Friedel gehen beim genehmes Aussehen haben, sind in größerer Gefahr, schlecht Soldatenleben?" Und einmal, als sie beide in sternenbeller zu werden, als andere. Unter rothem Haar und Bart Nacht vom Felde heimkehrten, rief er aus: Jakob, Jakob! ist selten gute Art, heißt's, und ein schielend Aug, ein falsches Was wird's sein, wenn wir einmal im Himmel sind und unsere Herz." vier Weiber wieder haben!"
Ich weiß mir nur eins," antwortete der Jakob, die übrigen drei gehören Tein."
Ich denke," versette der Nah, wir halten auf dem Erdboden herunten aus, so lang es geht."
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Und meinst also, Bauer, daß gerade falsche Leut' gern
schielen?"
Umgekehrt, Nah, schielende Leut' werden falsch. Gie werden dazu getrieben. Ist einer als Kind noch so brav, wenn er schielt, rothes Haar hat, ist tein Vertrauen zu ihm, Da war im Reuthofe eine alte Magd, die beständig im nur Verdacht, er muß zu allem Schlechten fähig sein. Fällt Hanje umberknurrte, sich mit niemandem recht vertragen irgendwo etwas vor, wer fann's gethan haben? Die Schielende. konnte, aber dem Jakob eine fleißige Hauswirthin abgab. Denkt sich der: Wenn sie mir's ohnehin zeihen, warum soll Wo sie dem Gesinde zu gunsten der Vorrathskammer etwas ich's nicht auch thun? Mein Bravſein ist ja nichts werth, sie abzwacken konnte, da that sie es, bis der Jakob zu ihr einmal geben nichts dafür. Ich habe mir oft gedacht, die Schön die schneidigen Worte sprach: Gardel ! Beim Schlechteffen heit im Menschen soll man nicht gering achten, fie ist auch ist noch kein Bauer reich geworden, aber beim Gutarbeiten." eine Gnade Gottes; je schöner einer ist, desto leichter Gegen den Hausvater getraute sie sich nichts dreinzureden, wird ihm das Brausein gemacht. Trotzdem meine ich, wir meinte aber nach einem Verweis von ihm die halben Nächte sollten es auch dem Ferdinand nicht zu schwer machen." und drohte mit dem Davongehen oder gar mit dem Sterben. Und wenn sie sich dann vorstellte, wie sie daläge auf dem schmalen Brett und der Jakob hätte gar niemanden mehr auf der Welt, der ihn hege und pflege, da weinte sie noch mehr. Und ging nicht davon und starb nicht, sondern fnurrte und tnauferte und arbeitete und hatte heimlich Erbarmen mit dem armen Jakob.
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Wird wohl schier richtig sein, Jakob", sagte der alte Nat. Der Ferdinand war in der That ein stiller, gutmüthiger Junge, und Jakob meinte, es wäre zur Dankbarkeit dafür, daß er dem Stromerleben entrissen und einer Heimständigkeit zugeführt worden sei. Der Ferdinand konnte sich aus Stromer leben aber kaum mehr erinnern, nur daß er dem jest zwar nichts mehr fehlte ein behagliches Gefühl hatte, wenn er Da war der alte Luschel- Peterl. Dem hatte der Steppen- an Sonntagen draußen in Sandeben einen Gendarmen sah, wirth einmal eine Mücke in den Kopf gesetzt, und die wuchs denn da fiel ihm allemal ein: warme Rammer und sattessen. fich nach und nach aus zu einer Hummel und endlich gar zu So oft die Leute den Ferdinand Rothschiagl" hießen, einem Vogel. Weil der Peterl, wie wir wissen, die Vogel - nannte ihn der Jakob einen braven Burschen.stimmen so täuschend nachzumachen verstand, so sagte damals Da war endlich im Hause eine junge, zwergige Dirn, die Eine Tochter vom der Steppenwirth: Vögel müssen weit umfliegen in der Welt, sehr täppisch that und fortwährend lachte. soust hätten sie die Flügel umsonst." Flügel hatte der Peterl Guldeisner, wollten die Leute wissen. E3 stimmte vieles zwar teine, aber mit seinem Vogelgesang konnte er sich draußen dafür. Die zwergige Dirn war so bestellt, daß sie sich ihr in den Landwirthshäusern und in den Städten wohl ein Brot nicht verdienen fonnte, sondern als Einlegerin( PfründDie befferes Brot erwerben und ein vergnüglicheres Leben führen, nerin) hin und her geschummelt wurde in Altenmoos. als in Altenmoos, wo ihn die Waldvögel mit seiner Kunst Schäße hat der Guldeisner mitgenommen, die Lasten hat er denn einmal nicht auftommen ließen. Und eines Tages schnürte dagelaffen. Ein wahrer Zorn tam dem Jakob manchmal der Alte sein Bündel und wollte auf Kunstreisen. Der Jakob bei diesem Gedanken, aber der armen Dirn ließ er nichts sprach ihm vergeblich zu, daheim zu bleiben und nicht auf fremden Straßen sein Tobbett zu suchen. Er nahm seinen Wanderstab. Da hub die Gicht an, ihm abzurathen; sie redete nicht, sie zwickte an seinem Fleisch, sie grub und bohrte in feinen Gebeinen und der Luschel- Beterl mußte sich auf die Ofenbank legen im Reuthof.
So lag und tauerte er seither die längste Beit, im Sommer wie im Winter, und schlief oder pfiff. Aber welche Halm- oder Laubblätter er sich auch auf die Bunge legen mochte, der helle Amselgesang, der liebliche Nachtigallenschlag wollte nicht mehr glücken, eher war's wie Raben oder Eulenschrei, und die alte Gardel zeterte ihm wiederholt zu, er solle doch still sein mit seinem Geträchze, er schrecke damit nur die Hühner und es sei ein Graus!
" Ja," knurrte der Peterl. Still sein, fagft? Alte, ich werd' Dir was pfeifen!" und pfiff. Er schnitt sich weder Haar noch Bart, und sein Haupt war wie der Kopf eines weißen Bintschers. Allmälig wurde er sehr schwerhörig, wollte es aber nicht merken lassen, sondern nickte stets bestimmend den Kopf, wenn er sprechen sah, und als die biffige Haus hälterin einmal zurief:" Beterl, Du bist ein altes Schaf!", nickte er auch.
entgelten. Sie ist ja nicht die einzige; die rüftigen Leute gehen alle davon und die Sascherln" bleiben alle da und der Reuthof, wo die Alten und Bresthaften Unterstand suchen, gleicht schier einem Armenhause. Der Kampelherr zahlt wohl seinen Betrag für das Siechenhaus in Krebsau, welchem die Pfründner vou Altenmoos zugetheilt waren; aber die Armen von Altenmoos meinten, sie wollten nicht in die Elendfabrit, da sei ihnen ihr eigenes Kleingewerbe von Jammer und Noth daheim noch lieber. Der Jakob seufzte unter den traurigen Laften und behielt die Leutchen, wenn sie nicht im Betteln umgingen, bei sich.
Mit der zwergigen Dirn hatten die Einwohner des Reuts hofes mancherlei Ergößen. Die Boshafteren foppten und narrten fie und machten sie zum Stichblatt von allerhand Schaltheit. Sie saß jedem auf und schüttelte sich dann vor Lachen. Wenn fie fich ausgelacht hatte, dann weinte sie über ihre Dummheit. Jedem klagte sie ihre große Dummheit, sowie andere ihren Kopfschmerz, ihre Gicht klagen. Der Nazz fand sie eines Tages schluchzend am Brunnen stehen. Der Schufter war im Hause und hatte die zwergige Dirn ersucht, den schwarzen Bechlappen rein zu waschen. Bereits hatte sie eine ganze Stunde daran ihre Hände wund gerieben und der Lappen