Anterhaltungsblatt des Vorwärts

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Donnerstag, den 29. April.

Nr. 84.

( Nachdruck verboten.)

Ein alter Streik.

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1897.

Roman aus dem bayerischen Volksleben der sechziger Jahre Ausnahme der Gendarmerie, und man setzt nun die letzte

von Wilhelmine v. Hillern.

Unter- Lichtzeit.

gewiesen, der mit größter Ruhe und Objektivität die ver­nichtendsten Argumente gegen das ganze Habererwesen vorbringt. Er ist also fast der einzige Belastungszeuge, mit Hoffnung auf die später in München stattfindende Bernehmung des gefangenen Haberers, Sebald Allmeyer, nach den Rapporten ein schwächlicher, schüchterner Mensch, der nicht einmal ver fucht habe, feine Schuld zu leugnen und noch weniger den Muth haben würde, den Untersuchungsrichtern die geforderten Aufschlüsse zu verweigern.

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Die Kommission ist eingetroffen. Als Hauptzeugen waren vorgeladen: Lorenz Bissinger, der Sohn des erkrankten, durch das Haberfeldtreiben so schwer geschädigten Hochbräu Bissinger, So verläßt die Kommission, unbefriedigt über die ferner Auguft Gemming, Schriftsteller und Premierlieutenant geringen Resultate und aufs höchste erbittert über die Verlogen­außer Dienst, Herr Pfarrer Zwänger und Herr Doktor heit dieser Bevölkerung" den Ort. Auch der Lorenz Vörderer von hier. Lorenz hat auf grund seiner nahen vom Hochbräu spielte eine sonderbare Rolle. Ein Sohn, Verwandtschaft als Sohn des Bissinger den Zeugeneid, der nicht mit Freuden die Gelegenheit ergreift, für seinen beziehungsweise Handschlag verweigert. Der Untersuchungs Vater Zeugniß abzulegen! Und doch soll er ein vortrefflicher richter hat ihn bei der Einvernahme darüber belehrt, Sohn sein, der den Alten aufopfernd pflegt. Es ist also gar daß der Sohn das Recht habe, in Streitsachen des nicht zu erklären!" Vaters die Zeugenschaft abzulehnen, und Lenz hat ohne Be­finnen von diesem Recht Gebrauch gemacht.- So ist ihm doch die eine furchtbare Nothwendigkeit erspart, deren Gespenst ihn unablässig verfolgte und fast zur Verzweiflung trieb: die, zu schwören, oder zu bekennen.

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" Ja, das wird noch was kosten, bis dieses Habererunwesen aufgehellt ist!"

So sagen die Herren im Vorbeifahren und schauen zerstreut hinauf nach dem hübsch gelegenen, kleinen Häuschen bort oben am Berghang, wo Wiltraud den Habermeister Eine endlose Untersuchung mit einer Masse von in pflegt. Aber die Hoffnung auf die Geständnisse des Sebald tompetenten Zeugen, fast das ganze Dorf- erfolgt und hat die Herren ebenfalls getäuscht. Mit der größten ohne jedes Resultat, wie immer. Da hilft kein Drohen, Bescheidenheit und Sanftmuth erklärt er bei den Verhören, tein Bitten das Geheimniß der Haberer bleibt undurch nichts auszusagen, als was seine Schuld beträfe, die er keinen dringlich. Selbst ihre erbittertsten Feinde im Moment, Augenblic leugne. Auf die Vorstellung des Untersuchungs­wo es gilt vor Gericht gegen fie auszusagen, stellen sich auf richters, daß er durch ein umfangreiches Bekenntniß über seine ihre Seite und vertuschen alles. So groß ist die Macht und Mitschuldigen u. s. w. seine Lage bedeutend verbessern und das Ansehen dieses Bundes, daß der Nichtbetheiligte lieber fein Strafmaß verringern werde, zuckt er verlegen die Achseln jede Strafe auf sich nehmen will, als die Rache der Haberer. und betheuert, er könne nichts weiter sagen! Und doch ist es nur eine moralische Macht, die sie ausüben, Das Urtheil wird gesprochen, und Sebald erhält eine Ge denn sie schädigen niemanden materiell. Sie greifen nur fängnißstrafe von ein und ein halb Jahren, wegen Störung schonungslos den Leuten ins Gewissen, fie decken auf, was des öffentlichen Friedens". Mildernde Umstände werden in verborgen bleiben möchte und halten dem Lafter einen Spiegel Hinsicht auf seine Verweigerung jeglicher vom Gericht vor, in dem es sich zur Frazze verzerrt sieht. verlangter Aufschlüsse nicht angenommen.

" Da hält alles zusammen!" sagt der Untersuchungsrichter, " das Verfahren wird geschlossen werden müssen aus Mangel an Beweisen für die Schuld der einzelnen."

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Eine schwere Zeit steht wie eine Gewitterwolle über dem Dorf und der todten Mühle. Wiltraud sieht niemanden, als die wenigen, die zu ihrem Kranken kommen, und so ziehen die Die Kommission erhebt die Anklage auf Störung des Ereignisse an ihr vorüber wie eine Gefahr an einem Schlum öffentlichen Friedens mit unbezweifelbarem Recht. Ein mernden vorbeigeht.- Aber die Stunde des Erwachens naht Massentreiben, wie noch keines war, Brandstiftung, Ver- auch ihr. höhnung der Geistlichkeit, offener Aufruhr mit der Waffe Bisher hat nichts sie in ihrem Liebeswert, an ihrem in der Hand- Gewalt und Todtschlag! Giebt es noch ein Pflegling, dem Habermeister, gestört. Indessen hat es Lenz Verbrechen, was zur Vervollständigung des Begriffs Land- mit Hilfe der Haberer und ihrer gewohnten Lift und Schlau friedensbruch fehlte? Sicher nicht die Thaten sind alle heit durchgesezt, das Kleine Anwesen für Wiltraud zu erwiesen, nur die Thäter nicht zu ermitteln. Es muß retten, und eines Tages tommt der Rugmeister voll Freude also zu einem summarischen Verfahren geschritten werden und überbringt ihr den zerrissenen Schuldschein vom Bissinger. und in diesem Anbetracht, sowie als Strafe für die Die Haberer haben zusammengelegt und die Hypothek ab­Hartnäckigkeit der Bevölkerung in in der der Verweigerung gezahlt. Nun gehört das Haus wieder ihr!" Mehr sagt man jeder Aussage, wird einstweilen über den ganzen Ort ihr nicht und braucht sie nicht zu wissen. Wiltraud in ihrer Zwangseinquartierung verhängt. Damit ist der Ort natürlichen Bescheidenheit und Rechtlichkeit- weiß sich nicht zu grunde gerichtet. So sind denn die Unschuldigen mit zu helfen. Mit tiefer Beschämung und widerstrebend fragt sie: den Schuldigen bestraft. Die moralischen Urheber des ganzen Wie komm' i zu so' ma G'schent?" und nur der Gedanke, Unglücks jedoch, die, der eine durch Unredlichkeit, der andre daß es geschah, um dem Verwundeten das schützende Asyl zu durch Härte und Kälte-, die Leute so weit gebracht, bis das sichern, erklärt ihr die Sache.- Und noch einer braucht Maß überlief, diese sind natürlich die Märtyrer des Tags, die die Heimath ja so nothwendig, ihr Bruder, wenn er,- bedauernswerthen Opfer brutaler Willkür, und man ist ihnen Gott weiß wie elend, zurückkommt! Ja es ist eine große, un­eine exemplarische Genugthuung schuldig. verhoffte Wohlthat, und sie nimmt sie an. will's Euch an Eurem Kranten vergelten,' tausendmal, sonst kann i Euch ja nix thun!" sagt sie einfach. Und sie hält Wort.

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Nur einer ist da, der den Muth hat, dem Unter­suchungsrichter die Verhältnisse wahrheitsgemäß darzulegen und für die Haberer einzutreten. Gemming! Aber was Der Habermeister fängt an, sich unter ihrer Pflege zu ers ist das Zeugniß des verrufenen Mannes, wo solche That holen. Die Heilung schreitet normal fort, und es ist ihr ein­sachen sprechen? Nicht mehr und nicht weniger als die ziger Trost, zu sehen, daß sie dem Unglücklichen seine furcht Stimme der Krähe, die der anderen die Augen nicht aus- bare Lage erleichtert, daß sie ihn in mancher Stunde der hackt! Das thut dem Gemming am websten, daß man Muthlosigkeit vor Verzweiflung rettet. Die Seele des den Freunden nichts mehr nüßen kann, wenn man das An- Mannes ist bedenklich umdüstert, und Wiltraud sowohl wie sehen verlor! Bevor man ihn vernahm, hoffte man, den Arzt beängstigt seine fast übernatürliche Ruhe und sein von ihm wenigstens einen Theil der Wahrheit zu erfahren, Schweigen. Auch daß er immer abwehrt, wenn Wil das heißt dessen, was man für Wahrheit hielt. Er sagte traud seiner Frau schreiben will, zu kommen und nach auch die Wahrheit, aber in ganz anderm Sinn. Eine brauch ihrem Mann zu sehen, ist auffallend. Nur wenn er ganz bare Aussage ist von ihm nicht zu bekommen, allein mit Wiltraud ist, und sie ihm in ihrer schlichten Art oder von ihrem Vögelchen das heißt eine solche, die sich gegen die Haberer verwerthen vom Vater und Bruder erzählt, ließ. Ebenso wenig vom Doftor. Nun ist man ausschließ- und von der Geiß, die so gescheit ist und sich immer am lich auf das Zeugniß des Herrn Pfarrers 3wänger an- Fenster meldet, wenn die Stallthür zu ist, da fliegt manch

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