Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 109.
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Die Gräfin.
Von Han 3 Röder.
( Schluß.)
Freitag, den 4. Juni.
1897.
( Nachdruck verboten.) sie bestritten. Der alte Langemat wußte davon natürlich nichts. Er hatte allerdings bemerkt, daß die Freund schaft zwischen seiner Emma und der vornehmen Dame immer dicker geworden war. Besonders erbaut war er davon nicht; im übrigen aber fümmerte er sich wenig darum, ging er doch selber seine eigenen Wege zu seinen Bekannten und an seinen Stammtisch. Da geschah es, daß Frau Langemat erkrankte. Sie verfiel in ein hißiges Fieber, verlor zeitweise die Besinnung, und die Aerzte befürchteten das Schlimmste.
So wurde denn auch das Geschäft abgeschlossen. Die beiden Frauen fuhren zum Notar. Die Gräfin steckte ihre 20 000 Mark ein und die Schlächterfrau bekam den Hypothekenbrief, der früher einmal für den Major Freiherrn von Beuft ausgestellt worden war. Lange war, die Gräfin nicht so aufgeräumt gewesen, wie an diesem für sie so erfolgreichen Tage.
Währenddessen lief eine Kündigung für eine Hypothek der Frau Langemat ein, und Herr Langemat wollte sich deshalb Am Abend, als sie ihrer Gewohnheit gemäß nach dem in dem Hypotheken- Instrument selbst überzeugen, wie die Sache Abendbrot mit ihrem Jugendfreunde, dem Major a. D. lag. Er schloß darum deu Sekretär seiner Frau auf und bei auf dem Sopha saß und Thee trant; tlopfte ihr Herr dieser Gelegenheit fand er auch den Hypothekenbrief über die von Beust vertraulich auf die Schulter und sagte: Ja, 20 000 M., die auf die Villa der Gräfin eingetragen waren. Er Gisela, ich habe es ja immer gesagt, trog Eurer Pleite, las denselben durch und entdeckte mun, daß das Geld nicht, wie Du bist ein Finanzgenie und verdientest zum General ihm seine Frau gesagt hatte, zur ersten Stelle eingetragen war, Direktor einer Hypothekenbank für Mondhypotheken ernannt sondern erst mit 70 000 M. auslaufend, zur zweiten Stelle zu werden. stand. Er war ganz außer sich und wollte seinen Augen nicht
Im ersten Siegesrausch nach diesem großen Koup schwankte trauen; aber da gab es nichts zu tippeln und zu deuteln, es die Gräfin einen Augenblick, ob sie der Schlächterfrau nun- stand schwarz auf weiß da. Am liebsten hätte er sofort von mehr nicht energisch abwinken sollte. Judessen das war nur seiner Frau Aufklärung gefordert; aber sie war zu schwer eine momentane, übermüthige Laune. Ihr überlegener, kühler trant, also mußte er sich gedulden. Verstand sagte ihr sehr bald, daß sie nun erst recht Die Gräfin ließ sich fast täglich nach dem Befinden der aus dieser Bekanntschaft für sich Nuzen ziehen könne und müsse. Frau Langemat erkundigen. Gelegentlich fam sie auch selbst Jufolge deffen gestalteten sich die Beziehungen zwischen ihr und und brachte ihr einen Blumenstrauß oder eine andere tleine Frau Langemat sehr bald intimer. Diese fuhr alle Woche und billige Aufmerksamkeit. Als sie einige Tage, nachdem der mitunter sogar zweimal in einer Woche nach Westend hinaus. alte Langemat jene für ihn überraschende Entdeckung mit dem Auch die Gräfin und ihre Tochter fanden sich öfter in der Hypothekenbriefe gemacht hatte, wieder einmal persönlich Wohnung der Frau Langemat ein. Der alte Langemat ließ vorsprach, empfing er sie selbst. Die Gräfin bestürmte fich dabei nur höchst selten blicken, wie er es denn überhaupt ihn mit Fragen über das Ergehen der Kranken; sie vermied, zu Hause zu bleiben, wenn seine Frau Raffee that im höchsten Grade gerührt und theilnehmend. Der alte Besuch hatte. Schlächtermeister ließ sie eine zeitlang reden, dann sagte er ganz ruhig und wie es seine Art war, gerade auf das Ziel losgehend:" Ich wünsche, da meine Frau noch trant ist, eine Aufklärung von Ihnen. Als wir Ihnen damals die 20 000 M. geliehen haben, hat mir meine Frau gesagt, daß das Geld zur ersten Stelle auf Ihr Grundstück in Westend eingetragen werden sollte. Das ist aber nicht geschehen, wie ich jetzt zufällig ersehen habe. Hier ist also etwas nicht in Ordnung. Wie verhält sich das?"
Die Gräfin suchte möglichst den anderen Freundinnen der Frau Langematz aus dem Wege zu gehen. Im geheimen aber bemühte fie fich erfolgreich, die Schlächterfrau, ohne daß sich diese deffen bewußt wurde, gegen jene aufzuheben, und fie so allmälig von ihren alten Bekannten zu isoliren und ganz nur für ihre Zwecke mit Beschlag zu belegen.
Wenn sie aber mit Herrn Langemat einmal zusammentraf, war sie von der größten Liebenswürdigkeit. Sie sah zwar bald ein, daß sie diesem alten Plebejer schwerlich imponiren und Die Gräfin sah erstaunt auf und that scheinbar sehr entihn für sich gewinnen würde; um so mehr gebot es die Klug rüstet, dann sagte sie: Jch begreife gar nicht, wie Sie das heit, in ihm sich wenigstens einen neutralen und möglichst eigentlich meinen, Herr Langemat. Ich habe die Sache mit wohlwollenden Zuschauer bei ihren Beziehungen zu der Frau Ihrer Fran abgemacht und das Geld ist ordnungsmäßig ein Langemat zu erhalten. getragen worden."
Ordnungsmäßig ist es eben nicht eingetragen worden," verseßte Herr Langemat, denn Sie werden doch etwa nicht denken, daß ich Ihnen auf den Schornstein Ihrer Villa 20 000 Mart borgen würde!"
Es gelang der Gräfin mit der Zeit, sich ganz und gar in das Vertrauen der Schlächterfrau einzuschleichen und diese vollständig zu beherrschen, obgleich sie dieselbe, wo sie nur konnte, in der schmachvollsten Weise ausbeutete und anlog. Sie hatte immer hundert Gründe, wenn der Zinstermin tam" Das ist jedenfalls Ansichtssache," versetzte die Gräfin und sie wieder einmal keine Zinsen zahlte. Schließlich hielt fühl, aber ich finde Ihr Benehmen gegenüber einer Dame, fie es gar nicht mehr der Mühe werth, überhaupt so zu wie ich bin, höchst eigenthümlich, Herr Langemat. Ich bin thun, als wollte sie Zinsen zahlen, sondern sie ging nicht gewohnt, in einem derartigen Zone mit Leuten zu vers einfach mit Stillschweigen darüber hin. Und das alles handeln. Dabei stand sie auf. ließ sich Frau Laugemaz, ohne auch nur ein Wort dagegen zu sagen, gefallen; fie, die immer mißtrauisch und genau gewesen war, wie nur jemand sein konnte; aber ihrer vornehmen Freundin, der Gräfin gegenüber, war sie förmlich wie mit Blindheit geschlagen.
" Ich finde das auch sehr eigenthümlich," fiel ihr der alte Langemat ins Wort, übrigens, wenn Sie das eigenthümlich finden, dann werden Sie ja wissen, durch welche Thüre Sie hineingekommen find!"
"
Das ist start! Solche Böbelhaftigkeit," rief die Gräfin wüthend.
" Ich rathe Ihnen dringend, nie wieder einen Schritt über diese Schwelle zu thun," gab Herr Langemat zurück. Er drängte sie hinaus und schlug dann die Thür hinter der Gräfin zu.
Auch der Braune der Frau Langemat hatte unter dieser vornehmen Freundschaft schwer zu leiden. Das Thier, das sonst ein Leben wie ein Fürst geführt, wurde magerer und magerer, obgleich der Kutscher Wilhelm ein ehrlicher Mensch war, der keinen Hafer verkaufte und niemals heimlich Droschten fuhren machte. Aber die Gräfin verfügte schließlich über das Die Gräfin lachte vor sich hin, als sie wieder auf der Fuhrwert, als wäre es ihr Eigenthum. Sie tutschirte stunden- Straße war, halb vor Wuth, halb aus Hohn. Dieser alte Yang herum und zwar so rücksichtslos, als fäßen sie in einer Tölpel! Was wollte er ihr denn, dachte sie bei sich! Er Miethskutsche, der man alles zumuthen fonnte und die sollte sie nur verklagen und die Kosten hinterher werfen; von obendrein die ganz unübertreffliche Eigenschaft besaß, keinen ihr würde er doch keinen Pfennig besehen! Trotzdem ärgerte Pfennig zu foften außer einem Trinkgeld für den Kutscher. sie sich, denn nun mußte sie die dicke Schlächtermeisterin mit So vergingen mehrere Jahre. Frau Langemat war nicht dem großen Portemonnaie, das ihr gewissermaßen zur zweiten nur ihre 20 000 M. los und besah nie einen Pfennig Binsen, Heimath geworden war, für immer fahren lassen; es sei denn, sondern sie hatte auch sonst noch der Gräfin, ihrer Freundin, daß der alte Grobian von Schlächter gerade innerhalb der mancherlei Gefälligkeiten erwiesen und viele Ausgaben für nächsten vierundzwanzig Stunden sich ein Billet nach dem