Unterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 239.

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Jade

Dienstag, den 7. Dezember.

Der Bauberkaftan. Roman von Koloman Mikszáth. Aus dem Ungarischen von Victor Sziklai I.

Jene Städte sind närrisch, welche klagen: Wir haben viel gelitten, bei uns haben die Türken ein oder zwei Jahrhunderte gehaust. Wahrhaft litten jene Städte, wo weder Türken hausten, noch Labanzen und Kurutzen,*) und welche sich aus eigener Kraft erhielten, wie zum Beispiel Kecskemet; denn wo von den friegführenden Parteien sich die eine aufhielt, dort dominirte, plünderte nur die eine, und die anderen wagten fich nicht einmal hin, wo aber keine einzige wohnte, dorthin gingen alle Erdbeeren sammeln.

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1897.

( Nachdruck verboten.) die Kecskemeter Märkte von nun an zu sein aufgehört haben. Selbstverständlich wurden nun die Türken ebenso wüthend wie die Kurutzen. Diese elenden Philister berauben uns unseres Nebenerwerbes." Sie hatten jetzt originelle Ideen. Am schwarzen Sonntag vor Ostern stürmte der berühmte Kuruyen­führer Stefan Csuda mit seinen Truppen in die Stadt. Sie sprengten geradenwegs zum Stiftstlofter. Hier befahl der An­führer seinen Leuten:" Nichts anrühren, Kinder, nur den Quardian müßt Jhr gefangen nehmen, denn diesen werden fie auslösen. Sie nahmen wirklich den Quardian, den dicken Pater Bruno, gefangen, setzten ihn auf ein Maulthier, das bisher ein treuer Arbeiter des Klostergartens war, zumal es die Wasserfässer schleppte. Damit aber der fluchende, stram­pelnde Pater nicht vom Rücken des Buri falle( Buri hieß das Maulthier), banden sie ihn mit Stricken und Riemen fest... Sie hatten sich nicht verrechnet. Eine große Be stürzung griff Platz unter den katholischen Gläubigen. Die Wittwe Paul Fabian, die bucklige Julie Galgoczi und die verwelfte Klara Bulki begannen unter dem Präsidium des Paters Littei sofort das Lösegeld zu sammeln, indem sie von Haus zu Haus wanderten. Lösen wir den armen Pater Bruno aus. Er hat eine prächtige Predigt zu den Oster­feiertagen einstudirt, diese können wir nicht ungesprochen lassen." Hundert Goldstücke wurden gesammelt, mit diesen begaben sich die Erwählten der Frauen auf den Weg zum Kuruzenlager: Senator Gabriel Boroßuoki, Kurator Johann Babos und der Wagner, Herr Georg Doma.

Eines Tages wandelte den Dfner Pascha die Laune an, ein wenig zu brandschaßen: Mein Sohn Dervisch Beg, schreibe dem Kecskemeter Richter!" Und der Brief ging sofort ab, in dem der Ausdruck nicht fehlte:" Ihr spielt mit Euren Röpfen!"

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Aber auch der Szolnoker Musta Beg ging nicht anders vor, denn er brandschatte Czegled, Rörös, Recskemet und die umliegenden Dörfer. Jede gesegnete Woche warf er ihnen neue Lasten aus, indem er schrieb:" Diesen Herrenbrief sollt Ihr zu Pferde in jede Stadt, in jedes Dorf tragen und darnach handeln."

Seine Gnaden, der tapfere Herr Emerich Rohary rechnete gleichfalls auf die wohlhabenden Städte und erließ von Seite der Kaiserlichen aus Szecseny Verordnungen, ja selbst der Gacser Stuhlrichter, Seine Gnaden Herr Johann Darvas war nicht faul, ihnen an den Leib zu gehen, wenn die Kuruhen etwas nöthig hatten. Dazu kamen noch die herum­schweifenden tartarischen Horden und die verschiedenen Truppen, welche auf eigene Faust arbeiteten. Und mit all diesen sollte man auf freundschaftlichem Fuße leben!

In Kecskemet gab es schon damals berühmte Märkte. Was den Augen schön, dem Munde gut ist, das alles brachter die türkischen, deutschen und ungarischen Kaufleute haufenweise hierher, und der Markt hatte stets ein trauriges Ende, denn wenn er eben im besten Zuge war, erhob sich eine Wolke auf der sandigen Straße, es kam der Kurutze oder der Türke, oder gar ein Haufe Labanzen saufte wie der Blitz nieder und ver­schwand mit den werthvollsten Waaren beladen wieder in einer Staubwolfe.

Die bitteren Billen aber konnte dann die wohledle Stadt verschlucken, denn hatten die Türken die Zelte geplündert, so fielen nunmehr die Labanzen mit großen Rechnungen über sie her.

Die Stadt habe ohne Verzug den Schaden der Kaufleute zu bezahlen, sonst wird gestürmt; wenn der Labanze raubte, galt es auch gleich für die armen Recskemeter, denn dann vers langten die Kuruzen und Türken Schadenersatz für ihre Kauf­leute, und diese Forderungen erreichten fast immer die Höhe von tausend Goldstücken.

Nach männiglichen Abenteuern und Mißgeschicken fanden sie endlich den Stefan Csuda, der sie wild anfuhr: Ihr seid die Kecskemeter, nicht wahr? Nun, was wollt Ihr?"

Wir sind ihn holen gekommen," sprach der fromme Babos, seine winzigen grauen Augen gegen den Himmel er­hebend. Wen, den Maulesel oder den Quardian?" scherzte der gutgelaunte Stefan Csuda.

" Beide, wenn wir übereinkommen können," meinte Herr Poroßuoti.

" Der Geistliche ist nicht viel werth, aber das Maulthier können wir wohl brauchen. Es schleppt die große Trommel."

Sehr wohl gefiel den guten Kecskemetern diese Erklärung des Kurußen, denn wenn der Geistliche nicht viel werth ist, wird er wohl billig zu haben sein, und sie nickten beifällig mit dem Kopfe.

Also woran sind wir mit Sr. Hochwürden?" " Ihr könnt ihn für drei Goldstücke haben."

Die drei Männer schauten einander lächelnd an, wie wenn sie sagen wollten, billig, wahrhaftig sehr billig!" Boroßnoti warf einen Flügel seines blauen Mantels zurück und griff in die Tasche, um die drei Goldstücke hervorzuholen. Da sind fie! Nehmt sie, Herr!"

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Der Kuruzenführer schob die Hand des Senators bei Seite. Den Geistlichen brachte das Maulthier, jeht soll auch der Geistliche das Maulthier mitnehmen. Dies ist nur gerecht, ohne das Maulthier ist kein Geschäft."

Vergebens seufzte der Oberrichter Johann Szücs: Woher nehmen, woher? Das ist ja nicht das Kremnizer Goldberg- Welches Lösegeld bezahlen wir für das Maulthier?" werk; unter unseren Füßen ist ja nichts als Sand, Sand bis hinunter zur Hölle."

Hol's der Teufel," meinte der Senator wohlgelaunt. ,, Der fire Preis desselben beträgt," gab Csuda jedes Wort betonend zurück ,,, hundertsiebenundneunzig Goldstücke.

Endlich ward die Sache doch unerträglich, man hielt großen Rath, und dann gingen die guten Leute zum Palatin, der aber nach der Erzählung des Herrn Paul Fekete sehr mißmuthig wurde, als sie ihm vortrugen, daß sie eine Bitte an ihn hätten.

nicht."

Verlanget nur nichts Großes, denn ich gewähre es Euch So sehr verlangen wir nichts großes, daß uns selbst das zu viel ist, was wir haben."

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Sehr gut, sehr gut," meinte der Palatin schmunzelnd. " Wir bitten Eure Gnaden, uns unsere Märkte zu nehmen."

Der Palatin dachte nach, hüstelte. Hm, es ist kein richtiges Regime, Freunde, daß den Leuten etwas nimmt, wovon der Nehmende keinen Vortheil hat."

Trotzdem tam bald danach eine Ordre von Leopold I., daß *) Labanzen und Rurugen waren ungarische Soldaten.

In den Bürgern stockte das Blut; der kleine Babos blinzelte auf den Kuruzen, ob dieser nicht spaße, doch das gebräunte Antlig blickte jetzt sehr ernst, vordem war es bedeutend heiterer; die Kecskemeter verzagten trotzdem nicht.

Hättet Ihr, Herr, das Herz, für ein Maulthier so viel Geld zu nehmen, wie für vier arabische Pferde? Ueberlaßt uns den Geistlichen separat! Wir kommen lieber ein andersmal das Maulthier einlösen," ergänzte Herr Babos.

Jetzt übernahm wieder Herr Georg Doma die diplomatis schen Verhandlungen. Er meinte, das Maulthier könnten ja die ehrwürdigen Patres ohnehin nicht wieder benützen, nach dem dasselbe ein kompromitirtes Individuum sei, das bereits Lagerdienst geleistet hat, in einem protestantischen Truppen­förper.

Den meisten Verstand besaß noch Herr Poroßnoki, denn er durchschaute sofort, daß der Kuruzenführer zweihundert Goldstücke für den Quardian haben wollte, und die Geschichte mit dem Maulthier blos Spaßmacherei sei. Er entnahm