Anlerhaltungsblatt des Worwärls Nr. 244. Dienstag, den 14. Dezember. 1897. (Nachdruck«erboltiv) Vor ÄaubrvkKfkÄtr. 6] Roman von Soloman MitSzäth. V. In großer Gala erschienen unsere Freunde, den Säbel an der Seite. Herr Michael Lestyak zeigte sich als ein fescher, hübscher Jüngling. Er hielt die Ansprache, er beschrieb die traurigen Zustände in Kecskemet so treu, so schön, daß die vier hinter ihm stehenden Senatoren in Thränen ausbrachen. (Herr Jmecs wurde bereits gestern nach Hause gesendet.) Die Rede gipfelte nach vielen Stilblüthen darin, daß die Keestemeter dem Allgewaltigen mit dem Ersuchen zu Füßen fallen, dieser möge ihnen einen ständig in Keeskemet wohnenden Pascha be« willigen oder einen anderen Würdenträger, wenn er auch nur so groß wäre, wie ein kleiner Finger, der sie fortab vor den Plünderern bewahre. Blos das Faktum, daß ein Mann des erhabenen Sultans in Keeskemet ist, rettet den Frieden und die Existenz der Stadt. Nach einer rhetorischen Wendung malte er es sodann schwungvoll aus, welch herrliches Leben der Pascha dort führen würde; sie werden ihm ein Steinhaus bauen, werden ihn schätzen und achten, werden ihn bedienen, aus ihrer Hand werde er den süßen Honig essen können, und so weiter. Nun übersetzte der Dolmetsch des Ofner Pascha, Nazur Bey die Rede dem Sultan, der dieselbe mit apathischem Ge- sichte uud sehr gelangweilt zu Ende hörte. Im übrigen war dieser ein ganz sympathischer Herr; etwa vierzig Jahre alt. Hie und da nickte er dazu mit dem Kopse. Ibrahim Pascha, der Ofner General, stand neben dem Sultan mit verschränkten Armen und lauerte mit blutunter- laufenen Augen, wie wenn er sagen würde:.Die Rede haben wir nun gehört, nun lasset uns die Argumente sehend Diese olgten sofort. Gabriel Poroßnoki trat hervor, öffnete da? apfelgrüne seidene Futteral, das er vor sich hinhielt, er entnahm dem- selben die prächtig gearbeitete goldene Peitsche und den Fotos, dann legte er sie auf den Schemel zu Füßen des Sultans. .Wir legen zu Deinen Füßen, erhabener Herr, die Waffen Kecskemets/ Der Sultan bückte sich, hob die Peitsche auf und betrachtete sie eine Zeit laug. Dann wechselte er mit Ibrahim einige leise Worte. Unterdessen hatte der Herr Senator Jnokai gerade seine Kehle gewetzt und leierte dann mit ehrerbietigem Krächzen folgendermaßen:.Deinen heldenhaften Soldaten haben wir einen kleinen Braten gebracht, größter der Sultane, sei so gnädig und betrachte denselben durch das Fenster." Bey Nazur verdolmetschte auch dies mechanisch, worauf sich der Sultan unwillig vom Sopha erhob, um zum Fenster zu treten, von wo aus die prächtigen Rinder und Fohlen zu sehen waren, zu denen Herr Franz Kriston den Prolog ge- stamnielt. All' dies inleressirte den mächtigen Herrn des Orients nicht besonders, müde ließ er sich wieder aus das Sopha fallen.... Jetzt öffnete sich die Thür des Saales und ein kühlender Windhauch schlich sich ein. Vielleicht hatte dies das Knistern der vier Weiberröcke verursacht. Die Kecskemeter Mädchen traten ein, frisch und lieblich. Der Sultan sprang erregt empor. Christophus Agoston stellte sich in die Mitte des Zimmers, einem Schuljungen gleich und mit Gesten, als od er einen Strauß in den Händen hielte, den er dem Papa überreicht, deklamirle er ver- schämt:Wir brachten auch ein klein wenig Blumen, gnädigster Herr." Der Sultan verstand gewiß nicht die ungarischen Worte, jedoch er geruhte jetzt auch ohne jedes weitere Hinzuthun zu lächeln. Dann rief er fröhlich dem Ofner Pascha zu:Einen Schleier über sie, schnell, Ibrahim,"(dies wollte in orien- talischcr Sprache so viel heißen:.Befleckt sie nicht einen Augenblick länger mit Euren wollüstigen Blicken.") Während der Pascha hinausstürzte, um Verfügungen zu treffen, theilte der Sultan in langen gedehnten Worten etwas den: Dolmetsch mit. Se. Majestät der Sultan, dessen Schatten Allah be- schirme, sagt Euch, Ihr Ungläubigen, daß er Eure Wünsche berücksichtigen wird. Verhaltet Euch bis dahin ruhig und wartet draußen." Der Dolmetsch winkte, und damit war die Deputation entlassen. Als aber Herr Agoston die gute Laune des Sultan sah, glaubte er die Zeit gekommen, irgend eine ewig denkwürdige That zu vollführen: er zog daher die hinausgehenden Vor- steher bei ihren Mantelflügeln zurück und sprach zu dem Dol- metsch:Mächtiger Dolmetsch, rechte Hand Deines Herrn, vermittle noch eine Bitte!" Der Großvezier, die anwesenden Paschas und UlemaS be- trachteten den Tollkühnen betroffen, und nicht weniger über- rascht waren die Kecskemeter Herren, aber der Sultan, an die Blumen Keskemets denkend, lächelte noch immer, und wenn der Sultan lächelt, scheint die Sonne, die Gräser wachsen, die Steine spielen Harfe, und alle» ist in Ordnung. .Nun, was wollt Ihr noch?" rief der Stellvertreter Ibrahim Paschas, Hassan, aus.Sagt es schnell, denn es warten noch viele Deputationen draußen." Gerade das ist es," fuhr Christoph Agoston ermuthigt fort,wir sahen draußen die Nagy-Köröser Deputation und wir bitten Se. Majestät ganz ergebenst, daß er ihr nichts ge- währe, was sie auch verlangen möge." Der Vertreter des Sultans lachte und interpretirte selbst dem Beherrscher der Gläubigen diese zweite Bitte. Auch der Beherrscher der Gläubigen lachte über den sonderbaren Wunsch(so etwas kam ihm in der Praxis noch nicht vor) und srug lebhaft, was der Grund davon sei. Lestyak gab die Antwort:Nagy-Körös und Keeskemet sind so mit einander wie Mekka und Medina, wie Hund und Katze." Der Sultan gerieth in eine prächtige Laune, der Dol- metsch interpretirte gleichfalls mit freudestrahlendem Gesicht die Antwort des Herrschers:Freut Euch! Der gnädige Padischah wird Eure erste Bitte genau überlegen, die zweite vollführen." Damit gingen die Kecskemeter in den Hos hinaus, den auf den Einlaß wartenden Köröser Nachbarnguten Morgen" wünschend. Nach einigen Minuten schlich sich der Vertraute deS Sultans zu ihnen und vertröstete die Senatoren, ihnen auf die Schulter klopfend:Ihr seid glückliche Spitzbuben! Ihr habt den Sultan ganz gewonnen und ihn erheitert. Kein Zweisel, alles wird geschehen." Er rieb sich zufrieden die Hände. Es waren ihm nachträglich hundert Dukaten ver- sprachen worden, wenn in Kccslemet eine türkische Behörde in- stallirt wird. Unter großen Hoffnungen schritten sie draußen aus und ab, die Rede des Oberrichters lobend und daS Auftreten Agoston's. Herr Agoston selbst war ganz entzückt.Nicht wahr, daß ich etwas»verth bin? Da giebt es doch Verstand, Gevatter?" Nach ungefähr anderthalb Stunden kam der türkische Ver- traueusniann wieder zurück. Zornig schlenkerte er mit der and, sein Gesicht war roth vor Grimm wie Paprika..Run, chweine," schrie er von weitem,Ihr habt Euer Glück mit Füßen getreten!" Die wackeren Herren sahen ,ihn versteinert an.Was ist geschehe», uni Gotteswillen?" Das ist geschehen, Ihr Esel, daß die Nagy-Köröser De- putalion, die Entfernung der Ofener und Szoluoker PaschaS beklagend, als Sitz einer zu errichtenden türkischen Obrigkeit Keeskemet wünschte." Wir aber"... stotterte Josef Jnokai. Ihr aber ließet den Sultan versprechen, daß er den Wunsch der Nagy-Köröser, welcher es auch sei, nicht erfüllen werde. Erstarret!" Damit drehte er ihnen den Rücken, nachdem cr zuvor einige Male türkisch vor sie hinspie. Man hätte die Betroffenheit sehen sollen. Lestyak nagte den Schnurrbart, der ehrliche Poroßnoki schimpfte, Kristo« bekam Nasenbluten vor Schreck, der alte Jnokai begann zu schluchze», während Herr Agoston direkt zu den Wagen ging, welche an der Donau standen, sich in den einen hineinlegte und mit der Bunda") zudeckte, weil ihn ein solches Fieber ) Ungarischer Pelz.