Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 249.
Dienstag, den 21. Dezember.
( Nachdruckt verboten.)
Der Bauberkaftan.
11] Roman von Koloman Mikszáth.
Ein großer Freudenschrei war nun vernehmbar. Wie ein Lauffeuer verbreitete fich die Nachricht von Straße zu Straße. Von Haus zu Haus wurde die Nachricht getragen. Die gefallenen, verhaßten Senatoren tamen wieder ans Tageslicht, fich unter das Volk mengend. Poroßnoki wurde mit Eljenrufen begrüßt, dem alten nokai machte man entblößten Hauptes eine Gasse. Von Herrn Franz Kriston verlangte man mit großem Lärm, er möge reden; dieser zögerte auch nicht Lange, stellte sich auf ein Krautfaß inmitten des Marktes und sprach blos:
" Ich verlange von Euch Gerechtigkeit für jenen genialen Jüngling, der diesen großen Sieg erfocht."
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Gerechtigkeit!" wiederhallte es aus tausend Rehlen. Die Bevölkerung wogte auf und ab wie ein angeschwollener Strom. Lärm, Leben herrschte überall Männer und Frauen erzählten das Wunder des redenden Mantels. Freilich flickte noch jeder etwas am Zeug. Eine große Begeisterung athmeten die Leute ein. Jeder bewegte sich hin und her, jeder schrie etwas Anderes, und jeder dachte sich etwas.
Schöne aufblühende Knospen, junge Mädchen kleideten die Frauen von Kopf bis zu Fuß in Weiß, ehrsame Bürger türzten in den Stall der Stadt, um die berühmten vier RappHengste einzuspannen( schnell die Bänder in ihre Mähnen), alte Männer schleppten die Böller auf die Straße. Unter wegs suchten sie den Feuerwerker bei den drei Aepfeln" auf. ( Kommen Sie doch, Herr Hupfa, wenu Sie einen Gott an erkennen. Nur noch einen Schluck!" bat Hupka.)
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1897.
" Ich aber, Raspar Permete, der ich sothane Obrigkeit vor zwölf Jahren durch ein Wort meines Mundes zu Falle ges bracht, ich stehe nicht an, zu erklären, daß ihm selbst die lebenslängliche Uebertragung unserer höchsten Würde eine zu kurze Frist sei."
" Nach seinem Tode kann er doch nicht gut präsidiren!" warf Herr Gerson Bete ein.
Doch, doch... Laßt es uns aussprechen und ins Protokoll aufnehmen, daß gleichwie die Krone unseres Landes in der regierenden Familie Habsburg sich von Vater auf Sohn vererbt, desgleichen der Oberrichterstab auf die männlichen Nachkommen Lestyat's übergehen möge für und für." Gerson Bete: Es giebt doch wohl noch einen kleinen Unterschied zwischen beiden."
Kaspar Permete( wüthend): Es giebt teinen!" Gerson gete:" Die Krone ist aus Gold, der Ober. richterstab aber aus dem Holz der Kornelienstaude!"
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Diesen kleinen Konflikt unterbrach Herr Johann Deat aus der Czegleder Gaffe, der im Geruche eines sehr weisen Mannes stand. Better Zeke ist im Rechte, denn die Krone glänzet start auch auf schwachen Häuptern, allein der Richterstab wird stets schwach in schwachen Händen sein. Mithin geht es nicht an, diesen Stab blindlings noch ungeborenen Nachkommen zu in die Hände zu drücken. Indeffen ist es ungeziemend, diesen großen Tag durch derlei Gezänke zu entweihen. Wir wollen auf den Pfaden des chrwürdigen Ernstes bleiben und nichts überhaften, denn es wird uns niemand Dant dafür wissen, wenn wir ihm eine Würde anbieten, die derzeit noch ein anderer inne hat. Die Versammlung möge daher beschließen, daß das ohnedies nur provisorisch errichtete Triumvirat abgeschafft wird.
" Die sind ja freiwillig durchgebrannt! Reiner von ihnen wagt es, sich zu zeigen!" klang es von allen Seiten.
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Hochehrwürden Herr Peter Molitoriß, der lutheranische Pfarrer, stieg selbst in den Thurm des heiligen Nikolaus, damit er im gelegenen Momente die Glocken läute. Aus den Cachluken krochen die Fahnenstangen heraus mit ihren Sonach möget Ihr die alten Senatoren wiederwählen, schlängelnden, wehenden trikoloren Flügeln. Ein wenig fahl und es kann dann die protokollarische Inaugurirung der sind sie schon; sie sind noch aus der Zeit Bethlens*) herüber- lebenslänglichen Oberrichterschaft Leftyat's stattfinden." gekommen. Seitdem blühten auch die Kecskemeter Haus- Ueberflüssig zu sagen, daß all' dies angenommen wurde. dächer gar wenig. Die elf gefallenen Senatoren hingen rasch die filberknöpfigen Mentew an, banden die rasselnden Säbel um und nun stehen sie schon im Halbkreise beim Thore des Stadthauses.
Eine bedeutend schwierigere Aufgabe fiel dem Herrn Paul Fekete zu: er mußte das Manuskript umarbeiten; die Benennung mächtiger Beg mußte gestrichen werden, statt dieser Ansprache mußte hingeschrieben werden:„ Glorreicher Patriot."" Statt der:„ Wir tamen zu Dir" mußte es heißen:„ Du kamist zu uns zurück" 2c.( Gleichviel, es wird sich das doch ganz hübsch machen.)
Der neue Oberrichter saß so würdevoll da wie ein Dynaft und nickte fühlen Dant mit dem Kopfe. Sein Antlig, bis dahin bleich, färbte sich jedoch scharlachroth, als sich die Rufe erhoben:
Wir wollen die Geschichte mit dem Mantel hören! Gr selbst soll sie uns zum besten geben!"
Eine
Nervös bewegte er sich auf dem Sessel hin und her, wie wenn eine eiserne Faust seine Kehle zusammenschnürte. Den Fall mit Olej Beg Hunderten zu erzählen. Szene, die er nie durchlebt, die er nie gesehen hat. Lügen vor dem Angesichte der ganzen Stadt! Ach, welch' großer Obschon improvisirt, ging alles vortrefflich; nur der Gala- Fehler war es, daß er nicht ins Lager gegangen war. Der wagen verspätete sich ein wenig; doch die Böller erdröhnten Teufel brachte ihm jenes Mädchen in den Weg. Und wenn gleichzeitig, die Glocken klangen feierlich, und als Lestyat's er schon nicht dort war, wäre es besser gewesen, dies ein Gestalt erschien, da fluthete ein Jubelgetöse durch die Straßen, zugestehen. Jetzt ist es schon unmöglich, unmöglich.... das lawinengleich sich fortwälzte, weithin, bis an die Pforten Je größer seine Herrlichkeit war, um so mehr zerriß seine des Stadthauses. Da war es, wo der Gefeierte abstieg, die wohlgesetzte Rede des Herrn Paul Fekete anhörte, den weißgetleideten Jungfrauen einen lächelnden Gruß zunickte, den verstoßenen Senatoren die Hand drückte und den Herrn Poroßnoki vollends umarmte- woraufhin man ihn auf die Schultern hob, um ihn im Siegeszuge in das Stadthaus emporzutragen und zuletzt am Präsidentenstuhle des grünen Rathstisches abzusetzen.
So wie der Lärm sich ein wenig gelegt( denn der Saal war voll der Notabilitäten des Gemeinwesens), erbat sich der Schneeköpfige Mathäus Pußta das Wort und feierte mit leiser, wie Wespengesumme tönender Stimme Leftyat's Verdienste, um schließlich auszurufen:
Laßt ihn uns zum lebenslänglichen Oberrichter Kecskemets erwählen."
Hei, wie das Gemäuer ob des Jubelgeschreies erbebte! Es dauerte Minuten, ehe Kaspar Permete zu Worte kam und fich verständlich machen tonnte, ob er gleich mit allen Bieren gestikulirend andeuten wollte, daß er ungemein Wichtiges zu sagen habe.
Ein Fürst Siebenbürgens.
Seele das Bewußtsein, daß ein unerwarteter Windhauch die selbe zerstören könnte, die Ohren des Midas wurden ja auch entdeckt. Er hatte das Gefühl, als hätte er seinen Ruhm gestohlen, er fonnte sich deshalb nicht freuen, und doch, er gebührte ihm ja, denn er war es, der den Mantel erworben hatte.
Hinter dem Lehnstuhl des Oberrichters schwebte ein un angenehmer Schatten.
„ Hört! Hört!" tönte es immer lebhafter und intensiver. Es gab fein Entrinnen. Berlegen nahm er den Kaftan ab und legte ihn auf den grünen Tisch. Hier der werthvolle Schatz der Stadt Recstemet. Dann erzählte er stotternd noch einmal die wundersame Geschichte des grünen Mantels. Laute Ausbrüche der Freude würzten seinen Vortrag; jeber jubelte, nur eine gebrochene Gestalt meinte in der letzten Bant. Der mächtige Oberrichter, nunmehr der Diktator von Recskemet, stand auf, ging zu dem schluchzenden Manne, nahm ihn bei der Hand und sprach:
" Und jetzt gehen wir, mein guter Vater. Ich will daheim ein wenig ausruhen." Jm fleinen Thore warteten schon die kleine Erzsi und der Laczi. Die Krapfen waren schon hübsch gebacken und auch das