Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 46.
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Sonntag, den 6. März.
1898.
Aber meine Theure! Wie kommst Du zu solchen Worten? ( Nachbruck verboten.) Weißt Du denn nicht, daß ich keinerlei Geheimnisse vor Dir habe?"
Am häuslichen Herd.
Roman von Jwan Franko.
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,, Auch ich will feine vor Dir haben!" rief Angela eifrig. Ich will von Dir nicht verdächtigt werden. Hegst Du irgend einen Zweifel, so sage ihn offen heraus. Ich fühle mich Manchmal bemerkte sie noch, daß sie deshalb nicht so rein, so rechtschaffen, daß ich keinen Vorwurf fürchte, wenn weitläufig schreibe, damit er bei seiner Ankunft eine uns er mir nur offen ins Gesicht gesagt wird." erwartete Freude habe. Dieses Ziel hatte sie zweifellos erAngela, Angela!" rief der Hauptmann voll Verzweiflung reicht, und das umsomehr, als der Hauptmanu sich nicht über ihre Worte. Bei Gott ! Ich habe Dir ja nichts voreinmal erinnerte, daß sie je von Julie, jener Freundin die geworfen, habe Dich nicht verdächtigt- Gott ist mein Zeuge!" wie sich herausstellte, täglicher Gast im Hause war etwas Du erblaßtest beim Anblick dieser Uhr." Sie zog sie geschrieben hätte. Julie gefiel ihm nicht. Es war etwas Ver- heraus und reichte sie ihm. Sieh sie genauer an! Lies die stelltes, Aengstliches in ihrem Gesichte, in den Augen, in ihrem Inschrift auf dem Deckel. Jezt siehst Du, daß ich sie vom Er wollte nichts von uns ganzen Wesen. Ihre Bewegungen waren gezwungen, die Großvater geschenkt bekommen. Stimme unnatürlich. Der Hauptmann faßte seine Eindrücke hören, als ich Dich heirathete, aber schließlich ließ er sich ver in dem Urtheil zusammen, daß sie wie eine Person aus- föhnen." sehe, die sich abgewöhnt habe, in ordentlicher Gesellschaft So, also er war es, der Euch an die Hand ging?" rief zu verkehren. Welch' ein Kontrast gegen seine Frau! Doch der Kapitän erstaunt und ließ die Blicke rings herum Gegensäge ziehen einander an, und der Hauptmann hatte von schweifen. seiner Frau einen viel zu hohen Begriff, als daß er einen Ja, wir haben ihm so manches zu verdanken, obwohl Du Augenblick angenommen hätte, daß sie einer unwürdigen Person doch weißt, wie hart er ist. Besondere Freigebigkeit kann man Eingang bei sich und den Kindern verschaffen könnte. ihm nicht gerade zum Vorwurf machen." Dennoch blieb in seinem Herzen der Stachel einer Unruhe und Angst zurück.
Jetzt erst erinnerte sich der Hauptmann an den Großvater seiner Frau, einen alten, reichen Wittwer, den Eigenthümer Der Hauptmann lag noch auf dem Sopha, rauchte seine einiger Fabriken und Häuser in Krakau . In den Erinnerungen Cigarre und blickte sinnend zum Plafond hinauf, als die des Hauptmanns spielte dieser reiche Großvater beinahe gar Thüre sachte aufging; augenscheinlich war sie schon keine Rolle. Als der Hauptmann Angela bei entfernten Bervorher geöffnet worden, während er noch schlief wandten in Lemberg kennen gelernt und ihre Gunst errungen Angela trat herein. ,, Schläfst Du nicht mehr?" fragte sie. batte, stieß er auf harten Widerstand von seiten ihres ,, Bleib doch liegen!" Mit entzückendem Lächeln schob sie Großvaters Kurter. Er wollte sich nach Krakau zu ihm einen Seffel näher und setzte sich neben ihn. Liegend nahm er begeben, doch Angela rieth es ihm ab, behauptete, daß ihre Hand und drückte sie an die Lippen. er damit nur die Sache verschlimmern würde, da der ,, Wie hast Du geschlafen?"„ D, ganz wunderbar. Großvater dem Militär überhaupt sehr abhold wäre. Gie Habe ich lange geschlafen?" Beinahe zwei Stunden. nahm es auf sich, seinen Widerstand zu besiegen, und es gelang Jetzt ist's halb vier," sagte sie, indem sie eine ihr auch. Da Angela kein eigenes Vermögen besaß, so gab fleine, elegante, goldene ühr herauszog, die der Hauptmann ihr Kurter nur so viel, als die vorgeschriebene Offiziers vordem bei ihr nie bemerkt hatte. Der unsichtbare Skorpion faution betrug, mid erklärte, da sie gegen seinen Willen regte sich bei diesem Anblick wieder in seinem Herzen. Angela heirathe, ihr nichts weiter geben zu wollen. In diesem Geiste errieth seine Gedanken und versetzte ihm lächelnd einen Schlag war auch sein erster und zugleich letzter Brief an das auf die Schulter. junge Paar verfaßt, welcher außer dem Glückwunsche noch ben Zusatz enthielt, enthielt, daß sie voll jede Bekanntschaft mit ihm aufgeben sollten, da er ste auch nicht mehr kennen noch sehen wollte; sie sollten es auch nicht wagen, an ihn zu schreiben, oder in irgend einer Sache auf ihn zu zählen, denn ihm würde es nur Unannehmlichkeiten bereiten, und ihre Briefe würden sie ungelesen zurück erhalten. Sonst wünschte er ihnen Glück und bestes Wohlergehen.
Weshalb wirst Du blaß?" fragte sie ganz unbefangen. Hast Du Deine alte Gewohnheit behalten, mich zu verdächtigen, ohne selber recht zu wissen, warum? D, Du un verbesserliches Kind, Du!"
Das Gesicht des Hauptmanns überzog sich mit Schamröthe. Berzeih' mir, Engel," bat er. Ich erinnerte mich, „ daß Du mir in den Briefen so oft von unverhofften Dingen gesprochen, die ich bei meiner Rückkehr vorfinden würde, und in der That, ich finde ihrer eine solche Menge... Alles was ich da sehe, ist so neu, so unerwartet."
Und da dachtest Du gleich: Da muß irgend eine Schuld meiner Frau dahinter stecken?!"
Angela!" rief der Hauptmann, und bedeckte ihre Hand wieder mit heißen Küssen, wie kannst Du nur so reden! Ich schwöre Dir bei meiner Ehre, so etwas ist mir auch im Traum nicht eingefallen. Du weißt doch, wie ich Dich liebe, mehr als mein Leben. Dich einer unehrenhaften Handlung verdächtigen, das hieße ja die Art an die 2urzel meines eigenen Glückes legen."
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Warum also erblaßtest: Du, als Du meine Uhr erblicktest? Sei aufrichtig! So viele Jahre waren wir von ein ander getrennt. Diese lange Panse fann für uns zum Ausgangspunkt eines neuen, glücklicheren Lebens werden, sie könnte aber auch einen dunkeln gähnenden Abgrund bedeuten, der uns für ewig trennt."
Um Gotteswillen, Weib, was sprichst Du!" rief tief erschrocken der Hauptmann.
" Du siehst, ich scherze nicht," sagte Angela.„ Ich habe Zeit gehabt, das Leben in seinen dunkeln Tiefen zu er gründen, habe gründlich nachgedacht und bin zur leber zeugung gelangt, daß, falls es zwischen uns irgend welche Geheimnisse, irgend eine Quelle gegenseitigen Mißtrauens geben sollte, cs besser wäre, gleich wieder aus einander zu gehen, als uns das Leben zu einer Dual zu ge stalten."
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Er ist kein schlechter Mensch, sogar verständig und edelgefint, doch ist er ein Sonderling und ungemein hartnäckig," pflegte Angela zu sagen. Er verfiel in Krakau dem Einflusse einiger Betschwestern, deren sich die Jesuiten als Werkzeug bedienten, um sein großes Vermögen au sich zu reißen. Daß wir von ihm nichts weiter zu erwarten haben, davon bin ich völlig überzeugt."
Sie erwarteten denn auch nichts mehr und lebten, wie sie eben konnten, bis die Verhältnisse sie für ganze fünf Jahre trennten. Kein Wunder also, daß der Hauptmann nun mit Erstaunen, aber auch mit großer Erleichterung die Nachricht vernahm, daß der Großvater sich mit Angela versöhnt hatte.
„ Nuu siehst Du, sichst Du!" sprach der Hauptmann mit leichtem Vorwurf in der Stimme.„ Warum sich ereifern? Natürlich mußte ich mich wundern darüber, woher Du zu diesem Luxus gekommen. Das erste Stockwert, Spiegel, Mahagonimöbel, Bärenhäute, eine goldene Uhr und dazu mein bes scheidener Gehalt, der für zwei Wirthschaften hinreichen mußte. Ich wollte um Erklärung des Räthsels fragen, war das was Schlechtes? Nun, und ein einziges Wort von Dir genügte, um alle Zweifel zu lösen."
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„ Sei nicht zu leichtgläubig!" sagte Angela wieder mit der strengen Miene eines Untersuchungsrichters. Bane nicht allzuviel auf ein einziges Wort, verlange Beweise!" „ Aber Angela willst Du denn, daß ich eine Kriminaluntersuchung einleite?"
" Ich würde es vorziehen, daß Du es jetzt gleich thust, wo Dein Blick noch hell und Dein Geist nicht voreingenommen ist."