Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 49.
Donnerstag, den 10. März.
1898.
feit wirst Du keine ungünstigen Schlüsse über Deine neuen ( Nachdruck verboten.) Kameraden ziehen. Ich glaube übrigens, das Familienleben, die Dienstpflichten und vielleicht auch die Vermögensverhältnisse werden Dich daran hindern, unser Rasino öfters zu besuchen."
8] Am häuslichen Herd.
Roman von Jwan Franko.
Er begann die Leute von der Ferne zu beobachten. Nun, sie geberden sich eben wie Menschen. Gie figen, gehen, sprechen, rauchen und trinken. Das alles ist nichts Außer gewöhnliches. 3war fällt hie und da ein schiefer Blick auf ihu. Nun, was bedeutet das? Ist er doch ein Fremder, heute zum ersten Mal in ihrer Gesellschaft, was Wund er also, daß sie ihn betrachten. Es mag wohl etwas taktlos sein, aber es ist doch nichts schreckliches dabei! Sie halten sich ferne von ihm, keiner kommt auf ihn zu. Doch nein, da kommt Redlich, der eben lebhaft, aber mit sonderbar gedämpfter Stimme mit einigen älteren und jüngeren Offizieren gesprochen
hatte.
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Was sizest Du so einsam da, alter Freund," ruft ihm Redlich mit der früheren Herzlichkeit zu.
Die Eiskrufte, die sich bereits um sein Herz zu bilden beganu, thaute wieder auf.
" Ich bin etwas müde."
"
Das merkt man Dir an. It's für uns Invaliden nicht Zeit, nach Hause zu gehen? Diese übermüthigen Jungen dort Denken noch nicht daran, obwohl es schon elf ist. Aber ich habe morgen früh Dienst, da muß ich mich ausschlafen." Mir hat meine Frau gleichfalls aufgetragen, zeitlich nach Hause zu kommen," sagte der Hauptmann.
"
So gehen wir denn!"
Sie legten ihre Mäntel an. Einige ältere Offiziere näherten sich dem Hauptmann.
„ Du gehst? Schade, daß Du nicht länger bleiben kannst.
Es war uns ein Vergnügen."
Und all' das so fühl, so gezwungen. Kein einziger forderte ihn auf, zu bleiben, kein einziger lud ihn ein, öfters zi tommen. Er fühlte die Eiskrufte von neuem sein Herz einengen. Die jüngeren Offiziere, von Reden, Scherzen und Singen in Anspruch genommen, sagten ihm nicht einmal gute Nacht. Faft mit Thränen in den Augen verließ er das Offizierskasino.
Was soll das bedenten? Jgnak!" wandte er sich zu Redlich, als sie auf die Straße traten.
Redlich ging, sich fester in seinen Mantel hüllend, düster und schweigend neben ihm her und schien die Frage nicht zu
verstehen.
" 1
Was meinst Tu damit?" fragte er endlich.
" Was ist geschehen, daß fie plötzlich alle wie umgetauscht waren? Erst Jubel, Herzlichkeit, Freundschaft und gleich darauf Zurückhaltung, Steifheit, Geflüster, schiefe Blicke..." " Was fällt Dir ein, Anton?" rief Nedlich. Ich habe nichts derartiges bemerkt."
"
Das
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Mag sein," gab der Hauptmann etwas unwillig zur Aber. Du weißt ja, wie ich das gesellige Antwort. Leben liebe. Da drüben in Bosnien habe ich soviel Langeweile gekostet, habe so viel gelitten und mich so viel geplagt, daß ich jetzt gern im Kreise der Kameraden meinen Geist erfrischen möchte."
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" Ich zweifle, ob es Dir gelingen wird," erwiderte Redlich. Von unseren ehemaligen Kameraden sind nur wir beide da. und diese Neuen, weißt Du, ich verkehre auch wenig mit ihnen." ,, Und sie sagten mir doch, daß Du jeden Abend dort bist,"
fagte" etivas spißig der Hauptmann.
,, Nun, das muß einer gesagt haben, der gern übertreibt. Im Gegentheil, ich komme recht selten hin. Die feinen Herren spielen hoch, trinken die ganze Nacht und der arme Teufel fann mit ihnen nicht Schritt halten. Weißt Dut, Anton," sagte er endlich, sich mit großer Wärme an ihn wendend, ich. rathe Dir aufrichtig, mach's so wie ich und trachte so selten als möglich ins Kafino zu kommen."
betrachtete die hohe aufrechte Gestalt Redlich's, der ganz verDer Hauptmann blieb mitten auf der Straße stehen und legen seinen Blicken auswich.
" Das verstehe ich nicht, Ignatz! Erst hast Du mir be weisen wollen, wie alle in jeuriger Liebe für mich entbrannt sind, und nun redest Du mir zu, daß ich so selten als möglich mit hnen zusammenkomme."
Redlich herauszuwinden.„ Uebrigens wenn Du so reich bist, wenn Du so viel Geld zu verlieren haft..." In diesen Worten Redlich's lag etwas, was den Hauptag etiba mann sehr unangenehm berührte.
Weil Dich das zu viel kosten würde," versuchte sich
" Iguat!" rief er, für wen hältst Du mich? Bin ich etwa ein Räuber,.cin Falschmünzer oder ein entlaufener Kassirer, daß ich Geld zum Verlieren hätte?"
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Nun, hast Du es nicht, was liegt Dir daran, ob sie Dich bitten, ins Kasino zu kommen oder nicht? Du wirst ohnehin nur selten kommen können. Du hast ja schon hente so viel Geld springen lassen, daß Deine Frau..." Was die Frau zu sagen hat, das wird sie auch ohne Dich " Nun, nun, genug der Gardinenpredigt, alter Freund! sagen. Nun aber genug über diesen Gegenstand. Wir sind vor meiner Wohnung. Weißt Du, Iguaz, ich will hoffen, Du erweist mir die Ehre und besuchst mich mal in meinem Familienneft?"
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Mit großem Vergnügen!" sagte eilig Redlich.„ Zwar habe ich bisher Deine Frau nicht besucht... Die Gründe brauche ich Dir wohl nicht auseinanderzusetzen.
„ Geh', geh', alter Sünder! Du solltest Dich schämen, so etwas zu erwähnen," unterbrach ihn der Haupmann. Nun aber jetzt, da Du hier bist und mich aufforderst..
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Du hast ihr verändertes Benehmen nicht gemerkt? ist sonderbar! Doch auch Du hast Dich verändert!" Bilde Dir nichts ein, mein Lieber! Es entstand eine gewisse Abkühlung, es ist wahr, als wir erfuhren, daß die Tochter unseres Obersten gestorben ist. Ein wunderschönes " Ohne Umstände, ganz ohne Umstände! Komm' zu mir, Mädchen. Alle jungen Offiziere waren sterblich in sie verliebt." " So?!" rief der Hauptmann. Warum sagtest Du das so oft Du Zeit und Lust haft, wie zu einem alten Kameraden." Redlich drückte herzhaft die Hand des Kapitäns, salutirte nicht gleich? Und ich, der schon nachzudenken begann, ob ich nicht jemand beleidigt, daß mich alle so zu meiden anfingen.." und einige Sekunden später war er im Dunkel der Nacht ver schwunden. Aber wo dentst Du bin? Ich kann Dir versichern,- was Deine Person betrifft"... Redlich sprach diese Worte unwillkürlich mit besonderem Nachdruck alle sind darin einig, daß Du ein musterhafter Offizier, ein tüchtiger Kamerad und ein herzensguter Junge bist."
"
Denten sie wirklich so von mir?" rief der Hauptmann freudig bewegt.
"
Mein Ehrenwort darauf. Du kannst es mir glauben!" " Aber weißt Du, eine Sache nimmt mich wunder. Als ich wegging, hat mich niemand gebeten, wiederzukommen."
Tas ist nicht Gitte bei uns. Das versteht sich ja von selbst, daß ein jeder kommt, wann er Zeit und Luft hat."
" Nun ja, aber einen liebenswürdigen Kameraden bittet man schon aus Höflichkeit, daß er länger bleibt und öfters
tommt."
Bagatelle, Bruderseele! Ich hoffe, aus so einer Kleinig
V..
A propos, Angela, da sehe ich die Visitkarte des Barous Reuchlingen, was war das für eine Geschichte, die Du mit ihm gehabt hast?"
Der Hauptmann und Angela saßen im Salon und sprachen über Verschiedenes. Angela, die mit einer Handarbeit bes schäftigt war, erzählte ihrem Manne von ihrem Leben, von den Kindern, von dem alten Kurter; der Hauptmann hörte zu, indem er gleichzeitig mit den auf der silbernen Platte vers streuten Visitkarten spielte. Plötzlich fiel ihm auf einer eles ganten glänzenden Karte der Name:" Waldemar Baron von Reuchlingen", in die Augen und er erbebte, als hätten seine Finger eine Brennessel berührt.
" Ich, eine Geschichte mit Reuchlingen?" wiederholte Angela langsam und ruhig, als suche sie etwas in Gedanken