Anterhaltimgsblatt des Dorwärls Nr. 52. Dienstaq, den 15. Marz. 1898. (Nachdruck verbaten.) nj Ain hÄuslirhcn Herd. Roman von Iwan Franko . Aber was hätten wir jetzt von der Pension? Würde sie zum Leben und zur Erziehung der Kinder reichen?" O ja, wir hätten hinreichend genug/ rief Angela,ich habe schon alles überdacht und genau berechnet. Und soll ich Dir noch ein Geheimniß enthüllen?* Sprich, sprich. Du kleiner Eigenwille!* Ich habe schon ein passendes Besitzthum in Aussicht.< liegt im Gebirge und nicht weit entfernt vom Städtchen, wo die Kinder die Schule besuchen könnten. Es enthält Wirthschaftsgebäude, ein sehr anständiges Holzhaus, dreißig Joch Ackerfelder, darunter drei Joch Garten, dann noch dreißig Joch wunderbare Gebirgswicsen und hnudertfünfzig Joch Weide nebst einem kleinen Wäldchen. Ein reizendes Land gütchen, wie geschaffen für uns. Und weißt Du, was ei koster?" Ter Hauptmann schaute verwundert auf seine Frau. Die ungewöhnliche fieberhaste Aufregung, mit der sie sprach, beunruhigte ihn um so mehr, als ihr Plan ihm anfangs ganz Phantastisch und ihrem praktischen Geiste ziemlich fremd schien. Doch wollte er ihr nicht widersprechen, da er hoffte, daß sie später, wenn sie ruhiger geworden, selbst ihren Plan mit kritischen Blicken prüfen würde. Weißt Du auch, wieviel diese Perle kostet?* Fünf tausend Gulden! Sage fünftausend! So viel ist es unter Brüdern werth. Auf diesem Grundstück kann man Weidevieh halten; im Sommer könnte man vom Nachbars - gute einen ungeheuren Weideplatz für billigen Preis dazu pachten, 20 Slück Ochsen aufziehen und noch zehn Schober Seu übrig Hadem Ich sage Dir, Anton, das ist ein wahrer chatz!* Und als der Hauptmann sie schweigend immer fester an- blickte, begann sie eilig und vor Erregung zitternd weiter zu reden:Du wirst den Dienst quittiren, wir bekommen die Kaution, kaufen die Realität und ziehen sogleich aufs Land. Die Kinder nehmen wir mit. Ich habe Verwandte in Wadowice , dort»verden sie unter gutem Schutze sein und die Schule be- suchen können. Deine Pension wird anfangs als die Wirth- fchaftseinlage verwendet werden, und wenn wir es dann zu etwas bringen, werden wir kleine Ersparnisse davon haben. Nicht wahr?* «Ja, ja,' erwiderte mechanisch der Hauptmanm Du billigst also meinen Plan?* Vollständig.* Und bist einverstanden?* Mit ganzem Herzen.* Das ist vortrefflich! Wunderbar! Wie liebe ich Dich da- für!... So geh ins Schlafzimmer, dort findest Du auf meinem Schreibtisch Tinte, Feder und Papier schreib so­gleich das Gesuch an das Generalkommando." Was für ein Gesuch?* Nun, das Gesuch um Dienstentlassung." Wie? Das soll gleich geschehen?" fragte erstaunt der Hauptmann. Du bist doch mit meinem Plan einverstanden.. Ja, das wohl, aber es brennt doch nicht! Was haben wir so zu eilen? Die Realität läuft uns doch nicht davon, übrigens wer weiß, ob sie uns gefällt. Man müßte einen Sachverständigen dazu haben, und in einigen Wochen kann ich avanciren, und dann beziehen wir eine höhere Pension." Ah so!" sagte Angela beinahe weinend,Deine Be- förderung, die elende Gehaltserhöhung liegt Dir also mehr am Herzen als meine Ruhe, meine Gesundheit, mein Leben! So sind alle Männer! Ich liebe Dich, ich liebe Dich, heißt es immer wieder. Aber gilt es, diese Liebe zu beweisen, dann findet ihr gleich Ausflüchte, Rücksichten, Argumente!" Du bist ungerecht, Angela!" erwiderte ernst der Haupt- mann,Gott ist mein Zeuge, daß ich alles für Dich thun möchte, und wenn ich aus die Beförderung warten möchte, so geschieht es, um Dein und der Kinder Loos besser zu sichern. Uebrigens, wenn Du es durchaus haben willst..." Ja, durchaus, durchaus! Thue es mir zu Liebe!" Gut, so will ich gleich das Gesuch schreiben!" Und mit einem resignirtcn Ausdruck in den Zügen begab sich der Hauptmann ins Schlafzimmer. VI. Kaum hatte er sich entfernt, als an der Thüre das leise, uns schon bekannte Klopfen ertönte, und gleich darauf vorsichtig die TKüre öffnend Frau Julie hereiutrat. Guten Tag, Angela," sagte sie mit halblauter Stimme. Angela, die sich von dem eben Durchlebten noch nicht er- holt hatte, und kraftlos, bleich, beinahe bewußtlos dasaß, sprang heftig empor, als sie diese Stimme hörte, und rief er- schrocken: Ah, da bist Du! Nun, was giebt's?" Wir sind verloren!" sagte Julie ganz gebrochen auf einen Stuhl sinkend. Was ist geschehen? Sprich!* Ach, ich kann nicht. Mir fehlt der Athem. Da hast Du, lies!" Und sie reichte Angela ein Zeituugsblatt, auf dem mit blauem Stift folgende telegraphische Nachricht verzeichnet stand: Budapest , den 10. Dezember. Heute verhaftete man hier auf telegraphische Reklamation der Lemberger Polizei einen ge- wissen David Sternberg, der erst mit dem Eilzuge aus Kon- stantinopel angekonimen ivar. Sternberg gab sich als Kauf- mann aus, der nach dem Osten handelte. Was für Verdachts- Momente dieser Verhaftung zu gründe liegen, ist unbekannt. Sternberg soll unverzüglich nach Galizien eskortirt werden." Angela las lange, furchtbar lange dieses Telegramm. Sie hatte bei jedem Worte die Empfindung, als schlucke sie einen Ziegelstein, an dem sie ersticken müsse, so daß sie nicht mehr im stände sein werde, das nächste Wort zu lesen; und als sie am Ende angelangt war, da schien es ihr, daß sie kein Wort davon verstand, daß alle Worte aus der Reihe ge- treten und wie aufgescheuchte Mäuse im Käfig auseinander- gelaufen waren, in ein Chaos vermengt, aus dem kein Sinn herauszubekommen war. Eine unüberwindliche Lust überkam sie, das Telegramm nochmals zu lesen, und dann wieder ein- mal, so lange bis sie es auswendig könne, und gleichzeitig entstanden Zweifel in ihrer Seele, ob das Ganze nicht gar ein Traum war, einer von jenen fürchterlichen Träumen, die sie in letzter Zeit so häufig zu quälen pflegten. Was denkst Du darüber?" fragte Julie. Was ich davon denke?" wiederholte Angela halb ab- wesend.WaS ich davon denke?' wiederholte sie nochmals, die betreffende Zeitungsstelle mit dem Finger bezeichnend und lang- sam ihre gewöhnliche Sicherheit wiedergewinnend.Ich denke, das Ganze ist eine Dummheit...." Was? Eine Dummheit? Sternberg's Verhaftung eine Dummheit?"... Nun, Sternberg hat doch verschiedene Geschäfte gehabt und konnte bei jedem ausgleiten! Das liegt doch im Bereich« der Möglichkeit; so muß also seine Verhaftung nicht noth- wendig mit unserer Angelegenheit im Zusammenhang stehen." Sie muß es nicht das ist wohl wahr," erwiderte Julie, aber ich fürchte, daß es doch so ist. Weshalb hätte er sonst aus Philippopel telegraphirt?" Das war dumm von ihn, denn damit hat er sich nur verrathen, hat der Polizei angezeigt, wo sie ihn suchen soll." In der That! Mein Gott, welche Unvorsichtigkeit!* rief Julie. Aber, weißt Du" sprach Angela lebhaft weiter dieses selbe Telegramm ist für mich zugleich ein Be- weis, daß die Verhaftung Sternberg's mit uns nichts zu schaffen hat." Wie meinst Du das?" So: Die Polizei fahndet nach Sternberg.' Sie hat also einen bestimmten Verdacht auf ihn hat auch schon einen Leitsaden in derHand, der sie auf die Spur seiner Missethat führen soll.Würde es sich um unsere Angelegenheit handeln, so hätte uns schon längst die Behörde einer Revision unterzogen, mau hätte ein Protokoll mit nns aufgenommen." O Gott!" schrie Julie auf, die bei der bloßen Erwähnung des Protokolls einer Ohnmacht nahe war. Beruhige Dich!" sagte Angela,ich Ibeweise Dir aber, daß Deine Befürchtungen unbegründet find/.-