Unterhaltungsblatt des Vorwärts

Str. 125.

Mittwoch, den 29. Juni.

( Nachdruck verboten.)

21] Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1525. Von Robert Schweiche L.

Um die Freiheit.

Unterdessen hatte sich auch ihr Begleiter dem letzteren zu gewandt und Gabriele erkannte überrascht den Junker Zeisolf von Rosenberg. Diese Ueberraschung währte jedoch nur einen furzen Augenblick; denn sie erinnerte sich, daß der Junker ein Neffe der Schwester Lamperta war und daß dort, wo der nördliche Flügel des Kreuzganges an die Stadtmauer stieß, in dieser ein Pförtlein sich befand um den losterleuten den weiten Umweg durch die Stadtthore zu ihren Beinbergen im Tauberthal zu ersparen. Ein etwas ironisches Lächeln züngelte um den stolzen Mund Gabriele's, wie sie dem Gruße des Junkers dankte, der mit mehr Anstand sich verneigte, als seine untersette Gestalt vermuthen ließ.

1898

Er war betreten; aber er rief, seine Verlegenheit brutalisirend: Nun ja, zum Teufel, ich mußte es Euch sagen, daß Eure Schönheit es mir angethan hat."

Sie zog stumm die Schultern in die Höhe und wollte sich entfernen. Er streckte die Hand aus, um sie daran zu hindern. Ein eisig stolzer Blick ließ ihn davon abstehen. höret mich an!" rief er. Ihr müsset mich hören, schöne Gabriele; denn beim Satan, ich bin rasend in Euch verliebt!"

,, Könnt Ihr's nicht noch lauter herausschreien, so daß es das ganze Kloster hört?" fragte sie und ihre weiße Stirn faltete sich zornig unter der Pelzverbrämung ihres Sammtbaretts. Was schiert's mich?" rief er etwas weniger laut. Meinetwegen mag es die ganze Welt wissen-" Daß Ihr ein Narr seid," zischte es von ihren Lippen wie ein Pfeil durch die Luft.

-

Er prallte zurück. Gleich darauf aber sagte er: Im Gegentheil, ich war nie vernünftiger als jetzt. Bei meinem Schutzpatronum Eure allerliebsten fleinen Ohren nicht wieder mit seiner höllischen Majestät zu beleidigen bei meinem Schuhpatron, ich lieb' Euch, schöne Gabriele." Nun schien er sie zu belustigen. Denn sie spottete: Das muß ein sonderbarer Heiliger sein, der den wilden Junker von Rosenberg in Schutz nimmt!"

" Du kommst gerade zur rechten Zeit, um mir beizustehen," nahm Schwester Lamperta wieder das Wort. Ich mußte diesem bösen Menschen eine Strafpredigt halten. Du wirst Dich meines Neffen noch aus der Zeit erinnern, in der Du als fleiner Wildfang im Kloster umherflattertest. Aber sehen wir uns, Kindchen!" Sie setzte sich auf eine der dunkelbraunen Es schmeichelte ihm sichtlich die Bezeichnung, die sie ihm Eichenbänke, die in dem Kreuzgange standen, und Gabriele gab. Er faßte die beiden Feuerflammen seines Bartes zu folgte ihrer Einladung. Er ist ein hartgejottener Sünder, man sammen und ließ sie durch die Hand gleiten, während seine glaubt es kaum," spann die ehrwürdige Schwester ihren Faden Augen heiß auf ihr ruhten, und er murmelte: Ich glaube weiter, indem sie ihre Aeuglein wie mit der Zärtlichkeit wahrhaftig, es ist keine eitle Mär, daß der Teufel zuweilen einer schwachen Mutter auf den Junker richtete. Ich habe die Gestalt eines schönen Weibes annehme, um uns toll zu ihm zugeredet, daß er die Buße an den Rath zahle; aber er machen." will nicht. Hilf mir, ihm zureden."

" Jch?" fragte das Mädchen mit kühlem Befremden. Es wäre ein christlich Werk; denn er stirbt auf Helden­bergstedten vor. Langerweile und Sehnsucht," seufzte luchend die Nonne.

"

So schlaget ein Kreuz, wenn Ihr es noch nicht ver­fernt habt, und der Sput verschwindet," höhnte sie abermals. ,, Daß ich der Narr wäre, den Ihr mich scheltet," rief er mit dumpfer Leidenschaft. Solch' schönen Teufel halt' ich fest, und halt' ich ihn einmal, so weiß ich auch, daß er sich aus Die schöne Gabriele zudte gleichmüthig mit den Schultern. meinen Armen nicht wieder fortwünschet." Zeisolf von Rosenberg starrte sie aus seinen etwas wässerigen Wenn Ihr ihn haltet," erwiderte sie mit einem her Augen an und zwirbelte an einem rothen Bart, der ihm ausfordernden Blick. Aber lassen wir ihn und die Heiligen! über den Mund hing. Seine Muhme aber rief noch heiterer: Beide schäßen Eure Schwüre nicht schwerer denn eine Flaum­ Die Mutter Gottes sei gepriesen, daß ich nie schön war. feder, und so thue auch ich."

Ich würde sonst so grausam sein, wie Du, meine holde Sie wollte gehen. Er aber vertrat ihr den Weg und Blume." schnaufte: Wenn Ihr meinen Worten nicht traut, so will ich Euch durch die That beweisen, daß ich Euch liebe. Was ver­langer Jhr? Fordert, ich gehorche! Soll ich die verdammte Stadi an allen vier Ecken mit Feuer anstoßen und mitsammt dem Rath verbrennen?"

Das schöne Fräulein darf nicht glauben, daß ich eigen­finnig bin," räusperte sich der Junker. Jah habe meine guten Gründe."

,, Ueber die mir ein Urtheil nicht zusteht," lehnte Gabriele seinen Versuch einer Rechtfertigung ab.

,, Nein, aber die edle Jungfrau verkennt mich." " Da ich Euch nicht kenne, Herr von Rosenberg, so kann ich Euch auch nicht verkennen," antwortete Gabriele falt. " Ihr thut's dennoch," murrte er.

hr brauchet auf mich keine Rücksicht zu nehmen, Kinder, fechtet Euren Strauß nur aus," bemerkte die Nonne gemüthlich. " Ich hab's gern, wenn die Jugend sich neckt." Gabriele's be- i fremdeter Blick glitt an ihrer unschuldsvollen Seele ab. Also sie verkennt Dich, Neffe? Aber war das nicht Schivester Beate, die den Kopf aus dem Refektorium herein steckte?" Damit erhob sie sich, watschelte nach dem Refektorium, dessen Thür sie öffnete und hineinsprach, wie es schien. Ich tomme gleich wieder," rief fie laut zurück und verschwand.

Gabriele, die ihr mit den Augen gefolgt war, trauste die feinen schwarzen Brauen. Worin also verkenne ich Euch?" fragte sie gedehnt.

Darin, daß Ihr das Recht und die Macht Eurer Schön heit über mich mißkennt!" rief Zeisolf von Rosenberg auf­flammend.

"

Die schwarzen Augen Gabriele's öffneten sich weit. Jener fuhr leidenschaftlich fort: Das ist die Wahrheit. Ich erinnerte mich Eurer wohl noch aus den Klosterjahren. Aber dann fah ich Euch am Dreikönigstag und wie Ihr über den Markt rittet. Sturm und Hagel, seid Ihr eine Schönheit!" Er schlug sich mit der Faust so start auf die Brust, daß der Harnisch, den er unter dem Mantel trug, dumpf erdröhnte.

Es flog wie Feuerschein über Gabriele's Gesicht. Dann lachte sie leise auf und spottete, indem sie sich erhob: Um Eure Beichte zu hören, ward ich also herbeschieden?"

,, Wie?" rief sie berächtlich, seid Ihr so zag, daß ich Euch zum Vorwand dienen soll, Euch zu rächen?"

Wenn das ein anderer Mund als der Eurige gesagt hätte, Hölle und Teufel," polterte er und seine Hand um frampfte den Griff seines Schwertes. Ihr habet wohl keine Feinde?" ,, nd wenn, was dann? Wer hätte keinen?"

mehr

auf.

So nennt ihn, wer es auch sei, und er lebt nicht

Die Augen der schönen Gabriele flammten unheimlich Aber sie blieb stumm. an 2

Den Namen!" drängte er. " Genug!" rief sie mit einer gebieterischen Bewegung ihrer Hand. Lasset Euch von Eurer Muhme, der Schwester Lam­perta, unterweisen, wie man um Frauenliebe wirbt."

Sie rauschte davon, und der wilde Zeifolf starrte ihr wie an der Stelle eingewurzelt nach. Gleich darauf fam Schwester Lamperta aus dem Refektorium zurück und that verwundert, als fie Gabriele nicht mehr fand. Schon fort?" fragte sie. ,, Aber Du hast sie gewonnen?"

"

Der Ritter ließ die beiden Zacken seines rothen Bartes langsam durch beide Fäuste gleiten. Dann fagte er mit dumpfem Groll: Aber ich werde sie gewinnen, bei allen Teufeln!"

"

Die fromme Schwester schlug ein Kreuz. Die heilige Jungfrau verzeihe Dir Dein greuliches Fluchen, Neffe. Du bist also Deiner Sache gewiß? Gott sei gelobt! Aber es ist auch die höchste Zeit, daß Du Dein wüstes Wesen abthust, und das Geld kannst Du wahrlich auch brauchen. So er zähle doch!"