Unterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 226.

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Sonntag, den 20. November.

( Nachdruck verboten.)

Neu- Karthago .

Roman von Georges Eekhoud .

1898

Herr Laurent, Sie sind wohlhabend, besitzen eine ge diegene Bildung und haben alle Aussicht, noch einmal ein hübsches Stück Geld von reichen Verwandten zu erben, Sie haben also allen Anspruch, eine Parthie zu machen, die Ihres Vermögens und Ihrer Erziehung würdig ist.. Und Er sah die Zukunft in lachendsten Farben und schritt was würde denn auch Ihre vornehme Familie dazu sagen? frohgemuth durch den Tilbak'schen Laden, um sich sofort in Man würde doch zweifellos Siska den Vorwurf machen, daß das Hinterzimmer zu begeben. Er fand die ganze Familie sie Ihnen ihre Tochter aufgedrängt hat und sie als Intrui um den Tisch versammelt, zwar wunderte er sich nicht wenig, gantin und elenden Eindringling über die Achsel ansehen. daß sie alle so verstört und kleinlaut dreinschauten, aber ehe ,, Nun hören Sie aber auf!" rief Laurent. Nehmen Sie er noch nach dem Grunde der Verstimmung fragen konnte, doch Vernunft an, Vincent! Um meine vornehme Verwandt­hatte ihm Tilbak nach dem Laden gezogen und begann, nach- schaft schere ich mich keinen Pfifferling! Schade, daß Sie nicht dem er sich verlegen geräuspert hatte: Ja, Herr Lorti, wir mit ansehen konnten, wie mich Herr Dobouziez eben abgefertigt haben uns wohl oder übel zur Auswanderung entschließen hat. Alter und Mißerfolge haben den Mann nicht liebens­müssen, wir wollen nach Buenos Aires !" la würdiger gemacht. Sch gehöre nicht mehr zu diesen Laurent glaubte seinen Ohren nicht trauen zu dürfen. Leuten, ich schulde ihnen nichts und habe das legte ,, Aber, lieber Vincent, machen Sie doch keine faulen schwache Band, das uns noch zusammenhielt, zer­rissen. Und dieser Verwandtschaft, die mich verleugnet, soll ich mein Herzensglück opfern? Das ist doch nicht Ihr Ernst, Vincent? Nein, Siska wird gewig vernünftiger sein...."

Geben Sie sich keine Mühe, Herr Laurent! Es hat gar feinen Zweckt, und es ist besser, Siska das Peinliche zu er sparen, für meine Weigerung noch gewichtigere Gründe anzu­führen."

Wite!" Nein, es ist mir heiliger Ernst! Ich habe schon heute morgen bei Herrn Béjard meine Passage bezahlt. Wir müssen bald ans Abschiednehmen denken. Seit Monaten geht mir die Sache schon im Kopf herum. Hier ist für uns nichts mehr zu holen. Mit dem Geschäft geht's immer weiter zurück, wir können faum noch das bischen Brot verdienen. duits 396 Mit diesen Runners", die die Matrofen beim Einlaufen Meinetwegen! Aber wenn Sie auch ein falsches Ehr­in die Schelde abfangen, um die betrunkenen, willenlosen gefühl hindert, mich als Schwiegersohn zu akzeptiren, mich. Burschen in ihre Lasterhöhlen zu verschleppen und sie dort der ich Henriette auf den Händen getragen hätte, dann liegt schamlos auszuplündern, fann der Kleine Geschäftsmann nicht doch immer noch kein Grund vor, mein Geld zu nehmen und fonfurriren, wenn er nicht zu ihren verworfenen Geschäfts- die Auswanderungspläne aufzugeben." Iniffen seine Zuflucht nehmen will. Und ehe ich das thue, Nochmals besten Dant, Herr Laurent! Aber wir will ich lieber gleich der Verbrecherzunft beitreten. de brauchen ganz und gar nichts.. Ich muß Ihnen noch Und um das Unglück voll zu machen, hat man jetzt auch sagen, daß Ihr guter Freund Jan Vingerhout, der Baes" noch mit Dampf betriebene Lichterschiffe eingeführt, sodaß ich der Amerifa", uns begleitet. Er hat sein bischen Hab und mein Boot als Brennholz verkaufen kann. Und was foll erft Gut zu Gelde gemacht und will in einem anderen Amerika sein gar aus unseren Söhnen werden? Unsere großen Handels- Glück versuchen." häuser beschäftigen ja fast mur noch deutsche Volontärs. Die ,, Ach, nun ist mir alles flar!" fuhr Laurent auf. Das Herren Daelmans Deynze und Bergmans, die noch ein Herz ist der Schwiegersohn, den Sie für Henriette im Auge für ihre Landsleute haben, können allein alle die Arbeits- haben.

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suchenden nicht beschäftigen. So geht's eben nicht weiter!" Ja, freilich! Weshalb sollt ich's leugnen? Jan ist Und deshalb haben wir beschlossen, anderwärts unser Glück unfersgleichen und ein braver Sterl, den Sie zu allererst ge­zu versuchen; gelingt's uns dort auch nicht, dann haben wir würdigt haben... Ja, Herr Paridael, ich möchte Sie sogar wenigstens alles versucht, uns ehrlich durchzuschlagen." um einen großen Dienst bitten. Unser Freund hat keine Ahnung davon, daß Henriette Ihnen gut ift, thum Sie mir den Gefallen und sorgen Sie dafür, daß ihm die Sache auch fernerhin verborgen bleibt..

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Zilbak erleichterte sein Herz durch einen fräftigen Fluch. " Nein, nein!" rief Laurent, Sie werden hübsch hier bleiben, lieber Freund. Jetzt freue ich mich doppelt, daß mich der Zufall gerade heute hierher geführt hat. Seit hente bin Nein, das ist zu viel verlangt!" unterbrach ihn ich ein reicher Mann, Verehrter. Ich bejize mehr als genug. Laurent. ,, Am Ende wünschen Sie noch, daß ich mich, um Ihnen und den Ihrigen zu Hilfe zu kommen. Ich habe um die Durchführung ihrer Pläne zu ermöglichen, von hier mehr als dreißigtausend Franks, die ich Ihnen zur Ver­fügung stelle. An meiner Freundschaft haben Sie doch hoffentlich nie geziveifelt, thum Sie mir also den Gefallen und hören Sie mit der Lamentirerei auf. Und wenn es Ihnen peinlich ist, von einem Freunde Geld zn nehmen, so werden Sie doch sicher dem Sohn Sista hat mich ja immer als ihren ältesten Sohu betrachtet oder, wenn es Ihnen lieber ist, dem Schwiegersohn gestatten, Ihnen zu helfen... betrachtet! Das Gold allein trennt oder vereint! The alle Vincent, ich bin eigentlich gekommen, Sie unt Henriettens Hand zu bitten..it

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Tilbak zog den jungen Mann an sich und sah ihm lange in die Augen.

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Henriette haffen ließe!" Und innerlich dachte er zu arm für Gina und zu reich für Henriette". Damn fuhr er bitter fort: Mein lieber Tilbak, Ihr seid in Antwerpen alle dieselben! Bei Euch gilt einzig und allein mur die Geldfrage. Mein würdiger Better Dobouziez würde Ihnen rücksichtslos recht geben. Gefühlsleben und Herzenssachen existiren für Euch nicht, es wird alles nur von dem Standpunkt des Krämers

habt an Stelle des Herzens eine Sparbüchse. Ich hätt' mir's nicht träumen lassen, daß die Tilbak's nicht besser wie die andern wären! Bin ich denn immer und ewig dazu ver­urtheilt, allein und unverstanden zu bleiben? Soll ich stets als Ausgestoßener bei seite stehen, dem nie ein gleichgesinnter Freund begegnet?"

Das bittere Weh, das ihn schon seit dem Morgen be­drückte, stieg heiß in ihm auf; er fant auf einen Stuhl, barg den Kopf in die Hände und schluchzte wie ein Kind.

Der Stimmentärm hatte Sista herbeigelockt, sie hatte, an der Thür stehend, Laurent's lehte Worte mit angehört. Jest trat sie heran und suchte den Weinenden durch mütter­liche Zusprache zu beruhigen.

Besten Dank, Herr Laurent! Ihr Auerbieten rührt mich .nicht weniger als Ihr Antrag, dem wir leider nicht Folge geben tönnen. Meine Frau ist sich seit langem schon über Henrietten's Gefühle im Staren und hat es an Mühe nicht fehlen lassen, diese aussichtslose Neigung, die in dem Herzen meines Kindes auf feimte, zu bekämpfen. Ja, ich will ganz offen sein: diese Liebe wurde für uns ein Grimd mehr, unsere Abreise zu be schleunigen.... Es thut uns allen hier eine Luftverände­mg noth. Ich kann mir nochmals wiederholen, Herr Laurent, daß diese Heirath ein Ding der Unmöglichkeit ist. Nein so etwas! So von uns zu sprechen! Lieber Selbst wenn ich zustimmte, würde meine Frau nie und nimmer Laurent! Sie werden doch nicht im Zorn von uns scheiden! darein willigen. Sie fennen unsere Sista noch nicht. Sie vor unserer Abreise werden wir uns noch einmal aussprechen, hat über alle diese Dinge ihre ganz eigenen, unerschütterlichen aber heute nicht, Sie sind zu aufgeregt. Und vielleicht gelingt Ansichten; wenn sie einmal sagt, das ist weiß und das ist es mir dann auch, Ihnen über Ihre eigenen Gefühle die Augen schwarz, dann können Sie das Blaue vom Himmel herunter zu öffnen." reden, ohne sie zu überzeugen. Sie find jung, Der ernste Ton, in dem die treffliche Frau die paar