Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 234.
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Donnerstag, den 1. Dezember.
( Nachdruck verboten.)
1898
hatte er es sich angelegen sein lassen, sie in die Arme des Chilenen zu treiben; zu seinem Leidwesen wurden auch hier seine Hoffnungen betrogen, und der chilenische Bundesgenosse erlitt in dem galanten Ehebruchsfeldzug eine empfindliche Schlappe. In der Erkenntniß, daß es ihm nicht ge
„ Verzeihen Sie, Kousine, daß ich auch nur einen Augen- lingen würde, Gina der ehelichen Untreue zu überblick an Ihnen gezweifelt habe! Verzeihen Sie vor allem führen, war Béjard schließlich zu dem Entschluß mein unverantwortliches Benehmen am Nachmittag..
gelangt, sie vor der Welt als schuldig hinzustellen und ,, Ach, sprechen wir nicht weiter davon, ich hatte die dumme verurtheilen zu lassen. So war er im Einverständniß mit Geschichte schon vergessen Nein, Laurent, wenn einer um Vera- Binto selbst nicht davor zurückgeschreckt, in Ausführung Verzeihung zu bitten hat, dann bin ich's. Ich war grausam seines sauberen Planes die fleinen Saint- Fardier's mit ins und herzlos gegen alle, ganz besonders aber gegen Dich, mein Unglück zu stürzen. Die Dinge hatten sich nach Gina's Anguter Laurent!.. Du wirst mir ein milder Richter sein, nahme so entwickelt, daß der Chilene, nachdem er Béjard ich bedarf heute der Schonung und der Nachsicht! Meine über die bevorstehende Zusammenkunft genau unterrichtet Stoketterie habe ich wahrhaftig schwer genug gebüßt! Du hatte, sich mit der einen oder der andern seiner Eroberungen verabscheuft Béjard lange schon, nicht? Aber Du würdest ihn zu Casti begab. noch ganz anders hassen, wenn Du erst seine wahre Natur" An solchen fehlt's ihm nicht, selbst aus den Kreisen der tennen würdest! Er ist unser aller Feind, ein Scheusal im sogenannten guten Gesellschaft," fuhr Frau Béjard fort, denn schlimmsten Sinne des Wortes. Weißt Du, wie's mit dem die Damen aus meinen Streisen theilen meine Abneigung Schiffbruch der„ Gina" war? So gräßlich es auch zu denken gegen diesen verdächtigen Mestizen durchaus nicht. Ich ist, aber ich habe die unerschütterliche Ueberzeugung, daß der brauche erst keine Namen zu nennen. Glücklicher als Cora Elende das Unglück nicht nur voraussah, sondern daß er sogar und Angèle hat sich die dritte Theilnehmerin des galanten darauf rechnete. Er wußte ja doch ganz genau, daß das Abenteuers rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Die Dame Schiff nicht mehr feetüchtig genug war, um eine lange Fahrt hat keine Ahnung davon, daß sie ihre Rettung einzig dem Haß auszuhalten!" verdankt, mit dem mich Béjard und sein schurkischer Helfer ,, Nein, nein! Alles, nur das nicht! Es ist nicht möglich, bedenken. Natürlich lag den Beiden alles daran, diese dritte daß er wissentlich all die Menschen geopfert hat! Mein Gott, Dame vor dem Eintreffen der Polizei verschwinden zu lassen, das kann ja nicht sein!" schrie Laurent, den Stopf in die Hände sie hätten ja sonst keine Möglichkeit gehabt, mich in die unbergend, auf. dat saubere Geschichte zu verwickeln. Hatte man mich nicht am " Ja, ich schwör's auf mein Seelenheil, daß er's wußte. Nachmittag in Gesellschaft meiner Kousinen gesehen? Und Er traut mir nicht, er fühlt, daß ich ihn durchschaue, und hatten van Frans, Ditmayr und Vera Pinto nicht die ganze fürchtet sich deshalb vor mir. Er hat Angst, daß ich am Ende Zeit unter unserem Balkon auf Bosten gestanden? Die Szene doch einmal aus der Schule plaudern könnte. Ich weiß auch, bei Casti bildet also klarerweise den Epilog der Intrigue, die daß er und der alte Saint- Fardier die Absicht hatten, Dich im Hotel Saint- Antoine" eingefädelt wurde, und morgen ins Frrenhaus sperren zu lassen, nur meinem Vater hast Du giebt's in Antwerpen mit Ausnahme von meinem Vater und es zu danken, daß der schöne Plan nicht zur Ausführung Dir feinen Menschen, der nicht der felfenfesten Ueberzeugung fam. Wahnsinnig? Ja, wahrhaftig, man fönnte es werden, ist, daß ich mit dem Chilenen ein Verhältniß habe. Und zu wenn man dazu verurtheilt ist, inmitten dieser Gesell- denken, Laurent, daß auch Bergmans die Verleumdung schaft zu leben, und ich wundere mich nur, daß ich noch glauben wird! Und doch ist es nur die Erinnerung an ihn, immer meine fünf Sinne bei einander habe! Ich möchte die mir die Straft giebt, tugendhaft zu bleiben! Ihn allein schwören, daß der häßliche Auftritt bei Casti heute Abend mur liebte ich, und ihn hätte ich heirathen sollen. Meine Eitelkeit der effektvolle Abschluß einer wohlvorbereiteten Komödie war, und Hoffahrt schreckten ihn ab, und als er dann von mir die er in Gemeinschaft mit Vera Pinto, dem Chilenen, den ging, siegte die Eigenliebe über mein wahres Gefühl und ich Du heute Nachmittag auf der Straße gesehen hast, in Szene ließ mich bereit finden, diese traurigste aller Ehen einzugehen. gesetzt hatte!" Um dem, den ich liebte, einen Schabernack zu spielen, habe ich Gina erzählte Laurent des weiteren, wie dieser Vera mich für die Zeit meines Lebens unglücklich gemacht!" Binto sie seit seiner Ankunft in Antwerpen unablässig mit Paridael hatte sich ganz vergeblich bemüht, seine Leiden. feinen Budringlichkeiten verfolgt hatte. Sie hatte ihn oft schaft zu unterdrücken und durch Häufung von Hindernissen, genug abfallen lassen, aber der Mensch ließ sich dadurch nicht die er zwischen sich und seiner Stoufine aufthürmte, unmöglich abschrecken, und so unglaublich es auch flingen mag, er fand zu machen. Vergeblich war er so tief herabgestiegen, daß sie bei seinem Beginnen die aufmunternde Unterstützung Béjard's, nie mehr im stande sein konnte, ihn zu sich emporzuziehen. dem er an stelle Dupoissy's Dienste leistete. Er war zweifellos Er glaubte sich zwar geheilt, in Wahrheit aber wühlte und zehrte ein gut Theil gemeiner und verworfener, als der Mann aus das alte Leiden in seinem Innern mit ungeschwächten Kräften Sedan , und Gina versah sich nichts Gutes aus der gemeinsamen fort; der maßlos heftige Ausfall, zu dem er sich wenige geschäftlichen Thätigkeit der beiden Theilhaber. Stunden vorher hatte hinreißen lassen, ließ über die Natur feiner Gefühle für die junge Frau feinen Zweifel. Und die Ereignisse seines Vagabundenlebens, der Verkehr mit allerlei lichtscheuem Gesindel hatten das Ihrige gethan, die letzten moralischen Bedenken in ihm zu ersticken und ihn unternehmender zu machen.
Béjard's Plan ging darauf hinaus, seine Freiheit wieder zu erlangen, um sich einen zweiten Goldfisch angeln zu können. Seit er ihr Vermögen verpuzt hatte, sah er in Gina nur ein Hinderniß für sein Fortkommen. Da er sich seiner zweiten Frau nicht so bequem entledigen konnte, wie der ersten dort unten, hatte er zunächst in Güte Gina zur Scheidung zu be- Der Bericht der brutalen Handlungsweise Béjard's wedte wegen versucht. Das Interesse für ihr sind wie die Rücksicht in Paridael's Brust eine seltsame Mischung widerspruchsvoller auf ihre gesellschaftliche Stellung hatten Gina gehindert, Empfindungen; ein Theil seines Jchs nahm aufrichtigen Anfeinem dringenden Ersuchen zu wiúfahren, sie wäre sonst theil an dem Geschick der unglücklichen Frau und empörte sich gewiß die erste gewesen, die Trennung dieser unleidlichen Ehe gegen solch ein Uebermaß an Niedertracht und Gemeinheit, zu wünschen. Angesichts ihrer Weigerung versuchte es Béjard mit der andere dagegen brannte vor Begierde, das Beispiel Drohungen, und als auch dieses Mittel nicht verfing, machte er sich Béjard's nachzuahmen, die Frau zu schlagen und fein Gewissen daraus, der Drohung die That folgen zu lassen sie noch barbarischer zu mißhandeln als vorhin auf und seine Frau mitleidslos zu mißhandeln. Als er dann eines Tages wieder die Hand gegen fie erhoben hatte, war Gina, zum Aeußersten gereizt, mit dem Messer auf ihn los gestürzt mit der Drohung, ihm den Stahl in den Leib zu rennen, wenn er Miene mache, sie zu schlagen. Der Feigling hatte sich das gesagt sein lassen: Gina hatte fortan Ruhe vor ihrem Beiniger, aber Béjard sann dafür auf nicht weniger verwerfliche Mittel, den Widerstand seiner Frau zu brechen. Zunächst
dem Korso". Nie waren Sie unvereinbaren Gegenfäße dieser komplizirten Natur so schroff und unvermittelt zum Ausdruck gekommen wie eben jept.
Nach einem langen Schweigen sagte er zu Gina, deren Hände er fest in den seinen hielt:„ Du liebst Bergmans also noch immer!"
Aus dem Ton seiner Stimme klang ein solches Maß von Trauer und Liebe, daß Gina unwillkürlich den Blick auf ihn