Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 237.

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Dienstag, den 6. Dezember.

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Die Badereife der Familie Hellvik. Von Alfred af Hedenstjerna. Einzig autorisirte Uebersetzung von E. Brausewetter. sich so zu nennen begannen.

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I.

1898

Na und nun hatten sie vor ein paar Jahren ihre ( Nachdruck verboten.) silberne Hochzeit gefeiert. Seine philosophische Würde hatte niemals im Leben Verwendung gefunden, der Magifter" war Gutsbesizer geworden und bedankte sich für den Doktortitel, als mancher versuchte, ihn so anzureden, nachdem die Magister" Das bescheidene, ererbte Vermögen war zu dem heran­gewachsen, was in der einfachen Smaalands- Gemeinde für Es war ein heißer, sonniger Junitag, die Wege be- Reichthum galt. Der Hultuna- Hof war zu einem Gut ge­schwerlich, aber es war der fruchtbarste und wohlhabendste worden, und sein Vieh bekam auf allen landwirthschaftlichen Theil von Schweden , durch den man fuhr. Eine üppige, ab- Ausstellungen Preise, obgleich Albert Hellvik fast noch ebenso wechselungsreiche, schöne Natur. Sie stand in der Pracht des unpraktisch und ebenso unkundig in den Anfangsgründen der Hochsommers, ohne schon etwas von dem frischen Zauber des Landwirthschaft war, wie damals, da er seinen akademischen Frühlings verloren zu haben. Die Hike hatte erst vor einigen Grad errang. Frau Hellvit, die Herrin des Hultuna- Hofes Tagen eingesetzt und war auf so reichlichen Regen gefolgt, nahm alles wahr, während Albert den Vasa- Orden bekam, daß die Landstraßen noch nicht einmal staubig waren. den niemand weniger verdient hatte, als er, was etwas sagen will, aber nicht den Nordstern", der in den meisten Fällen auf der Brust noch minder kenntnißreicher Herren baumelt, als es der Besitzer von Hultuna war.

Unter der Wärme litten eigentlich auch nur die braunen, wohlgenährten Pferde einheimischer Rasse mit schönen, runden Formen, aber ohne jede Spur von Edelblut", sowie Frau Hellvik, die noch runder und ebenso einheimisch war und in dem Wagen zwischen ihrem Mann und ihrem Schwager ein­geklemmt faß. Die übrige Gesellschaft schien in vollen Zügen ein durch nichts gestörtes Dasein zu genießen.

Frau Hellvik, die bereits ihr erstes halbes Säkulum hinter sich hatte, war einmal so schön gewesen, wie eine stumpf­nafige, nicht aristokratische Frau es sein kann; aber nun war wenig davon übrig, außer ein Paar herrlicher, sanfter blauer Augen, aus denen so viel Güte, Neinheit und inniges Wohl­wollen strahlte, daß sie wohl kaum mit einem griechischen Profil und einer wirklich vornehmen" Erscheinung zusammengepaßt hätten.

Nun wollte die Familie ihren ersten Ausflug in die große Welt" unternehmen, die bisher fern von ihnen existirt hatte, nachdem man mehr als ein Vierteljahrhundert darauf gewartet hatte. Frau Hellvik hatte eigentlich niemals etwas davon gesehen, ebenso ihre beiden netten, liebenswürdigen Töchter Anna und Gerda, die im Wagen ihr gerade gegen­über saßen; denn sie hatten ihren nothdürftigen Vorrath an Kenntnissen durch nicht allzu gewissenhafte Gouvernanten er­halten und, trotz ihrer fünfundzwanzig und zweiundzwanzig Jahre, nur dunkle Ahnungen von dem brausenden Leben der Gegenwart, das ziemlich weit von Hultuna seine Kreise zog. Zwischen ihnen saß das Nesthäkchen, die Herbstblüthe, der In die blonden Haare der ziemlich kleinen Dame, deren verwöhnte kleine sechsjährige Karl, der seine Mutter am Nach­Figur durch bedenklich zunehmende Fülle sehr entstellt war, mittag des Lebens überrascht hatte, aber deshalb ebenso will­hatte die Zeit manchen Einschlag von noch lichterem Schimmer kommen war; und auf dem Kutscherbock neben dem alten gewoben, und über ihrem sonnigen Gesicht lag ein eigenthüm Knecht Peter thronte der vierzehnjährige Arel Hellvik, der licher Zug der Festigkeit und Willenskraft, der im Widerspruch die fünfte Klasse der Elementarschule in Irstadt besuchte, stand zu dem fanften Glanz der Augen. Von Natur war sich selbst fleißig anspornte und ein quecksilberiger, dunkel­Frau Hellvit eigentlich alles andere eher als herrschfüchtig, haariger Knabe war mit ziemlich unregelmäßigen und nicht aber sie hatte mun fast dreißig Jahre in einem derartigen gerade schönen Zügen, die aber niemals, außer wenn er Streise gelebt, daß sie zum Besten der Ihrigen wohl selbst die schlief, lange genug in Ruhe waren, daß man sie hätte näher Zügel in die Hand nehmen mußte. betrachten können.

Es geschah, ohne daß ihr Widerstand geleistet wurde. Der Mann an ihrer Seite, Gutsbesizer Albert Hellvit, ein Sprößling einer alten Staufmanns- Patrizierfamilie in einer Kleinstadt von zweitausend Einwohnern, hatte sich schon früh als so unglaublich unpraktisch erwiesen, daß man ihn für die ,, Gelehrtenlaufbahn" bestiminit hatte. Und gelehrt" wurde er auch, wenn man nach seiner glänzenden Promotion urtheilen wolite, die er schon früh gemacht hatte.

Aber nachdem er mit Lust und Liebe Kenntniß- Vorräthe gesammelt hatte, stand er zu seinem eigenen Erstaunen ganz rathlos da, als er sie anwenden sollte.

Die Mädchen und der kleine Karl waren der Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Der Junge hatte ihre fanften blauen Augen, Anna und Gerda waren eine neue Doppelauflage der Emma Landberg, die vor 27 Jahren alle weiblichen Gottheiten des Alterthums aus dem Felde ge­schlagen....

Die Sonne brannte, die Pferde schnaubten, mit weißem Schaum bedeckt, da sie den Wagen einen Hügel hinauf­zuziehen hatten, der steiler als einer der vorhergehenden zu sein schien.

Papa strich fanft Mama's kurze, aber ungewöhnlich fleischige Hand.

Als die Kameraden am Promotionstage jubelten und ganz überselig waren in dem Gefühl, am ersten Ziel zu stehen, ,, Na, möchte die Reise nun so hübsch und nett werden, wo die Welt offen vor ihnen lag, saß Albert Hellvik grübelnd wie Du und die Mädchen es Euch denkt, liebe Emma. Es in einer Ecke und sann darüber nach, was er mun eigentlich wird im Anfang ein wenig ungewohnt sein. Weißt Du, anfangen sollte, und lächelte bei dem Gedanken, wie schön Mama, ich bin fast ein bischen verwirrt!" es wäre, wenn er nun morgen sich wieder hinsezen könnte, um sich für ein noch schwierigeres Examen vorzubereiten.

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Frau Hellvit lachte liebevoll und überlegen. ,, Wann bist Du das nicht, lieber Albert? Aber wir Dann kam der Sommer, die Ruhe und Emma Land- müssen doch auch einmal, wie die Andern, hinaus und uns berg. Eigentlich war sie nur Wirthschafterin", wenn auch ein bischen auslüften. Wir haben es nicht zur Unzeit gethan der Hausherr, der Besitzer des großen Lundby, ihr Onkel war. und bevor wir die Mittel dazu hatten, aber wir können es Magister Hellvik kam dorthin zur Sommerfrische, trant frische nicht verantworten, wenn wir den Mädchen nicht zeigen, daß Milch" und studirte Geschichte und die Klassiker. Enima es auch noch andere Männer auf der Welt giebt, als unsern Landberg wußte nichts von den Klassikern, und von der Thierarzt und unsern Hilfspastor." Geschichte kannte sie nur die baterländische". Sie war über­

Be... be... be... besonders der letzte i...

haupt schrecklich kenntnißlos in Buchgelehrsamkeit, aber uni... ist ein großer T... t... tolpatsch!" gewöhnlich tüchtig in der Hauswirthschaft und verstand es,

Na, mit' n Thierdoktor' s ooch nich ville dicke zu thun, fich im Leben zurechtzufinden. Und dann war sie fernfrisch hätt er doch den Pluto ganz verderwt, als er im Frühling und schön, ihr ganzes Wesen strahlte von Freundlichkeit und de Steingalle hatte." dem Wunsche, allen gefällig zu sein.

Albert Hellvik verstand sich wenig auf das weibliche Ge­schlecht der Gegenwart; das hatte er niemals studirt, aber ihn überkam instinktiv in Emma Landberg's Nähe ein Gefühl der Reinheit und wahren Weiblichkeit, die ihm noch niemals so nahe gekommen war.

Diese beiden Bemerkungen wurden von Onkel Gustav und Peter gemacht, welch legterer ganz ruhig sein altes, ehr­liches, rothsprenkliges Gesicht dem Wageninnern zuwandte und seine Meinung äußerte, was ihm in patriarchalischer Weise gestattet war 5. h. bis zu dieser Fahrt.

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Bieber Peter, ich habe Dir schon gesagt, es schickt