Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 239.
Donnerstag, den 8. Dezember.
( Nachdruck verboten.)
1898
Welche Bäderform werden die Herrschaften vorzugsweise gebrauchen?" fragte eine ältere, sehr vornehme Dame Frau Hellvik.
Die Badereise der Familie Hellvik. den ganzen Körper. Wir sind, Gott sei Lob, nicht krank und
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Von Alfred af Hedenstjerna.
Als später ein junger Mann im wehrpflichtigen Alter und fürchterlich seiner Mutter ähnlich von einem Zimmer oben heruntergekommen und von Frau Berg als ihr Sohn von der technischen Hochschule" vorgestellt war, steckte Onkel Gustav die Daumen in die Westentaschen und murmelte, ohne daran zu denken, daß er nicht mäuschenstill schwieg:
„ Eine f... f... förmliche Men... n... nagerie!" Was willst Du, Emma?" rief er erstaunt, als die Schwägerin voll Verzweiflung seinen Arm drückte.
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Die Kurgäste aßen bei schönem Wetter auf einem überdeckten Balkon, der sich an der ganzen Vorderseite des Gesellschaftshauses in Höhe der ersten Etage hinzog. Als man die Familie Hellvik über den Brunnenplatz auf das Gefellschaftshaus zusteuern jah, ließ man allgemein Messer und Gabel ruhen.
Papa Hellvik sah recht fein aus, die Mädchen waren hübsch, Arel trug eine Schulmüße mit Farben, Onkel Gustav war so elegant, als er nur sein konnte, und Mama war ja immer die beste Mama auf der Welt, aber dennoch lag etwas unbegreiflich Originelles über dem Ganzen.
" Ja, liebe Frau Waller, wir baden alle Formen, nämlich brauchen es gar nicht; aber Sie können sich gar nicht denken, wie schön es für uns sein wird, sich immer rein und sauber zu fühlen. Denn, sehen Sie, bei uns daheim haben wir eine ganze Viertelstunde bis zum See, und man weiß ja, wie die Mädchen sind, wenn man einmal ein paar Kessel warmes Wasser extra haben will!"
II.
Ein paar Tage vergingen, an denen Frau Hellvik stiller und verschlossener erschien, als beim ersten Mittag. Und auch die Mädchen schienen wehmüthig gestimmt zu sein. Dann verschwanden sie plöglich alle drei, ohne daß es von vielen bemerkt wurde; aber Papa Hellvit und Onkel Gustav gingen umher und langweilten sich offenbar sehr. Karlchen weinte regelmäßig jeden Abend nach Mama und den Schwestern, und der junge Arel ließ seinem lebhaften Temperament so freien Lauf und machte so viel Unfug und erregte so viel ergerniß, daß der Bade- Inspektor als eine Art Ordnungsmacht am Blake. schon daran dachte, ihn in Extrazucht zu nehmen.
Beim vierten Mittag nach dem Verschwinden der Damen Hellvik bekam die Kurgesellschaft ein prachtvolles Schauspiel zu sehen; die ganze Familie Hellvik kam in noch nicht gesehener Als sie eintraten, eilte der Badearzt sehr schnell auf sie Gala von der Villa Nr. 7 dahergezogen. Voran ging Onkel zu, stellte sich vor, hieß sie willkommen, verschaffte ihnen Gustav in seinem schnupftabatbraunen Rock, aber mit helleinen vortrefflichen Platz und begann sich sogleich über gestreiften, beunruhigend jugendlichen Beinkleidern und einer die vortrefflichen Eisenwasser in Gesundbrunnen zu ver- Weste, die nach der letzten Wäsche vor sieben Jahren blendend breiten, über die herrlichen Bäder und deren wunderthätige weiß geworden und seitdem niemals benutzt worden war. Wirkungen. Aber Frau Hellvit Yachte sehr mütterlich und sagte so laut, daß man es an den nächsten Tischen hörte:
„ Ach lieber Herr Doktor, deswegen sind wir nicht hergereist. Ist ein Mensch krank, dann soll er zu Hause bleiben, im Bett liegen bleiben und Medizin schlucken. Wir sind hergekommen, um uns zu amüsiren, und ich habe zu Albert und den Mädeln vor etwa einem halben Jahr gesagt: Sind wir nächsten Sommier alle zusammen recht gesund, dann wollen wir nach Gesundbrunnen reisen und uns gütlich thun. Ja, das habe ich gesagt!"
Als sie sich an dem Tisch dicht an dem Balkongeländer niedergelassen hatten, tam Peter schräg über den Brunnenplay. Sobald er seine Herrschaft dort oben siken sah und bemerkte, daß die freundlichen Augen seiner Herrin auf ihn gerichtet waren, nahm er seine Müze ab und rief:
"
Pluto will bardou nich drinke. Se häwe hier gewiß nischt anders, als det elendige Gesundhetswatter!"
Man kicherte an allen Tischen. Die Mädchen neigten ihre blutrothen Gesichter tief auf die Teller herab und die Mama rief hinunter:
Still, Peter! Meinst Du, das schickt sich?" Das Mittagessen erregte Mama Hellvit's mitleidige Verwunderung, je weiter man mit demselben fam.
"
B
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Dann folgten Papa und Mama, Arm in Arm. Papa mit seinem weißen Kinderkopf und seinem schwarzen Gehrock von etwas altem Schnitt sah immer fein aus. Aber Mama sie prunkte in blutrother Seide von solcher Prima Qualität, daß sie für sich hätte stehen können, mit reichen, hellvioletten Federn im Haar und einer dicken, goldenen Kette mit Brillanten- Medaillon um den Hals. Anna und Gerda hatten. reizende, kostbare helle Kleider an. Alles überaus modern.
Hundert Augenpaare richteten sich vom RestaurationsBalkon her auf den strahlenden Aufzug; man fragte einander unruhig, ob es am Nachmittag vielleicht ein größeres Fest gäbe, von dem man noch nichts erfahren hatte, und empfand eine wahre Erleichterung, als man den kleinen Karl in seinem gewöhnlichen Anzug und Arel die beiden bildeten die Arrièregarde mit zersprungenem Mützenschirm mitten in all diesem Staat sah.
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Die Mädchen waren offenbar verlegen und Anna flüsterte: Mamachen!"
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,, Was denn, mein Kind?" " Ich fürchte, nun sind wir zu fein für einen Wochentag" Jun Aber da wurde Frau Hellvik ärgerlich, drehte sich herum und sagte mit einer bei ihr ganz ungewöhnlichen Schärfe: " Das wäre merkwürdig! Erst waren wir nicht fein Du lieber Gott ! Fein und hochmüthig können sie hier genug, und nun, da wir in Seestadt gewesen sind und in sein, und einen anglopen, das verstehen sie auch, als bier Tagen alle Mode- Ateliers auf den Kopf gestellt haben, wenn man gerade vom Nordpol daherkäme; aber an sind wir wieder zu fein! Das will ich nicht noch einmal so' nem Fressen finden sie Genüge. Laß nur den hören! Wenn schon, denn schon!" Salat, Albert, der ist verdorben. Sie, Mädchen Da sie ihres Toilettensieges auf der ganzen Linie sicher Ach so, na Fräuleinchen, nehmen Sie es man nicht übel war, strahlte sie am Nachmittag in bester Laune, ließ sich die Sauce da, die wir zu den Lachsforellen bekamen, die durch den Doktor und Frau Waller Personen zur Rechten taugt nichts; die paßt höchstens zu Maränen, wenn sie und Linken vorstellen oder stellte sich auch selbst vor und gut gekocht werden, natürlich. Zu Lachsforellen gehört eine machte, wie sie es auch an die Probstin daheim schrieb, biele ganz andere Sauce, und sagen Sie der Köchin, daß ich gern vortreffliche Bekanntschaften, darunter einige wirklich feine. ein paar Worte mit ihr reden möchte, wenn sie in ihrer freien Aber die meisten Damen sind so merkwürdig unbeholfen in Zeit ein bischen zur Frau Hellvik, Villa Nr. 7, kommen ihrem Wesen und es fällt ihnen bisweilen schwer, sich fließend möchte." auszudrücken. Und sie gehören doch der großen Welt" an, Nach dem Mittagessen stellte der Doktor die Familie sagt Schwager Gustav! Aber, liebe Lina, ein offenes Wesen Hellvit ein paar anderen Familien vor und lud dann die und ein ungezwungener, wenn auch nobler Ton ist doch ganze Gesellschaft zum Kaffee ein. Onkel Gustav fragte, was wohl der beste Beweis dafür, daß wir bessere Leute" sind ĺ sie für so einen Cognac nähmen und nannte den Preis eine Die meisten Herren dagegen sind sehr nett und lachen inimer, offenbare Prellerei. Die Mädchen waren ganz unglücklich in- und amüsiren sich, wenn ich mit in der Gesellschaft bin!" do folge ihrer Beobachtungen über die Toiletten der anderen Aber wie dem auch sein mochte, Frau Hellvik fühlte jungen Damen, und Arel hatte unten beim Spiel auf dem fich von ihrem ungewohnten Staat doch ein wenig Spielplatz gerade seine erste Fensterscheibe zermeistert. bedrückt, denn am Abend, als sie und die Mädchen sich in