Unterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 241.

Sonntag, den 11. Dezember.

1898

Einige, die dem Assessor Halldelin nicht wohl wollten,

( Nachdruck verboten.) lachten.

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Bfui, schämen Sie sich, meine Herren! So meinte ich Die Badeveise der Familie Hellvik. es nicht. Ich wollte nur sagen, es ist schauderhaft viel zu lernen; aber, Gott sei Lob, ich bin nicht so tonfus, ich kann Von Alfred af Hedenstjerna. von allen Jungen auf Hultuna die Namen und die Geburts­Da wäre beinahe alles gescheitert infolge der Schwierig- jahre hersagen. Es wird schon gehen, wenn es auch lange feit, eine Darstellerin für die Mutter des jungen Liebespaares her ist, daß ich Lektionen gelernt habe," sagte Frau Hellvik, zu finden. Die zuerst aufgeforderte Dame wurde wüthend stand auf und ging nach Hause. und ließ sich auch den ganzen Sommer nicht mehr versöhnen, Am folgenden Vormittag, um eine Zeit, da es sonst weil man sie für so alt hielt, daß sie die Mutter erwachsener ziemlich still in der Villa Nr. 7 zu sein pflegte, wurde Frau Menschen darstellen könnte. Ein braves altes Fräulein, daß Berg's fleines Hausmädchen ganz gerührt durch die Seufzer, die Rolle schon zu lernen begonnen hatte, wurde plötzlich an das Schluchzen und die traurigen Worte, die aus dem Schlaf­das Krankenbett eines Bruders berufen, und Frau Waller zimmer der Hellvik's heraustönten. Was konnte der guten fand die Aufgabe ,, Aergerniß erregend" und unmoralisch. Wenn Frau nur passirt sein, denn offenbar war sie es, die da drinnen der Herr Assessor das Stück so ändern wollte, das beide so verzweifelt war?

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Kinder die Früchte geseßlicher Verbindungen seien, versprach Karin hatte sich niemals dadurch das Leben erschwert, Frau Waller sich die Sache zu überlegen," wiewohl schon daß sie Ausnahmen machte in bezug auf Stand und Ge­die Wiederverheirathung ihr ein Gräuel wäre, aber von schlecht. Ihre Ohren fanden sehr schnell das Schlüsselloch: Kindern, die außerhalb der Ehe geboren wären, wollte sie Ach, mein Gott, strafe mich nicht so hart! Ich absolut nichts wissen, auch wenn sie noch so reizend, wie die fann es nicht ertragen, das Leben meines Kindes zerstört zu Oberstin Bärfeldt, und so flott und liebenswürdig, wie Baron sehen. ... Die sind beide gebrochen, wenn sie alles er­Sternfeldt, wären. fahren... die Missethaten der Eltern... ja... die Misse­thaten der Eltern... auch mein geliebter Junge unglücklich für sein ganzes Leben!.."

Da wurde aber der Assessor ärgerlich und fragte Frau Waller, was sie wohl glaubte, daß Dumas gesagt hätte, wenn man ihm vorgeschlagen hätte, die Cameliendame bor dem ersten Aft zu trauen. Nein, was er geschrieben hätte, hätte er geschrieben.

Darauf erwiderte Frau Waller, daß Herr Dumas fie nichts anginge, weder père noch fils, und sie hoffte, auch immer dasselbe von dem Stück des Herrn Halldelin sagen zu fönnen.

Wir übergehen ein halbes Dutzend neuer verzweifelter Versuche, die wichtige Rolle zu befeßen. Es handelte sich nun nicht mehr um eine Sorge einer kleinen Klique, sondern es galt einem Landeskummer des ganzen kleinen Staates Gesund­brunn.

Frau Hellvik war nicht weniger dabei interessirt. Als sie eines Abends mit gefalteten Händen in ihrem Bett lag, be­gann sie darüber nachzudenken, ob man nicht auch diese Sorge in sein Abendgebet hineinnehmen könnte, z. B. zwischen Albert's Halskatarrh und dem Anrufen des Herrn, daß er ihr fernes Heim vor Feuer und Dieben behüten möge.

Nach dem Mittagessen, am Tage darauf, konnte sie sich nicht länger halten, sondern plakte mitten in die Gruppe der Berathschlagenden mit den Worten hinein:

Meine Herrschaften, ich kann Menschen nicht in Ver legenheit sehen, wenn es in meiner Macht steht, etwas dabei zu thun. Ich selbst werde die Rolle der Freiherrin Sparen­creuz übernehmen!"

Der Effekt diefer Erklärung war folossal. Die Zunächst fizzenden husteten verlegen und guckten einander an; weiter hinten ficherte man. Frau Hellvik besaß bereits eine gewisse eigenthümliche Popularität. Wer sollte es wohl auf sich nehmen, sie durch eine ebenso verbindliche, wie nothwendige Ablehnung zu tränken?

Das war zu viel für Karin's gutes Herz, das längst der Frau Hellvik völlig zugethan war, feit sie ein Paar Schnür stiefel des Fräulein Anna und vier Kronen für eine zer­schlagene Suppenterrine geschenkt bekommen hatte, deren Be­zahlung Frau Berg von dem Mädchen forderte. Aber nun ertönte es schon wieder:

... O, wenn ich sterben könnte, bevor mein armer Junge..."

Da wurde die Thüre aufgerissen.

Liebe, gute, gnädige Frau, beruhigen Sie sich doch nur! Die Jungen befinden sich ja gar nicht in Noth, sie ruderten jezt eben mit dem Knecht des Bade- Inspektors hinaus, um ein paar junge Kazen zu ertränken," rief Karin.

Frau Hellvik war plötzlich froh und freundlich, wie immer, lachte und sagte:

Seien Sie ruhig, Kind! Es handelt sich hier nur um die Kinder Anderer, um erdichtete Kinder, um Assessor Halldelin's..."

,, Ach, Du himmlischer Vater! Er, der so anständig aus­sieht...!" rief Starin.

"... Um Assessor Halldelin's Theaterstück, verstehen Sie! Wir wollen ein Schauspiel aufführen und ich lerne eine Rolle. Und nun machen Sie die Thüre zu, Karin!" Zwei Tage später war die erste Probe. Der ganze leitende Kreis war versammelt, um sich über Frau Hellvik trant zu lachen.

Aber es gab nichts zu lachen. Sie hatte schon den größten Theil ihrer Rolle gelernt und war, wenn sie auch noch genug mit dem Hersagen der Rolle zu thun hatte, so daß von Spiel" nicht weiter die Rede war, doch gerade so gut wie die anderen; darüber waren alle einig.

Assessor Halldelin that es nicht. Nach minutenlangem, Nach einer Woche ging sie so in's Zeug, daß alle ganz peinlichem Schweigen trat er zögernd hervor, dankte lebhaft erstaunt waren, und Onkel Gustav seinen Bruder anstieß und für das freundliche Anerbieten und bat, daß er die aus- murmelte: geschriebene Rolle holen dürfe, die von dem alten Fräulein Söderholm hinterlassen wäre.

Zwei Frauen und drei junge Mädchen eilten auf die Veranda hinaus, packten ihn beim Arm und flüsterten: Sind Sie toll, Herr Assessor?"

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Der Dichter strich seinen Schnurrbart hinauf, setzte das Pince- nez fester auf die Nase und sagte:

" Ja was wollen Sie, daß man thun soll, meine Damen? Alles ist vergebens versucht. Es giebt Talente, die lange schlummern. Julie Hakansson war mehr als dreißig Jahre, bis sie begriff, daß in ihr die größte Tragödin Schwedens stedte. Diese Frau ist ein ungewöhnliches Geschöpf. Glaubten Sie vor acht Tagen, daß sie beim Diebs- Jansson den Seel­forger machen könnte?"-

Frau Hellvik wog bedenklich das ansehnliche Rollenheft in der Hand, blätterte ein wenig darin und erklärte: ,, Das ist aber schauderhaft dick."

P... P... Poßtausend, sie ist ja ganz f... f... famos! Gott sei Dant, daß sie so nicht in W... W W... Wirklich­keit ist!"

Der Assessor, der natürlich den Regisseur machte, war ganz begeistert und sagte mit einer Verbeugung vor ihr:

" Frau Hellvit ist großartig. Das Einzige, was ich ein­zuwenden hätte, wäre, daß Sie in der verzweifelten Szene am Anfang des dritten Aktes ein wenig die Stimme mäßigen möchten und dem Schmerz mehr Luft verleihen, sozusagen mehr in ihn eindringen..."

Frau Hellvik lachte über's ganze Gesicht, legte sanft ihre Hand auf die Schulter des jungen Mannes und rief:

,, Mein lieber, junger Freund! Was in aller Welt wissen Sie von Leid und Schmerz. Nee, nee, lieber Herr Assessor. Eine Frau, die Vater und Mutter hat sterben sehen, sechs Kinder bekommen und zwei von ihnen auf dem Friedhof be­stattet. nicht zu gedenken der neunwöchentlichen schweren