Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 243.
Mittwoch, den 14. Dezember.
( Nachdruck verboten.)
1898
An und für sich waren diese eigentlich nicht so besonders merkwürdig:
Die Badereise der Familie Hellvik. der Pferde...
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Von Alfred af Hedenstjerna.
,, Er ist furchtbar gemüthlich," gab Anna zu, aber fein ist er nicht. Besinnst Du Dich, als er im Frühling bei uns in farbigem, ungebügeltem Hemde nur mit einem Stragen zum Anknöpfeln Mittag aß?"
Pfui, wie abscheulich Du bist, Anna! Den Kragen hatte er von Papa geliehen, weil Ajay ihn beim Spielen in den Hals gebissen hatte."
Schließlich einigten sie sich dahin, daß der Thierarzt Eduard Langberg ein gemüthlicher, netter, lustiger Kerl wäre, der zweifellos ein sehr gutes Herz hätte, das er offenbar ungetheilt Fräulein Gerda geschenkt hätte.
Und dann schliefen sie wie zwei plaudernde Kinder ein, bebor Gerda daran gedacht hatte, auf ihren Divan zurück zukehren, und so fand Mama Hellvik sie am Morgen um acht Uhr, als sie in Pantoffeln, Negligeejacke und Unterrock, cifrig ihr Haar kämmend, das Zimmer betrat.
Leise legte sie den Kamm auf einen Stuhl, faltete die Hände und betrachtete die Mädchen, die mit den weißen, runden Armen dalagen, die feingeformten Gestalten dicht ancinander geschmiegt, so nahe mit den schönen, rosigen Gesichtern, daß das Haar beider wie eine goldene Glorie fie umfloß.
Mama Hellvik drückte ihren dicken Zeigefinger in die Augen und wischte und wischte. Dann ging sie leise hinaus
und murmelte:
,, Gerade wie damals, als sie noch kleine Kinder waren. Meine lieben, lieben Mädchen! Gott weiß, ob der liebenswürdige Baron oder der merkwürdige gewandte Herr Nilsson gut genug für sie sind."
An den Pastor und den Thierarzt dachte Mama Hellvik nicht im Entferntesten.
Verdammte Hügel... verderben die Knie und Hufe bleibe der Pferde... reiste daher lieber mit dem Boot nur bis morgen... hatte in Seestand zu thun und konnte es daher nicht unterlassen..."
Onkel Gustav blinzelte verschmigt zu diesen Erklärungen über das plötzliche Erscheinen der beiden jungen Männer an einem Orte, der ohne die Anwesenheit der Hellvik'schen Mädchen ihnen vielleicht für immer eine terra incognita geblieben wäre, und rief den Pastor Fridolin, der ein Stück vorausging:
Aber wie in aller W... W... Welt geht es mun, Herr P... Pastor, wenn beide Herren f... f... fort sind, daheim mit der zwei- und bierb.. beinigen Heerde?"
Fridolin hörte und sah nichts; diese kleine Gestalt in schwarzer Kleidung und mit schwarzem, wohlgebürstetem Haar und einem wahren Johannesgesicht, ging, das Herz von Hoffnung erfüllt, an Anna's Seite dahin.
Aber Langberg erfaßte die Bemerkung, lachte, sah treuherzig und würdig den Onkel Gustav an und sagte:
" Für die lettere ist die Weide so gut wie eine Brunnenfur, und von der ersteren ist ein gut Theil gerade jetzt auf der Reife...
„ D... Danke, mein junger Freund," sagte Onkel Gustav.
Pastor Fridolin sette seine Worte sehr behutsam und sprach mit viel Wärme zu Anna Hellvit. Es tam auch etwas von Sehnsucht hervor, und daß es wäre, als wenn in Hultuna die Sonne für Wochen und Monate untergegangen wäre, seit die Familie Hellvik ihre Sommerreife angetreten habe.
Anna hörte zerstreut zu und suchte dem Gespräch eine allgemeine Richtung zu geben, indem sie den Pastor fragte, wie ihm hier die Gegend gefiele und das, was er vom Leben in Gesundbrunn so flüchtig sehen könnte.
Er recte seine kleine, dünne Gestalt in die Höhe, warf sich indie Brust, stellte sich fast auf die Zehenspißen und ant Als aber am nächsten Mittag das Dampfboot bon See- wortete mit einem flammenden Blick auf seine Begleiterin: stadt ankam, und ein großer Theil der Kurgesellschaft unten ,, O, das ist hier eine herrliche Gottesnatur und ein un am Hafen war, um die Ankommenden zu sehen, standen gewöhnlich schöner Play, den der Schöpfer überreich mit plötzlich diese Beiden mit sonnenverbrannten Wangen, feinen Gaben bedacht hat; gerade ein passender Rahmen die man so hoch Leuchtenden Augen und demüthig gekrümmten Rücken vor ihr, für die, die man so innig... die man Hier ist es so schön, daß es förmlich in einem jubelt:
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und da sie die ersten von zu Hause waren, die Mama Hellvik schätzt. seit Wochen gesehen hatte, schloß sie sie auf einmal an ihr ehrliches Herz und stellte sie dann der ganzen Gesellschaft vor: Herr Pastor Fridolin und Herr Doktor Langberg, Herr Doktor Langberg und Herr Pastor Fridolin."
find Sehr angenehm, die Bekanntschaft eines Herrn Kollegen zu machen, obgleich ich mich nicht entsinne, Ihren Namen... hm.. Hoffe in jedem Fall, Herr Doktor, daß Sie nach dem, was Sie hier zu sehen bekommen, sich veranlaßt sehen werden, einige Ihrer Patienten herzuschicken," leitete der Unterarzt von Gesundbrunn das Gespräch ein.
Langberg, ein gutmüthiger Riese von prächtigem, echt nordischem Aussehen, dessen ganze jugendfrische Persönlichkeit eine Fülle von Lebensfreude verrieth, schüttelte und drückte die Hand seines Kollegen so, daß dieser beinahe aufschrie.
„ Geht nicht gut, Herr Doftor! Meine Patienten bestimmen nicht selbst über ihre Reisen.
Wenn so viel Schönheit ich in jedem Werke Der Schöpfung und des Lebens staunend merke, Wie schön muß dann erst sein die Quelle Der Schöpferkraft, die ewig helle!" Pf... Psalmenbücher haben wir mit, drei Stück fog", bemerkte Onkel Gustav, der gerade vorbeiging, boshaft.
Der Thierarzt und Gerda waren verschwunden, niemand wußte, wo sie geblieben waren oder wann man sie eigentlich aus dem Gesichte verloren hatte. Aber ein Vogelpaar, das sein Nest unter einem Busch oben am Berge hatte, guckte erstaunt durch das Laub auf ein paar junge Menschen hinab, die auf dem Moose saßen und gerade so zwitscherten, wie sie selbst in den Frühlingstagen, wenn das Nest Halm für Halm gebaut wird.
Er sagte, er wüßte, wie arm und gering er wäre, wie dürftig er ihr im Vergleich mit all' den jungen Männern er„ So, so Hospitalarzt also... Ja, das ist ein scheinen müßte, die Fräulein Gerda hier zu sehen bekäme, interessantes Arbeitsfeld. Veriö oder Chriftinenhafen? und wie es ihm wehthun müßte, sie inmitten all dieser zu, Nein...?"
sehen; aber dennoch hätte er es nicht unterlassen können, hierher zu reifen, sein Herz mochte noch so schmerzen.
,, Reins von beiden! Ueberhaupt nichts derartiges." ,, Aber, dann verstehe ich nicht... Warum sollten denn Sie erwiderte, sein Herz brauchte hier durchaus nicht zu Ihre Patienten nicht selbst über ihre Reisen bestimmen?" schmerzen. Es wäre hier ganz herrliche, gesunde Luft, und " Ja, eigentlich ist es hart, und vielleicht kaum gerecht; fie hätte es noch niemals so schön gefunden, wie gerade aber wahrscheinlicherweise kommt es wohl daher, daß sie... heute. Sie hätten sehr viel furchtbar nette" Menschen auf vier Beinen gehen!"
Der Unterarzt lachte, weil die Umherstehenden lachten, wurde aber zurückhaltender und weniger kollegial.
fennen gelernt; aber die Damen gefielen thr doch meist am besten. Die Herren wären ja auch ganz nett, aber sie hätte auch anderwärts welche getroffen, die ihr ganz gut gefielen... vielleicht sogar noch besser.
Die ganze Gesellschaft begab sich allmälig in den Kurpark. Gerda's Wangen prangten in lebhaftem, hochrothem Ob es hier viele Feste und Vergnügungen gäbe? Glanz, und sie antwortete furchtbar zerstreut auf alles, was Ach ja, aber man würde dessen bald müde. Heute zum eine neue Freundin ihr in die Ohren plauderte. Vor ihr Beispiel hätte sie gern auf der großen Veranda in Hnltuna gingen ja Papa und Onkel Gustav mit ihm. Mit welcher gesessen; und wäre er dann dorthin gekommen, wie es seine Begierde sog sie nicht jedes Wort des jungen Mannes ein. Gewohnheit war, am 2. und 16. in jedem Monat, dann