Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 244.
Donnerstag, den 15. Dezember.
Rachdruck verboten.)
Die Badeveise der Familie Hellvik. Von Alfred af Hedenstjerna.
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Nur einer schlich mit ganz umwölfter Miene umher, das war der junge Arel Hellvit. Ganz gefnidt kam er zu seiner Lieblingsschwester und flüsterte reueboll:
„ Ach. Gerda, ich kann mich nicht freuen, daß der König kommt, ich habe einen so schauderhaften Theerfleck in meiner besten Hose..."
Aber im Thurmzimmer der Villa Nr. 9 saß der Assessor Halldelin bei herabgelassenen Jalousien und 27 Grad Wärme, glühend vor unterthanlicher Liebe und hoher Inspiration. Der junge Mann schrieb.
Es war ein Gedicht:
Gleich der Najad auf den Wogen, Herrlich und stolz und jung Schwimmend tommt angeflogen Dort um die Waldeszung
Auf der naffen Fluth, o seht!
Das Königsschiff, die„ Majestät".
Frende die Herzen entfacht
Aller in unserm Ort.
Selbst die Natur hier lacht Sonnenfroh Dir, unserm Hort!
Da hierher in Eile geht
Die Fahrt von Schwedens Majestät. Nimm denn, Du stolzer, hoher Edelster Mann im Land Gnädigst entgegen aus froher Seele und treuer Hand
All' die Lieb', die in uns fleht, Um Deine Gnade, Majestät! Jubelnd und festlich gestimmt Dich uns lobpreisen laß! Wenn im Bruderland glimmt Glühender Feindeshaß, Dir bei uns entgegenweht Nur heiße Liebe, Majestät! Herrscher voll Huld und Güte! König im Reich des Geist's! Auf allen Wegen Dir blühte
In Deinem Land, Du weißt's:
Da bernahm er unten auf dem Kieswege starke Tritte. Die spröde, feine Stette von tausenden Gedankenbildern zerriß, und der Dichter steckte den Kopf durch das offene Fenster hinaus.
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Guten Tag, Vimann! Ach, sei so freundlich, einen Augenblick heraufzukommen!"
Vimann war Oberlehrer an der Realschule in Jrstadt, besonders in der Muttersprache, und der Assessor Halldelin hatte ein gewisses Zutrauen zu seiner Urtheilsfähigkeit.
Man vernahm rasche Schritte auf der Treppe, und der Oberlehrer trat herein.
Höre," sagte der Assessor, ich weiß ganz genau, wie es geht. Einige Stunden vor der Ankunft Seiner Majestät kommen die Mädchen, die natürlich unten an der Brücke stehen und fingen und Blumen streuen sollen, daher und bitten um einen Text. Ich dachte darum, es wäre besser, ihnen zuvor zu kommen und habe schon ein wenig begonnen... Ach, bitte, sieh es Dir ein bischen an..."
Der Lehrer setzte sich auf den Rohrstuhl und las das, was fertig war, durch. Und dann begann er noch einmal zu lesen.
„ Na...?" fragte Halldelin.
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meint ist. Aber bitte, sprich mur frei heraus! Dein Urtheil ist mir sehr werthvoll!"
" Höre; Halldelin, hälft Du es für nöthig, noch besonders zu betonen, daß die Fluth naß" ist und daß ein Fahrzeug geschwommen" kommt. Ich würde blaue sagen und schimmernd oder etwas dergleichen!"
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,, Aber, liebster Vimann, hast Du denn gar keinen poetiund„ duftende Blumen", Eigenschaften, die gerade so selbstschen Sinn? Wie der Dichter schreibt strahlende Sonne" verständlich sind, kann ich wohl auch nasse Fluth schreiben. Und das schwimmend" soll das Durchschneiden der Fluth malen!"
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Entschuldige, werde nicht erregt! Ja, gewiß, es ist sehr schön!" sagte der Oberlehrer und wollte das Papier fortlegen.
,, Nein, fahre nur fort, lieber Freund!"
" Ja, man kann wohl sagen, die Fahrt geht" da und da hin, aber die Fahrt geht in Eile" ist ein etwas origineller Ausdruck."
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Mein Gott, ich will doch nur ausdrücken, daß es ein flüchtiges Glück ist, das uns zu theil wird."
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,, So, na ja. Aber sag einmal, glaubst Du, daß ihm die politische Strophe gegen die Norweger angenehmt sein wird? Darüber solltest Du der Sicherheit halber unsere großen Politifer befragen."
,, Meinst Du...? Aber diese Strophe, wenn ich es felbst fagen darf, hat so etwas Männliches. Du faßt die Dinge wirklich zu kleinlich auf.
Die Miene des Assessors begann unheilverkündend zu werden, aber der Realschullehrer beachtete es nicht; er interessirte sich nun einmal für Literatur und fuhr dann fort:
Sag' einmal, und wenn es num regnet, was machst Du dann mit Deiner sonnenfroh lachenden Natur? Auch möchte ich wissen, was Du in dem unvollendeten Verse noch Neues versichern willst, als die schon oben mehrfach geschworene heiße Liebe" und" Treue". Und wenn er es weiß", wieso es ihn dann noch einmal versichern. Sieh' mal, das sind so Worte, die nur des Reimes wegen dastehn, und das ist leider auch
"
Nun war aber die Geduld des Assessors zu Ende. Mit flammenden Augen und glühenden Wangen fuhr er auf, riß Bimann das Papier aus der Hand und rief:
Na, nun dank ich Dir aber! Ich glaube kaum, daß wir einander verstehen. Mein Gedicht ist denn doch auch kein Schulauffat, in dem Du nach Herzensluft roth anftreichen tannst. Ich muß in Zukunft suchen, ohne die gütigen Belehrungen des Herrn Doktors auszukommen. Ich...“ ,, Aber lieber Halldelin.
Der Herr Doktor hat vielleicht die Güte, die Thüre von außen zuzumachen."
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Der große Politiker wurde durch die Oberstin Bär feldt betreffs der norwegischen Strophe befragt und drückte die Vermuthung aus, daß es Seine Majestät mindestens ebenso gnädig ansehen würde, wenn sie gegen eine Hindeutung auf die große Last der Regierungsgeschäfte im allgemeinen eingetauscht würde.
In der Villa Nr. 7 hielt Mama Hellvik tägliche Generalmusterungen über ihre kleine Schaar und warnte und ermahnte sie:
" Du hast einen guten Kopf, Gustav, aber Du kennst ja Dein Gebrechen; spricht er mit Dir, so antworte so einsilbig, wie möglich. Und Du, Albert, mußt Deinen Vafaorden anlegen und ein weißes Taschentuch nehmen; bei der Gelegenheit kannst Du feines Deiner blautarrirten großen Schnupftücher brauchen, hörft Du, wenn Du etiva damit wehen sollst. Und Jhr, Kinder, braucht nicht so hinten im Haufen zu stehen, der Blumen streut, sondern so nah Ihr könnt. Er liebt hübsche Mädchen und Ihr seid die schönsten, so daß er Euch vielleicht anspricht. Verneigt Euch dann, Kinder, verneigt Euch ganz tief. Aber verliert nicht den Kopf und denkt daran, wenn es sich machen läßt, zu erwähnen, daß Euer Papa Dr, phil. ist, denn das ist der König auch, und er liebt die Gelehrsamkeit. Bisweilen liebt er es, fehr freundlich und familiär zu sein. Ich sage " Ja, ich wollte doch gern hier auf den schönen Wald am Euch, Mädchen, steht ganz still, im Falle es ihm belieben Meere anspielen; es scheint mir auch ziemlich gleich, ob man follte, eine von Euch in die Wange zu kneifen oder ihr in Landzung oder Waldzung fagt. Es versteht ja jeder, was ge- landerer Weise seine Gnade zu bezeugen. Ihr wißt, ich dulde
Die Sprache ist ja ganz schwungvoll, ja, ja ein bischen hm... üppig; aber es sind ein paar kleine.. .." Sprich nur frei heraus! Du weißt ja, daß ein ehrliches Urtheil mich niemals verlegt."
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Ja, ja, es ist ganz nett, gefühlvoll, fast zu schmeichlerisch; doch sag' einmal, man pflegt wohl von Landzungen zu reden, aber eine Waldeszung..."