Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 246.
10]
Sonntag, den 18. Dezember.
( Nachdruck verboten.)
Die Badereise der Familie Hellvik. Von Alfred af Hedenstjerna. Aendern?" sagte die Oberstin.„ Die Königshymne in ein Dankgedicht an die Badefrauen umändern? Wie sollte das möglich sein, liebster Assessor?"
Halldelin lachte überlegen, ging auf sein Zimmer und suchte den alten Entwurf hervor. In einer Stunde kam er wieder herunter, rief Bingvall, Frau Hellvik und ein halbes Dußend anderer wichtiger Personen herbei und las mit viel Selbstgefühl und großer Begeisterung vor:
1502
Gleich der Najad auf den Wogen, Kräftig und hold und jung Schivimmend tommt angeflogen, Frisch, neugestärkt im Schwung
Durch die Fluth die Jungfrau schau! Das ist das Wert der Badefrau.
Schnell wird gesund gemacht Jeder in unserm Ort.
Selbst der Podagrist lacht, Fährt nach der Kur er fort. Neibt ihn doch die Badefrau
Im Bade hier fast braun und blau!
Thue Dich, Frauchen, nicht zieren,
Du so bewährt und alt, Die so oft uns ließ frieren Unter der Brause kalt.
Nimm die Gab' des Komitee Für all Dein Wirken, Badefee! Jubelnd und frohgeſtimmit Tranten wir manches Glas. Alle Schmerzen uns nimmt Hiesiger Quellen Naß.
Macht gesund das Moorbad, grau, Wir danken's auch der Badefrau.
Feen der Badezellen,
Jugend, Gesundheit ihr schafft,
Dank macht die Herzen schwellen
Für die massirende Kraft!
Nächstes Jahr auf Wiedersehen,
Ihr lieben, alten Badefeen.
1898
ganz reizend aussah in ihrer Nationaltracht. Sie hatte Peter mehrmals freundlich um eine Gefälligkeit gebeten, und Peter empfand den lebhaftesten Wunsch, sich um ihretwillen auf den Stopf zu stellen oder etwas noch Schlimmeres anzurichten. Als die Arbeit für eine Weile etwas nachließ, trat er verlegen hervor, legte seine braune Hand auf ihren feinen Arm und sagte:
Meenen Se nich, wir häwe uns nu genug abgehekt und könnten uns e bische dort in d'n Schatten sete?"
Das Mädchen fuhr zusammen und blickte ganz erstaunt auf; aber dann lachte sie herzlich und sagte:
" Ja, warum nicht?"
Sie zogen sich in eine schattige Laube zurück, in der das Mädchen sich hinsekte und Peter schelmisch von der Seite anguckte, der sich nur auf den äußersten Rand der Bank setzte und sagte:
,, Schrecklich heeß, hiede..."
„ Sehr!"
Wat kriege Se denn für den Dag, dat Se sech so abheke?"
Ihre Augen funkelten sehr bedenklich, aber sie biß sich in die Lippen und blieb ernst.
Fünfzig Dere."
" Det is ja erbärmlich! To Hus häwe de Mächens im Sommer eene Krone für den Dag!"
Er rückte ihr allmälig immer näher. Schließlich legte er den Arm um ihre Taille und rief:
Mei liewes Zuckerherzche! Herrje, könnte Se mi nich e ganz fleen bische gern hawe..."
Das Mädchen fuhr mit einem Schreckensschrei auf und sprang davon, so schnell sie konnte. Peter schlich ihr wie ein dbegoffener Pudel nach und sah dann, daß sie mit glühenden Wangen und laut lachend mitten in einem Streise junger Damen stand und ihnen offenbar etwas sehr Komisches erzählte. Aber da wurde Peter wüthend, trat, mit der Müße in der Hand, näher und sagte:
" Jo, jo, entschuld'gen Se man nur! Nu begreife id ja, dat Se sich man nur verkleedet häwen, wie's ihrer bier Stücker daheeme am Geburtsdag det Herrn Probst gemacht häwen, aber ich konnt' doch nich gut sehe, dett Se von bess're Leit sein..."
Dann machte er Stehrt, ging aus dem Park hinaus, direkt hinauf auf seine Bodenkammer und legte sich schlafen, unzufrieden mit sich selbst, wie damals vor zwei Jahren, als
Bei dem Beifall, der sich nun in dem Kleinen Kreis verer, bei einer Wendung vor der Pfarrkirche daheim den Wagen nehmen ließ, that der Oberlehrer Viman einen stillen, aber umgeworfen. heiligen Eid, niemals mehr jemandes Verse zu kritisiren; aber, Der große Politiker hat soeben von dem Ortsrichter erfahren, wenn möglich, seine Schuljungen so zu drillen, daß sie im reifen Alter einen etwas besseren Geschmack in der Anwendung ihrer Muttersprache offenbarten, als der Assessor Halldelin.
Strahlend schön brach der Tag des Festes für die Badefrauen an, man war allgemein zufrieden, und mancher war im Stillen vielleicht noch heiterer und behaglicher gestimmt, als wenn die Huldigungen dem Könige gegolten hätten.
Nur der Kurdirektor Klodz ging finster und grübelnd draußen in den abgelegenften Alleen umher und blidte weh müthig nach seiner linken Brustseite. Wer weiß. ob es jest zu Weihnachten eine solche fleine Zier gab. Hätte dagegen Seine Majestät mit eigenen Augen gesehen, wie ausgezeichnet hier alles war, dann
Eine deutsche Musikbande war auf ihren Streifereien in Schweden auch nach Gesundbrunn gekommen und troß der energischsten Einwendungen des Direktor Pingvall von Amts wegen doch engagirt worden, um mit ihren mehr als zweifelhaften Tönen das Fest zu verherrlichen.
Alles ging in dem gemeinsamen Interesse auf. Selbst Hellvik's Peter fand sich ungeladen ein, half Laub tragen und aufwarten, wo er konnte, und wurde von einer der Direktionsdamen freundlichst ersucht, auch nach dem Beginn des Festes dazubleiben und als Handlanger zwischen der Küche und dem Buffet im Freien mitzuhelfen.
Peter hatte ja auch ein Herz, obgleich es tief drinnen faß in einem fetten Körper, und dieses Herz begann zu flopfen und zu springen beim Anblick einer netten, fleinen Wäscherin, die in furchtbarer Eile hin und her lief und auf wartete und mindestens so viel that, wie zwei andere, und
daß Herr Hellvick in seiner Gegend äußerst populär wäre und daß es nur von ihm abhinge, ob er, wenn er ja auch ein ganz unpraktischer Mann sei und sich für Politik wenig interessirte, bei eintretender Vakanz im Herbst in die erste Kammer hinein wollte oder nicht, denn er würde fast alle Stimmen bekommen.
Daher war der große Mann sehr gnädig gegen den alten Hellvit, ging mit ihm in den Alleen spazieren und schlug zweimal vor, daß sie jeder fünfzig Dere für die " Najaden" opfern sollten, eine der Extra- Sehenswürdigkeiten des Tages gegen besonderes Entree:„ Die Najaden" waren: die Fräulein Ohlsson, Karlsson und Brandtsen, sowie Hellvik's Gerda, die in Schwimmanzügen, bei denen man versucht hatte, die etwas widersprechenden Forderungen des Schicklichen und des nassen Elementes zu vereinen, in einem Meer aus blauem Tüll lagen und schwammen, das sich in einem alten, nicht mehr benutten, fein ausstaffirten und geschmackvoll dekorirten Eishaus befand. Fräulein Berg, die aber sehr gefräuft war über die Geringfügigkeit ihrer Aufgabe, stand daneben und brannte bei jeder Vorstellung drei bengalische Flammen ab. Die Najaden zeigten sich jede halbe Stunde und waren das erfolgreichste lebende Bild des Festes, obwohl man auch die Prinzessin Dornröschen" hatte," Svea, Nora und Dania", sowie die„ Königin Blanca".
"
Frau Hellvik's ländliche Anschauungen waren die Ursache gewesen, daß Gerda's Anzug noch unnajadischer" geworden war, als der der Anderen, aber die Natur hatte dieser lobenswerthen Absicht entgegengearbeitet, da Gerda Hellvik die herrlichste Figur hatte; und der einflußreiche Deputirte äußerte