Hlnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 251. Sonntag, den 25. Dezember. 1898 Weihnachtsgedanken» Mit Nadeldust erfüllen sich die Bäume Bnd mit der Nerzen feierlichem Licht; Es staunt empor zum Feenschmuck der Baume So manches liebe kindliche Gesicht, Das Weihnachtsfest jedoch, von dem ich träume, Das Fest der Liebe ist's noch lange nicht. Es müßte sich das Denken und das Handeln Hon Hunderttausenden im Kerne wandeln. Du darfst dem Schein, dem hübschen Schein nicht trauen. Es bleibt ein trüber» ungelöster Best Wenn prüfend wir in all' die Herzen schauen. Im besten Falle ist's ein Kinderfest, Nicht blos für ste, die schlucken nur und kauen, Weil ohne Heim sie. ohne trautes Nest. Man stimmt sich selbst gemüthlich, fromm und heiter Und macht die alte Sitte mit— nichts weiter. Vis auf gewisse extra-gute Bissen, Von denen man mit breitem Schmunzeln spricht— Was würde man im Innersten vermissen, War' dieses„lieblichste der Feste" nicht? Fragt jene nur, bei denen das Gewissen, Ob widerwillig such und leise, spricht! Ob sie gesteh'», die Weihnachtsepisode Sei keine üble, aber— lheure Mode? Was könnten ste in all' den langen Jahren, War' etwas praktischer der Sohn des Teut» Mn schönbedruckten blauen Scheinen sparen, Die man zu Weihnacht in die Winde streut, Um Undank nur von jenen zu erfahren, Die scheinbar vorschriftsmäßig sich gefreut! Wirthschaftlich richtig wär' es ohne Frage, Ganz fortzuthun die beiden bösen Tage. Doch solches Weh des Beutels und der Kasse, Das kalkulirend in den Münzen wühlt, Was kümmert's den, der mit dem Volk der Gasse, Um dessen Fuß der Schlamm der Gosse spült, Der mit der armen, unterdrückten Masse, Mit allen Hungernden, Vergrämten fühlt, Mi! jenen tausend namenlosen„Andern", Die bleich und düster durch das Treiben wandern? Das dumpfe Weh der Frierenden, der Matten, Das kein Choral in Weihnachtsschlummer wiegt, Es ist der breite, tiefe, schwarze Schatten, Der auf der Krippe des Erlösers liegt. Auch dieses Fest ist nur ein Fest der Satten, Rein Fest der Liebe, die das Leid besiegt. Besteckt mit tausend Kerzen Eure Väuine— Es ist die Weihnacht nicht, von der ich träume! ISN(Nachdruck verboten.) DieDndevrifo devFsmilie HelUiili. Besaß er Vermögen? Offenbar. Er sprach von einer Reise nach Egypten wie von einem kleinen„Abstecher" und von den theuerften Hotels in den europäischen Hauptstädten, als wenn er dort ftind im Hause gewesen wäre. Im„Lese- zimmer" nahm er die„Times" und las dem Fabrikbesitzer Waller einen langen Artikel glatt auf schwedisch vor. Früher hatte er es ähnlich mit deni„Figaro" für den Minister ge- macht. Und bei dem Fest der Badefrauen hatte er sich bei den meisten Arrangenients mit großer Gewandtheit betheiligt. Ein vielseitiger Mann. Frau Hellvik gehörte nicht zu den Müttern, die ängstlich nach Männern für ihre Töchter jagen, obgleich sie es sehr be- trüblich fand, daß ein gewöhnlicher Thierarzt dem im Wege stehen sollte, daß sie den reizenden und netten Baron Stein- feldt als Schwiegersohn in ihre Arme schließen konnte. Ach, nun war er abgereist, und Gerda's Härte war wirk- lich empörend. Sie stand am Kai und lachte und schwatzte ruhig und froh mit ihm, bis er an Bord mußte. Und als er fragte, ob sie jemals seiner gedenken würde, antwortete sie,„immer", und gab ihm die Hand, ohne daß diese im geringsten zitterte. Und als er bereits an Bord war und auf den Strauß in ihrcin Gürtel zeigte und leise bat: „Eine einzige!" lachte sie herzlich und nahm den ganzen Strauß und warf ihn in seine eifrig auffangenden Hände. Es war eine Freundlichkeit, die einen Mann zur Ver- zwciflung bringen konnte, eine große, rückhaltlose Freundlich- keit, hinter der sich unmöglich etwas anderes verbergen koimte.-- Nun behielt Frau Hellvik Anna und Herrn Nilsson im Auge. Sie schienen sich sehr für einander zu interessircn und es sah so aus, als wenn... Na ja, sie wollte sich Wohl hüten, weitere Hoffnungen zu hegen. Solche halsstarrigen Mädchen, wie die ihrigen I Aber wäre es wirklich so, daß Anna ein bischen klüger wäre, als Gerda, dann— ja, dann ging es doch erst, nachdem Herr F. H. Nilsson völlig über sich Bescheid gegeben hatte. Er war doch wohl kein ver- kleideter Prinz! Als Frau Hellvik Anna mit Herrn Nilsson im Kurpark hatte verschwinden sehen, steuerte sie in anderer Richtung davon und versank in Gedanken. die ihrer Brust einen tiefen Seufzer erpreßten. Saß nun nicht der liebe Onkel Gustav wieder oben auf der Veranda und traktirte die schrecklichen Möllers mit Kaffe?! Na, Gott sei Lob. über s i e konnte man sich doch leichter in-
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15 (25.12.1898) 251
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