Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 2.

Dienstag, den 3. Januar.

( Nachdruck verboten.)

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1899

Siehst Du, Mar," sagte sie, wir haben uns das eben drüben überlegt. Eigentlich hat Manni den Gedanken gehabt.

Herrn Bikendrath's Pensionäre. Und der Gedanke ist gut. Sie ist wirklich ein kluges Mädchen. Roman von D. Eugen Thossan.

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Siehst Du, wir haben uns gedacht: wir nehmen Schüler, machen eine Pension auf. Draußen beim Gymnasium sind die

Herr Zickendrath stand wieder am Fenster und qualmte Wohnungen nicht so theuer; und wenn wir viere oder fünfe wider die Scheiben. Mit ordentlicher Wollust sog er die haben, dann kommen wir durch. Und siehst Du, dabei Wolfen aus dem schwindsüchtigen pfeifenden Rohr und sah| könntest Du Dich auch so schön nüklich machen und hättest auf den Hof hinab. Es hatte seit acht Tagen geregnet, heute Deine Beschäftigung. Du könntest die Stiefel wichsen für die gegen Abend erst hatte es ein wenig aufgehört. Die Fliesen Jungens, es braucht's ja keiner zu sehen. Und könntest die leuchteten in feuchtem Glanz von unten herauf und ein kleiner Ausgänge und die Einkäufe besorgen, das verstehst Du doch; Bengel sprang barfuß darauf herum. Er gehörte den Schusters- und das müßtest Du schon, weil ich Manni doch zu Hause leuten, die im Hinterhaus wohnten. Ach ja, sein Junge! Für den brauche. Und außerdem, siehst Du, ohne Mann ginge das hatte er was anderes geträumt. Und fürs Mädel auch. Im gar nicht, könnten wir's gar nicht machen. Denn ohne Mann vorigen Jahr hatte er noch ausgerechnet, daß doch noch für ist kein Respekt da, gerade bei solchen Jungen, da würde die jedes ein paar tausend Mart übrig sein würden, wenn er mal Erziehung fehlen. Siehst Du, und dann wäre uns allen ge­die Augen zuthäte. Aber jetzt May! er war zwar ein großer holfen... Weshalb giebst Du denn gar keine Phantast im Rechnen- aber das konnte er sich nun nicht Antwort?" mehr verhehlen, daß es mit dem Uebrigsein Essig war, aber Holzessig, bitter, bitter, bitter..

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Jetzt war es vorbei mit seiner Standhaftigkeit. Er knickte in die Knie, und während er den Kopf dicht neben ihr in das Schlafsopha drückte, schluchzte er in das zerrissene Blumen­muster hinein: Ach, Klara, Klara! Es ist ja zu spät! Es ist ja zu spät!"

Und als sie ihm beruhigend den Kopf tätschelte, kam es kläglich hinterher:" Ich habe ja schon genug geschluckt von dem Zeugs."

Und drum war es am besten so, wie er sich's ausge­dacht hatte. Nicht daß er sich vor den Vorwürfen der Bälger gefürchtet hätte. Ach nein, sie waren gute Kinder und würden es den Alten nicht fühlen lassen, daß er ein Esel gewesen war und ein Nichtskönner. Aber das einzusehen, war das Schwerste gewesen sie würden ohne ihn besser fertig werden. Die Mutter würde möblirt vermiethen, das Sie fuhr entfekt auf. So was Dummes!.. Aber May! thaten hunderte hunderte von Wittwen, fie würde auch schon... Gleich legst Du Dich hierhin, aufs Sopha, lang! Und Miether bekommen; das Mädel würde ihr an die rührst Dich nicht! Mar, verstehst Du? Ich laufe gleich rüber Hand gehen, einen Dienstboten ersparen und selbst im in die Kronenapotheke und lasse mir vom Provisor was geben. Hause bleiben können; und wenn der Junge einmal erst sein Aber daß Du Dich nicht rührst! Hörst Du, May?" Gehalt dazu brachte, dann mußte es ganz gut gehen. Wenn Er schüttelte stumm den Kopf und lag wie ein gefällter sie ihn, den Alten, nicht mit durchzufüttern brauchten. Und Baum. Sie stürzte fort. das sollten sie nicht, das sollten sie nicht, das sollten Er blieb in einer seltsam feierlichen Stimmung zurück,

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Er schluckte ein paar Mal heftig. Es war zwar dunkel wie ein Kind, das die Prügel überstanden hat, vor denen es geworden, und keiner konnte ihn sehen, aber er fürchtete sich sich lange gefürchtet Günther Kraak!" gings ihm wieder selbst vor dem Weichwerden. Nur das nicht, jekt nicht! Die durch den Kopf. Aber er schämte sich nicht mehr. Er fühlte sich Pfeife war zu Ende geraucht. Er that noch ein paar ver- überhaupt vollständig frei von allen kleinlichen Regungen, zweifelte Züge, aber es kam nichts mehr.

Na denn also!

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also!...

Aber Max, was machst Du denn hier im Dustern?" Ach Du Allmächtiger!...

Wie er die Pfeife los wurde und die Tasse in die Hände bekant, wußte er nicht. In der Eile verschüttete er die Hälfte, aber einen tüchtigen Schluck erwischte er doch noch.

Da war auch seine Frau schon neben ihn und riß ihm das Ding vom Munde.

Was trinkst Du denn da?" rief sie in heller Angst. Woher ihr die Angst kam, hätte sie nicht sagen können. Aber sie war da.

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wie sie ihn in der letzten Zeit hin und her geworfen hatten. Als ob die Sonne neu aufgegangen wäre in seinem Leben, so in festliches Licht getaucht lag alles vor seiner Seele. Nur auf Sekunden kam eine Teise Befürchtung wie eine kleine graue Wolfe über seinen Himmel: Es wird ja wohl noch helfen, was die Mutter bringt?"

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Es half noch. Die Angelegenheit wurde in aller Stille abgewickelt, damit Manni nichts merkte. Die Mutter ging nur zu ihr hinüber ins Wohnzimmer, um ihr mitzutheilen, daß der Vater nicht ganz wohl wäre und den Abend drüben in der Kammer zubringen wolle. Da lag er denn nun nach der anstrengenden Entfernung des Giftes wieder auf dem Schlafsopha, mit der Reisedecke warm zugedeckt, ein Bettkissen unter dem Kopf. Und Mutter Zickendrath saß neben ihm und hielt seine Hand. Und sie machten Zukunftspläne zusammen. Das heißt, sie sprach, und er hörte zu und malte sich die Sache nach seiner Art aus. Sie erörterte vorzüglich die praktische Seite Mutter Zickendrath riß unterdessen die grüne Gardine ihres Vorhabens. Gleich morgen sollte er zum Gymnasial­und da lag der ganze Haufen Schwefelhölzer, alle direktor gehen, sich vorstellen und um Zuweisung von Schülern getöpft, wie sie sich schleunigst am Fenster überzeugte. Da bitten, sie wollte mit Manni auf die Wohnungssuche gehen, wußte sie alles. und zu Michaeli konnte dann die Pension Zickendrath eröffnet werden.

Er sagte kein Wort. Er stand und gudte rathlos im Zimmer umher, in einer gräßlichen Verlegenheit. Günther Straat!" mußte er in einemzu denken. Und dann war er wieder fast froh, daß er doch noch einen ordentlichen Mund boll wegbekommen hatte. Am Ende genügte das.

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Sie fant auf das Schlafsopha. Sie war in ihrem ganzen Leben noch nicht ohnntächtig geworden, aber jetzt war sie nahe daran. Ein solches Zittern in den Beinen hatte sie noch nie verspürt.

Er sah die Dinge mehr von einem höheren Gesichtspunkte aus. Ihm kam es auf die Gelegenheit zu erzieherischer Be thätigung an. An der Erziehung lag ja alles. Und wenn er ,, Way!" war das einzige, was sie hervorbrachte. Und das irgendwo den reichen Schatz seiner Erfahrungen verwverthen Hang so merkwürdig, so aus einer feruen Vergangenheit her- konnte, dann war es hier, auf dem Gebiete der Erziehung. über, daß es ihm weh durch die Seele ging. Plöglich, fing er Was an ihm gesündigt worden war, das wollte er so wieder an zu zweifeln, ob er denn auch wirklich so ganz und gar gut machen, gewissermaßen Böses mit Gutem vergelten, feurige überflüssig war. Wenn er auch nichts mehr für sie schaffen Kohlen sammeln. Auf wessen Haupt, wußte er zwar nicht konnte, er konnte ihnen doch immer noch etwas sein, seiner recht; aber in der Sache war er sich klar. Und er kami sich Frau sicherlich, vielleicht nur eine liebe Angewohnheit, aber sehr edel und wichtig zugleich vor. man trennt sich ja auch davon nur ungern, manchmal nur mit großen Schmerzen. Es schüttelte ihn wie im Krampf, aber er würgte es noch einmal hinunter.

Frau Zickendrath hatte sich gefaßt. Sie war nicht mehr ohnmächtig, aber sie war immer noch sehr traurig. Das hörte man ihrer Stimme an.

Als er mit sich im Reinen war, wollte er ganz fidel auf dem Sopha einschlafen. Aber das litt seine Frau nicht. Er mußte auf und ins Bett. Als er da glücklich festlag und das Licht ausgelöscht war, streckte er sich in grenzenlosem Wohl-, behagen und dachte: Es wäre doch eine kapitale Voreiligkeit genvejen.. a

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