Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 5.
Freitag, den 6. Januar.
( Nachdruck verboten.)
Heren Bickendrath's Pensionäre. Roman von O. Eugen Thossan.
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Die Woche vor dem Schulanfang war sehr bewegt. Mitte der Woche siedelte die Familie Zickendrath über, am Sonnabend rückten die Pensionäre ein.
Die Schmidt's tamen bereits in aller Herrgottsfrühe. Der alte Schmidt hatte sich selbst mit einem Knecht und einem Leiterwagen in die Stadt bemüht, um den Umzug zu bewerkstelligen. Früh um sieben hielt der Wagen vor der Thüre. Während die Jungen sich mit dem Knecht an's Abladen machten, trat der Alte in das Haus. Herr und Frau Zickendrath empfingen ihn und luden ihn zu einer Tasse Kaffee ein, was er ohne Umstände annahm. Herr Zickendrath führte ihn ins Zimmer, indeß seine Frau sich in die Küche begab. Der alte Schmidt sah sich erst gründlich in der Stube um, ehe er den Hut abnahm und sich auf einen Stuhl neben das Sopha ſetzte.
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1899
,, Nu, weshalb denn nicht? Mein Großer- das heißt, Johannes ist der Zweite der Aelteste kriegt selbstredend den Hof. Dahin würde sie natürlich nicht passen." Die Vorstellung, Manni auf dem Hofe wirthschaften zu sehen, entlockte ihm wieder ein herzliches Lachen. ,, Nee, das wäre nichts. Aber mein Johannes, der wird doch einmal so irgend was in der Stadt, ein hübscher Junge ist es auch, schlägt nach dem Vater. Was? Immer noch ein tüchtiger Beamter, der Alte, immer adrett und munter!"
Ueber dem Scherz vergaß er ganz, was er hatte sagen wollen, und nachdem er sich wieder einmal ausgelacht, machte er sich über den Kaffee her.
Manni hatte unterdessen seine Bestellung in der Küche angebracht. Frau Zickendrath war empört. Das laute Reden und das dröhnende Lachen des vergnügten Bauersmannes, das bis in die Küche schallte, hatte ihr schon lange nicht gepaßt. Der Mann trat ihr viel zu familiär auf, so gleich von vornherein, ehe man sich näher kennen gelernt hatte. Und nun noch diese Bestellung!
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Ach gehn Sie mir mit so' nem Ding!" sagte er ver- Was denkt sich denn der Kerl eigentlich?" wetterte sie ächtlich, als Herr Zickendrath ihn auf das Kanapee selbst los.„ Er bezahlt doch blos für seine Jungen, und nicht auch nöthigen wollte. Haben zu Haus selber so ein Möbel. Nie für den Knecht. Was geht mich der Knecht an? Wenigstens sig ich drauf, nie. Das ist nichts für einen Bauersmann." hätte er hübsch höflich bitten sollen. So kann er lange warten. Dabei lachte er Herrn Zickendrath selbstbewußt an. Auf Fällt mir im Traume nicht ein, auch noch sein Personal zu den Bauersmann" that er sich was zu gute. füttern."
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,, Also, was ich sagen wollte," fing er dann an, nachdem Und während sie so schimpfte, schnitt sie eine große noch einige ähnliche Höflichkeiten gewechselt waren, was ich Scheibe ab für den Knecht natürlich. Etne Flasche Bier für meine Jungens besonders haben will, das will ich Ihnen schickte sie auch noch mit hinaus.
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turz auseinandersezen: Familienleben sollen sie haben! Darin Der arme Mann kann doch nicht für die Kafferigkeit liegt alles. Wir sind eine Familie, darüber giebts feinen seines Herrn büßen," sagte sie," gewissermaßen sich ent Streit; ſeit 1430 ist der Hof draußen unser Eigenthum. Seit schuldigend, zu Manni, die lächelnd neben ihr stand. Aber 1430. Aber wir haben kein Familienleben. Wenigstens jetzt darin blieb sie feft: als der alte Schmidt wieder abzog, ließ nicht mehr." sie sich nicht sehen. Sie wurde auch nicht weich, als er auf Er mäßigte seine Stimme soweit, daß sie fast dem Flur sich mehrfach nach der Familienmutter" erkundigte, einen vertraulichen Klang annahm, als er fortfuhr: von der er durchaus Abschied nehmen wollte. „ Ich habe nämlich die zweite Frau. Es ist Dich wollen wir schon ziehen," knurrte sie, während sie ein braves Weib. Sie schafft und macht, alles, was recht hinter der Küchenthüre stand und mit vorgeschobenem Fuß ist. Aber sie hat's ein bischen im Kopfe. Nicht so, daß sie darauf wartete, daß jemand zu öffnen versuchen sollte:„ Du fort müßte; aber sie hat ein bischen was. Und nun sollst uns noch kennen lernen." Hipfid teile meine Jungens sind alle von der ersten. Nicht wahr, Sie Als er weg war, gab sie die Thüre wieder frei in der können sich schon denken. Die Kerle sind nämlich schlau. Die Voraussicht, daß nun ihr Mann kommen würde, ihr seine merken so was. Und das Familienleben ist zum Deiwel.... Eindrücke mitzutheilen und die ihrigen entgegenzunehmen. Aber das sollen sie nun hier haben. Verstehen Sie mich?..." Herr Bickendrath war auch bereits auf dem Wege, als er von Herr Zidendrath schnitt ein wichtiges Gesicht. Wollen Johannes gestellt wurde. Der schleppte ihn mit sich hinauf, wir schon machen. Allerdings... wenn die Verhältnisse zu um seinen Rath bezüglich der Zimmereinrichtung einzuholen. Hause so traurig liegen, dann wird's nicht so ganz leicht und geschmeichelt von diesem Vertrauen stieg er eilig die sein. So was setzt sich fest. Aber wenn man die richtige Treppe hinauf. Methode..." Am Nachmittag langte Nummer drei an, ebenfalls in Hier unterbrach ihn der alte Schmidt.„ Ach was, Begleitung des entsprechenden Vaters. Größere Gegensäke Methode! Reden Sie nicht so gelehrt! Methode, was ist zwischen Gymnasiastenvätern ließen sich nicht gut denken. denn das? Dummheit! Familienleben, das will ich haben! Herr Schönfeld aus Damberg an der Saale war die HöflichNicht wahr, wir verstehen uns?" feit und Verbindlichkeit selbst. Er verlangte gar nichts, sondern war überzeugt, daß Herr und Frau Zickendrath alles aufs beste einrichten und besorgen würden. Das that sehr wohl nach den Erfahrungen des Vormittags. Nachdem er zehn Minuten gesessen hatte, zog er seine Brieftasche, zahlte in Reichsscheinen die Pension für das erste Vierteljahr, ließ sich eine Quittung darüber geben, regelte alsdann mit größter Kulanz die Angelegenheit des Taschengeldes, das seinem Sohne gegeben werden sollte, und empfahl sich, da er noch allerlei Geschäftswege in der Stadt abzumachen hätte. Am Sonntag endlich war alles in Ordnung. Fermos, Fräuleinchen! Das laß ich mir gefallen. Immer Um acht Uhr schliefen die Jungen noch, Herr Zickendrath adrett und munter!... Was, Alter? Das könnte so' ne aber stand unten in der Thür nach dem Hofe und wichste ihre Verwandtschaft werden, zwischen uns beiden! Ich glaube, wir Stiefel. Er hatte dabei keineswegs die Empfindung, daß er tämen schon mit einander aus Nu nee, Kindchen, laufen sich etwas vergäbe. Er arbeitete eben in seinem neuen GeSie doch nicht gleich weg Sie haben zu thun in der schäft. Und daß er überhaupt jetzt ein Geschäft hatte und Küche?... Ach, machen Sie doch keine Flaufen!... Sehen Sie daß es darum etwas für ihn zu arbeiten gab, das machte ihn wohl, Sie sind ja schon ganz roth geworden... Nee, im Ernste, Kindchen", schrie er dann, als Manni schon zur Hälfte wieder draußen war ,,, noch etwas! Der Mann draußen, der Knecht, der muß was zu frühstücken friegen. Eine ordentliche Bemme, nicht zu dünn, und ein bischen was drauf!... Ja?... Na, dann ist es gut."
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In diesem Augenblick trat Manni mit dem Kaffee herein. Der Bauersmann wurde sehr vergnügt. Na ja, ich sag' es ja! Ihre Tochter, was? Freut mich, Fräuleinchen. Da haben wir ja das Familienleben, Alter!"
Er schlug Herrn Zidendrath kräftig aufs Bein und lachte, daß die Stube erdröhnte. Manni schaute etwas verwundert drein, aber sie ließ sich nicht irre machen, sondern richtete den Tisch mit aller ihr zu Gebote stehenden Anmuth zu. Der Bauersmann betrachtete fie entzückt.
Dann wandte er sich wieder zu Herrn Zickendrath, der etwas verstimmt dabei saß.
geradezu glücklich. Er pfiff immerzu vor sich hin. Das würde nun jeden Morgen seine erste Beschäftigung sein, die Stiefel wichsen. Eine ganz ausgezeichnete Bewegung! Wenn er nur recht viel zu wichsen bekam! Das sollte ihm gerade passen. Seine ausschweifende Phantasie zauberte ihm eine schier unabsehbare Reihe von Fußbekleidungen vor, die an der Wand des Hausflurs aufgestellt sein würden, eine lange glänzende Front, die er nach gethaner Arbeit abschreiten würde,